Cannabis bei rheumatoider Arthritis und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen: Die Beschwerden bessern sich, die Entzündung nicht

Die bisher beste Studie zu Cannabis bei Colitis ulcerosa kam zu einem klaren Ergebnis: Die Patientinnen und Patienten fühlten sich deutlich besser. Sie hatten statt etwa 2,6 Stuhlgängen pro Tag nur noch einen, und ihre Lebensqualität stieg deutlich. Die Blut- und Stuhltests auf Entzündung veränderten sich aber nicht signifikant. Bei der Darmspiegelung sah die Darmschleimhaut nicht signifikant anders aus als in der Placebogruppe. Dieser Artikel erklärt diese Lücke bei rheumatoider Arthritis und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Er erklärt auch, warum Sie wegen dieser Lücke Ihre reguläre Medikation niemals absetzen sollten.


Bitte zuerst lesen. Nichts in diesem Artikel spricht dafür, eines dieser Arzneimittel zu verringern oder abzusetzen:

  • Immunsuppressiva (Arzneimittel, die das Immunsystem dämpfen)
  • Biologika (Antikörper-Arzneimittel, die als Spritze oder Infusion gegeben werden)
  • krankheitsmodifizierende Antirheumatika (Arzneimittel, die die Gelenkschäden bei rheumatoider Arthritis bremsen)
  • Mesalazin (ein entzündungshemmendes Standardmittel bei Colitis ulcerosa)

Bei Autoimmunerkrankungen ist es ein Unterschied, ob Sie sich besser fühlen oder ob es Ihnen tatsächlich besser geht. Eine Entzündung, die Sie nicht spüren, richtet trotzdem Schaden an. Die Gelenke werden zerstört, der Darm verengt sich, und am Ende steht womöglich eine Operation. Weniger Beschwerden bedeuten noch keine Remission, also noch nicht, dass die Krankheit selbst unter Kontrolle ist. Dies sind allgemeine Informationen und keine ärztliche Beratung. In Thailand ist die Cannabisblüte ein kontrolliertes Kraut und wird nur auf ein PT-33-Rezept abgegeben.

1. Warum Forschende erwarteten, dass Cannabis das Immunsystem beruhigt

Der Körper besitzt ein eigenes Signalnetz für Cannabinoide, das Endocannabinoid-System. Einer seiner Rezeptoren, CB2, sitzt vor allem auf Immunzellen. Forschende haben vorgeschlagen, über CB2 Entzündungen bei vielen Erkrankungen zu verringern.

Im Darm hat dieses System mehrere Aufgaben. Es beeinflusst, wie schnell sich der Darm bewegt, wie viel Flüssigkeit er abgibt und wie empfindlich er ist. Außerdem ist es dort an der Signalübertragung des Immunsystems beteiligt.

Bei Autoimmunerkrankungen greift das Immunsystem körpereigenes Gewebe an. Cannabinoide wirken auf die Signale des Immunsystems. Deshalb lag die Erwartung nahe, dass sie die Krankheit selbst bremsen und nicht nur die Beschwerden überdecken. Diese Idee wurde inzwischen in Studien am Menschen geprüft, die im Folgenden beschrieben sind.

Was Sie tun können: Wenn jemand die Rezeptorforschung als Beweis anführt, dass Cannabis eine Krankheit behandelt, fragen Sie nach: Welche Studie am Menschen hat die Entzündung gemessen?

2. Zwei Tests, die die tatsächliche Entzündung im Darm messen

Beschwerden sind das, was Sie spüren, etwa Schmerzen, Durchfall oder Müdigkeit. Die Entzündung ist das, was tatsächlich im Gewebe passiert. Beides kann auseinanderfallen. Deshalb prüfen Darmspezialisten (Gastroenterologen) die Entzündung mit Labortests und verlassen sich nicht allein auf die Beschwerden.

  • CRP (C-reaktives Protein) wird in einer Blutprobe gemessen. Die Leber bildet es als Reaktion auf eine Entzündung. Ein hoher Wert zeigt, dass irgendwo im Körper eine Entzündung besteht. Er zeigt aber weder, wo sie sitzt, noch, was sie auslöst.
  • Calprotectin im Stuhl wird in einer Stuhlprobe gemessen. Dieses Protein wird von weißen Blutkörperchen freigesetzt, die in entzündetes Darmgewebe einwandern. Ein hoher Wert weist deshalb auf eine Entzündung im Darm selbst hin. Die Ursache zeigt er nicht.

Eine dritte Untersuchung ist die Endoskopie. Dabei führt eine Ärztin oder ein Arzt eine kleine Kamera in den Darm ein und bewertet, wie entzündet die Schleimhaut aussieht. Bei Colitis ulcerosa ist dafür der Mayo-Endoskopie-Score gebräuchlich. Je niedriger der Wert, desto gesünder die Schleimhaut.

Was Sie tun können: Wenn Sie eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung haben, lassen Sie sich von Ihrer Fachärztin oder Ihrem Facharzt Ihre letzten Werte für CRP und Calprotectin sowie den letzten Endoskopiebefund geben und schreiben Sie sie auf. Diese Ausgangswerte brauchen Sie, um spätere Veränderungen beurteilen zu können.

3. Colitis ulcerosa: die Studie, die Beschwerden und Entzündung trennt

Unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) fasst man vor allem zwei Krankheiten zusammen: Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Bei Colitis ulcerosa entzündet sich die Schleimhaut des Dickdarms. 2021 veröffentlichte ein Forschungsteam unter der Leitung von Naftali in Israel in der Fachzeitschrift PLOS ONE die bisher aussagekräftigste kontrollierte Studie.

An der Studie nahmen 32 Patientinnen und Patienten mit leichter bis mittelschwerer Colitis ulcerosa teil. Sie waren im Durchschnitt 30 Jahre alt. Sie wurden per Zufall zugeteilt und erhielten acht Wochen lang entweder THC-reiche Cannabiszigaretten oder Placebozigaretten. Jede Zigarette enthielt 0,5 g Cannabis mit 80 mg THC.

In der Tabelle kommen zwei Fachbegriffe vor. Der Lichtiger-Index misst die Krankheitsaktivität bei Colitis ulcerosa und stützt sich vor allem auf die Beschwerden. Niedriger ist besser. Der p-Wert gibt an, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Ergebnis auf Zufall beruht. Liegt er unter 0,05, gilt ein Ergebnis üblicherweise als echt.

Was sich verbessert hat:

Messgröße Cannabisgruppe Placebogruppe
Lichtiger-Index der Krankheitsaktivität 10,9 → 5 (p < 0,001) 11 → 8 (p = 0,37)
Lebensqualitäts-Score 77 → 98 (p = 0,001) Keine signifikante Veränderung
Stuhlgänge pro Tag 2,6 → 1 (p < 0,001) 2,6 → 2 (p = 0,168)

Was sich nicht verbessert hat:

  • Der Mayo-Endoskopie-Score sank innerhalb der Cannabisgruppe von 2,13 auf 1,25 (p = 0,015). Der Unterschied zwischen Cannabis- und Placebogruppe war jedoch nicht signifikant (p = 0,374). Die Studie konnte also nicht zeigen, dass die Darmschleimhaut unter Cannabis besser heilte als unter Placebo.
  • Blutbild, CRP und Calprotectin im Stuhl veränderten sich in keiner der beiden Gruppen signifikant.

Die Nebenwirkungen waren gering: 35 % berichteten über Schwindel, 29 % über Verwirrtheit. Niemand brach die Studie deswegen ab.

Entscheidend ist das Fazit der Forschenden selbst. Cannabis führte zu einer klinischen Remission und einer besseren Lebensqualität. Diese Effekte gingen jedoch nicht mit einer signifikanten Verbesserung der objektiven Entzündungswerte einher.

In dieser Studie wurde das Cannabis geraucht. Übernehmen Sie diesen Weg nicht. Rauchen schädigt die Lunge. Dieser Schaden summiert sich, wenn Cannabis über lange Zeit begleitend zur Behandlung verwendet wird, und Rauchen ist kein empfohlener Anwendungsweg (siehe Anwendungswege).

Was Sie tun können: Wenn Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Cannabis sprechen, fragen Sie nach Anwendungswegen ohne Rauchen. Lesen Sie vor dem Termin den oben verlinkten Artikel zu den Anwendungswegen.

4. Morbus Crohn: dasselbe Muster

Morbus Crohn ist die zweite Hauptform der CED. Dieselbe Gruppe um Naftali veröffentlichte 2021 im Journal of Crohn’s and Colitis eine Studie zu Morbus Crohn. Darin wurden 56 Patientinnen und Patienten per Zufall zugeteilt und erhielten acht Wochen lang entweder ein Cannabisöl zum Einnehmen oder ein Placebo. Das Öl war CBD-reich und enthielt 160 mg/ml CBD und 40 mg/ml THC.

In der Cannabisgruppe verbesserte sich die Krankheitsaktivität signifikant. Gemessen wurde sie mit dem CDAI (Crohn’s Disease Activity Index), einem Score, der sich vor allem aus den Beschwerden ergibt. Auch die Lebensqualität verbesserte sich. Endoskopie-Score, CRP und Calprotectin veränderten sich nicht signifikant. Die Forschenden folgerten, dass Cannabis bei Morbus Crohn nur im Rahmen klinischer Studien eingesetzt werden sollte.

Schon zuvor hatte dieselbe Gruppe eine Pilotstudie mit 21 Patientinnen und Patienten durchgeführt, veröffentlicht 2013 in Clinical Gastroenterology and Hepatology. Die Teilnehmenden rauchten Cannabis. Das klinische Ansprechen war besser als unter Placebo, bei der Remission gab es aber keinen signifikanten Unterschied. Eine so kleine Studie hat nur wenig Aussagekraft.

Was Sie tun können: Wenn Sie Morbus Crohn haben, halten Sie Ihre geplanten Endoskopien sowie Blut- und Stuhltests ein – ganz gleich, was Sie gegen die Beschwerden ausprobieren.

5. Warum es nicht dasselbe ist, sich besser zu fühlen und tatsächlich gesünder zu sein

Bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn können Beschwerden und Entzündung in beide Richtungen auseinanderlaufen. Ein Patient kann sich wohlfühlen, obwohl sein Darm noch entzündet ist. Auch eine Entzündung, die man nicht spürt, führt zu den Folgen, auf die es ankommt. Dazu gehören Strikturen (verengte Darmabschnitte), Fisteln (krankhafte Gänge vom Darm zu benachbarten Organen oder zur Haut) und Operationen. Bei Colitis steigt außerdem langfristig das Krebsrisiko.

Deshalb zielt die moderne Behandlung von CED auf die Schleimhautheilung (mucosal healing): eine abgeheilte Darmschleimhaut, die per Endoskopie bestätigt ist. Nur die Beschwerden in den Griff zu bekommen, reicht als Ziel nicht.

Wer Pflanzen anbaut, kennt das Problem von der Wurzelfäule. Mit einer Blattdüngung sehen die Blätter eine Zeit lang grüner aus. Die Wurzeln faulen aber weiter, bis jemand sie tatsächlich kontrolliert.

Eine Behandlung, die die Beschwerden lindert, ohne die Entzündung zu verringern, kann daher keine Behandlung ersetzen, die die Entzündung verringert. Sie kann höchstens zusätzlich gegeben werden. Selbst dann birgt sie eine besondere Gefahr. Sie kann die Warnzeichen überdecken, bei denen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sonst die eigentliche Behandlung verstärken würde.

Was Sie tun können: Halten Sie jeden geplanten Test und jede Endoskopie ein, auch wenn Sie sich wohlfühlen. Gerade dann werden Warnzeichen am ehesten überdeckt.

6. Was Umfragen und kleinere Studien berichten – und ein Warnsignal

Die meisten Berichte über einen Nutzen für Patienten stammen aus Umfragen und kleinen retrospektiven Studien, die frühere Krankenakten auswerten:

  • Lal und Kollegen (European Journal of Gastroenterology & Hepatology, 2011) befragten CED-Patienten einer Klinikambulanz in Toronto (Kanada). Viele nutzten Cannabis, vor allem gegen Bauchschmerzen, Durchfall und Appetitlosigkeit.
  • Die Gruppe um Naftali (Israel Medical Association Journal, 2011) wertete die Daten von 30 Crohn-Patienten aus. Sie berichtete über niedrigere Werte der Krankheitsaktivität und einen geringeren Bedarf an anderen Arzneimitteln.
  • Die oben genannte Pilotstudie von 2013 berichtete, dass drei Patienten keine Langzeit-Steroide mehr brauchten.

Diesen Befund zu den Arzneimitteln sollten Sie mit großer Vorsicht betrachten. Die Verringerungen waren unkontrolliert, es gab also keine Vergleichsgruppe. Sie waren außerdem unverblindet: Patienten und Ärzte wussten, wer Cannabis nutzte. Und sie stammen aus einem Krankheitsbild, bei dem kontrollierte Studien keine Verbesserung der objektiven Werte fanden. Genau unter diesen Umständen kann sich jemand gut fühlen, während die Krankheit fortschreitet.

Ein anderes Team stieß zudem auf ein Warnsignal. Storr und Kollegen, eine Forschungsgruppe in Calgary (Kanada), befragten 313 CED-Patienten (Inflammatory Bowel Diseases, 2014). Cannabis linderte Schmerzen und Durchfall. Einige Crohn-Patienten hatten Cannabis jedoch länger als sechs Monate gegen ihre CED-Beschwerden genutzt. In dieser Gruppe waren Operationen häufiger, mit einer Odds Ratio (Chancenverhältnis) von etwa 5. Einfach gesagt: Die Chance, dass sie bereits operiert worden waren, war etwa fünfmal so hoch.

Das ist ein Zusammenhang, kein Beweis für eine Ursache. Möglicherweise nutzen Patienten mit schwererer Erkrankung einfach mehr Cannabis. Das Muster passt aber genau zu dem, was man erwarten würde, wenn die Linderung der Beschwerden eine Krankheit überdeckt, die sich weiter verschlimmert. Das ist der wichtigste Grund, die Werte weiter zu überwachen.

Was Sie tun können: Wenn Sie Cannabis länger als sechs Monate gegen Crohn-Beschwerden genutzt haben, sagen Sie es Ihrer Fachärztin oder Ihrem Facharzt. Fragen Sie, ob eine Kontrolle Ihrer Entzündungswerte oder eine Endoskopie ansteht.

7. Rheumatoide Arthritis: eine kleine Studie aus dem Jahr 2006

Bei rheumatoider Arthritis greift das Immunsystem die Innenhaut der Gelenke an. Die maßgebliche Studie stammt von Blake und Kollegen, einem Team aus dem Vereinigten Königreich, veröffentlicht 2006 in Rheumatology. Stand 2026 war sie die einzige auffindbare veröffentlichte randomisierte kontrollierte Studie zu einem Cannabis-basierten Arzneimittel speziell bei rheumatoider Arthritis. Fast jede Behauptung in diesem Bereich stützt sich auf sie.

Aufbau. An der Studie nahmen 58 Patientinnen und Patienten teil, 31 mit dem Wirkstoff und 27 mit Placebo, über fünf Wochen. Das Arzneimittel war Nabiximols, ein Spray, das abends in den Mund gesprüht wird. In der letzten Woche verwendeten die Teilnehmenden durchschnittlich 5,4 Sprühstöße pro Tag.

Ergebnisse. Folgende Werte verbesserten sich signifikant:

  • Schmerzen bei Bewegung
  • Schmerzen in Ruhe
  • Schlafqualität
  • der DAS28-Score für die Krankheitsaktivität
  • der Schmerzteil des Short-Form McGill Pain Questionnaire, eines gängigen Schmerzfragebogens

Die Morgensteifigkeit verbesserte sich nicht signifikant, sie war allerdings schon zu Beginn gering.

Sicherheit. Die meisten Nebenwirkungen waren leicht oder mittelschwer. In der Wirkstoffgruppe brach niemand wegen Nebenwirkungen ab, und es traten keine schweren Nebenwirkungen auf.

Die Forschenden hielten den Nutzen für klinisch relevant und forderten genauere Forschung. Zwei Einschränkungen sind hier wichtig. Erstens ist eine Studie mit 58 Patienten über fünf Wochen eine vorläufige Studie, und die Forschenden verwendeten genau dieses Wort im Titel. Zweitens sind solche genaueren, größeren Studien in den zwanzig Jahren seither größtenteils ausgeblieben. Kleine vielversprechende Studien ohne Folgestudie sind in diesem Bereich häufig. Meist liegt das nicht daran, dass eine Folgestudie unnötig gewesen wäre.

Der DAS28 kombiniert die Zahl der druckschmerzhaften und geschwollenen Gelenke (von 28 untersuchten Gelenken) mit einem Bluttest auf Entzündung (BSG oder CRP) und der eigenen Einschätzung des Patienten zu seinem allgemeinen Gesundheitszustand. Er ist also nicht rein subjektiv. Bildgebung wie Röntgen, mit der sich Gelenkschäden messen lassen, fließt aber nicht ein.

Das Studienpräparat war Nabiximols (Sativex). Leserinnen und Leser in Thailand sollten nicht davon ausgehen, dass sie es bekommen können. Ergebnisse mit einem standardisierten pharmazeutischen Spray lassen sich zudem nicht auf andere Cannabisprodukte übertragen.

Anmerkung der Übersetzung: Selbst angebaute Blüten sind ebenfalls kein standardisiertes Produkt. Der Gehalt an THC und CBD schwankt von Pflanze zu Pflanze und von Charge zu Charge. Die Studiendosen sagen deshalb nichts darüber aus, was eine Blüte oder ein Öl aus dem eigenen Garten liefert.

Was Sie tun können: Wenn Sie rheumatoide Arthritis haben, lassen Sie Ihren DAS28-Score von Ihrer Rheumatologin oder Ihrem Rheumatologen erfassen, bevor Sie etwas zusätzlich einnehmen. Fragen Sie auch nach geplanter Bildgebung der Gelenke, damit sich spätere Veränderungen vergleichen lassen.

8. Arthrose ist eine andere Krankheit

Die meisten Menschen, die nach „Cannabis bei Arthritis“ suchen, meinen Arthrose oder allgemeine Gelenkschmerzen. Dabei handelt es sich um Verschleiß und Abbau des Gelenks, nicht um einen Angriff des Immunsystems auf die Gelenke. Die obigen Ergebnisse zur rheumatoiden Arthritis gelten dafür nicht.

Die beste auffindbare placebokontrollierte CBD-Studie stammt von Vela und Kollegen (Pain, 2022). Menschen mit Handarthrose oder Psoriasis-Arthritis nahmen 12 Wochen lang täglich 20–30 mg synthetisches CBD ein. Die Schmerzen besserten sich im Vergleich zu Placebo nicht signifikant.

Was Sie tun können: Prüfen Sie, welche Art von Arthritis bei Ihnen diagnostiziert wurde, bevor Sie Studien lesen. Für jede Art ist die Studienlage anders.

9. Ergebnisse aus dem Labor – und der Wirkstoff, der am Menschen scheiterte

Zwei Forschungsrichtungen aus dem Labor werden häufig zitiert:

  • Malfait und Kollegen (PNAS, 2000) untersuchten Mäuse mit kollageninduzierter Arthritis, einem Labormodell der rheumatoiden Arthritis. Die Mäuse erhielten CBD, nachdem die Symptome begonnen hatten, per Spritze oder über den Mund. CBD stoppte das Fortschreiten der Arthritis und verringerte die Gelenkschäden. Die Wirkung folgte einer glockenförmigen Dosiskurve: Mittlere Dosen wirkten besser als niedrige oder hohe.
  • Baut der Körper THC ab, entsteht als Hauptprodukt THC-11-oic acid (THC-11-Carbonsäure). Sie zeigte eine entzündungshemmende Wirkung ohne psychoaktiven Effekt. Ein synthetischer Abkömmling namens Ajulemsäure (ajulemic acid) verringerte die Gelenkschäden bei Ratten mit Adjuvansarthritis, einem weiteren Labormodell für Arthritis (Zurier und Kollegen, Arthritis & Rheumatism, 1998).

Ergebnisse aus Tierversuchen sind schwächere Belege als Ergebnisse bei Patienten, und der nächste Schritt zeigt, warum. Ajulemsäure wurde unter dem Namen Lenabasum als Arzneimittel entwickelt. Danach verfehlte sie in Phase-3-Studien ihre Hauptziele – das sind die großen abschließenden Studien vor einer Zulassung. Getestet wurde sie bei systemischer Sklerose (2020) und Dermatomyositis (2021), zwei weiteren Autoimmunerkrankungen.

Manche empfehlen auch, Cannabis auf die Haut über den Gelenken aufzutragen. Der Artikel über Cannabis auf der Haut erklärt, was man von topischen (äußerlich angewendeten) Cannabinoiden erwarten kann und was nicht.

Was Sie tun können: Wenn eine Website eine Studie an Mäusen oder Ratten als Beweis anführt, suchen Sie nach dem Ergebnis der Phase-3-Studie am Menschen, bevor Sie der Behauptung glauben.

10. Was die Studienlage insgesamt ergibt

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Zwei kleine kontrollierte Studien fanden, dass sich Beschwerden und Lebensqualität über acht Wochen verbesserten, eine bei Colitis ulcerosa und eine bei Morbus Crohn. Es gibt keinen Beleg für eine entzündungshemmende Wirkung auf objektive Werte. Beobachtungsdaten bringen eine längere Nutzung bei Morbus Crohn mit mehr Operationen in Zusammenhang. Das passt zu dem belegten Risiko, eine aktive Erkrankung zu überdecken.

Rheumatoide Arthritis: eine kleine, positive Studie über fünf Wochen aus dem Jahr 2006, fast ohne Folgestudien. Arthrose: Die auffindbaren placebokontrollierten Daten zu CBD sind negativ.

Für alle drei gilt: Cannabis kann höchstens eine Ergänzung sein. Besprechen Sie es mit der Fachärztin oder dem Facharzt, die oder der Ihre Erkrankung behandelt. Beurteilen Sie es anhand der Beschwerden, und nutzen Sie es zusätzlich zu der Behandlung, die die Krankheit kontrolliert – niemals anstelle davon.

Eine Gastroenterologin oder ein Rheumatologe würde diese vernünftige Haltung wiedererkennen. Möchte ein Patient Cannabis gegen seine Beschwerden ausprobieren, lautet die Antwort nicht einfach Nein. Sie lautet: „Ja, zusätzlich zu Ihrer Behandlung, und wir überwachen weiter die Werte.“ Von da an sind die Werte das Einzige, was Patient und Ärztin zeigt, ob die Krankheit noch unter Kontrolle ist.

Was Sie tun können: Wenn Sie sich entscheiden, Cannabis gegen Ihre Beschwerden auszuprobieren, vereinbaren Sie vorher mit Ihrer Fachärztin oder Ihrem Facharzt einen Überwachungsplan. Darin sollte stehen, welche Tests Sie wann bekommen.

11. Die Lage in Thailand (Oktober 2026)

Anmerkung der Übersetzung: Die Cannabisblüte ist nach der Bekanntmachung des Ministeriums für öffentliche Gesundheit über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568 ein kontrolliertes Kraut. Die Bekanntmachung wurde auf Grundlage des Gesetzes zum Schutz der traditionellen Thai-Medizin (Thai Traditional Medicine Protection Act) B.E. 2542 erlassen und trat am 26. Juni 2025 in Kraft. Blüten dürfen nur auf ein PT-33-Rezept verkauft werden, das höchstens 30 Tage abdeckt. Werbung für Blüten und ihr Verkauf im Internet sind verboten.

Anmerkung der Übersetzung: 2026 folgten zwei Ministerialverordnungen von B.E. 2569 (Zusammenfassung). Die Verordnung über Cannabis- und Hanfextrakte trat am 26. April 2026 in Kraft. Die Ministerialverordnung über kontrollierte Kräuter (Nr. 2) trat am 30. April 2026 in Kraft und verschärfte die Lizenzvoraussetzungen für Cannabisblüten. Der Entwurf des Cannabis-Kontrollgesetzes (Cannabis Control Act) ist noch kein geltendes Recht. Das Kabinett billigte den Entwurf am 22. September 2026 und leitete ihn an das Repräsentantenhaus weiter. Den Hintergrund bis 2024 finden Sie unter Thailands Cannabis-Regeln 2022 bis 2026.

Anmerkung der Übersetzung: Biologika und Immunsuppressiva bringen ein eigenes Infektionsrisiko mit sich. Auch deshalb muss Ihre Fachärztin oder Ihr Facharzt von allem wissen, was Sie zusätzlich nehmen. Wenn Sie ein PT-33-Rezept bekommen, sagen Sie der verschreibenden Person, welches Immunsuppressivum oder Biologikum Sie nehmen. Informieren Sie danach Ihre Fachärztin oder Ihren Facharzt über das Rezept. Eine schriftliche Liste hilft dabei, siehe Wechselwirkungen von Cannabis mit Arzneimitteln. Fragen Sie außerdem im Krankenhaus, das Ihre CED behandelt, wie oft dort CRP-Tests wiederholt werden und ob ein Calprotectin-Test angeboten wird.

Was Sie tun können: Beziehen Sie Cannabisblüten nur über ein PT-33-Rezept, und sorgen Sie dafür, dass beide Behandelnden wissen, was der oder die jeweils andere verordnet hat.

12. Schritt für Schritt, wenn Sie eine dieser Erkrankungen haben

  1. Ändern Sie Ihre reguläre Medikation nicht eigenmächtig. Diese Arzneimittel halten die Entzündung unter Kontrolle. Für Cannabis ist das nicht belegt.
  2. Halten Sie Ihre Ausgangswerte fest, bevor Sie etwas zusätzlich nehmen. Bei CED sind das CRP, Calprotectin im Stuhl und der letzte Endoskopiebefund. Bei rheumatoider Arthritis sind es der DAS28 und vorhandene Bildgebung der Gelenke. Ohne Ausgangswerte kann niemand sagen, ob sich die Krankheit verändert hat.
  3. Führen Sie mindestens acht Wochen lang ein Beschwerdetagebuch, so lange wie die Darmstudien dauerten. Notieren Sie die täglichen Stuhlgänge oder Schmerzen, den Schlaf und Nebenwirkungen wie Schwindel oder Verwirrtheit. So sehen Sie, wie sich die Beschwerden verändert haben, unabhängig von den Tests.
  4. Lassen Sie die Werte beim nächsten Termin erneut bestimmen und vergleichen Sie sie mit Ihren Ausgangswerten. Nur so erfahren Sie, ob die Krankheit noch unter Kontrolle ist.
  5. Verzichten Sie auf Rauchen als Anwendungsweg. Bei langfristiger Nutzung begleitend zur Behandlung summiert sich der Schaden für die Lunge.
  6. Wenn Sie sich besser fühlen, Ihre Werte aber schlechter sind, informieren Sie sofort Ihre Fachärztin oder Ihren Facharzt. Das ist genau das Muster des Überdeckens, das in Abschnitt 5 beschrieben ist.

Diskussion: Wenn Sie eine CED oder rheumatoide Arthritis haben und ein Cannabinoid begleitend zu Ihrer Behandlung genutzt haben, berichten Sie bitte unten. Welche Tests hat Ihre Fachärztin oder Ihr Facharzt weiter kontrolliert, wie oft, und was haben sie gezeigt? Auch Fragen zu diesem Artikel sind in diesem Thema willkommen.

Dieser Artikel gehört zur Bildungsreihe der Asiannabis Community über medizinisches Cannabis. Er enthält allgemeine Informationen und ist keine ärztliche Beratung. Verringern oder beenden Sie ein Immunsuppressivum, ein Biologikum oder ein krankheitsmodifizierendes Arzneimittel nur unter Anleitung Ihrer Fachärztin oder Ihres Facharztes.

Literatur

  • Naftali und Kollegen. Randomisierte placebokontrollierte Studie mit THC-reichen Cannabiszigaretten bei Colitis ulcerosa. PLOS ONE, 2021.
  • Naftali und Kollegen. Randomisierte placebokontrollierte Studie mit CBD-reichem Cannabisöl bei Morbus Crohn. Journal of Crohn’s and Colitis, 2021.
  • Naftali und Kollegen. Pilotstudie mit gerauchtem Cannabis bei Morbus Crohn. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2013.
  • Naftali und Kollegen. Retrospektive Studie zu Cannabis bei 30 Patienten mit Morbus Crohn. Israel Medical Association Journal, 2011.
  • Lal und Kollegen. Umfrage zur Cannabisnutzung bei CED-Patienten in Toronto. European Journal of Gastroenterology & Hepatology, 2011.
  • Storr und Kollegen. Umfrage unter 313 CED-Patienten in Calgary. Inflammatory Bowel Diseases, 2014.
  • Blake und Kollegen. Vorläufige Studie zu Nabiximols bei rheumatoider Arthritis. Rheumatology, 2006.
  • Vela und Kollegen. Synthetisches CBD bei Handarthrose und Psoriasis-Arthritis. Pain, 2022.
  • Malfait und Kollegen. CBD bei kollageninduzierter Arthritis an Mäusen. PNAS, 2000.
  • Zurier und Kollegen. Ajulemsäure bei Adjuvansarthritis an Ratten. Arthritis & Rheumatism, 1998.
  • Phase-3-Studien zu Lenabasum (Ajulemsäure) bei systemischer Sklerose (2020) und Dermatomyositis (2021), wie im Originalartikel zitiert.