Übersetzt und bearbeitet nach: Martin Woodbridge, A primer to medicinal cannabis (ein Einführungstext, Bedrocan International, 2018).
Die Niederlande betreiben seit 2003 ohne Unterbrechung ein Programm für medizinisches Cannabis. Ärztinnen und Ärzte verschreiben, Apotheken geben ab. Weltweit gehört es zu den ältesten Programmen dieser Art. Zwei Fachleute aus dem niederländischen Programm beschreiben drei Arbeitsweisen: Sie verschreiben nur bei guter Evidenz, sie beginnen mit einer niedrigen Dosis, und sie nutzen die Apotheke als zweite klinische Kontrolle.
Wer hier spricht und wie viel Gewicht Sie dem beimessen sollten
Martin Woodbridge, der Autor des Buches, hat zwei niederländische Fachleute befragt. Der eine ist Schmerzspezialist und arbeitete in der Anästhesiologie und Schmerzmedizin in Leiden, einer Stadt in den Niederlanden. Die andere ist Apothekerin in Den Haag. Ihre Tätigkeiten sind so beschrieben, wie sie 2018 waren. Seitdem kann sich etwas geändert haben.
Bedrocan International, ein niederländischer Hersteller von medizinischem Cannabis, hat das Buch finanziert und hält das Urheberrecht daran. Die Firma verkaufte genau die Art von Produkt, um die es im Buch geht. Es bestand also ein Interessenkonflikt. Im Oktober 2026 hat ein niederländisches Gericht Bedrocan für insolvent erklärt. Denken Sie daran, wenn die beiden Fachleute die Vorteile aufzählen.
Dieser Artikel beschreibt die Praxis in einem anderen Land. Er richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker, Behörden und lizenzierte Betriebe. Er ist keine klinische Leitlinie, kein Behandlungsprotokoll und keine medizinische Beratung. Zwei Fachleute in einem Land sind eine Fallstudie. Sie beweisen nicht, dass etwas wirkt.
Was Sie tun können: Lesen Sie jeden Punkt unten als „So haben zwei niederländische Fachleute 2018 gearbeitet“. Bevor Sie einen klinischen Punkt umsetzen, gleichen Sie ihn mit den aktuellen Leitlinien ab.
Anmerkung der Übersetzung: die Regeln in Thailand (Oktober 2026).
- Cannabisblüte (ช่อดอกกัญชา) ist ein kontrolliertes Kraut. Grundlage ist die Bekanntmachung über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568 des Ministeriums für öffentliche Gesundheit. Sie wurde auf Basis des Gesetzes zum Schutz der thailändischen traditionellen Medizin (Thai Traditional Medicine Protection Act) B.E. 2542 erlassen und gilt seit dem 26. Juni 2025.
- Blüten dürfen nur gegen eine Verschreibung auf Formular PT 33 (ภ.ท.33) verkauft werden, die eine berechtigte Fachperson ausgestellt hat. Eine Verschreibung deckt höchstens 30 Tage ab.
- Die Bekanntmachung schreibt außerdem vor, dass verkaufte Blüten aus einer nach GACP zertifizierten Quelle stammen müssen. GACP steht für Gute Agrar- und Sammelpraxis (Good Agricultural and Collection Practice), den Standard für Anbau und Dokumentation bei Heilpflanzen.
- Werbung für Blüten und ihr Online-Verkauf sind verboten.
- Im April 2026 folgten zwei Ministerialverordnungen von B.E. 2569. Die Verordnung zu Cannabis- und Hanfextrakten trat am 26. April 2026 in Kraft. Die Ministerialverordnung über kontrollierte Kräuter (Nr. 2) trat am 30. April 2026 in Kraft und legt strengere Lizenzkriterien für Cannabisblüten fest.
- Der Entwurf des Cannabis-Kontrollgesetzes (Cannabis Control Act) ist noch kein Gesetz. Das Kabinett hat den Entwurf am 22. September 2026 gebilligt und an das Repräsentantenhaus weitergeleitet.
In Thailand trifft jede unten beschriebene klinische Entscheidung die verschreibende Fachperson, und zwar im Rahmen dieser Regeln.
Anmerkung der Übersetzung: Warum dieser Artikel auch für Anbauer wichtig ist. Die meisten Leserinnen und Leser dieses Forums sind Anbauer – vom lizenzierten GACP-Betrieb bis zum Anbau zu Hause. In Thailand gelangen die Blüten eines Betriebs nur über eine PT-33-Verschreibung und eine Dispensary (lizenzierte Abgabestelle für Cannabis) zu den Patienten. Abschnitt 3 erklärt, worauf sich die verschreibende Person verlässt: einen bekannten und kontrollierten Wirkstoffgehalt und ein Produkt ohne Verunreinigungen.
Für einen lizenzierten Betrieb heißt das konkret dreierlei:
- Führen Sie für jede Charge Aufzeichnungen, damit eine Dispensary jedes Produkt bis zu seiner Charge zurückverfolgen kann.
- Lassen Sie jede Charge testen, und lernen Sie, das Analysezertifikat (den Laborbericht) selbst zu lesen.
- Verwenden Sie nur Pflanzenschutzmittel, die beim thailändischen Department of Agriculture (กรมวิชาการเกษตร) registriert sind, und halten Sie sich an das Etikett. Siehe Was Sie nach dem thailändischen GACP legal spritzen dürfen.
Für den Anbau zu Hause sind vor allem die Regeln zum Verkauf entscheidend. Blüten dürfen nur gegen eine PT-33-Verschreibung verkauft werden. Nach § 78 des Gesetzes von 1999 drohen für den Verkauf eines kontrollierten Krauts ohne Lizenz bis zu 1 Jahr Haft und/oder eine Geldstrafe von bis zu 20.000 Baht. Wenn Sie oder jemand in Ihrer Familie Cannabis wegen eines Gesundheitsproblems verwenden, sagen Sie es Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Abschnitt 5 zeigt, was schiefgeht, wenn Patienten es ohne ärztliche Begleitung verwenden.
1. Der Ablauf der Beratung
Am nützlichsten ist, wie diese Apothekerin ihre eigene Arbeit sieht. Für sie ist die Rolle der Apothekerin oder des Apothekers genauso wichtig wie die der verschreibenden Person. Ihre Arbeit hatte vier Teile:
- Die verschreibende Person mit einer Medikationsanalyse unterstützen, also alle Arzneimittel des Patienten gemeinsam prüfen.
- Nutzen und Risiken mit dem Patienten besprechen.
- Missbrauch und Schaden verringern.
- Rückmeldungen zu Sicherheit, Wirksamkeit und Nebenwirkungen sammeln.
Ihren Beratungsablauf kann man in jedem Land anwenden:
- Fragen Sie, was der Patient über medizinisches Cannabis schon weiß. Gehen Sie von seinen Annahmen aus, nicht von einem festen Skript.
- Erklären Sie, wie das Arzneimittel wirkt, wie man es anwendet, wie der Dosierungsplan aussieht, welche Nebenwirkungen möglich sind und wie man es sicher lagert.
- Prüfen Sie, ob der Patient mögliche Wechselwirkungen mit seinen anderen Arzneimitteln verstanden hat. Prüfen Sie auch, ob er die Kontraindikationen verstanden hat, also die Situationen, in denen er es nicht anwenden darf.
- Fragen Sie beim nächsten Besuch nach, wie es gelaufen ist. Konzentrieren Sie sich darauf, ob es geholfen hat und welche Nebenwirkungen aufgetreten sind.
Schritt 1 wird vom Personal häufiger übersprungen als jeder andere. Ihr Rat an Apothekerinnen und Apotheker, die neu in diesem Bereich sind, zeigt, warum er wichtig ist. Lassen Sie sich schulen oder lesen Sie viel, sagte sie, denn Patienten wissen meist sehr viel, glauben aber auch manches Falsche. Schritt 1 zeigt Ihnen, welche Annahmen stimmen und welche nicht. Ohne ihn korrigiert Ihre Erklärung die falschen Annahmen womöglich nicht.
Ihre Apotheke ließ ein bis zwei Wochen Zeit, bevor beurteilt wurde, ob das Arzneimittel wirkt. Wie der Körper THC aufnimmt und abbaut, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Es unterscheidet sich auch zwischen Produkten und Einnahmewegen (siehe Cannabinoid-Pharmakokinetik). Betrachten Sie die ein bis zwei Wochen deshalb als Hausregel einer Apotheke, nicht als gemessene Tatsache.
Anmerkung der Übersetzung: In Thailand verdient Schritt 2 (sichere Lagerung) besondere Aufmerksamkeit. Raumtemperaturen von 30–35 °C und hohe Luftfeuchtigkeit in der Regenzeit können Blüten verderben, die in einem heißen Raum oder einem offenen Beutel liegen. Raten Sie Patienten, ihr Arzneimittel verschlossen, kühl und dunkel und außer Reichweite von Kindern aufzubewahren. Einzelheiten finden Sie unter Lagerung: Feuchtigkeit, Licht, Sauerstoff und Haltbarkeit.
Was Sie tun können: Wenn Sie in einer Dispensary arbeiten, drucken Sie die vier Schritte als Checkliste für jeden neuen Patienten aus. Notieren Sie beim Folgebesuch die Wirkung und die Nebenwirkungen, die der Patient schildert. Diese Notizen zeigen, ob das Produkt hilft. Außerdem bekommt die verschreibende Person damit Fakten statt Eindrücken.
2. Missbrauch anhand der Abgabedaten erkennen
Missbrauch war laut der Apothekerin selten. Ihre Apotheke erkannte ihn, indem sie verfolgte, wie viel jeder Patient bekam und wie oft er wiederkam. Fiel Missbrauch auf, vereinbarte die Apothekerin zuerst mit dem Patienten einen Plan. Half das nicht, bat die Apotheke die verschreibende Person um eine Lösung.
Pharmakovigilanz sah sie als Kernaufgabe von Apothekerinnen und Apothekern. Pharmakovigilanz bedeutet, Meldungen von Gesundheitspersonal und Patienten über Nebenwirkungen zu sammeln und auszuwerten. Eine weitere Kernaufgabe war es, Patienten ehrlich über Nutzen und Risiken zu informieren.
Der verschreibende Arzt beschrieb dasselbe Problem aus ärztlicher Sicht. Eine Zeit lang bezahlten niederländische Krankenversicherungen medizinisches Cannabis für viele Patienten. In dieser Zeit kamen manche mit vagen medizinischen Gründen. Manche sahen in einer Verschreibung einen billigen Weg zu einer Droge, die sie ohnehin schon nahmen. Sprach er Missbrauch an, drängten einige stark und reagierten wütend. Seine Antwort war, für alle Patienten dieselben Regeln anzuwenden, statt sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen. Er verschrieb nur bei Erkrankungen mit ausreichender Evidenz. Wurde Missbrauch deutlich, sprach er ihn offen an.
Für diese Kontrolle braucht es keine besondere Technik. Es braucht nur Abgabedaten und jemanden, der sie regelmäßig liest.
Anmerkung der Übersetzung: Für thailändische Dispensaries ist diese Gewohnheit die unmittelbar nützlichste in diesem Artikel. PT-33-Verschreibungen decken höchstens 30 Tage ab. Außerdem werden Dispensaries seit der im Juni 2026 gemeldeten Kontrollaktion zu PT 33 genauer geprüft.
Was Sie tun können: Notieren Sie bei jedem Verkauf für jeden Patienten Datum, Produkt und Menge. Prüfen Sie diese Aufzeichnungen jeden Monat an einem festen Tag. Achten Sie auf Patienten, die früher wiederkommen, als ihre Verschreibung es erlaubt, oder die jedes Mal mehr bekommen. Diese Fälle sprechen Sie zuerst mit dem Patienten und dann mit der verschreibenden Person an.
3. Die Erfahrung des verschreibenden Arztes
2018 sah der Schmerzspezialist in Leiden vor allem zwei Patientengruppen. Die erste waren Menschen mit fortgeschrittener Krebserkrankung, die ihren Appetit verloren hatten, unter Übelkeit und Erbrechen litten und bereits mehrere Arzneimittel nahmen. Die zweite waren Menschen mit zentralen neuropathischen Schmerzen (Nervenschmerzen durch Schäden an Gehirn oder Rückenmark), denen gängige Schmerzmittel nicht geholfen hatten. Zur Evidenz bei Schmerzen siehe Cannabis und chronische Schmerzen.
Beginnen Sie dort, wo die Evidenz stark ist. Sein Rat an neue Verschreibende: Bleiben Sie bei Erkrankungen mit starker Evidenz. Behandeln Sie zuerst eine klar umrissene Gruppe von Erwachsenen und sammeln Sie Erfahrung dort, wo die erwartete Wirkung bekannt ist. Menschen, die Cannabis bereits zu Freizeitzwecken nutzen, hielt er nicht für die richtige Startgruppe. Sie drängen womöglich auf Verschreibungen für Erkrankungen, die schlecht belegt sind. Ihm ging es darum, wie neue Verschreibende sicher Erfahrung aufbauen. Ein Urteil über diese Patienten war das nicht.
Nutzen und seine Grenzen. Er nannte diese Vorteile:
- Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen.
- Weniger Übelkeit und besserer Appetit, je nach Produkt.
- Eine beruhigende Wirkung bei manchen Sorten.
- Keine bekannten Organschäden bei Erwachsenen, abgesehen von einem möglichen Risiko für die psychische Gesundheit. Er verglich das mit gängigen entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR, etwa Ibuprofen), die bei unsachgemäßer Anwendung Organe schädigen können.
Der letzte Punkt braucht eine Einordnung. Cannabis hat weitere dokumentierte Nebenwirkungen. Dazu gehören das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (wiederkehrende Phasen starken Erbrechens bei Langzeitkonsumenten), Ereignisse an Herz und Blutgefäßen und Abhängigkeit. Er selbst bringt Rauchen mit Herz-Kreislauf-Ereignissen in Verbindung (siehe unten). Der in Abschnitt 1 verlinkte Artikel zu Kontraindikationen behandelt diese Risiken. Jeder Vorteil auf seiner Liste lindert Symptome. Keiner davon behandelt die zugrunde liegende Krankheit.
Vorgehensweisen, die nach seiner Erfahrung bessere Ergebnisse bringen:
- Mit einer niedrigen Dosis beginnen, an einem ruhigen und angenehmen Ort. Bei Patienten, die noch nie Cannabis genommen haben, sind psychische Reaktionen die Hauptsorge. Die Umgebung bei der ersten Dosis ist genauso wichtig wie die Dosis selbst.
- Zur Schmerzlinderung verdampfte Blüten statt Einnahme über den Mund, im niederländischen Kontext. Beim Verdampfen wird die Blüte erhitzt, ohne zu verbrennen. Er nannte drei Gründe: Die Dosis ist genauer, die Wirkung setzt schneller ein, und es entsteht kein Rauch. Siehe Verabreichungswege.
- Niemals rauchen. Er brachte gerauchtes Cannabis mit Herzinfarkt und Schlaganfall in Verbindung. Dafür nannte er zwei Ursachen. Cannabis regt Herz und Blutgefäße an, was für ein vorbelastetes Herz gefährlich ist. Außerdem bringt Rauch Kohlenmonoxid ins Blut (Carboxyhämoglobin), sodass das Blut weniger Sauerstoff transportiert.
- Genau wissen, was man verschreibt. Blüten von gesetzlich regulierten Herstellern sichern dem Patienten zu, dass der Wirkstoffgehalt kontrolliert und das Produkt frei von Verunreinigungen ist. Zu den Herstellungsstandards dahinter siehe EU-GMP-Standard und PIC/S GMP. GMP steht für Gute Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice).
Anmerkung der Übersetzung zu den Verabreichungswegen in Thailand: Thailand verbietet Einfuhr und Verkauf von E-Zigaretten. Wer damit angetroffen wird, kann nach dem Zollrecht belangt werden. Die von uns geprüften Quellen sagen nicht eindeutig, ob ein Kräuterverdampfer (Vaporizer) unter dieses Verbot fällt. Gehen Sie deshalb nicht davon aus, dass ein Vaporizer in Thailand ein legaler Weg ist, Cannabis einzunehmen. Verwenden Sie nur die Wege, die auf der PT-33-Verschreibung und in der Registrierung des abgegebenen Produkts stehen.
Zwei Arten von Erstgesprächen. Bei einem älteren Patienten ohne Cannabiserfahrung sprach er Cannabis beim ersten Besuch selten von sich aus an. War der Patient geeignet und hatten andere Behandlungen nicht genug Linderung gebracht, erwähnte er es als eine Möglichkeit. Dann ließ er Patient und Familie bis zum nächsten Termin Zeit zum Nachdenken.
Im zweiten Fall kam ein erfahrener Konsument, der aktiv nach Cannabis fragte. Solche Patienten stellten andere Behandlungen manchmal schlechter dar, als sie waren. Mit ihnen besprach er Cannabis schon beim ersten Besuch ausführlich. Die Hauptfrage war, ob der Patient die Kriterien für eine Verschreibung erfüllte.
Was Sie tun können: Wenn Sie verschreiben, halten Sie vor der ersten Verschreibung die Erkrankung und die Evidenz dafür in der Patientenakte fest. Wenden Sie bei allen Patienten dieselben Kriterien an. Wenn Sie einen GACP-Betrieb führen, der Dispensaries beliefert, legen Sie jeder Charge ein Laborzertifikat bei. Ohne ein solches Zertifikat kann die verschreibende Person nicht „wissen, was sie verschreibt“.
4. Dosierung und Sicherheit: Prinzipien statt Zahlen
Die Apotheke hat ihre Dosierungshinweise für standardisierte niederländische Produkte geschrieben, die 2018 im Handel waren. Der Originalartikel wiederholt diese Zahlen nicht, und diese Bearbeitung auch nicht. Eine Dosisangabe sagt klinisch nichts ohne den THC- und CBD-Gehalt des Produkts. Sie lässt sich auch nicht auf ein anderes Produkt übertragen. Übertragbar ist nur das Prinzip: niedrig beginnen, die Dosis langsam in kleinen Schritten steigern und nach dem konkret verschriebenen Produkt dosieren. Siehe Niedrig anfangen, langsam steigern.
Für inhaliertes Cannabis gab die Apotheke den Patienten drei Anweisungen:
- Zwischen den Inhalationen warten.
- Beim ersten Anzeichen einer psychoaktiven Wirkung, dem Gefühl, „high“ zu sein, aufhören. Es bedeutet, dass die Dosis schon zu hoch ist.
- Nach einem Wechsel auf eine andere Sorte die Dosis neu bestimmen. Das ist besonders wichtig beim Wechsel von einer schwächeren auf eine stärkere Sorte.
Als Kontraindikationen nannte die Apothekerin Schizophrenie, Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie) und andere Herzerkrankungen. Als größte Risiken nannte sie:
- Rausch.
- Psychotische Symptome, besonders bei psychiatrischen Patienten.
- Verschlechterung einer Depression.
- Verschreibung an ältere Patienten.
Sie wies außerdem darauf hin, dass die Langzeitwirkungen bei Kindern unbekannt sind.
Die Hauptsorge des verschreibenden Arztes waren Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, die das Gehirn dämpfen und schläfrig machen. Starke Schmerzmittel (Opioide) gehören dazu. Zusammen mit Cannabis können sie ältere Patienten deutlich schläfriger machen.
Die Apothekerin warnte auch vor Wechselwirkungen über CYP450, eine Gruppe von Leberenzymen, die viele Arzneimittel abbauen. Cannabis kann verändern, wie schnell diese Enzyme andere Arzneimittel abbauen. Die in Abschnitt 1 verlinkten Artikel zu Wechselwirkungen und Kontraindikationen behandeln beide Themen ausführlich.
Was Sie tun können: Wenn Sie Patientin oder Patient sind, führen Sie ein einfaches Tagebuch mit Produktname, Dosis, Uhrzeit und Befinden. Bringen Sie es zu jedem Termin mit, zusammen mit einer Liste all Ihrer anderen Arzneimittel. Damit kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die Dosis an Ihre tatsächlichen Reaktionen anpassen.
5. Was Patienten berichten
Das Buch fasst auch Interviews von Frédérique Bawin zusammen, einer Forscherin an der Universität Gent in Belgien. Sie befragte Menschen in Flandern, dem niederländischsprachigen Norden Belgiens, die nach eigener Aussage Cannabis aus medizinischen Gründen verwendeten. Ihre vollständigen Ergebnisse stehen in ihrer Dissertation Self-reported medicinal cannabis use in Flanders: a study of user profiles and patterns of use (Ghent University, 2020).
Das Buch zitiert außerdem eine niederländische Patientenbefragung von 2016. Das war ein studentisches Universitätsprojekt, keine begutachtete Studie (Peer Review). Die Redaktion des Originalartikels konnte sie nicht auffinden, deshalb werden ihre Zahlen hier nicht wiedergegeben.
Es lindert Symptome, es heilt nicht. Patienten sagten, Cannabis habe ihre Symptome verringert, aber nicht beseitigt. Die meisten sahen es nicht als Heilmittel. Manche sagten, bei bestimmten Symptomen habe es nur teilweise oder gar nicht geholfen. Schmerzen blieben, wurden aber erträglich. Höhere Dosen linderten mehr Schmerz, verursachten aber mehr Nebenwirkungen. Manche Patienten sagten, gewöhnliche Schmerzmittel hätten besser gewirkt. Sie wählten trotzdem Cannabis, weil dessen Nebenwirkungen besser zu ihnen passten.
Die Lücke zwischen Patient und Arzt. Laut der Darstellung dieser Forschung im Buch besorgten sich viele Patienten Cannabis selbst und sagten ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt nichts davon. Produkt, Dosis und Einnahmeweg wählten sie ohne jede Begleitung. Das wollten sie eigentlich nicht. Sie wünschten sich ärztliche Begleitung, fanden aber kaum Ärzte mit Cannabiserfahrung. Gingen sie doch zum Arzt, bekamen sie oft eine Verschreibung und nur sehr allgemeine Hinweise.
Das Buch beschreibt das als umgekehrtes Arzt-Patienten-Verhältnis: Am Ende informiert der Patient den Arzt. Der Vier-Schritte-Ablauf aus Abschnitt 1 soll genau diese Lücke schließen.
Anmerkung der Übersetzung: In Thailand entsteht dieselbe Lücke, wenn Patienten Blüten außerhalb des PT-33-Systems beschaffen. Dann kennen sie auch den THC-Gehalt des Produkts nicht und wissen nicht, ob es verunreinigt ist.
Was Sie tun können: Wenn Sie Cannabis wegen eines Gesundheitsproblems verwenden, sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, was Sie nehmen, wie viel und wie oft. Wenn Sie selbst anbauen, sagen Sie auch das. Selbst angebaute Blüten haben einen unbekannten Gehalt, und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt braucht diese Information, um Wechselwirkungen zu prüfen.
6. Was sich auf Thailand übertragen lässt und was nicht
| Vorgehensweise | Übertragbar auf Thailand? |
|---|---|
| Nur bei Erkrankungen mit ausreichender Evidenz verschreiben | Ja, in jedem Land |
| Niedrig beginnen, langsam steigern, nach Produkt dosieren; ruhige Umgebung für Erstanwender | Ja |
| Zeit lassen, bevor die Wirkung beurteilt wird, nicht schon am 2. Tag | Ja, als Prinzip; die richtige Zeitspanne hängt von Patient und Produkt ab |
| Rauchen vermeiden | Ja, als klinisches Prinzip |
| Verdampfen | Nicht sicher. Thailand verbietet Einfuhr und Verkauf von E-Zigaretten, und ob Kräuterverdampfer darunter fallen, ist unklar (siehe Abschnitt 3); nur die Wege auf der PT-33-Verschreibung und in der Produktregistrierung verwenden |
| Apothekerin/Apotheker als zweite klinische Kontrolle | Grundsätzlich ja; hängt davon ab, wie die Abgabe vor Ort organisiert ist |
| Menge und Häufigkeit verfolgen, um Missbrauch zu erkennen | Ja; braucht nur Abgabedaten |
| Zuerst fragen, was der Patient schon weiß | Ja, und es kostet nichts |
| Niederländische Tropfenzahlen und Mengen | Nein. Sie gelten nur für ein Produkt und eine Darreichungsform |
Was Sie tun können: Nutzen Sie die „Ja“-Zeilen als Checkliste, wenn Sie eine Abgabestelle aufbauen oder überprüfen. Streichen Sie jeden Schritt, der von den „Nein“-Zeilen abhängt.
7. Die Grenzen dieser Quelle
Dieser Bericht stammt von zwei Fachleuten in einem Land, festgehalten im Jahr 2018. Das Buch wurde von Bedrocan International finanziert, das auch das Urheberrecht hält. Das Buch sagt selbst, dass seine Fallstudien vom jeweiligen lokalen Umfeld abhängen. Es sagt auch, dass sie nicht die Grundlage für Entscheidungen von Verschreibenden und Apothekern sein sollten.
Die klinischen Daten im Buch haben den Stand Juni 2018, und das Fachgebiet hat sich seitdem verändert. Nutzen Sie das Buch als Beschreibung, wie ein etabliertes Programm arbeitet. Das kann helfen, wenn Sie ein eigenes Abgabeangebot planen. Die Vorgaben der für Sie zuständigen Behörde ersetzt es nicht.
Was Sie tun können: Bevor Sie ändern, wie Sie verschreiben oder abgeben, lesen Sie die aktuellen thailändischen Gesetzestexte selbst. Beginnen Sie mit Thailändisches Cannabisrecht und Compliance: Lesen Sie die Gesetzestexte im Original.
8. Die Frage für Thailand
Wenn der offizielle Weg schwer erreichbar ist, verwenden Patienten Cannabis trotzdem weiter. Sie besorgen es sich selbst und verwenden ohne ärztliche Begleitung Produkte mit unbekanntem Gehalt. Das gefährdet die Patientensicherheit.
Die Redaktion des Originalartikels vertritt folgende Sicht, die eine Meinung und kein Forschungsergebnis ist: Die Zahl der Fachleute, die ausreichend geschult und sicher genug sind, um PT 33 richtig zu nutzen, könnte das System inzwischen ebenso begrenzen wie die Regeln selbst. Das könnte so bleiben, auch wenn die Regeln strenger werden.
Bitte antworten Sie unter diesem Thema:
- Ärztinnen, Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker in Thailand und der Region: Welcher Teil lässt sich bei Ihnen am schwersten übernehmen? Schulung, gleichbleibende Produkte, Zeit für eine gründliche Beratung oder die Dokumentation?
- Patientinnen und Patienten: Hat Ihnen die verschreibende Person konkrete Hinweise gegeben oder nur allgemeine Ratschläge?
- Anbauer, die lizenzierte Dispensaries beliefern: Was fragen Verschreibende oder Apotheker Sie zu Ihren Chargen?
Asiannabis Community: allgemeine Informationen als fachliche Referenz, keine medizinische Beratung und keine klinische Leitlinie. In Thailand wird Cannabisblüte nur auf Verschreibung durch eine berechtigte Fachperson mit dem Formular PT 33 abgegeben.
Literatur
- Martin Woodbridge, A primer to medicinal cannabis (ein Einführungstext, Bedrocan International, 2018). Finanziert von Bedrocan International, das auch das Urheberrecht hält.
- Frédérique Bawin, Self-reported medicinal cannabis use in Flanders: a study of user profiles and patterns of use, Dissertation, Ghent University, 2020.