Cannabis-Chemotypen (Typ I–V): Pflanzen nach im Labor gemessener Chemie statt nach Indica und Sativa einordnen

SamentĂŒten und die Angebotslisten der Shops teilen Cannabis noch immer in „Indica“, „Sativa“ und „Hybrid“ ein. Diese Bezeichnungen beschreiben, wie eine Pflanze aussieht. Sie sagen Ihnen aber nicht, was die Pflanze enthĂ€lt. Das Chemotyp-System ordnet Pflanzen stattdessen nach ihrer gemessenen Chemie. Dieser Leitfaden stellt die fĂŒnf Chemotypen vor. Er erklĂ€rt auch die Gene dahinter und die weiteren Stoffe, die ein Laborbericht ausweist. Außerdem zeigt er, wie Sie ein Laborergebnis nutzen, wenn Sie in Thailand und SĂŒdostasien Genetik auswĂ€hlen, testen und behalten.

1. Warum Cannabis nach Chemie statt nach Blattform einordnen

Die alten Namen stammen von Botanikern, die Pflanzen nach ihrem Aussehen gruppierten. Der schwedische Botaniker Carl Linnaeus benannte Cannabis sativa im Jahr 1753. Der französische Naturforscher Jean-Baptiste Lamarck benannte Cannabis indica im Jahr 1785. Der Name Cannabis ruderalis kam erst viel spÀter, 1924, vom russischen Botaniker D.E. Janischevsky.

Alle drei Namen beruhen auf der Morphologie, also der sichtbaren Gestalt der Pflanze. Dazu gehören Wuchshöhe, Blattform und die Dichte der BlĂŒten. ZĂŒchter kreuzen diese Typen seit Jahrzehnten miteinander. Deshalb sind die sichtbaren Unterschiede zwischen den „Unterarten“ fast verschwunden.

Ein US-Forschungsteam unter der Leitung von C.J. Smith hat das 2022 ĂŒberprĂŒft (Smith et al., 2022). Das Team analysierte 89.923 kommerzielle Proben von CannabisblĂŒten aus sechs US-Bundesstaaten. Die Bezeichnungen „Indica“, „Sativa“ und „Hybrid“ passten nicht durchgĂ€ngig zu den gemessenen Cannabinoiden oder Terpenen der Pflanzen. Cannabinoide sind die Wirkstoffe der Pflanze, etwa THC und CBD. Terpene sind die Stoffe, die den Duft erzeugen. An der Blattform können Sie also nicht ablesen, wie viel THC oder CBD eine Pflanze enthĂ€lt.

Ein Chemotyp ist eine Gruppe von Pflanzen, die ĂŒber ihre chemische Zusammensetzung definiert wird. Entscheidend ist vor allem das VerhĂ€ltnis von THC zu CBD. Die kanadischen Botaniker Ernest Small und H.D. Beckstead schlugen das System 1973 vor. Eine Forschungsgruppe um Etienne de Meijer vom niederlĂ€ndischen Unternehmen HortaPharm erweiterte es 2003 um die genetische ErklĂ€rung aus Abschnitt 4. Die Typen IV und V stammen aus anderen Arbeiten. Typ IV (CBG-dominant) beschrieben Fournier und Kollegen 1987. Typ V (fast keine Cannabinoide) schlugen Mandolino und Carboni 2004 vor.

Ein Labor bestimmt den Chemotyp mit HPLC oder GC-MS. HPLC (HochleistungsflĂŒssigkeitschromatographie) trennt die Stoffe in einer gelösten Probe auf und misst jeden einzeln. GC-MS (Gaschromatographie–Massenspektrometrie) arbeitet mit einer erhitzten, verdampften Probe und erkennt jeden Stoff an seiner Masse. Beim Erhitzen werden die SĂ€ureformen (THCA, CBDA) zu THC und CBD umgewandelt. Fragen Sie das Labor deshalb, welche Methode es verwendet hat.

Anmerkung der Übersetzung: In Thailand werden viele Samen und Stecklinge nur mit einem Sortennamen und dem Etikett „Indica“ oder „Sativa“ verkauft. Planen Sie Ihren Anbau nicht nach diesem Etikett. Fragen Sie den VerkĂ€ufer vorher nach einem Laborbericht fĂŒr genau diese Charge oder Mutterpflanze. Dieser Bericht heißt Analysezertifikat (COA). Er zeigt Ihnen den Chemotyp, den Sie tatsĂ€chlich anbauen werden, und nicht nur den Namen auf der Packung.

2. Chemotyp, Chemovar und Sortenname: drei verschiedene Dinge

Diese drei Begriffe werden oft verwechselt. Sie beantworten aber unterschiedliche Fragen.

  • Chemotyp ist eine grobe chemische Klasse. Es gibt fĂŒnf davon. Sie richten sich vor allem nach dem dominierenden Cannabinoid und dem VerhĂ€ltnis von THC zu CBD. Zwei Pflanzen mit sehr unterschiedlichem Geruch können beide Typ I sein.
  • Chemovar ist die Kurzform von „chemical variety“ (chemische VarietĂ€t). Der Begriff beschreibt eine bestimmte Pflanzenlinie anhand ihres vollstĂ€ndigen chemischen Profils: die Hauptcannabinoide plus ihr Terpenmuster. Zwei Typ-I-Pflanzen mit unterschiedlichen Terpenen sind zwei verschiedene Chemovare.
  • Sortenname ist ein Handelsname, den ein ZĂŒchter oder VerkĂ€ufer wĂ€hlt. Keine Regel legt ihn fest. Derselbe Name kann bei zwei ZĂŒchtern von unterschiedlichen Elternpflanzen stammen.

Das erklÀrt das Ergebnis von Smith et al. Etikett und Name sind eine Marketingentscheidung. Chemotyp und Chemovar beruhen dagegen auf einer Labormessung. Der Name kann gleich bleiben, wÀhrend sich die Chemie in der Packung Àndert.

Notieren Sie in Ihren Aufzeichnungen neben jedem Sortennamen den Chemotyp und die wichtigsten Terpene aus dem COA. Wenn Sie spÀter Saatgut nachbestellen oder zwei Pflanzen vergleichen, können Sie dann nach der Chemie statt nach dem Namen vergleichen.

3. Die fĂŒnf Hauptchemotypen

Chemotyp THC:CBD-VerhÀltnis Hauptcannabinoid (typischer Gehalt) Verwendung oder Forschungsgebiet
Typ I THC-dominant, ĂŒber 5:1 THC 15–35 % Medizinische Verwendung und Forschung (Schmerzen, Schlaflosigkeit, PTBS)
Typ II Ausgewogen, etwa zwischen 5:1 und 1:5 THC und CBD in Àhnlicher Höhe Medizinisch, mit dem Ziel weniger psychoaktiver Nebenwirkungen
Typ III CBD-dominant, unter 1:5 CBD 10–20 %, THC unter 1 % Wellnessprodukte, legaler Hanf
Typ IV CBG-dominant CBG 10–20 % Forschung, entzĂŒndungshemmendes Potenzial
Typ V Fast keine Cannabinoide Unter 0,1 % Fasern, Lebensmittel, Baustoffe

PTBS steht fĂŒr posttraumatische Belastungsstörung. „Psychoaktiv“ bedeutet eine Wirkung auf Denken und Stimmung, also das „High“, das vom THC kommt. CBG (Cannabigerol) wird in Abschnitt 5 erklĂ€rt.

Der Typ ergibt sich aus dem VerhÀltnis, nicht aus der StÀrke. Eine Typ-I-Pflanze mit 15 % THC und eine mit 30 % THC sind beide Typ I. Die Prozentwerte in der Tabelle sind typische Bereiche und keine Grenzwerte.

Anmerkung der Übersetzung: Die medizinischen Verwendungen in der Tabelle sind Forschungsgebiete. Sie sind keine zugelassenen Aussagen fĂŒr irgendein Produkt. In Thailand ist die CannabisblĂŒte nach der Bekanntmachung des Ministeriums fĂŒr öffentliche Gesundheit ĂŒber kontrollierte KrĂ€uter (Cannabis) B.E. 2568 ein kontrolliertes Kraut. Sie darf nur mit einem PT-33-Rezept (àž .àž—. 33) verkauft werden, und das fĂŒr höchstens 30 Tage. Werbung fĂŒr BlĂŒten und ihr Online-Verkauf sind verboten.

Anmerkung der Übersetzung: Ob Typ III als „legaler Hanf“ gilt, hĂ€ngt vom THC-Grenzwert des jeweiligen Landes ab. In Thailand fĂ€llt auch eine CBD-dominante Pflanze unter die thailĂ€ndischen Regeln fĂŒr Cannabis und Hanf. Thailand legt eigene THC-Grenzen fest. Lizenzen fĂŒr Extrakte mit mehr als 0,2 % THC erhalten nur drei Gruppen. Das sind thailĂ€ndische juristische Personen, die nach dem Foreign Business Act B.E. 2542 nicht als „auslĂ€ndisch“ gelten, staatliche Stellen und das ThailĂ€ndische Rote Kreuz. Bevor Sie einen Typ fĂŒr den Anbau wĂ€hlen, prĂŒfen Sie, welche Lizenz Ihr Vorhaben abdeckt.

4. Die Gene hinter dem Chemotyp: THCAS und CBDAS

Die Pflanze bildet zuerst CBGA (CannabigerolsĂ€ure). Enzyme wandeln CBGA dann in andere Cannabinoide um. Zwei Enzyme bestimmen den Chemotyp grĂ¶ĂŸtenteils:

  • THCAS (THCA-Synthase) wandelt CBGA in THCA um.
  • CBDAS (CBDA-Synthase) wandelt CBGA in CBDA um.

THCA und CBDA sind die SĂ€ureformen, die die lebende Pflanze speichert. WĂ€rme wandelt sie in THC und CBD um. Diesen Schritt nennt man Decarboxylierung.

Nach dem klassischen Modell bestimmt ein einziger Locus den Chemotyp. Ein Locus ist eine feste Position auf einem Chromosom. Jede Pflanze trÀgt zwei Kopien davon, je eine von jedem Elternteil. Die Kopie mit der Bezeichnung BT bildet das THCA-Enzym. Die Kopie mit der Bezeichnung BD bildet das CBDA-Enzym.

Genpaar Chemotyp Ergebnis
BT/BT Typ I Hoher THC-Gehalt, fast kein CBD
BT/BD Typ II Sowohl THC als auch CBD
BD/BD Typ III Hoher CBD-Gehalt, fast kein THC

Mit diesem Modell können Sie abschÀtzen, was eine Kreuzung ergibt. Kreuzt man eine Typ-I-Pflanze mit einer Typ-III-Pflanze, entstehen Nachkommen vom Typ II. Der Grund: Jeder SÀmling erhÀlt ein BT und ein BD. Zwei Typ-II-Eltern sollten pro vier SÀmlinge etwa einen Typ I, zwei Typ II und einen Typ III ergeben. De Meijer et al. (2003) fanden genau diese Aufteilung von 1:2:1, als sie Pflanzen des Mischtyps durch SelbstbestÀubung vermehrten.

Neuere Genomstudien zeigen, dass das Modell vereinfacht ist. Laverty et al. (2019) erstellten eine detaillierte Karte des Cannabis-Genoms. Dabei zeigte sich, dass THCAS und CBDAS in großen DNA-Abschnitten mit vielen Wiederholungen liegen. Diese Abschnitte unterscheiden sich stark zwischen Drogentyp- und Hanftyp-Pflanzen. Sie liegen in einem Teil des Genoms, in dem selten Rekombination stattfindet. Deshalb werden die beiden Gene meist gemeinsam vererbt. Das BT/BD-Modell sagt daher die meisten Kreuzungen richtig voraus, aber nicht jede. Grassa et al. (2021) fanden außerdem heraus, woher Drogentyp-Pflanzen mit hohem CBD-Gehalt ihr CBD haben: aus Hanf, den ZĂŒchter eingekreuzt hatten.

Kernpunkt: Breite oder schmale BlÀtter sind mit den Genen THCAS und CBDAS nicht gekoppelt. Nur eine chemische Analyse oder ein Gentest kann Ihnen den Chemotyp sicher sagen.

Anmerkung der Übersetzung: Wir konnten nicht bestĂ€tigen, dass ein Labor in Thailand genetische Chemotyp-Tests auf THCAS und CBDAS anbietet. Praktikabel ist ein chemischer Test. Eine Blattprobe von einer wenige Wochen alten Pflanze kann das THC:CBD-VerhĂ€ltnis schon vor der BlĂŒte zeigen. Studien ergaben, dass dieses VerhĂ€ltnis frĂŒh erkennbar ist und wĂ€hrend des Wachstums stabil bleibt. Ein Testlabor finden Sie, indem Sie die Community im Bereich B2B-Dienstleistungen fragen.

Anmerkung der Übersetzung: Wenn Sie PhĂ€notypen aus Samen selektieren, testen Sie jeden Kandidaten, bevor Sie ihn als Mutterpflanze behalten. So pflegen Sie nicht monatelang eine Mutterpflanze vom falschen Typ. Stecklinge von einem anderen Betrieb bergen weitere Risiken: SchĂ€dlinge, das Hopfen-Latent-Viroid (HLVd) und eine falsche Sorte. Stellen Sie gekaufte Stecklinge unter QuarantĂ€ne und testen Sie sie, bevor sie zu Ihren Mutterpflanzen kommen.

5. Mehr als 100 Cannabinoide neben THC und CBD

Wissenschaftler haben mehr als 100 Phytocannabinoide identifiziert, also Cannabinoide, die von der Pflanze gebildet werden. Die meisten kommen nur in geringen Mengen vor. Einige stehen trotzdem auf einem vollstÀndigen COA, und es lohnt sich, sie zu lesen.

Cannabinoid Herkunft Was erforscht wird (keine nachgewiesenen Behandlungen)
CBN Entsteht beim Abbau von THC Schlafhilfe
CBC Wird durch das Enzym CBCA-Synthase aus CBGA gebildet EntzĂŒndungshemmend, antidepressiv
THCV Vor allem in einigen Sorten afrikanischer Herkunft AppetitzĂŒgelnd, antidiabetisch
CBDV Hanfsorten Epilepsie, Autismus
CBG Seine SĂ€ureform CBGA ist der Ausgangsstoff fĂŒr THCA, CBDA und CBCA Antibakteriell, krebshemmend
Delta-8-THC Ein Isomer von THC (gleiche Atome, andere Anordnung) SchwÀcher wirksam als THC

Die meisten dieser Forschungsgebiete beruhen auf Laborversuchen oder frĂŒhen Studien. Machen Sie daraus keine Gesundheitsversprechen, weder in BeitrĂ€gen noch auf Etiketten oder im VerkaufsgesprĂ€ch.

Delta-8-THC kommt in der Pflanze nur in winzigen Mengen vor. Weil die Pflanze so wenig davon bildet, werden Delta-8-Produkte meist im Labor hergestellt. Dazu wird CBD chemisch umgewandelt.

CBN verrĂ€t Growern etwas Praktisches. THC wandelt sich durch Alter, WĂ€rme, Licht und Luft in CBN um. Ein hoher CBN-Wert auf einem COA bedeutet meist, dass die BlĂŒte alt ist oder schlecht gelagert wurde. In einem thailĂ€ndischen Lagerraum mit 30–35 °C geht das schneller als in kĂŒhlem Klima.

Wenn Sie ein COA erhalten, lesen Sie nicht nur die Zeilen fĂŒr THC und CBD. CBN zeigt, wie gut Sie getrocknet und gelagert haben. THCV, CBDV und CBG zeigen, was in der Genetik steckt.

6. Terpene und der Entourage-Effekt

Cannabis bildet mehr als 100 Terpene. Ethan Russo ist ein US-amerikanischer Neurologe, der Cannabinoide erforscht. In Übersichtsarbeiten von 2011 und 2019 vertrat er die These, dass Terpene und Cannabinoide zusammenwirken. Er nannte das den „Entourage-Effekt“. Das ist noch immer eine Hypothese und kein nachgewiesener Effekt, denn es gibt nur wenige kontrollierte Studien am Menschen.

Die Wirkungen in der dritten Spalte stammen ĂŒberwiegend aus Labor- und Tierversuchen. Die letzte Spalte nennt vermutete Wechselwirkungen. Die meisten davon wurden noch nicht am Menschen getestet.

Terpen Aroma Berichtete biologische Wirkung Vermutete Wechselwirkung
Myrcen Mango, krĂ€uterig Beruhigend, muskelentspannend Ihm wird oft nachgesagt, THC beim Überwinden der Blut-Hirn-Schranke zu helfen; keine veröffentlichte Studie belegt das
Limonen Zitrus Angstlösend, stimmungsaufhellend THC zusammen mit Limonen soll weniger Angst auslösen
Beta-Caryophyllen Schwarzer Pfeffer EntzĂŒndungshemmend Bindet direkt an den CB2-Rezeptor
Linalool Lavendel Beruhigend, antikonvulsiv Soll die Wirkung von CBD bei KrampfanfĂ€llen unterstĂŒtzen
Alpha-Pinen Kiefer Erweitert die Atemwege, fördert die Konzentration Soll die Wirkung von THC auf das GedÀchtnis ausgleichen
Terpinolen Blumig, Kiefer Leicht beruhigend HĂ€ufig in Pflanzen, die als „Sativa“ verkauft werden
Humulen Hopfen AppetitzĂŒgelnd Vermutete entzĂŒndungshemmende Wirkung zusammen mit CBC
Ocimen Basilikum Antimykotisch, antiviral Weitere Forschung nötig

Einige Begriffe aus der Tabelle: Die Blut-Hirn-Schranke ist die Filterschicht zwischen Blutkreislauf und Gehirn. CB2 ist ein Cannabinoid-Rezeptor, der vor allem auf Immunzellen sitzt. „Antikonvulsiv“ bedeutet, dass ein Stoff gegen KrampfanfĂ€lle wirkt.

FĂŒr die Praxis zĂ€hlen die Chemovare. Zwei Typ-I-Sorten mit jeweils 25 % THC können sehr unterschiedlich wirken, wenn sich ihre Terpenprofile unterscheiden. Der THC-Prozentsatz allein beschreibt eine Sorte also nicht.

Anmerkung der Übersetzung: Terpene verdunsten leicht. Deshalb gehen sie durch WĂ€rme beim Trocknen und Lagern verloren. TrockenrĂ€ume in Thailand erreichen oft 30–35 °C, und in der Regenzeit bleibt die Luft sehr feucht. Lassen Sie im Labor neben den Cannabinoiden auch ein Terpenprofil bestimmen. Vergleichen Sie das Ergebnis dann mit Ihren Trocknungsbedingungen. So sehen Sie, wie viel Aroma Ihr Verfahren erhĂ€lt.

7. Autoflowers haben bei der StĂ€rke aufgeholt: PrĂŒfen Sie die Angaben

Eine Autoflower beginnt abhĂ€ngig vom Alter zu blĂŒhen, nicht abhĂ€ngig von der TageslĂ€nge. Dieses Merkmal stammt aus Ruderalis-Genen. ZĂŒchter kreuzten Ruderalis in hochwertige photoperiodische Linien ein. Danach fĂŒhrten sie ĂŒber mehrere Generationen RĂŒckkreuzungen durch. Bei einer RĂŒckkreuzung kreuzt man die Nachkommen immer wieder mit dem hochwertigen Elternteil. So gewinnt man dessen Merkmale zurĂŒck und behĂ€lt trotzdem die Autoflower-Eigenschaft.

Diese Ergebnisse geben ZĂŒchter heute an:

  • THC-Autoflowers erreichen inzwischen 25–30 % THC, also dasselbe Niveau wie photoperiodische Pflanzen.
  • CBD-Autoflowers vom Typ III erreichen einen hohen CBD-Gehalt bei niedrigem THC-Gehalt.
  • Ein Lebenszyklus von 70–90 Tagen ermöglicht im Freiland 4 Ernten pro Jahr.
  • Weil sie nicht von der TageslĂ€nge abhĂ€ngen, ist in den Tropen ganzjĂ€hriger Anbau möglich.

Lesen Sie diese Zahlen kritisch. 25–30 % THC ist das obere Ende der ZĂŒchterangaben und nicht das, was jede Pflanze erreicht. Nennt ein VerkĂ€ufer einen THC-Gehalt unter 0,3 %, ist das der Hanf-Grenzwert der USA und kein thailĂ€ndischer Wert. Vier Ernten zu je 90 Tagen ergeben 360 Tage. Zwischen den DurchgĂ€ngen bleibt dann kaum Zeit zum Reinigen und Neupflanzen.

Anmerkung der Übersetzung: In Thailand liegt die TageslĂ€nge das ganze Jahr ĂŒber bei etwa 11–13 Stunden. Photoperiodische Pflanzen im Freiland blĂŒhen hier oft zu frĂŒh, solange sie noch klein sind. Autoflowers haben dieses Problem nicht. Das ist ihr eigentlicher Vorteil in Thailand. BlĂŒhen Autoflowers aber in der Regenzeit, ist das Risiko fĂŒr BlĂŒtenfĂ€ule (Botrytis) hoch.

Anmerkung der Übersetzung: In Thailand gekauftes Saatgut entspricht möglicherweise nicht seinem Etikett. PrĂŒfen Sie deshalb zuerst den Saatgutanbieter. Bauen Sie dann eine kleine Versuchscharge an. Notieren Sie die tatsĂ€chliche Zahl der Tage vom Samen bis zur Ernte. Schicken Sie die BlĂŒten einer Pflanze ein, um ein COA erstellen zu lassen. So kennen Sie die echte ZykluslĂ€nge und StĂ€rke unter Ihren eigenen Bedingungen, bevor Sie eine grĂ¶ĂŸere FlĂ€che bepflanzen.

8. Sorten nach Chemotyp auswĂ€hlen: fĂŒnf Schritte

Fragen Sie nicht zuerst „Indica oder Sativa?“. Fragen Sie zuerst: „Welchen Chemotyp brauche ich?“

  1. WĂ€hlen Sie den Chemotyp (Typ I–V), der zu Ihrem Zweck passt. Mögliche Zwecke sind lizenzierte medizinische Versorgung, CBD-Extraktion oder Fasern. Daraus ergibt sich, nach welcher Genetik Sie suchen und welche Lizenz gilt.
  2. WÀhlen Sie ein Terpenprofil, um die Wirkung fein abzustimmen. Innerhalb eines Chemotyps bestimmen die Terpene das Aroma. Man nimmt an, dass sie auch die Wirkung prÀgen.
  3. PrĂŒfen Sie ein COA von einem unabhĂ€ngigen Drittlabor. Ein unabhĂ€ngiges Labor gehört nicht dem VerkĂ€ufer. Hinter dem Ergebnis steht also kein Verkaufsinteresse.
  4. FĂŒr Menschen ohne Cannabiserfahrung: Beginnen Sie mit Typ II oder Typ III. Diese Typen enthalten weniger THC, deshalb ist das Risiko unerwĂŒnschter Wirkungen geringer. Anmerkung der Übersetzung: In Thailand werden BlĂŒten fĂŒr Patienten nur auf ein PT-33-Rezept abgegeben. Diese Wahl trifft deshalb die verschreibende Person gemeinsam mit dem Patienten.
  5. FĂŒhren Sie ein Tagebuch, um herauszufinden, was am besten funktioniert. FĂŒr Patienten heißt das: die Wirkungen aufschreiben, um sie mit dem Arzt zu besprechen. FĂŒr Grower heißt das: ein Grow-Tagebuch fĂŒhren. Hinein gehören Sorte, Chemotyp, COA-Werte, Anbau- und Trocknungsbedingungen sowie das Erntedatum. Nach einigen DurchgĂ€ngen sehen Sie, welche Genetik und welche Bedingungen die gewĂŒnschte Chemie liefern.

Haben Sie in Thailand eine Sorte testen lassen oder ein COA gesehen, das nicht zum Etikett passte? Posten Sie das Ergebnis mit Namen und Zahlen unter diesem Thema. So können andere Grower vergleichen.


Quellen

  1. Small & Beckstead (1973). Nature, 245, 147-148.
  2. Russo (2011). British J Pharmacology, 163(7), 1344-1364.
  3. Russo (2019). Frontiers in Plant Science, 9, 1969.
  4. Laverty et al. (2019). Genome Research, 29, 146-156.
  5. Grassa C.J. et al. (2021). A new Cannabis genome assembly associates elevated cannabidiol (CBD) with hemp introgressed into marijuana. New Phytologist, 230(4), 1665-1679. doi:10.1111/nph.17243
  6. Smith C.J., Vergara D., Keegan B., Jikomes N. (2022). The phytochemical diversity of commercial Cannabis in the United States. PLOS ONE, 17(5), e0267498. doi:10.1371/journal.pone.0267498
  7. ElSohly M.A., Radwan M.M., Gul W., Chandra S., Galal A. (2017). Phytochemistry of Cannabis sativa L. Progress in the Chemistry of Organic Natural Products, 103, 1-36. doi:10.1007/978-3-319-45541-9_1
  8. Morales P., Hurst D.P., Reggio P.H. (2017). Molecular Targets of the Phytocannabinoids: A Complex Picture. Progress in the Chemistry of Organic Natural Products, 103, 103-131. doi:10.1007/978-3-319-45541-9_4
  9. de Meijer et al. (2003). Genetics, 163(1), 335-346.
  10. Vergara et al. (2021). PeerJ, 9, e10672.
  11. Tahir et al. (2021). J Cannabis Research, 3, 7.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Bildung. In Thailand ist die CannabisblĂŒte ein kontrolliertes Kraut nach der Bekanntmachung des Ministeriums fĂŒr öffentliche Gesundheit ĂŒber kontrollierte KrĂ€uter (Cannabis) B.E. 2568, die seit dem 26. Juni 2025 in Kraft ist. ZusĂ€tzlich gelten zwei Ministerialverordnungen aus B.E. 2569. Die Verordnung ĂŒber Cannabis- oder Hanfextrakte ist seit dem 26. April 2026 in Kraft. Die Verordnung ĂŒber kontrollierte KrĂ€uter (Nr. 2) verschĂ€rft die Lizenzkriterien fĂŒr BlĂŒten und ist seit dem 30. April 2026 in Kraft. FĂŒr den gewerblichen Verkauf, die Verarbeitung und den Export von CannabisblĂŒten ist eine Lizenz erforderlich. PT 33 (àž .àž—. 33) ist das Rezeptformular fĂŒr die Abgabe von CannabisblĂŒten; es ist keine Anbaugenehmigung. BlĂŒten dĂŒrfen an die Öffentlichkeit nur mit einem PT-33-Rezept verkauft werden. Der Entwurf des Cannabis-Kontrollgesetzes (Cannabis Control Act) ist noch kein geltendes Gesetz.

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