In den 1950er-Jahren berichteten Forscher in der Tschechoslowakei, dass Cannabisextrakte Bakterien abtöten. Im Jahr 2008 bestätigten italienische und britische Chemiker dies in Laborversuchen. Die Wirkstoffe der Pflanze, die Cannabinoide, töteten MRSA sehr wirksam ab. MRSA ist ein Staphylokokken-Bakterium, gegen das viele gängige Antibiotika nichts ausrichten. Seit 2008 ist der Ansatz an Mäusen und in frühen Studien am Menschen geprüft worden. Achtzehn Jahre danach ist jedoch weltweit kein einziges Cannabinoid-Antibiotikum zugelassen. Dieser Artikel erklärt jeden Forschungsschritt. Er nennt auch die konkreten Gründe, warum daraus bisher kein Medikament geworden ist.
Bitte zuerst lesen. Alles Folgende ist Laborforschung oder stammt aus frühen klinischen Studien. Nichts davon ist eine Behandlung für irgendeine Infektion. Kein Cannabinoid ist irgendwo auf der Welt als antibakterielles Mittel zugelassen. Eine bakterielle Infektion braucht eine ärztliche Diagnose und das passende Antibiotikum. In Thailand ist die Cannabisblüte ein kontrolliertes Kraut. Sie darf nur auf ein PT-33-Rezept hin abgegeben werden.
Zwei Begriffe, die Sie vorab kennen sollten
MRSA und antibiotikaresistente Bakterien
Staphylococcus aureus („Staph“) ist ein weit verbreitetes Bakterium. Manche gesunden Menschen tragen es in der Nase, ohne krank zu sein. Es kann aber auch Haut, Wunden und tiefer liegendes Gewebe infizieren.
MRSA steht für methicillinresistenten Staphylococcus aureus. Diese Stämme sind gegen eine ganze Klasse von Antibiotika resistent, nämlich die Klasse, zu der Methicillin gehört. Methicillin ist ein Antibiotikum vom Penicillin-Typ (Beta-Laktam). MRSA ist gegen nahezu alle Antibiotika dieser Klasse resistent. Deshalb sind resistente Bakterien schwer zu behandeln. Das erste Antibiotikum, das ein Arzt wählt, versagt womöglich, und es bleiben weniger Medikamente übrig, die noch wirken. MRSA kann schwere und gelegentlich lebensbedrohliche Infektionen auslösen. Weltweit ist es nach wie vor eine der Hauptursachen für arzneimittelresistente Infektionen.
Darum erregten die Ergebnisse zu Cannabis Aufmerksamkeit. Ein Wirkstoff, der MRSA auf andere Weise abtötet als die bisherigen Antibiotika, würde von der Resistenz von MRSA nicht ausgebremst.
Grampositive und gramnegative Bakterien
Mikrobiologen teilen die meisten Bakterien mithilfe eines Farbtests, der Gramfärbung, in zwei Gruppen ein. Grampositive Bakterien haben eine dicke Zellwand und keine äußere Membran. Gramnegative Bakterien haben eine dünnere Wand und zusätzlich eine äußere Membran. Diese Membran hält viele Stoffe draußen. Deshalb versagen viele Wirkstoffe, die grampositive Bakterien abtöten, bei gramnegativen.
Hier sehen Sie die Bakterien aus diesem Artikel nach Gruppen geordnet:
| Gruppe | In diesem Artikel genannte Bakterien |
|---|---|
| Grampositiv | Staphylococcus aureus (einschließlich MRSA), Streptococcus pneumoniae, Clostridioides difficile |
| Gramnegativ | Escherichia coli (E. coli), Pseudomonas, Neisseria gonorrhoeae, N. meningitidis, Moraxella catarrhalis, Legionella pneumophila |
Die Ergebnisse zu Cannabinoiden folgen diesem Muster, wie Abschnitt 3 zeigt. Wenn ein Beitrag oder ein Etikett behauptet, etwas „töte Bakterien ab“, fragen Sie also nach: Welche Bakterien, und in welcher Art von Test?
1. Die ersten Forschungen: Olmütz (Olomouc), Tschechoslowakei, 1950er-Jahre
Die Forschung begann in Olmütz (Olomouc), einer Universitätsstadt in der heutigen Tschechischen Republik. Dort untersuchten drei Forscher, Jan Kabelík, Zdeněk Krejčí und František Šantavý, mehr als 3.000 Pflanzenarten auf Stoffe, die Bakterien abtöten. Cannabis war eine der Pflanzen, die dabei auffielen.
Ihre ersten Ergebnisse veröffentlichten sie 1952 in der tschechischen medizinischen Fachzeitschrift Lékařské listy. Weitere Ergebnisse erschienen 1955 in einem Tagungsband der Universität Olmütz und in der deutschen Fachzeitschrift Die Pharmazie (1957–1959). 1960 fassten sie ihre Arbeit auf Englisch im Bulletin on Narcotics zusammen, einer Fachzeitschrift der Vereinten Nationen. Diese Veröffentlichung beschreibt, wie sie die antibakteriellen Stoffe isolierten. Er schildert auch ihre bakteriologischen Versuche und ihre Beobachtungen bei der Behandlung von Patienten.
Spätere Arbeiten befassten sich auch mit Viren. 1980 veröffentlichten Blevins und Dumic einen Artikel im Journal of General Virology. Sie berichteten, dass THC (Tetrahydrocannabinol, das wichtigste berauschende Cannabinoid) die Vermehrung von Herpes-simplex-Viren Typ 1 und 2 in Zellkultur stoppte. Zellkultur bedeutet: menschliche oder tierische Zellen, die im Labor in einer Schale wachsen. Spätere Studien zu THC und Herpesviren kamen nicht alle zum selben Ergebnis.
Was Sie daraus mitnehmen: Wenn sich jemand auf „alte Studien“ beruft, prüfen Sie das Jahr und die Art des Tests: Laborschale, Tierversuch oder Mensch. Die Arbeiten aus den 1950er-Jahren waren vor allem Laborversuche und Behandlungsberichte. Die modernen Studien behandelt Abschnitt 3.
2. Die Bestätigung von 2008
2008 veröffentlichte ein Team aus italienischen und britischen Forschern eine Studie im Journal of Natural Products. Appendino und Gibbons waren Erst- und Zweitautor (vollständige Quellenangabe am Ende). Sie testeten im Labor fünf wichtige Cannabinoide gegen mehrere MRSA-Stämme.
Alle fünf zeigten eine starke Wirkung gegen MRSA, obwohl diese Stämme gegen herkömmliche Antibiotika resistent sind. Laut den Autoren war die Wirkung so stark, dass sie auf einen bestimmten Wirkmechanismus hindeutete. Welcher das ist, fanden sie nicht heraus. Spätere Arbeiten (Abschnitt 3) legen nahe, dass die Cannabinoide vor allem an der Zellmembran der Bakterien angreifen, also an der äußeren Hülle der Zelle.
Das erklärt das Interesse. MRSA ist gerade dadurch definiert, dass es gegen eine ganze Wirkstoffklasse resistent ist. Ein Stoff, der es auf eine Weise abtötet, gegen die diese Resistenz nicht schützt, wäre mehr als nur ein weiteres Antibiotikum. Er könnte eine neue Art von Behandlung sein.
Die Idee einer Cannabis-Creme stammt aus der Berichterstattung in den Medien, nicht aus dem Fachartikel selbst. Im September 2008 zitierten Nachrichtenberichte die Forscher mit der Aussage, man könne Cremes auf Cannabisbasis gegen Hautinfektionen entwickeln, die nicht abheilen. Appendino sagte der MIT Technology Review, die praktischste Anwendung sei, Cannabinoide auf die Haut aufzutragen, auf Geschwüre und Wunden.
Was Sie daraus mitnehmen: Wenn Sie lesen „Cannabis-Creme tötet MRSA“, denken Sie an den Ursprung. Es war ein Medienbericht über eine Laborstudie, kein getestetes Produkt.
3. 2008 bis 2026: von der Laborschale zu Mäusen und frühen Studien am Menschen
Es gibt noch immer kein zugelassenes antibakterielles Cannabinoid-Mittel. Ignoriert wurde der Ansatz aber nicht. Seit 2008 ist er an Tieren und in frühen Studien am Menschen geprüft worden. „Früh“ heißt hier: kleine Studien, die die Sicherheit prüfen und klären sollen, ob es überhaupt eine Wirkung gibt.
- McMaster University (Kanada), 2020. Farha und Kollegen veröffentlichten in ACS Infectious Diseases. Sie testeten 18 Cannabinoide gegen MRSA. Am besten wirkte Cannabigerol (CBG), ein nicht berauschendes Cannabinoid. Es wirkte auch gegen Biofilme und gegen sogenannte Persisterzellen. Ein Biofilm ist eine schleimige Schicht, die Bakterien zu ihrem Schutz bilden. Persisterzellen sind ruhende Bakterien, die Antibiotika überleben. CBG scheint an der Bakterienmembran anzugreifen. Es beseitigte die Infektion bei mit MRSA infizierten Mäusen. Die Autoren wiesen auf ein Problem hin: CBG ist auch für die körpereigenen Zellen giftig. Der Dosisbereich, der nützt, ohne zu schaden, könnte daher schmal sein.
- University of Queensland (Australien), 2021. Blaskovich und Kollegen veröffentlichten in Communications Biology. Sie verwendeten synthetisches CBD (Cannabidiol, das wichtigste nicht berauschende Cannabinoid, hier im Labor hergestellt statt aus Pflanzen gewonnen). Es wirkte gegen mehr als 20 Arten grampositiver Bakterien, darunter MRSA, Streptococcus pneumoniae und Clostridioides difficile. Außerdem tötete es eine kleine Gruppe gramnegativer Bakterien ab. Das waren Neisseria gonorrhoeae (der Erreger der Gonorrhö, des Trippers), N. meningitidis, Moraxella catarrhalis und Legionella pneumophila. Die meisten gramnegativen Bakterien wie E. coli oder Pseudomonas tötete es nicht ab.
- Bei Mäusen mit Hautinfektionen senkte eine auf die Haut aufgetragene Zubereitung mit 5 % CBD die Bakterienzahl stärker als eine wirkstofffreie Grundlage. Sie war aber weniger wirksam als die übliche Salbe mit 2 % Mupirocin, eine häufig bei Hautinfektionen verwendete Antibiotikasalbe.
- Über den Mund oder per Injektion gegeben, wirkte CBD nicht gegen eine tiefe MRSA-Infektion. Die Autoren nannten diese fehlende Wirkung im ganzen Körper die größte Schwäche von CBD.
- BTX 1801, Botanix (synthetisches CBD, in der Nase angewendet). Botanix Pharmaceuticals ist ein kleines australisches Pharmaunternehmen. Im Februar 2021 meldete es eine Phase-2a-Studie. Phase 2a ist eine frühe, kleine Studie am Menschen. Die Studie war randomisiert, doppelblind und vehikelkontrolliert. Einfach gesagt: Die Freiwilligen wurden per Zufall den Gruppen zugeteilt, und weder sie noch die Forscher wussten, wer das Produkt erhielt. Die Vergleichsgruppe bekam dieselbe Grundlage ohne CBD.
- Die Freiwilligen waren gesunde Menschen, die S. aureus in der Nase trugen.
- Laut Unternehmen waren Salbe und Gel sicher und gut verträglich. Es meldete, dass die Bakterien bei bis zu etwa drei Vierteln der Teilnehmer bis Tag 7 beseitigt waren. Bis Tag 28 war die Wirkung größtenteils abgeklungen.
- Diese Ergebnisse hat das Unternehmen selbst veröffentlicht.
- Die US-Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) verlieh dem Programm den Status „Qualified Infectious Disease Product“. Das ist eine US-Einstufung für Medikamente, die gegen schwere Infektionen entwickelt werden. Sie bringt zusätzlich fünf Jahre Marktexklusivität in den USA, und das Medikament kann schneller von der FDA geprüft werden.
- Geplant war eine Phase-2b-Studie mit Hämodialyse-Patienten. Das sind Patienten, deren Blut wegen Nierenversagens von einer Maschine gereinigt wird. Veröffentlichte Ergebnisse dieser Studie ließen sich nicht finden.
- BTX 1503, Botanix (synthetisches CBD zum Auftragen auf die Haut, gegen Akne). Eine Phase-2-Studie mit 368 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Akne meldete im Oktober 2019 ihre Ergebnisse. Ihre Registriernummer im US-Studienregister ClinicalTrials.gov ist NCT03573518. Sie verfehlte ihren primären Endpunkt. Der primäre Endpunkt ist das Hauptergebnis, das eine Studie messen soll, hier weniger entzündete Pickel nach 12 Wochen. Bei Akne spielen Bakterien, Entzündung und Talgproduktion zusammen. Diese Studie war also kein reiner Test der antibakteriellen Wirkung.
Zusammengefasst ist der aktuelle Stand so: Die Anwendung von Cannabinoiden auf der Haut oder in der Nase wurde in frühen Studien getestet. Die Ergebnisse waren gemischt, und es gibt noch immer kein zugelassenes Produkt. Diese Lücke hat konkrete Ursachen und ist keine Vertuschung. Sie sind unten aufgeführt.
Warum es noch kein Produkt gibt: fünf konkrete Gründe
1. Realistisch wirkt es nur an der Körperoberfläche. Im Körperinneren lassen sich nur schwer Konzentrationen erreichen, die Bakterien abtöten. Außerdem bindet CBD stark an Eiweiße im Blut. Die Gruppe um Blaskovich nannte dies als wahrscheinlichen Grund, warum CBD über den Mund oder per Injektion versagte. Dieselbe Kluft zwischen „wirkt in der Schale“ und „wirkt im Blutkreislauf“ zeigt sich auch im Thema zu Krebs. Für ein Antibiotikum, das über den Blutkreislauf wirken muss, ist das ein ernstes Hindernis. Auf der Haut oder in der Nase wird die Dosis direkt dort aufgetragen, wo die Bakterien sitzen. Genau dort setzen die bisherigen Studien an.
2. Eine brauchbare Zubereitung herzustellen ist schwierig. Cannabinoide lösen sich leicht in Fetten und Ölen, aber kaum in Wasser. Ein Medikament braucht eine stabile, wirksame Konzentration, die die richtige Hauttiefe erreicht. Außerdem muss es während der Lagerung wirksam bleiben. Das ist ein echtes pharmazeutisches Problem.
3. Sichere Dosis gegenüber schädlicher Dosis. Die Arbeiten zu CBG zeigten: Was Bakterienmembranen schädigt, kann auch menschliche Zellen schädigen. Der Dosisbereich, der zugleich wirksam und sicher ist, könnte schmal sein.
4. Resistenzen kommen früher oder später. Frühe Studien stellten fest, dass Bakterien nicht leicht gegen Cannabinoide resistent wurden. Bakterien passen sich aber irgendwann an jedes Medikament an. Ein neuer Wirkmechanismus verzögert Resistenzen, verhindert sie aber nicht.
5. Mit Antibiotika lässt sich wenig Geld verdienen. Das ist das größte Hindernis und wird am wenigsten besprochen. Neue Antibiotika werden sparsam und nur kurz eingesetzt und oft als Reserve zurückgehalten, falls andere Mittel versagen. Sie bringen weit weniger ein als ein Medikament, das man lebenslang täglich nimmt. Deshalb haben sich viele große Pharmakonzerne aus der Antibiotika-Entwicklung zurückgezogen. Die oben genannten Cannabinoid-Projekte liefen an Universitäten und bei einem kleinen Unternehmen. So werden heute die meisten neuen antibakteriellen Mittel entwickelt: langsam und oft, ohne je eine Zulassung zu erreichen.
Was Sie daraus mitnehmen: Wenn ein Beitrag behauptet, Cannabis „heile Infektionen, werde aber unterdrückt“, prüfen Sie die Aussage anhand dieser fünf Gründe. Sie erklären die Lücke ganz ohne Verschwörung.
4. Was es bräuchte, um ein echtes Medikament zu werden
Die meisten Bausteine sind schon da: eine Anwendung auf der Haut oder in der Nase, klar definierte synthetische Zubereitungen und erste Daten am Menschen. Es fehlt der teure Teil. Das sind größere kontrollierte Studien, die einen klinischen Nutzen bei Patienten belegen, und danach die Zulassung durch eine Arzneimittelbehörde.
Die wahrscheinlichsten Einsatzgebiete sind weiterhin die bereits gewählten:
- Hautinfektionen, die nicht abheilen.
- Beseitigung von S. aureus aus der Nase bei Risikopatienten.
In beiden Fällen wird das Medikament auf die Oberfläche aufgetragen, sodass das Problem mit den Blutspiegeln wegfällt. Außerdem ist MRSA in beiden Bereichen ein echtes Problem.
Gelingt das, wird das Ergebnis ein zugelassenes Arzneimittel mit einem einzigen, definierten Cannabinoid in fester Konzentration sein. Ärzte werden es für eine bestimmte Erkrankung verschreiben. Es wird kein Cannabis sein, und niemand wird es zu Hause herstellen können. Das Thema zu Epilepsie zeigt, wie dieser Weg aussieht, wenn ein Cannabinoid-Medikament ihn tatsächlich bis zum Ende geht.
Was Sie daraus mitnehmen: Jedes heute verkaufte Cannabisprodukt, das mit einer antibakteriellen Wirkung wirbt, ist nicht dieses Medikament. Ein solches Produkt ist bisher nicht zugelassen.
5. Praktische Warnung: Hautinfektionen und selbst hergestellte Zubereitungen
Dieser Abschnitt ist wichtiger als die Wissenschaft.
Gehen Sie mit einer Hautinfektion, die nicht besser wird, zum Arzt. Phlegmone (eine Infektion, die sich unter der Haut ausbreitet), Abszesse (Eiteransammlungen) und infizierte Wunden verschlimmern sich ohne Behandlung. Vor allem MRSA kann schwere, gelegentlich lebensbedrohliche Infektionen auslösen. Antibiotika wirken am besten, wenn man früh damit beginnt.
Tragen Sie keine unregulierte Cannabis-Zubereitung auf verletzte Haut auf. Bei unreguliertem Cannabis ist ein Risiko der Verunreinigung mit Schimmelpilzen und Bakterien belegt. Wer es in eine offene Wunde bringt, fügt Keime hinzu, statt sie zu entfernen. Fragen zu selbst gemachten Balsamen stellen Sie am besten im Thema zu topischem (äußerlich angewendetem) Cannabis.
Ein Ergebnis in der Laborschale heißt nicht, dass das Produkt auf der Haut wirkt. In der Schale berührt der Wirkstoff die Bakterien direkt. Am Patienten muss er durch Haut, Eiter, Biofilm und Bluteiweiße hindurch und die richtige Tiefe erreichen. Das zeigt die Mausstudie von 2021: CBD auf der Haut half, aber weniger als die übliche Antibiotikasalbe.
Anmerkung der Übersetzung: Das Klima in Thailand erhöht dieses Risiko. Die hohe Luftfeuchtigkeit in der Regenzeit fördert Schimmel an Blüten während der Trocknung. Blüten oder Öl, die bei 30–35 °C lagern, verderben schneller, besonders wenn bei Stromausfällen die Klimaanlage ausfällt. Ein selbst gemachter Balsam kann diese Verunreinigung direkt in eine Wunde tragen. Zu Schimmel an Cannabisblüten und den Giftstoffen, die er hinterlassen kann, lesen Sie Mykotoxine auf Cannabisblüten. Wenn eine Wunde gerötet, heiß oder geschwollen ist oder Eiter absondert, gehen Sie in ein Krankenhaus oder eine Klinik. Sagen Sie dem Arzt, was Sie bereits aufgetragen haben.
6. Die Lehre aus der Geschichte
Cannabis stand etwa ein Jahrhundert lang in westlichen Arzneibüchern, den amtlichen Nachschlagewerken für Medikamente. Es wurde bei sehr vielen verschiedenen Beschwerden eingesetzt. Fast keine dieser Anwendungen wurde nach heutigen Maßstäben geprüft.
Einige dieser Anwendungen waren wohl echt, und die antibakterielle Wirkung könnte eine davon sein. Die Studie von 2008 und die Arbeiten seither deuten darauf hin, dass die Wirkung im Labor tatsächlich besteht. Der eigentliche Verlust jener Zeit war folgender: Cannabis wurde bei vielen Erkrankungen eingesetzt, aber bei keiner gründlich erforscht. Als es verboten wurde, gab es daher keine Belege, mit denen man es hätte verteidigen können, nur Tradition.
Heute ist diese Forschungsrichtung klarer als früher. Sie wurde in frühen Studien getestet, und es gibt noch immer kein zugelassenes Produkt. Was sie bremst, sind Pharmakologie und Geld, keine Verschwörung. Das ist eine zutreffendere Kritik als der Vorwurf der „Unterdrückung“.
Was Sie daraus mitnehmen: Wenn Sie eine Aussage über eine medizinische Anwendung teilen, nennen Sie auch die Art der Belege: Laborschale, Tierversuch, frühe Studie oder zugelassenes Medikament. Warum persönliche Erfahrungsberichte keine medizinische Evidenz sind erklärt, wie Sie die schwächeren Belegarten einordnen.
7. In Thailand
Die Cannabisblüte ist ein kontrolliertes Kraut gemäß der Bekanntmachung des Ministeriums für öffentliche Gesundheit über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568. Die Bekanntmachung wurde auf Grundlage des Gesetzes zum Schutz der traditionellen thailändischen Medizin B.E. 2542 (1999) erlassen und gilt seit dem 26. Juni 2025.
- Blüten dürfen nur auf ein PT-33-Rezept (ภ.ท.33) einer dazu befugten Fachperson verkauft werden.
- Jedes Rezept deckt höchstens 30 Tage ab.
- Werbung für Blüten und ihr Online-Verkauf sind verboten.
Weder in Thailand noch anderswo gibt es eine zugelassene antibakterielle Anwendung für Cannabis.
Anmerkung der Übersetzung für Anbauer und Lizenzinhaber: Diese Forschung eröffnet Anbauern noch keinen neuen Markt. In den Studien wurde synthetisches CBD verwendet, kein Pflanzenextrakt. Was Sie jetzt tun können, ist praktischer Natur:
- Stellen Sie für Blüten oder Blütenprodukte keine antibakteriellen Behauptungen auf und verbreiten Sie keine. Werbung für Blüten ist verboten. Lesen Sie, was Sie posten dürfen und was nicht, bevor Sie über gesundheitliche Wirkungen schreiben.
- Verarbeiten oder verkaufen Sie keine selbst hergestellten Zubereitungen aus Blüten ohne die passende Lizenz. Nach dem Gesetz von 1999 brauchen Forschung, Verkauf oder Verarbeitung eines kontrollierten Krauts eine Lizenz (Paragraf 46). Wer dies ohne Lizenz tut, dem drohen bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe und/oder eine Geldstrafe von bis zu 20.000 Baht (Paragraf 78).
- Informieren Sie sich über die Regeln für Extrakte, falls eine Forschungsgruppe Sie anspricht. Nach der Ministerialverordnung über Cannabis- oder Hanfextrakte B.E. 2569, die seit dem 26. April 2026 gilt, erhalten nur drei Arten von Antragstellern eine Lizenz für Extrakte mit mehr als 0,2 % THC. Das sind thailändische juristische Personen, die nach dem Gesetz über ausländische Geschäftstätigkeit (Foreign Business Act) B.E. 2542 nicht als „ausländisch“ gelten, staatliche Stellen und das Thailändische Rote Kreuz. Auch die Lizenzkriterien für Blüten wurden verschärft, und zwar durch die Ministerialverordnung über kontrollierte Kräuter (Nr. 2) B.E. 2569, die seit dem 30. April 2026 gilt.
- Halten Sie Ihre Blüten sauber und lassen Sie sie testen. Das Verunreinigungsrisiko aus Abschnitt 5 ist genau das, worauf ein Käufer oder Forscher testen wird. Wie Sie einen Laborbericht lesen, erfahren Sie in Wie man ein Cannabis-Analysezertifikat liest.
Der Entwurf des Cannabis-Kontrollgesetzes (Cannabis Control Act) ist noch kein geltendes Recht. Das Kabinett billigte den Entwurf am 22. September 2026 und leitete ihn an das Repräsentantenhaus weiter.
Diskutieren Sie unten mit
Zwei Fragen sind noch offen. Arbeitet in Südostasien eine Gruppe an antibakteriellen Cannabinoid-Mitteln für Haut oder Nase? Haben die frühen Studien zu neuen Ergebnissen geführt? In dieser Region wird Cannabis angebaut, und zugleich gibt es hier ein ernstes MRSA-Problem. Die Region wäre also ein naheliegender Ort für diese Forschung. Wenn Sie in der Mikrobiologie oder Dermatologie arbeiten oder veröffentlichte Arbeiten aus der Region kennen, posten Sie die Quelle unter diesem Thema.
Dies sind allgemeine Bildungsinformationen und keine medizinische Beratung. Bei Verdacht auf eine Infektion brauchen Sie eine ärztliche Untersuchung und das passende Antibiotikum.
Quellen
- Kabelík J, Krejčí Z, Šantavý F. Erste Ergebnisse in Lékařské listy, 1952; weitere Ergebnisse in einem Tagungsband der Universität Olmütz (Olomouc) von 1955 und in Die Pharmazie, 1957–1959.
- Kabelík J, Krejčí Z, Šantavý F. “Cannabis as a medicament.” Bulletin on Narcotics 1960; 12(3): 5–23 (Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung).
- Blevins RD, Dumic MP. Journal of General Virology 1980; 49: 427–431 (THC und Herpes-simplex-Viren Typ 1 und 2 in Zellkultur).
- Appendino G, Gibbons S, et al. “Antibacterial cannabinoids from Cannabis sativa: a structure–activity study.” Journal of Natural Products 2008; 71(8): 1427–1430.
- Medienberichte, September 2008, darunter MIT Technology Review (Forscher über Cremes auf Cannabisbasis gegen hartnäckige Hautinfektionen, Geschwüre und Wunden).
- Farha MA, et al. ACS Infectious Diseases 2020 (McMaster University; 18 Cannabinoide gegen MRSA; CBG).
- Blaskovich MAT, et al. Communications Biology 2021 (University of Queensland; synthetisches CBD gegen grampositive und ausgewählte gramnegative Bakterien; Mausmodelle für Haut- und systemische Infektionen).
- Botanix. BTX 1801, Phase-2a-Nasenstudie zur Besiedlung mit S. aureus, vom Unternehmen gemeldete Ergebnisse, Februar 2021.
- Botanix. BTX 1503, Phase-2-Aknestudie, NCT03573518, Ergebnisse gemeldet im Oktober 2019.