Hautzellen haben eigene Cannabinoid-Rezeptoren. Allein mit dieser Tatsache werden viele Cannabis-Cremes und -Balsame verkauft. Dieser zweiteilige Artikel trennt zwei Dinge: was die Rezeptorforschung im Labor zeigt und was Studien am Menschen gemessen haben. Teil 1 erklärt, wie das Cannabinoid-System der Haut funktioniert und warum Cannabinoide nur schwer durch die Haut gelangen. Danach geht es um die Studien zu Ekzem, Psoriasis und Akne.
1. Warum die Haut zum Verkaufsziel wurde
Etwas auf die Haut aufzutragen, fühlt sich sicherer an, als es zu schlucken. Eine geschluckte Dosis passiert zuerst die Leber. Die Leber baut einen Teil davon ab, bevor er ins Blut gelangt. Man nennt das First-Pass-Metabolismus. Eine Creme umgeht diesen Schritt. Außerdem bleibt die Dosis auf eine Stelle begrenzt, die Sie sehen können.
Später fanden Forscher Cannabinoid-Rezeptoren auf Hautzellen. Händler nutzten diesen Befund schnell, um Cannabis-Hautprodukte zu vermarkten. Die Biologie ist interessant, doch die Belege aus Studien mit Patienten sind dünn. Dieser Artikel hält beides auseinander.
Nichts hier ist ein Rezept oder eine Empfehlung. Die thailändischen Regeln für kontrollierte Kräuter gelten seit dem 26. Juni 2025. Sie beschränken den Verkauf von Cannabisblüten und verbieten Werbung dafür. Hautprodukte mit Cannabis- oder Hanf-Inhaltsstoffen unterliegen eigenen thailändischen Produktvorschriften. Gehen Sie nicht davon aus, dass eine Creme frei verkauft oder beworben werden darf.
Anmerkung der Übersetzung: In Thailand ist die Cannabisblüte (ช่อดอกกัญชา) ein kontrolliertes Kraut. Grundlage ist die Bekanntmachung des Ministeriums für öffentliche Gesundheit über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568. Sie wurde auf Basis des Gesetzes zum Schutz der traditionellen thailändischen Medizin B.E. 2542 erlassen und gilt seit dem 26. Juni 2025. Blüten dürfen nur gegen ein Rezept nach Formular PT 33 (ภ.ท.33) verkauft werden, und zwar höchstens für den Bedarf von 30 Tagen. Werbung für Blüten und ihr Online-Verkauf sind beide verboten.
Anmerkung der Übersetzung: Lizenzen für Extrakte mit mehr als 0,2 % THC dürfen nur an drei Gruppen von Antragstellern erteilt werden. Das sind thailändische juristische Personen, die nach dem Gesetz über ausländische Geschäftstätigkeit (Foreign Business Act) B.E. 2542 nicht als „ausländisch“ gelten, staatliche Stellen und das Thailändische Rote Kreuz. Das regelt die Ministerialverordnung über Cannabis- oder Hanfextrakte B.E. 2569, in Kraft seit dem 26. April 2026. Wer ein kontrolliertes Kraut ohne Lizenz verarbeitet oder verkauft (§ 46), riskiert bis zu 1 Jahr Haft, eine Geldstrafe von bis zu 20.000 Baht oder beides (§ 78). Wenn Sie aus Ihren eigenen Blüten einen Balsam herstellen und verkaufen möchten, prüfen Sie zuerst, welche Lizenz diese Tätigkeit abdeckt.
Was Sie tun sollten: Bevor Sie ein Cannabis-Hautprodukt herstellen, verkaufen oder empfehlen, prüfen Sie im Thema zu Lizenzen, welche Lizenz diese Tätigkeit abdeckt. So wissen Sie, ob Sie vor dem Start eine Lizenz brauchen.
2. Das eigene Cannabinoid-System der Haut
Wo die Rezeptoren sitzen
Das Endocannabinoid-System ist ein körpereigenes Signalnetz, auf das Cannabis-Wirkstoffe einwirken. Es findet sich im ganzen Körper, nicht nur im Gehirn. Der Teil in der Haut heißt kutanes Endocannabinoid-System („kutan“ bedeutet „die Haut betreffend“). Es besteht aus drei Teilen:
- Rezeptoren auf der Oberfläche der Zellen;
- fettbasierte Botenstoffe, die der Körper selbst bildet, um diese Rezeptoren zu aktivieren, vor allem Anandamid und 2-Arachidonoylglycerol;
- Enzyme, die diese Botenstoffe herstellen und anschließend wieder abbauen.
Eine Studie an menschlichem Hautgewebe aus dem Jahr 2005, erschienen im Journal of Dermatological Science, lokalisierte die beiden Hauptrezeptoren. Das sind der Cannabinoid-Rezeptor Typ 1 und der Cannabinoid-Rezeptor Typ 2. Die Studie fand sie an sensorischen Nervenfasern. Sie fand sie außerdem an Haarfollikeln und Talgdrüsen, also den Drüsen, die den Hauttalg bilden.
Eine Übersichtsarbeit von 2023 im International Journal of Molecular Sciences nennt zwei weitere Zelltypen. Der eine ist der Keratinozyt, die Hauptzelle der äußeren Hautschicht. Der andere ist die Mastzelle, eine Immunzelle, die Signale für Juckreiz und Entzündung freisetzt.
Wie gut es erforscht ist
Weniger gut, als die Produktwerbung vermuten lässt. Eine Übersichtsarbeit von 2009 in Trends in Pharmacological Sciences bezeichnete dieses System als therapeutische „Chance“. In wissenschaftlichen Texten bedeutet dieses Wort, dass die Forschung noch nicht abgeschlossen war.
Die meisten späteren Arbeiten taten eines von zwei Dingen. Sie kartierten, wo die Rezeptoren sitzen, oder sie testeten Wirkstoffe an Zellen in der Kulturschale. Nur wenige maßen, was in lebenden Menschen passiert. Ein Rezeptor unter der Hautoberfläche spielt nur dann eine Rolle, wenn das Molekül ihn tatsächlich erreicht.
Was Sie tun sollten: Wenn ein Produkt angeblich „auf das Endocannabinoid-System der Haut wirkt“, fragen Sie den Verkäufer nach einer Studie am Menschen, nicht an Zellen. Eine Zellstudie ist ein Grund, eine Studie am Menschen durchzuführen. Sie zeigt nicht, dass die Creme wirkt.
3. Topisch oder transdermal
Zwei verschiedene Konzepte
| Merkmal | Topisch (äußerlich) | Transdermal |
|---|---|---|
| Wofür es gedacht ist | Wirkung in oder direkt unter der behandelten Haut | Durch die Haut in den Blutkreislauf gelangen |
| Blutspiegel | Niedrig oder nicht nachweisbar, und zwar gewollt | Nennenswert und beabsichtigt |
| Übliche Form | Creme, Balsam, Salbe, Lotion | Pflaster oder ein Gel, das den Wirkstoff mit kontrollierter Rate abgibt |
| Übliche rechtliche Einordnung | Oft ein Kosmetikum | Fast immer ein Arzneimittel |
Warum die Angabe „transdermal“ auf den meisten Etiketten falsch ist
Ein öliger Balsam mit darin gelöstem Cannabidiol (CBD) ist ein topisches Produkt, egal was auf dem Etikett steht. Ein echtes transdermales Produkt wird über zwei Zahlen definiert. Die erste ist die Wirkstoffmenge, die es pro Stunde abgibt. Die zweite ist der Blutspiegel, den es erzeugt. Nennt ein Produkt keine der beiden Zahlen, steht hinter dem Wort „transdermal“ keine Datengrundlage.
Ein echtes transdermales Produkt sieht anders aus. Im Jahr 2024 erschien in Scientific Reports eine offene Studie (die Teilnehmenden wissen dabei, was sie anwenden). Fünfzehn Personen schlossen sie ab. Sie trugen ein transdermales Gel mit 4 % Cannabidiol auf, etwa 30 mg Cannabidiol pro Tag. Cannabidiol und seine Abbauprodukte (Metaboliten) fanden sich in jeder Urinprobe.
Anmerkung der Übersetzung: Für Grower oder Käufer gibt es hier nichts, was sich zu Hause nachmachen ließe. Pflaster und Gele mit kontrollierter Abgabe werden in pharmazeutischen Betrieben hergestellt. Der praktische erste Schritt: Fragen Sie jeden Verkäufer, der das Wort „transdermal“ verwendet, nach der Abgaberate pro Stunde und nach Daten zum Blutspiegel.
Was Sie tun sollten: Kann der Verkäufer diese beiden Zahlen nicht vorlegen, behandeln Sie das Produkt wie ein gewöhnliches topisches Produkt. Zahlen Sie keinen Aufpreis für das Wort „transdermal“.
4. Warum Cannabinoide schwer durch die Haut kommen
Das Stratum corneum ist die äußerste Hautschicht aus abgestorbenen Zellen. Sie ist die wichtigste Barriere. Moleküle gelangen gut hindurch, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind. Erstens sind sie klein: unter etwa 500 Dalton, einer Einheit für die Molekülmasse. Zweitens lösen sie sich in Öl und Wasser ähnlich gut.
Wissenschaftler messen dieses Verhältnis zwischen Öl und Wasser als Verteilungskoeffizienten, geschrieben logP. Moleküle mit einem logP von etwa 1 bis 3 überwinden die Barriere am besten. Cannabinoide passen nicht in diesen Bereich. Eine Übersichtsarbeit von 2022 in Pharmaceutics gibt ihren logP mit 6 bis 7 an, sie bevorzugen also stark Öl. Außerdem lösen sie sich in Wasser sehr schlecht.
Die Folge: Cannabinoide dringen leicht in die abgestorbene äußere Schicht ein und bleiben dann dort. Sie reichern sich im toten Gewebe an, statt zu den lebenden Zellen weiterzuwandern. Ihre starke Vorliebe für Öl ist für Hautprodukte also kein Vorteil. Sie ist der Hauptgrund, warum die Aufnahme über die Haut so schwierig ist.
Forscher testen Wege, die Barriere zu überwinden. Untersucht werden unter anderem:
- chemische Penetrationsverstärker, die die Barriere lockern;
- Nanoträger wie Liposomen, winzige Fettbläschen, die einen Wirkstoff transportieren;
- Mikronadeln;
- Prodrugs, also veränderte Moleküle, die der Körper wieder in den aktiven Wirkstoff umwandelt.
Eine Übersichtsarbeit von 2024 in Cannabis and Cannabinoid Research stellt fest, dass es bisher nur wenige ausführliche klinische Studien zur Aufnahme von Cannabinoiden über die Haut gibt.
Die bisher gemessenen Verbesserungen sind gering. Eine Studie von 2023 in Pharmaceutics verpackte Cannabidiol in Organosilan-Partikel (einen Träger auf Siliziumbasis). Die Forscher testeten das an menschlicher Haut, die dem Körper entnommen worden war (exzidierte Haut). Die Partikel brachten 0,41 % der aufgetragenen Dosis in die untere Epidermis und die Dermis, also die lebenden Hautschichten. Reines Cannabidiol erreichte 0,27 %. Das ist etwa 50 % besser, aber immer noch unter 1 % der Dosis. Die Autoren selbst hielten fest, dass dies unter therapeutisch wirksamen Mengen blieb.
Anmerkung der Übersetzung: Manche Produkte werben mit „Nano“- oder „Liposomen“-Cannabidiol. Im oben beschriebenen Labortest brachte selbst der verbesserte Träger weniger als 1 % der Dosis in die lebenden Hautschichten. Ein Begriff auf dem Etikett sagt nichts darüber aus, wie viel tatsächlich in der Haut ankommt.
Was Sie tun sollten: Bevor Sie für „Nano“- oder „Liposomen“-Versprechen mehr bezahlen, fragen Sie nach Daten zur Hautpenetration genau dieses Produkts. Daran sehen Sie, ob der höhere Preis einen messbaren Nutzen bringt.
5. Ekzem (atopische Dermatitis)
Ein Ekzem, auch atopische Dermatitis genannt, ist eine chronische Erkrankung mit trockener, juckender und entzündeter Haut. Ein großer Teil der Belege zum Ekzem, die Cannabis zugeschrieben werden, betrifft gar keine pflanzlichen Cannabinoide. Es geht dabei um Palmitoylethanolamid, ein Fettmolekül, das der Körper selbst bildet.
Palmitoylethanolamid ist mit dem Cannabinoid-System verwandt, wirkt aber anders. Es wirkt über Rezeptoren im Zellkern. Außerdem steigert es allgemein die Aktivität der körpereigenen Cannabinoid-Signale. Die Cannabinoid-Rezeptoren aktiviert es nicht direkt.
Die am häufigsten zitierte Studie ist ATOPA, erschienen 2008 im Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. Sie lief an mehreren Zentren. Es war eine unkontrollierte Beobachtungsstudie, es gab also keine Vergleichsgruppe. Teilgenommen haben 2.456 Patienten im Alter von 2 bis 70 Jahren. Sie verwendeten eine Barrierecreme mit physiologischen Lipiden (Fetten, die denen gesunder Haut ähneln) und Palmitoylethanolamid.
ATOPA berichtete über weniger Rötung (Erythem), weniger Juckreiz (Pruritus), weniger Trockenheit und einen geringeren Verbrauch von Kortisoncremes. Die Stichprobe war groß, das Studiendesign aber aus zwei Gründen schwach. Schon Feuchtigkeitscremes allein helfen bei Ekzemen. Zudem wird ein Ekzem von selbst mal besser, mal schlechter. Ohne Vergleichsgruppe lässt sich nicht sagen, wie viel der Besserung auf das Palmitoylethanolamid zurückging.
Eine aussagekräftigere Studie folgte 2024. Rao, Moussa, Erickson und Briskey veröffentlichten sie in Skin Pharmacology and Physiology. Sie war randomisiert und doppelblind, sodass weder Patienten noch Forscher wussten, wer welche Creme bekam. Aufgenommen wurden 72 Erwachsene, 65 schlossen die Studie ab. Eine Gruppe verwendete vier Wochen lang eine Palmitoylethanolamid-Creme, die andere eine gewöhnliche Feuchtigkeitscreme. Die Palmitoylethanolamid-Gruppe verbesserte sich bei zwei Messgrößen für den Schweregrad des Ekzems stärker.
Für Cannabidiol selbst sind die Belege dünner. Eine Studie von Palmieri und Kollegen aus dem Jahr 2019 gab 20 Patienten eine Cannabidiol-Salbe, ohne Vergleichsgruppe. Nur fünf von ihnen hatten ein Ekzem; die übrigen hatten Psoriasis oder Narben.
Anmerkung der Übersetzung: Eine Palmitoylethanolamid-Creme enthält kein Cannabis. Ein Tiegel mit Cannabisblatt auf dem Etikett setzt womöglich auf Palmitoylethanolamid statt auf Cannabinoide. Lesen Sie die Liste der Inhaltsstoffe, um zu sehen, was tatsächlich enthalten ist.
Was Sie tun sollten: Wenn Sie oder ein Familienmitglied ein Ekzem haben, setzen Sie die ärztlich verordnete Behandlung fort. Zeigen Sie dem Arzt die Liste der Inhaltsstoffe jeder Creme, die Sie zusätzlich verwenden möchten. Fotografieren Sie vier Wochen lang einmal pro Woche dieselbe Hautstelle. So sehen Sie, ob eine Veränderung länger anhält als die üblichen Schwankungen eines Ekzems.
6. Psoriasis
Psoriasis verursacht dicke, schuppende Stellen (Plaques), an denen sich Hautzellen zu schnell vermehren. Deshalb ist die Argumentation aus dem Labor leicht nachzuvollziehen. 2007 berichteten Wilkinson und Williamson im Journal of Dermatological Science über ihre Ergebnisse. Alle vier getesteten Cannabinoide bremsten das Wachstum menschlicher Keratinozyten in der Zellkultur. Das waren Tetrahydrocannabinol (THC), Cannabidiol, Cannabinol und Cannabigerol.
Die Wirkung wurde mit steigender Dosis stärker. Die Cannabinoid-Rezeptoren Typ 1 und 2 konnten den größten Teil der Wirkung nicht erklären.
Rund zehn Jahre lang folgten danach kaum Studien am Menschen. Die bisher größte Studie am Menschen stammt aus Thailand. Puaratanaarunkon, Sittisaksomjai und Kollegen berichteten 2022 darüber. Sie war randomisiert, placebokontrolliert und lief an zwei Zentren. Teilgenommen haben 51 Patienten mit leichter Plaque-Psoriasis.
Die Studie nutzte ein Split-Body-Design. Jeder Patient trug auf eine Stelle eine Salbe mit 2,5 % Cannabidiol auf und auf eine vergleichbare Stelle ein Placebo. So diente jede Person als ihre eigene Vergleichsgruppe. Die Studie dauerte 12 Wochen. Die mit Cannabidiol behandelten Stellen schnitten besser ab als die Placebo-Stellen, und es wurden keine Nebenwirkungen gemeldet. Die Autoren sprachen von einem günstigen Trend. Sie stellten das Ergebnis als Grundlage für künftige Studien dar.
Anmerkung der Übersetzung: Diese Studie ist für Leser hier besonders relevant, weil sie in Thailand durchgeführt wurde. Trotzdem testete sie nur eine Salbe, nur bei leichter Psoriasis und nur an 51 Personen. Sie belegt nicht, dass im Handel verkaufte Balsame wirken.
Was Sie tun sollten: Wenn Sie Psoriasis haben, nehmen Sie die Quellenangabe der Studie mit zu einem Hautarzt. Fragen Sie, ob sie auf Ihren Fall zutrifft. Setzen Sie die verordnete Behandlung nicht ab, während Sie auf eine Antwort warten.
7. Akne und die Talgdrüsen-Studie
Was die Laborarbeit zeigte
Die am häufigsten zitierte Studie stammt von Oláh und Kollegen und erschien 2014 im Journal of Clinical Investigation. Sie behandelten menschliche Talgdrüsenzellen der Zelllinie SZ95 mit Cannabidiol. Diese Zellen sind „immortalisiert“, das heißt, sie teilen sich im Labor unbegrenzt weiter. Die Forscher verwendeten außerdem menschliche Haut, die in der Kulturschale am Leben gehalten wurde (Organkultur).
Cannabidiol hatte drei Wirkungen:
- es verringerte die Talgproduktion, die durch aknefördernde Substanzen ausgelöst wurde;
- es bremste die Zellvermehrung, ohne die Zellen abzutöten;
- es verringerte entzündliche Signalstoffe, sogenannte Zytokine.
Es wirkte über zwei Wege. Der eine ist TRPV4, ein Ionenkanal (eine Pforte in der Zellmembran, die geladene Teilchen durchlässt). Der andere ist der Adenosin-A2a-Signalweg, ein Rezeptorsystem für den Botenstoff Adenosin.
Das war keine Studie am Menschen. Zellen und Haut in der Kulturschale haben keine Barriere zu überwinden, keine Blutversorgung, kein Immunsystem und keine Aknebakterien in den Haarfollikeln. Das Ergebnis ist ein Grund, eine Studie am Menschen durchzuführen, mehr nicht.
Was beim Menschen herauskam
Botanix Pharmaceuticals führte daraufhin eine Phase-2-Studie mit BTX 1503 durch, einer Lösung mit synthetischem Cannabidiol. Phase 2 ist eine Studie im mittleren Entwicklungsstadium, die prüft, ob ein Wirkstoff wirkt und welche Dosis sinnvoll ist. Die Studie dauerte 12 Wochen und war randomisiert und doppelblind. Sie war vehikelkontrolliert, das heißt, die Vergleichsgruppe verwendete dieselbe Lösung ohne Cannabidiol. Aufgenommen wurden 368 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Akne. Die Ergebnisse erschienen im Oktober 2019.
Das wichtigste Wirksamkeitsmaß der Studie war die Veränderung der Zahl entzündeter Pickel (Läsionen) nach 12 Wochen. Laut den auf ClinicalTrials.gov veröffentlichten Ergebnissen sank die Zahl entzündeter Läsionen bei der besten Dosis (5 % einmal täglich) um 12, in der Vehikelgruppe um 11,3. Das ist praktisch kein Unterschied.
Was Sie tun sollten: Wenn sich eine Aussage zu Akne auf eine Laborstudie stützt, suchen Sie nach der Studie am Menschen, die darauf folgte. Für Cannabidiol hat die größte solche Studie ihr Hauptziel verfehlt. Bleiben Sie bei Ihrer üblichen Aknebehandlung.
Teil 2 behandelt örtlich begrenzte Schmerzen, Juckreiz, Rauschwirkung und Drogentests, die Genauigkeit der Etiketten, das Allergierisiko und enthält eine Übersichtstabelle aller Belege. Fragen zu diesem Teil sind im Thread unten willkommen. Posten Sie dabei die Liste der Inhaltsstoffe des Produkts, nach dem Sie fragen.
Literatur
- Studie zur Lokalisierung der Cannabinoid-Rezeptoren Typ 1 und 2 in menschlichem Hautgewebe. Journal of Dermatological Science, 2005.
- Übersichtsarbeit zum kutanen Endocannabinoid-System. International Journal of Molecular Sciences, 2023.
- Übersichtsarbeit zum Endocannabinoid-System der Haut als therapeutische Chance. Trends in Pharmacological Sciences, 2009.
- Offene Studie mit einem transdermalen Gel mit 4 % Cannabidiol (15 Teilnehmende bis zum Abschluss). Scientific Reports, 2024.
- Übersichtsarbeit zu den Eigenschaften von Cannabinoiden bei der Aufnahme über die Haut. Pharmaceutics, 2022.
- Übersichtsarbeit zu Penetrationsverstärkern, Nanoträgern, Mikronadeln und Prodrugs für die Aufnahme von Cannabinoiden über die Haut. Cannabis and Cannabinoid Research, 2024.
- Cannabidiol in Organosilan-Partikeln an exzidierter menschlicher Haut. Pharmaceutics, 2023.
- ATOPA-Studie. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 2008.
- Rao, Moussa, Erickson, Briskey. Randomisierte Studie mit einer Palmitoylethanolamid-Creme bei Ekzem. Skin Pharmacology and Physiology, 2024.
- Palmieri und Kollegen. Unkontrollierte Studie mit einer Cannabidiol-Salbe an 20 Patienten mit Psoriasis, Ekzem oder Narben, 2019.
- Wilkinson, Williamson. Cannabinoide und Keratinozyten-Proliferation. Journal of Dermatological Science, 2007.
- Puaratanaarunkon, Sittisaksomjai und Kollegen. Randomisierte Split-Body-Studie mit einer Salbe mit 2,5 % Cannabidiol bei leichter Plaque-Psoriasis. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 2022.
- Oláh und Kollegen. Cannabidiol und menschliche Sebozyten. Journal of Clinical Investigation, 2014.
- Botanix Pharmaceuticals. Phase-2-Ergebnisse von BTX 1503 bei mittelschwerer bis schwerer Akne, Oktober 2019.
Dieser Artikel gehört zur Bildungsreihe der Asiannabis Community über medizinisches Cannabis. Er bietet allgemeine Informationen und ist keine medizinische Beratung. Behandlungsentscheidungen gehören in die Hände zugelassener Fachkräfte. Die Inhalte dienen Bildungszwecken in Rechtsordnungen, in denen medizinisches Cannabis gesetzlich erlaubt ist.
Weiter in Teil 2: Cannabis auf der Haut: Schmerzen, Juckreiz, Drogentests, Genauigkeit der Etiketten und Allergierisiko (Teil 2 von 2)