Grundbedürfnisse von Cannabis: Licht, Wasser, Nährstoffe und Luft — Zielwerte und wie Sie sie im thailändischen Klima erreichen

Dieser Leitfaden nennt Zielwerte für die vier Dinge, die jede Cannabispflanze braucht: Licht, Wasser, Nährstoffe und Luft. Zu jedem Wert erfahren Sie, was er misst und warum er wichtig ist. Außerdem erfahren Sie, was Sie zuerst prüfen sollten.

Die Anmerkungen der Übersetzung zeigen, wo die Bedingungen in Thailand und Südostasien diese Zielwerte schwerer erreichbar machen. Sie sagen auch, was Sie stattdessen tun können.

Cannabis nutzt die häufigste Form der Photosynthese, die sogenannte C3-Photosynthese. Dabei bindet die Pflanze Kohlenstoff über einen Prozess namens Calvin-Zyklus. Pflanzen dieses Typs reagieren stark auf Veränderungen bei Licht, Kohlendioxid (CO₂), Temperatur und Wasser. Ändert sich einer dieser vier Faktoren, zeigt sich das an Wachstum und Ertrag.

1. Licht

Was gemessen wird

Pflanzen nutzen Licht zwischen 400 und 700 Nanometern (nm) für die Photosynthese. Grower nennen diesen Bereich PAR (photosynthetisch aktive Strahlung). Drei Messgrößen beschreiben das Licht, das Ihre Pflanzen bekommen:

  • PPFD (photosynthetische Photonenflussdichte): wie viel nutzbares Licht pro Sekunde oben an den Pflanzen ankommt, in μmol/m²/s. Sie messen sie mit einem PAR-Messgerät auf Höhe des Kronendachs.
  • DLI (Tageslichtsumme, englisch „daily light integral“): die gesamte nutzbare Lichtmenge, die eine Pflanze an einem Tag erhält, in mol/m²/Tag. Die Formel lautet DLI = PPFD × Lichtstunden × 0,0036.
  • Spektrum: die Farbmischung des Lichts.

Beispiel: Ein Sämling unter 300 μmol/m²/s bei 18 Stunden Licht pro Tag erhält 300 × 18 × 0,0036 ≈ 19,4 mol/m²/Tag.

Was die einzelnen Lichtfarben bewirken

  • Blau (400–500 nm) hält Pflanzen niedrig und kompakt, mit kurzen Abständen zwischen den Blattknoten.
  • Rot (600–700 nm) fördert die Blüte.
  • Dunkelrot (Far-Red) (etwa 700–750 nm, knapp außerhalb des klassischen PAR-Bereichs) treibt die Photosynthese ebenfalls an, wenn es mit Licht von 400–700 nm gemischt wird. In Studien an 14 Kulturpflanzenarten wirkten Far-Red-Photonen genauso gut wie Photonen von 400–700 nm, solange sie bis zu etwa 30 % des Lichts ausmachten (Zhen, van Iersel und Bugbee, Frontiers in Plant Science, 2021, 12:693445). Das bedeutet nicht, dass Far-Red die Photosynthese um 30 % steigert.
  • UV-B (ein Bereich des ultravioletten Lichts) soll Berichten zufolge oft die Trichombildung fördern, also der Harzdrüsen, die Cannabinoide und Terpene enthalten. Eine Studie von 2021 desselben Teams aus Guelph, das auch die unten beschriebene Lichtstudie durchgeführt hat, fand durch zusätzliches UV-B keinen kommerziell nützlichen Zuwachs bei Blütenertrag oder Cannabinoidgehalt. Bei einer der beiden Sorten sanken Ertrag und THC sogar (Rodriguez-Morrison, Llewellyn und Zheng, Frontiers in Plant Science, 2021, 12:725078).

Zielwerte nach Wachstumsphase

Der Licht-Dunkel-Rhythmus wird als Lichtstunden/Dunkelstunden angegeben. 18/6 bedeutet zum Beispiel 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit. Cannabis, das kein Autoflower ist, bildet unter 18/6 weiter Blätter und Triebe. Unter 12/12 schaltet es auf Blüte um.

Phase PPFD (μmol/m²/s) DLI (mol/m²/Tag) Licht/Dunkel (Stunden)
Sämling 200–400 13–26 18/6
Vegetative Phase (Blatt- und Triebwachstum) 400–600 26–39 18/6
Blüte 600–900 26–39 12/12
Blüte mit CO₂-Zugabe 900–1.500 39–65 12/12

Die DLI-Spalte ergibt sich direkt aus der Formel. Zum Beispiel: 600 × 12 × 0,0036 ≈ 26 und 900 × 12 × 0,0036 ≈ 39.

Eine Studie von 2021: Mehr Licht steigerte den Ertrag immer weiter

Rodriguez-Morrison, Llewellyn und Zheng veröffentlichten eine Studie zur Beleuchtung von Cannabis in Frontiers in Plant Science (2021, 12:646020). Sie bauten Cannabis indoor bei einem normalen CO₂-Gehalt von 437 ppm an, ohne CO₂-Zugabe. Die Lichtstärke reichte von 120 bis 1.800 μmol/m²/s.

Die Photosynthese eines einzelnen Blattes erreichte schon deutlich unter 1.800 μmol/m²/s ein Plateau. Beim Ertrag an getrockneten Blüten war das nicht so. Er stieg über den gesamten Bereich linear an. Bei 1.800 μmol/m²/s produzierten die Pflanzen 4,5-mal so viel Blüte wie bei 120.

Die Potenz pro Gramm blieb bei jeder Lichtstärke gleich. Die helleren Räume lieferten insgesamt nur deshalb mehr Cannabinoide, weil sie mehr Blüte produzierten. Die Blüte selbst war nicht stärker.

Die Autoren der Studie erklären, warum das einzelne Blatt ein Plateau erreichte, die ganze Pflanze aber nicht. Eine Pflanze hat viele Blätter in unterschiedlicher Tiefe. Beschattete untere Blätter bekommen weniger Licht und nutzen es effizienter. Deshalb kann die ganze Pflanze zusätzliches Licht noch verwerten, wenn die oberen Blätter bereits gesättigt sind.

Für den weiteren Ertragsanstieg war keine CO₂-Zugabe nötig. Bei normalem CO₂ fand die Studie nämlich keine Lichtstärke, ab der der Ertrag nicht mehr stieg. Zusätzliches CO₂ wurde in der Studie nicht getestet. Die Autoren sagen nur, dass der Ertrag auf zusätzliches CO₂ möglicherweise ähnlich reagiert wie auf zusätzliches Licht und dass dies weiter erforscht werden muss. Außerdem schätzten sie anhand einer angenommenen Lampeneffizienz: Der Schritt von 900 auf 1.800 μmol/m²/s steigerte den Ertrag um etwa 70 %, senkte aber die Gramm Blüte pro kWh um etwa 15 %.

Anmerkung der Übersetzung: In Thailand bringt jedes zusätzliche Watt Licht auch zusätzliche Wärme in den Raum. In einem Raum, der ohnehin 30–35 °C hat, muss die Klimaanlage dann mehr leisten. Sie zahlen doppelt: einmal für die Lampe und einmal für die Kühlung. Die Studie bedeutet also nicht „immer die hellste Lampe kaufen“. Sie zeigt vielmehr, dass oft das Licht den Ertrag begrenzt. Es lohnt sich deshalb zu testen, wie weit Sie in Ihrem eigenen Raum gehen können.

Anmerkung der Übersetzung: Im Freiland und in Gewächshäusern in Thailand bleibt der natürliche Tag das ganze Jahr über nahe bei 12 Stunden. Er kommt nie in die Nähe der 18 Stunden, die für das vegetative Wachstum genutzt werden. Photoperiodische Pflanzen unter natürlichem Licht können deshalb schon zu blühen beginnen, solange sie noch klein sind. Das Thema warum photoperiodische Pflanzen in Thailand früh blühen erklärt das und beschreibt die vier Wege, wie Grower es verhindern.

Was Sie tun sollten: Messen Sie die PPFD auf Höhe des Kronendachs in der Mitte und an jeder Ecke Ihrer Anbaufläche. So sehen Sie, wo das Licht schwach ist. Erhöhen Sie die Lichtstärke schrittweise von einem Durchgang zum nächsten. Notieren Sie bei jedem Durchgang das Trockengewicht der Blüten und die kWh für Licht und Kühlung. Die kWh lesen Sie an einem Zwischenstecker-Strommessgerät oder an einem Unterzähler ab. So sehen Sie, ob sich das zusätzliche Licht in Ihrem Raum bezahlt gemacht hat.

2. Wasser

Pflanzen verwenden nur einen kleinen Teil des aufgenommenen Wassers für die Photosynthese, oft wird etwa 1 % genannt. Der Rest verlässt die Pflanze als Wasserdampf über die Stomata, winzige Poren auf der Blattoberfläche. Dieser Verlust heißt Transpiration. Er kühlt das Blatt und zieht Wasser und gelöste Nährstoffe von den Wurzeln nach oben.

Richtig gießen

  1. Vor dem Gießen prüfen. Stecken Sie einen Finger 3–5 cm tief ins Substrat. Fühlt es sich trocken an, gießen Sie. Ist es noch feucht, warten Sie. Das ist wichtig, weil Wurzeln neben Wasser auch Luft brauchen. Wenn Sie ein noch nasses Substrat gießen, bekommen die Wurzeln keine Luft mehr.
  2. Gründlich gießen. Gießen Sie so lange, bis 15–20 % des Wassers unten aus dem Topf ablaufen. Grower nennen dieses ablaufende Wasser „Drainwasser“ (englisch „Runoff“). Wenn Sie zum Beispiel 2 Liter gießen, sollten 0,3–0,4 Liter ablaufen. So wird die gesamte Wurzelzone durchfeuchtet, und übrig gebliebene Düngesalze werden ausgespült.
  3. Drainwasser testen. Messen Sie pH und EC des Drainwassers (beides wird in Abschnitt 4 erklärt). Steigt der EC des Drainwassers deutlich über den EC des Gießwassers, reichern sich Salze im Topf an.

Zu viel oder zu wenig Wasser

Bei beiden Problemen hängen die Blätter. Prüfen Sie daher Blätter und Substrat zusammen.

Anzeichen Zu viel Wasser Zu wenig Wasser
Blätter Hängend, aber fest und schwer; Substrat ist nass Hängend, dünn und brüchig; Substrat ist trocken
Blattfarbe Dunkelgrün, Vergilbung beginnt an den unteren Blättern Vergilbt schnell, trocknet von den Blatträndern her ein
Erholung Langsam (mehrere Tage) Schnell (wenige Stunden nach dem Gießen)
Hauptrisiko Wurzelfäule (Pythium, ein Eipilz bzw. Oomycet, der Wurzeln befällt) Stress und geringerer Ertrag

Anmerkung der Übersetzung: Bei 30–35 °C trocknen Töpfe viel schneller aus als in den kühleren Klimazonen, für die die meisten Anbauleitfäden geschrieben sind. In der Regenzeit können Töpfe im Freien tagelang nass bleiben. Gießen Sie daher nicht nach festem Kalender. Stellen Sie Töpfe im Freien erhöht auf und halten Sie die Abflusslöcher frei, damit kein Regenwasser in der Wurzelzone steht. Warme, staunasse Wurzeln haben ein hohes Risiko für Wurzelfäule.

Was Sie tun sollten: Heben Sie jeden Topf direkt nach dem Gießen an. Heben Sie ihn noch einmal an, wenn das Substrat in 3–5 cm Tiefe trocken ist. Prägen Sie sich den Gewichtsunterschied ein. Nach einer Woche erkennen Sie in zwei Sekunden, ob ein Topf Wasser braucht, ohne die Wurzeln zu stören.

3. Nährstoffe

3.1 Die drei Hauptnährstoffe: Stickstoff, Phosphor, Kalium

Auf Düngeretiketten stehen diese drei als N-P-K:

  • Stickstoff (N) baut Proteine und Chlorophyll auf, den grünen Farbstoff, der Licht einfängt. Am meisten Stickstoff brauchen Pflanzen in der vegetativen Phase.
  • Phosphor (P) ist Bestandteil von ATP, dem Molekül, das in den Zellen Energie transportiert. Er unterstützt die Entwicklung von Wurzeln und Blüten. Der Originalartikel empfiehlt in der Blüte mehr Phosphor. Das Forumsthema zu phosphorreicher Düngung prüft, wie weit das zutrifft.
  • Kalium (K) steuert die Wasserbewegung in der Pflanze und aktiviert Enzyme. Der Bedarf bleibt über den gesamten Lebenszyklus recht konstant.

Die folgenden Angaben sind Verhältnisse, keine Werte vom Etikett. Ein Verhältnis von 3-1-2 bedeutet drei Teile Stickstoff, ein Teil Phosphor und zwei Teile Kalium. Ein Produkt mit der Angabe 9-3-6 hat dasselbe Verhältnis.

Phase N-P-K-Verhältnis Bedeutung
Sämling 1-1-1, schwach Ausgewogene Düngung mit einem Viertel der vollen Dosis
Vegetative Phase 3-1-2 Extra Stickstoff für Blätter und Triebe
Frühe Blüte 2-2-2 Ausgewogene Düngung während der Umstellung auf Blüte
Mittlere bis späte Blüte 1-3-2 Extra Phosphor für die Blütenentwicklung
Spülung 0-0-0 Nur klares Wasser in den letzten 1–2 Wochen vor der Ernte

Anmerkung der Übersetzung: Verwenden Sie nur in Thailand registrierte Düngemittel. Halten Sie sich an das Düngeschema des Herstellers für das jeweilige Produkt. Bei Fragen zu einem Produkt wenden Sie sich an den offiziellen Vertriebspartner in Thailand. Das Thema wie Sie prüfen, ob ein Düngemittel in Thailand legal verkauft wird zeigt, wie Sie die Registrierung auf dem Etikett überprüfen.

Was Sie tun sollten: Lesen Sie die N-P-K-Werte auf jedem Produkt, mit dem Sie derzeit düngen. Ordnen Sie jedes Produkt einer Phase zu. So sehen Sie, ob Sie in der späten Blüte noch viel Stickstoff geben. Die Übersichtstabelle unten nennt das als häufigsten Düngefehler.

3.2 Sekundärnährstoffe und Spurenelemente

  • Calcium (Ca) baut Zellwände auf. Mangel: braune Flecken an neuen Blättern.
  • Magnesium (Mg) ist das Atom im Zentrum jedes Chlorophyllmoleküls. Mangel: Vergilbung zwischen den Blattadern alter Blätter, während die Adern grün bleiben.
  • Schwefel (S) ist Bestandteil der Aminosäuren Cystein und Methionin, aus denen die Pflanze Proteine aufbaut. Mangel: gleichmäßige Vergilbung neuer Blätter.
  • Eisen, Mangan, Zink, Bor, Kupfer und Molybdän (Fe, Mn, Zn, B, Cu, Mo) werden nur in winzigen Mengen benötigt. Ohne sie kann die Pflanze trotzdem nicht richtig wachsen.

Ob ein Symptom an neuen oder alten Blättern beginnt, ist der erste Hinweis darauf, welcher Nährstoff fehlt. Der Leitfaden zum Erkennen von Nährstoffmängeln führt Sie durch die weiteren Schritte.

Was Sie tun sollten: Wenn Blätter die Farbe ändern, fotografieren Sie sie. Notieren Sie, ob neue oder alte Blätter zuerst betroffen sind. Prüfen Sie den pH-Wert der Wurzelzone (Abschnitt 4), bevor Sie einen Nährstoff zugeben. Ein pH-Wert außerhalb des Zielbereichs kann die Aufnahme blockieren, auch wenn der Nährstoff vorhanden ist.

4. Säuregrad und Nährstoffstärke in der Wurzelzone

pH zeigt, wie sauer oder basisch Wasser oder Substrat sind. 7 ist neutral, niedrigere Werte sind saurer. EC (elektrische Leitfähigkeit) zeigt in mS/cm, wie viel gelöstes Düngesalz im Wasser ist. Ein höherer EC bedeutet eine stärkere Lösung.

Substrat Ziel-pH EC Sämling EC vegetative Phase EC Blüte
Erde 6,0–7,0 0,4–0,8 0,8–1,4 1,2–1,8
Kokossubstrat 5,8–6,3 0,4–0,6 0,8–1,2 1,0–1,6
Hydroponik 5,5–6,5 0,4–0,6 1,0–1,6 1,4–2,0

Lassen Sie den pH-Wert innerhalb des Zielbereichs etwas schwanken, statt ihn auf einem einzigen Wert zu halten. Bei Erde kann er zum Beispiel von 6,0 auf 6,5 und zurück auf 6,2 gehen. Der übliche Grund dafür: Jeder Nährstoff wird an einem etwas anderen Punkt des Bereichs am besten aufgenommen.

Kalibrieren Sie Ihr pH-Messgerät einmal pro Woche. pH-Messgeräte driften mit der Zeit. Mit einem driftenden Messgerät bringen Sie die Wurzelzone womöglich aus dem Zielbereich, ohne es zu merken. Verwenden Sie frische Kalibrierlösung und befolgen Sie die Anleitung des Geräteherstellers.

Anmerkung der Übersetzung: Thailändisches Leitungs- und Brunnenwasser enthält bereits gelöste Mineralien, und die Menge schwankt je nach Region. Messen Sie zuerst EC und pH Ihres reinen Wassers. So wissen Sie, welcher Anteil eines EC-Messwerts vom Dünger stammt und welcher schon im Wasser war. In Hydroponik-Systemen erwärmt die thailändische Hitze außerdem den Nährstofftank. Das Thema zu Nährstofftanks bei 31 °C zeigt Ihre Möglichkeiten.

Was Sie tun sollten: Messen Sie diese Woche pH und EC von drei Dingen: Ihrem reinen Wasser, Ihrer angemischten Nährlösung und Ihrem Drainwasser. Schreiben Sie alle drei Werte auf. Diese Werte sind Ihre Ausgangsbasis, um später Salzanreicherungen oder eine pH-Drift zu erkennen.

5. Luft und Klima

5.1 Wie trocken die Luft ist: Dampfdruckdefizit

Das Dampfdruckdefizit (VPD) misst in kPa, wie stark die Luft den Blättern Wasser entzieht. Es ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit (RH). Bei niedrigem VPD (kühle, feuchte Luft) verlangsamt sich die Transpiration, und die Pflanze nimmt Nährstoffe langsamer auf. Bei hohem VPD (heiße, trockene Luft) verliert die Pflanze schneller Wasser, als die Wurzeln nachliefern können.

Phase VPD (kPa) Temperatur (°C) RH (%)
Sämling oder frischer Klon 0,4–0,8 22–26 65–80
Vegetative Phase 0,8–1,1 22–28 55–70
Frühe Blüte 0,9–1,2 20–26 45–55
Späte Blüte 1,1–1,4 18–24 40–50
Mit CO₂-Zugabe 1,3–1,6 26–30 40–55

Das sind übliche Zielwerte unter Growern, keine Versuchsergebnisse. Lesen Sie die Spalten Temperatur und RH als Bereiche, nicht als beliebig kombinierbare Werte. Nicht jedes Paar aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit in einer Zeile ergibt den VPD dieser Zeile. Wählen Sie mit einer VPD-Tabelle oder einem VPD-Rechner ein Paar, das den VPD-Zielwert trifft.

Die Zeile „Mit CO₂-Zugabe“ zeigt das Problem am deutlichsten. Wenn die Blatttemperatur der Lufttemperatur entspricht, ergeben 26–30 °C bei 40–55 % RH ungefähr 1,5–2,5 kPa. Das liegt über dem Zielwert von 1,3–1,6 kPa in derselben Zeile. Um in diesem Temperaturbereich bei 1,3–1,6 kPa zu bleiben, muss die RH höher sein: etwa 52–61 % bei 26 °C und 62–69 % bei 30 °C.

Anmerkung der Übersetzung: In den meisten Teilen Thailands liegen die Temperaturen einen Großteil des Jahres bei 30–35 °C. In der Regenzeit liegt die Luftfeuchtigkeit weit über den Zielwerten von 40–55 % für die Blüte. Ohne Klimaanlage sind die Zielwerte für die späte Blüte von 18–24 °C und 40–50 % RH nicht erreichbar.

Was Sie tun können:

  • Dimensionieren Sie Klimaanlage und Entfeuchter passend zu Ihrem Raum. Das Thema zur Dimensionierung von Kühlung und Entfeuchter rechnet die Zahlen durch.
  • Legen Sie die Lichtphase in die Nacht, wenn die Außenluft am kühlsten ist. Das senkt die Kühllast.
  • Geben Sie in der späten Blüte der Kontrolle der Luftfeuchtigkeit Vorrang vor einer exakten Temperatur. In dichten Blüten bei feuchter Luft beginnt die Blütenfäule (Botrytis).
  • Treffen Sie Vorsorge für Stromausfälle. Bei einem Ausfall stehen Klimaanlage und Entfeuchter still, und die Luftfeuchtigkeit in einem geschlossenen Raum steigt. Wenn Sie sich eine Notstromversorgung leisten können, versorgen Sie damit zuerst den Entfeuchter und die Ventilatoren. Kontrollieren Sie nach jedem Ausfall die dichtesten Blüten.

Was Sie tun sollten: Hängen Sie ein Thermo-Hygrometer mit Min/Max-Speicher auf Höhe des Kronendachs auf. Lesen Sie es jeden Morgen ab. So sehen Sie den ungünstigsten Wert der letzten 24 Stunden, der oft in die Dunkelphase fällt. Eine einzelne Messung, während Sie im Raum sind, zeigt diesen Wert nicht.

5.2 Kohlendioxid (CO₂)

  • Außenluft enthält etwa 427 ppm CO₂ (Jahresmittel 2025 am Mauna Loa, Hawaii), und der Wert steigt jedes Jahr.
  • Wenn Sie den CO₂-Gehalt im Raum auf 1.000–1.500 ppm anheben, kann das den Ertrag steigern. Es gibt nur wenige veröffentlichte Zahlen für Cannabis, und der Zugewinn hängt vom jeweiligen Aufbau ab. Testen Sie es daher in Ihrem eigenen Raum.
  • Zusätzliches CO₂ lohnt sich nur, wenn Licht und Nährstoffe bereits stimmen.
  • Sehr hohe CO₂-Werte sind ein Gesundheitsrisiko für Menschen, die im Raum arbeiten. Beachten Sie die Sicherheitsschritte unten.

Was Sie davon haben: mehr Blüte bei gleichem Licht und gleicher Fläche, sofern der restliche Raum bereits gut eingerichtet ist. Denken Sie an die Studie von 2021 weiter oben: Bei normalem CO₂ steigerte schon mehr Licht allein den Ertrag immer weiter. Testen Sie daher zuerst das Licht.

So funktioniert es in Thailand: Zugeführtes CO₂ bleibt nur in einem abgedichteten Raum. Viele Räume in Thailand werden mit einem Abluftventilator gekühlt, der Außenluft ansaugt. Dieser Ventilator befördert das zugeführte CO₂ direkt wieder nach draußen. Eine CO₂-Anreicherung eignet sich daher für abgedichtete Räume mit Klimaanlage. CO₂ ist weder sichtbar noch riechbar. Verwenden Sie einen Controller mit CO₂-Sensor und lüften Sie den Raum, bevor Sie darin arbeiten. Für Ausrüstung und Gasversorgung wenden Sie sich an den offiziellen thailändischen Vertriebspartner des jeweiligen Herstellers oder fragen Sie die Community im Bereich „Ausrüstung und Zubehör“.

So fangen Sie an: Testen Sie es in einem einzigen abgedichteten Raum. Führen Sie einen Durchgang mit CO₂ und einen ohne CO₂ durch, mit derselben Genetik und demselben Licht. Notieren Sie das Trockengewicht der Blüten, die verbrauchten kWh und die Kosten für das CO₂. So erfahren Sie, ob die Anreicherung in Ihrem Aufbau ihre Kosten wieder einbringt.

5.3 Luftbewegung

  • Tauschen Sie die Raumluft alle 1–3 Minuten aus. Verwenden Sie dafür einen Rohrventilator (einen Ventilator, der im Lüftungsrohr sitzt) und einen Kohlefilter, der Gerüche entfernt. So werden Wärme und Feuchtigkeit abgeführt und frisches CO₂ hereingeholt. Luftaustausch und Raumaufteilung behandelt ein eigener Leitfaden.
  • Verwenden Sie oszillierende Ventilatoren. Durch sanfte, ständige Bewegung wachsen die Stängel dicker und kräftiger. Diese Reaktion auf Berührung und Bewegung heißt Thigmomorphogenese.
  • Halten Sie im Raum einen leichten Unterdruck. Stellen Sie die Abluft so ein, dass sie etwas mehr Luft absaugt, als hereinkommt. Dann strömt Luft durch Ritzen in den Raum hinein statt hinaus. Geruchsbeladene Luft verlässt den Raum nur durch den Kohlefilter. So bleibt der Geruch unter Kontrolle.

Beispiel: Ein Raum von 3 × 3 m mit 2,5 m Deckenhöhe enthält 22,5 m³ Luft. Für einen vollständigen Luftwechsel pro Minute brauchen Sie 22,5 × 60 = 1.350 m³/h. Für einen Wechsel alle 3 Minuten brauchen Sie 450 m³/h. Wählen Sie Ihren Ventilator innerhalb dieses Bereichs.

Anmerkung der Übersetzung: Bei der Hitze in Thailand saugt eine starke Abluft heiße Außenluft an. In einem belüfteten Raum ist die Luftwechselrate deshalb ein Kompromiss: Sie führen Feuchtigkeit ab, holen aber auch Wärme herein. In einem abgedichteten Raum mit Klimaanlage und CO₂ läuft die Abluft hauptsächlich, um Feuchtigkeit oder überschüssiges CO₂ abzuführen. In dicht bebauten Wohngegenden in Thailand sorgen Unterdruck und ein funktionierender Kohlefilter außerdem dafür, dass der Geruch nicht zu den Nachbarn dringt.

Was Sie tun sollten: Messen Sie Ihren Raum aus und berechnen Sie sein Volumen. Vergleichen Sie das Ergebnis mit der Luftleistung, die auf Ihrem Ventilator angegeben ist. So sehen Sie, ob Ihr Ventilator den Zielwert von 1–3 Minuten erreichen kann.

Übersichtstabelle

Faktor Wirkung Was gemessen wird Häufiger Fehler
Licht Photosynthese, Blüte PPFD, DLI Sehr hohe PPFD ohne CO₂-Zugabe (siehe Anmerkung unten)
Wasser Transportiert Nährstoffe, kühlt Blätter Feuchtigkeit im Substrat, pH und EC des Drainwassers Überwässerung
Nährstoffe Bauen Pflanzenzellen auf N-P-K, EC, pH Zu viel Stickstoff in der Blüte
pH Steuert die Nährstoffaufnahme Erde 6,0–7,0, Hydroponik 5,5–6,5 Messgerät nicht kalibriert
Luft Liefert CO₂, treibt die Transpiration an VPD, CO₂ in ppm Schlechte Luftbewegung

Anmerkung zur Zeile „Licht“: Der Originalartikel nennt „hohe PPFD ohne CO₂“ als Fehler. Mit Blick auf den Ertrag stützt die Studie von 2021 aus Abschnitt 1 das nicht, denn das Blütengewicht stieg bei normalem CO₂ weiter an. Der Originalartikel meint damit, dass zusätzliches CO₂ mit demselben Stromverbrauch mehr Blüte bringt. Die Studie von 2021 hat das nicht getestet. Betrachten Sie es daher als unbewiesen.

Was Sie in den nächsten zwei Wochen tun sollten

  1. Messen Sie die PPFD in der Mitte und an den Ecken Ihres Kronendachs. So finden Sie schwache Stellen in Ihrer Beleuchtung.
  2. Prägen Sie sich das Nass- und das Trockengewicht jedes Topfes ein. Gießen Sie dann nach Bedarf statt nach Kalender. Das beugt Überwässerung und Wurzelfäule vor.
  3. Notieren Sie pH und EC Ihres reinen Wassers, Ihrer angemischten Nährlösung und Ihres Drainwassers. So haben Sie eine Ausgangsbasis, um Salzanreicherungen zu erkennen.
  4. Kalibrieren Sie Ihr pH-Messgerät und tragen Sie das Datum in Ihr Notizbuch ein. So können Sie sich auf jede spätere Messung verlassen.
  5. Notieren Sie täglich die Minimal- und Maximalwerte von Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf Höhe des Kronendachs. So sehen Sie, ob die Luftfeuchtigkeit in der Dunkelphase Ihre Blüten gefährdet.
  6. Vergleichen Sie die Luftleistung Ihres Ventilators mit dem Volumen Ihres Raums. So erfahren Sie, ob der Raum die eigene Wärme und Feuchtigkeit loswerden kann.

Wenn Ihre Werte nicht zu diesen Zielwerten passen, posten Sie sie unter diesem Thema, zusammen mit Raumgröße und Ausrüstung. Andere Grower in ähnlichem Klima können Ihnen dann helfen herauszufinden, was Sie zuerst ändern sollten.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient der Bildung und ist ausschließlich für den legalen Anbau gedacht. In Thailand ist die Cannabisblüte ein kontrolliertes Heilkraut. Das legt die Bekanntmachung des Ministeriums für öffentliche Gesundheit über kontrollierte Heilkräuter (Cannabis) B.E. 2568 fest, die seit dem 26. Juni 2025 in Kraft ist. Blüten dürfen nur gegen ein PT-33-Rezept (ภ.ท.33) verkauft werden, das höchstens 30 Tage abdeckt. Werbung für Blüten und ihr Online-Verkauf sind verboten.

Zusätzlich gelten zwei Ministerialverordnungen von B.E. 2569. Die Ministerialverordnung über Cannabis- oder Hanfextrakte ist seit dem 26. April 2026 in Kraft. Die Ministerialverordnung über kontrollierte Heilkräuter (Nr. 2) ist seit dem 30. April 2026 in Kraft und verschärft die Lizenzkriterien für Cannabisblüten. Prüfen Sie, bevor Sie handeln, welche Lizenz Ihre Tätigkeit abdeckt.

Quellen

  1. Chandra S, Lata H, Khan IA, ElSohly MA. (2008). Photosynthetic response of Cannabis sativa L. to variations in photosynthetic photon flux densities, temperature and CO₂ conditions. Physiology and Molecular Biology of Plants, 14(4):299–306.
  2. Chandra S, Lata H, Mehmedic Z, Khan IA, ElSohly MA. (2015). Light dependence of photosynthesis and water vapor exchange characteristics in different high Δ9-THC yielding varieties of Cannabis sativa L. Journal of Applied Research on Medicinal and Aromatic Plants, 2(2):39–47.
  3. Eichhorn Bilodeau S, Wu B-S, Rufyikiri A-S, MacPherson S, Lefsrud M. (2019). An update on plant photobiology and implications for cannabis production. Frontiers in Plant Science, 10:296.
  4. Rodriguez-Morrison V, Llewellyn D, Zheng Y. (2021). Cannabis yield, potency, and leaf photosynthesis respond differently to increasing light levels in an indoor environment. Frontiers in Plant Science, 12:646020.
  5. Danziger N, Bernstein N. (2021). Light matters: Effect of light spectra on cannabinoid profile and plant development of medical cannabis (Cannabis sativa L.). Industrial Crops and Products, 164:113351.