Gro-Silic ist ein Zusatzmittel von Grotek, einem Düngemittelhersteller aus Kanada. Es reichert das Gießwasser Ihrer Pflanzen mit Silizium (chemisches Symbol Si) an. Viele Grower sprechen von „Silica“. Das ist die mineralische Form von Silizium. Laut dem Originalbeitrag fehlt Silizium in vielen Anbausystemen. Dort heißt es auch, dass Cannabis Silizium für drei Dinge nutzt: kräftige Stängel, Abwehr von Schädlingen und Krankheiten sowie das Verkraften von Stress durch Hitze, Trockenheit und starkes Licht.
Anmerkung der Übersetzung: Der Originalbeitrag bezeichnete Silizium als „lebenswichtigen Mikronährstoff“. Das stimmt nicht. Silizium gehört nicht zu den essenziellen Pflanzennährstoffen. Das sind die Elemente, die eine Pflanze braucht, um ihren Lebenszyklus abzuschließen. Pflanzenwissenschaftler stufen Silizium als „nützliches Element“ ein: Pflanzen wachsen auch ohne Silizium, manche Kulturen gedeihen damit aber besser. Im oben verlinkten Thema 1453 lesen Sie, welche Aussagen zu Silizium bei Cannabis belegt sind.

Bild: Gro-Silic-Behälter, aus der ursprünglichen Version dieses Themas.
Was Gro-Silic laut Originalbeitrag bewirkt
Der Originalbeitrag nennt fünf Vorteile:
- Stärkere Zellwände. Die Zellwand ist die feste äußere Hülle jeder Pflanzenzelle. Laut Beitrag machen stärkere Zellwände die Stängel stabiler, sodass sie seltener brechen.
- Mehr natürliche Widerstandskraft gegen Krankheiten und Schädlinge.
- Bessere Photosynthese und Nährstoffaufnahme. Bei der Photosynthese wandeln die Blätter Licht in Zucker für das Wachstum um. Die Nährstoffaufnahme beschreibt, wie gut die Wurzeln den Dünger aufnehmen.
- Höhere Toleranz gegenüber hohen Temperaturen, Trockenheit und intensivem Licht. Das sind Formen von abiotischem Stress. Gemeint ist Stress, der aus der Umwelt kommt und nicht von Schädlingen oder Krankheiten.
- Dickere, glänzendere Blätter. Der Beitrag bringt solche Blätter mit schwereren, harzreicheren Blüten in Verbindung, die sich später im Anbau bilden.
Der Originalbeitrag nennt für keine dieser Aussagen Versuchsdaten oder einen Wirkmechanismus. Verstehen Sie die Aussagen als Produktbeschreibung des Herstellers, nicht als Messergebnisse. Bevor Sie sich auf eine davon verlassen, machen Sie den kleinen Test aus dem letzten Abschnitt dieses Artikels.
Anmerkung der Übersetzung: Gro-Silic wird als Nährstoffzusatz verkauft, nicht als Pflanzenschutzmittel. Setzen Sie es nicht anstelle von Schädlings- oder Krankheitsbekämpfung ein. Verwenden Sie in Thailand nur Pflanzenschutzmittel, die beim thailändischen Department of Agriculture (กรมวิชาการเกษตร) registriert sind. Wenden Sie sie so an, wie es auf dem Etikett steht. Wenn Sie einen Plan gegen Schädlinge aufstellen möchten, beginnen Sie mit dem integrierten Pflanzenschutz.
Beginnen Sie mit dem Etikett auf Ihrem eigenen Behälter
Verwenden Sie die Dosierung, die auf dem Behälter steht, den Sie tatsächlich vor sich haben. Silizium-Zusätze werden in unterschiedlichen Konzentrationen verkauft. Die Dosierung eines anderen Produkts gilt nicht für Gro-Silic. Auch die Angabe auf einem älteren oder neueren Gro-Silic-Etikett passt womöglich nicht.
Übertragen Sie die Dosierung vom Etikett vor dem ersten Anmischen in Ihre Düngeaufzeichnungen. So verwendet jeder, der den Tank anmischt, denselben Wert.
Mischreihenfolge: Silikat zuerst, pH-Wert zuletzt
Silikat-Zusätze sind alkalisch, das heißt, sie erhöhen den pH-Wert Ihres Wassers. Der pH-Wert ist die Skala, die anzeigt, wie sauer oder alkalisch eine Lösung ist. Wurzeln nehmen Nährstoffe nur in einem bestimmten pH-Bereich gut auf. Ein starker pH-Anstieg kann deshalb die Nährstoffversorgung beeinträchtigen.
Der Originalbeitrag zitiert die Anleitung von Grotek für Pro-Silicate, ein weiteres Silikatprodukt des Herstellers. Laut dieser Anleitung ist Pro-Silicate eine starke Base (eine stark alkalische Chemikalie). Es darf demnach niemals in Flüssigdüngerkonzentrat gegeben werden. Gemeint ist Dünger direkt aus der Flasche, bevor er verdünnt wird. Der Originalbeitrag überträgt diese Handhabung auf Gro-Silic. Das Gro-Silic-Etikett trägt denselben Warnhinweis: Gro-Silic ist eine starke Base und sollte niemals zu Flüssigdüngerkonzentraten gegeben werden.
Mischen Sie in dieser Reihenfolge:
- Füllen Sie den Tank mit reinem Wasser. Messen Sie dessen pH-Wert, damit Sie Ihren Ausgangswert kennen.
- Verdünnen Sie Ihre Gro-Silic-Dosis vorab in einem separaten Krug mit reinem Wasser. So kommt das konzentrierte Silikat nie mit einem sauren Produkt in Berührung.
- Gießen Sie das verdünnte Silikat in den Tank und rühren Sie um.
- Geben Sie Ihre Nährstoffe einzeln nacheinander zu, so wie es auf den jeweiligen Etiketten steht.
- Messen Sie den pH-Wert erneut und stellen Sie ihn als Letztes ein. Sowohl das Silikat als auch die Nährstoffe verändern den pH-Wert. Jede Messung vor diesem Schritt ist deshalb falsch.
Der Originalbeitrag nennt außerdem drei Regeln: Gro-Silic nicht mit Produkten mit niedrigem pH-Wert (sauren Produkten) mischen, separat anmischen und den pH-Wert zuletzt einstellen. Das entspricht den Schritten oben. „Separat“ heißt: Gro-Silic kommt nie in eine Flasche, einen Becher oder einen Krug, in dem sich Flüssigdüngerkonzentrat oder pH-Minus befindet. Einen eigenen Tank brauchen Sie dafür nicht. Spülen Sie Ihren Messbecher zwischen den Produkten aus, damit kein Konzentrat darin zurückbleibt.
Der Originalbeitrag erklärt nicht, was passiert, wenn Sie diese Schritte auslassen. Laut Gro-Silic-Etikett soll diese Reihenfolge das Ausfällen von Nährstoffen verhindern. Dabei bilden die Nährstoffe feste Partikel im Tank, statt gelöst zu bleiben. Auch die Anleitung von Grotek für Pro-Silicate warnt, dass sich Ausfällungen bilden können, wenn der pH-Wert zu stark schwankt.
Schreiben Sie die fünf Schritte auf eine Karte und kleben Sie sie neben Ihren Mischtank. Dann hält sich jeder, der anmischt, an dieselbe Reihenfolge.
Gießanwendung über die Wurzeln
Bei der Gießanwendung (Root Drench) gießen Sie die fertige Lösung ins Substrat, damit die Wurzeln sie aufnehmen können.
- Dosierung: laut Angabe auf Ihrem Behälter.
- Häufigkeit: Der Originalbeitrag empfiehlt 1- bis 2-mal pro Woche. Das Etikett nennt keine Häufigkeit für die Gießanwendung.
- Zeitraum in der Kultur (laut Originalbeitrag): ab der vegetativen Phase, also der Wachstumsphase vor der Blüte, bis Woche 3 der Blütephase.
Der Originalbeitrag begründet nicht, warum die Gießanwendung in Woche 3 der Blüte endet. Auch das Etikett nennt kein solches Zeitfenster. Betrachten Sie die Angabe als Vorschlag, nicht als Regel, und halten Sie sich an Ihr eigenes Etikett. Notieren Sie die gewählten Start- und Enddaten in Ihren Düngeaufzeichnungen.
Blattspritzung
Bei der Blattspritzung sprühen Sie ein verdünntes Produkt auf die Blätter.
- Häufigkeit: Der Originalbeitrag empfiehlt einmal pro Woche (das Etikett nennt einmal im Monat, siehe unten).
- Zeitraum in der Kultur: nur in der vegetativen Phase. Sprühen Sie nicht während der Blüte.
- Tageszeit: früher Morgen oder später Nachmittag. Sprühen Sie nicht in direktem Sonnenlicht.
Der Originalbeitrag nennt kein Verdünnungsverhältnis für die Spritzung. Leiten Sie die Spritzdosis nicht aus der Gießdosis ab. Verwenden Sie die Dosierung für die Blattanwendung von Ihrem Etikett. Laut Gro-Silic-Etikett wird im Verhältnis 1:500 oder stärker verdünnt und im 3- bis 8-Blatt-Stadium angewendet. Danach wird bei Bedarf einmal im Monat gesprüht. Das ist seltener als die wöchentliche Spritzung im Originalbeitrag. Folgen Sie deshalb dem Etikett auf Ihrem eigenen Behälter. Nennt Ihr Etikett keine Dosierung für die Blattanwendung, fragen Sie vor dem Sprühen beim offiziellen Vertriebspartner nach.
Mischen Sie die Spritzlösung in derselben Reihenfolge wie den Tank: zuerst reines Wasser, dann das vorverdünnte Silikat und zum Schluss die pH-Kontrolle.
Anmerkung der Übersetzung: In Thailand erreichen die Temperaturen am Nachmittag oft 30–35 °C, im Freiland wie im Gewächshaus. In der heißen Jahreszeit ist der frühe Morgen meist die kühlere Zeit zum Sprühen. In der Regenzeit bleiben die Blätter wegen der feuchten Luft länger nass. Nach einer Spritzung am späten Nachmittag können die Blätter dann bis in die Nacht nass bleiben. Blätter, die stundenlang nass sind, werden leichter von Pilzkrankheiten befallen. Sprühen Sie in der Regenzeit deshalb am frühen Morgen, damit die Blätter bis Mittag trocken sind.
Anmerkung der Übersetzung: Der Originalbeitrag erklärt nicht, warum die Spritzung mit Beginn der Blüte endet. Unter thailändischen Bedingungen gibt es dafür zwei praktische Gründe. Erstens erhöhen nasse Blüten bei feuchtem Wetter das Risiko von Blütenfäule. Zweitens kann alles, was auf die Blüten gesprüht wird, am Erntegut haften bleiben. Prüfen Sie nach jeder Spritzung, ob die Blätter innerhalb weniger Stunden trocken sind. Sind sie mittags noch nass, sprühen Sie weniger Flüssigkeit oder früher am Tag.
Anmerkung der Übersetzung: Wasser und Hitze in Thailand
Der pH-Wert von Leitungs- und Brunnenwasser kann in Thailand und Südostasien von Ort zu Ort stark schwanken. Hat Ihr Wasser schon einen hohen pH-Wert, treibt das Silikat ihn weiter nach oben, und Sie brauchen mehr pH-Minus. Messen Sie den pH-Wert Ihres reinen Wassers einmal pro Woche. So sehen Sie, wie viel der Veränderung von Ihrem Wasser stammt und wie viel vom Silikat. Thema 1403 erklärt, warum Sie Ihr eigenes Gießwasser messen sollten.
Die Aussage zur Hitzetoleranz ist für thailändische Anbauräume mit 30–35 °C wichtig. Trotzdem ersetzt kein Zusatzmittel die Kühlung oder die Luftbewegung. Bringen Sie zuerst die Raumtemperatur mit einer guten Klimasteuerung unter Kontrolle. Beurteilen Sie erst danach, ob Silizium einen zusätzlichen Nutzen bringt.
Für wen Gro-Silic laut Originalbeitrag gedacht ist
- Medizinisches Cannabis, das nach dem GACP-Standard angebaut wird (Good Agricultural and Collection Practice, also Gute Agrar- und Sammelpraxis: der Qualitätsstandard für Anbau und Ernte von Arzneipflanzen).
- Hochwertige Kulturen wie Obst, Zierpflanzen und Bio-Gemüse.
- Alle Anbausysteme: Freiland, Gewächshaus, Hydroponik (Anbau mit den Wurzeln in einer Nährlösung oder einem inerten Substrat) und automatisierte Anlagen.
Anmerkung der Übersetzung: Wenn Sie nach GACP anbauen, tragen Sie jedes Betriebsmittel in Ihre Betriebsaufzeichnungen ein. Notieren Sie das Produkt, die Chargennummer, die Dosierung, das Datum und welche Pflanzen behandelt wurden. Schriftliche Aufzeichnungen über Betriebsmittel sind Teil von GACP. Außerdem können Sie damit ein Problem bis zu seiner Ursache zurückverfolgen.
Anmerkung der Übersetzung: Bevor Sie Gro-Silic bei einer Kultur einsetzen, die als Bio verkauft wird, fragen Sie Ihre Bio-Zertifizierungsstelle, ob sie das Produkt zulässt. Teilen Sie ihr mit, dass das Silizium in Gro-Silic laut Etikett aus Natriumsilikat stammt.
Anmerkung der Übersetzung: In einer automatischen Dosieranlage gilt dieselbe Mischregel. Stellen Sie die Anlage so ein, dass das Silikat zuerst in reines Wasser dosiert wird. Es darf nie in eine Leitung oder Mischkammer gelangen, die Flüssigdüngerkonzentrat führt. Die Produktseite enthält keine eigenen Hinweise für Injektoren oder Dosiersysteme. Lesen Sie deshalb auch das Handbuch Ihrer Dosieranlage.
Kauf und Prüfung der Legalität
Anmerkung der Übersetzung: Wenn Sie Gro-Silic kaufen möchten, fragen Sie beim offiziellen Vertriebspartner in Thailand nach. Sie können auch andere Grower im Forumsbereich „Nährstoffe allgemein – Fragen und Antworten“ nach ihren Erfahrungen fragen.
In Thailand fallen Düngemittel unter das Düngemittelgesetz B.E. 2518 (1975), geändert durch das Düngemittelgesetz (Nr. 2) B.E. 2550 (2007). Prüfen Sie den Behälter vor dem Kauf anhand der Schritte in So prüfen Sie, ob ein Düngemittel in Thailand legal verkauft wird. So stellen Sie sicher, dass die Flasche in Ihrer Hand wirklich das Produkt ist, das auf dem Etikett beschrieben wird.
Testen Sie es zuerst an wenigen Pflanzen
Was Sie davon haben könnten: laut Originalbeitrag stabilere Stängel, weniger Probleme mit Schädlingen und Krankheiten und eine höhere Stresstoleranz. Nichts davon ist garantiert.
Anwendung in Thailand: Testen Sie das Produkt einen vollständigen Anbauzyklus lang unter Ihren eigenen Bedingungen, also bei Ihrer Hitze, Ihrer Luftfeuchtigkeit und mit Ihrem Wasser.
So fangen Sie an:
- Wählen Sie Pflanzen derselben Sorte und desselben Alters, die im selben Raum wachsen. Nehmen Sie zum Beispiel 4 behandelte und 4 unbehandelte Pflanzen.
- Geben Sie einer Gruppe Gro-Silic in der Dosierung laut Etikett. Die andere Gruppe bekommt nichts. Halten Sie alles andere gleich.
- Notieren Sie jede Woche gebrochene oder geknickte Stängel, Anzeichen von Schädlingen oder Krankheiten und den Zustand der Blätter. Erfassen Sie bei der Ernte den Trockenertrag jeder Gruppe.
- Protokollieren Sie den pH-Wert im Tank vor und nach der Zugabe des Silikats. So sehen Sie, wie viel zusätzliches pH-Minus Sie das Produkt kostet.
Vergleichen Sie nach einem Zyklus die beiden Gruppen. Die Ergebnisse zeigen Ihnen, ob Gro-Silic unter Ihren Bedingungen sein Geld wert ist.
Fragen und Ergebnisse
Haben Sie Gro-Silic oder ein anderes Silizium-Zusatzmittel bei thailändischer Hitze eingesetzt? Dann posten Sie unter diesem Thema Ihre Dosierung laut Etikett, Ihre Mischreihenfolge und Ihre Beobachtungen. Auch Fragen zum Mischen oder zum pH-Wert sind dort willkommen.
Quellen
- Grotek. Produktseite und Anwendungshinweise zu Pro-Silicate. https://www.hydrofarm.com/p/grotek-pro-silicate/gtpros1l
- Grotek. Produktseite und Anwendungshinweise auf dem Etikett von Gro-Silic. https://www.hydrofarm.com/p/grotek-gro-silic/gtgs1l