Ertragsangaben in Samenangeboten: Was eine Gramm-pro-Quadratmeter-Zahl verschweigt und wie Sie Ihren eigenen Ertrag messen

Fast jedes Samenangebot nennt einen Ertrag, etwa „500–650 g/m² indoor“ oder „hervorragender Outdoor-Ertrag“. Viele Grower vergleichen diese Zahlen und kaufen danach ihre Samen. Die Ernte fällt dann aber deutlich geringer aus.

Gelogen sind die Angaben meistens nicht. Es sind Messwerte, die unter Bedingungen entstanden sind, die das Angebot nicht nennt. Ohne diese Bedingungen können Sie nicht beurteilen, was die Zahl für Ihren Raum bedeutet.

Dieser Artikel erklärt, welche Bedingungen hinter einer Ertragsangabe stecken und warum sie mehr ausmachen können als die Genetik. Er zeigt, welche Schlüsse Sie aus einer Katalogangabe sicher ziehen können. Außerdem zeigt er, wie Sie Ihren eigenen Ertrag so messen, dass sich Ihre Zahlen von Durchgang zu Durchgang vergleichen lassen. Eine Liste „ertragreicher Sorten“ finden Sie hier nicht. Warum, erklärt ein Abschnitt gegen Ende.

Wie stark Licht den Ertrag verändert: zwei Versuche einer Universität

Einige der besten kontrollierten Daten zum Cannabisertrag stammen von einer Forschungsgruppe der University of Guelph in Ontario, Kanada. 2022 veröffentlichte die Gruppe einen Indoor-Versuch in der Fachzeitschrift Frontiers in Plant Science. Sie zog einen THC-reichen Kultivar (Sorte), ‘Meridian’, unter LED-Licht. Die Pflanzen standen 45 Tage im Kurztag, also in dem Lichtrhythmus, der sie zum Blühen bringt.

Ein Kultivar ist eine gezielt ausgelesene Pflanzensorte mit eigenem Namen. Die meisten Grower sagen dazu Strain. Die Pflanzen wurden auf drei Lichtstufen verteilt: 600, 800 und 1.000 µmol·m⁻²·s⁻¹ PPFD. PPFD (photosynthetische Photonenflussdichte) gibt an, wie viel für die Photosynthese nutzbares Licht pro Sekunde auf jeden Quadratmeter Kronendach fällt. Die Einheit zählt Mikromol Lichtteilchen pro Quadratmeter und Sekunde. Je höher die Zahl, desto mehr Licht bekommt die Pflanze.

In diesem Bereich stieg der Ertrag im gleichen Maß wie das Licht. Die Forschenden legten eine Gerade durch die mittleren Erträge der drei Lichtstufen. Das nennt man eine einfache lineare Regression. Nach dieser Geraden bringen zusätzliche 100 µmol·m⁻²·s⁻¹ etwa 51 g/m² mehr getrocknete Blüten.

Bei der Pflanzdichte im Versuch von etwa 10 Pflanzen pro m² sind das rund 4,6 g mehr getrocknete Blüten pro Pflanze je zusätzliche 100 µmol·m⁻²·s⁻¹. Die 4,6 g sind Mehrertrag pro Pflanze. Eine Pflanzdichte ist damit nicht gemeint.

Von der niedrigsten zur höchsten Lichtstufe stieg das Trockengewicht der Blüten auf das 1,6-Fache. Das Licht stieg um ungefähr denselben Faktor (1.000 ÷ 600). Nach dieser Steigung bringt der Schritt von 600 auf 1.000 µmol·m⁻²·s⁻¹ rund 200 g/m² mehr. Das gilt für denselben Raum, denselben Kultivar und sonst unveränderte Bedingungen. Dieser Unterschied kann größer sein als die gesamte Ertragsspanne, die auf vielen Samenangeboten steht.

Wo diese Zahlen nicht mehr gelten

Die Ergebnisse stammen von einem einzigen Kultivar in einem einzigen Versuch. Den geradlinigen Zusammenhang hat man nur zwischen 600 und 1.000 µmol·m⁻²·s⁻¹ geprüft. Im Versuch wurde kein CO₂ zugeführt, und tagsüber lag die Temperatur bei etwa 26 °C. Wenn Sie über etwa 1.000 µmol·m⁻²·s⁻¹ hinausgehen wollen, brauchen Sie eine stärkere Klimatechnik. Manche Grower setzen dann auch zusätzliches CO₂ ein.

Ein früherer Versuch derselben Gruppe arbeitete mit einem anderen Kultivar, ‘Stillwater’. Die Blüte dauerte 12 Wochen, ebenfalls ohne zusätzliches CO₂. Auch hier stieg der Ertrag geradlinig an: von 116 auf 519 g/m², während das Licht von 120 auf 1.800 µmol·m⁻²·s⁻¹ stieg. Die Richtung war dieselbe, die Steigung aber eine andere. Die „51 g/m² pro 100 µmol“ zeigen Ihnen also, wie groß der Effekt ungefähr ist. Ein fester Wert für Ihren Raum sind sie nicht.

Was das für die Samenwahl bedeutet

Der Mehrertrag eines „ertragreichen“ Kultivars gegenüber einem durchschnittlichen ist womöglich kleiner als der Ertrag, der Ihnen entgeht, weil Ihr Licht schwächer ist als beim Züchter. Ein Beispiel: Ein Kultivar ist mit 650 g/m² angegeben. Sie ziehen ihn bei 600 µmol·m⁻²·s⁻¹ und füllen nur die Hälfte des Kronendachs. Dann ernten Sie keine 650 g/m², und an den Samen liegt das nicht.

Beide Versuche zeigten noch etwas. Der Gehalt an Cannabinoiden (THC, CBD und verwandte Stoffe) in den Blüten änderte sich mit der Lichtstärke nicht signifikant. Pro Quadratmeter gab es nur deshalb mehr Cannabinoide, weil die Pflanzen mehr Blüten bildeten. Die Potenz hing von der Genetik ab, und die kann eine Samenpackung beschreiben. Der Ertrag hing vom Licht ab, und über Ihr Licht weiß die Packung nichts.

Anmerkung der Übersetzung: Die Versuchsräume wurden bei etwa 26 °C gehalten. In Thailand hat die Außenluft aber oft 30–35 °C. Jedes zusätzliche Watt Lampenleistung erzeugt Wärme, die Ihre Klimaanlage abführen muss. Bevor Sie mehr Licht kaufen, um auf 1.000 µmol·m⁻²·s⁻¹ zu kommen, prüfen Sie Folgendes: Hält die Klimaanlage Ihre Zieltemperatur, wenn alle Lampen brennen? Wenn nicht, steigen durch das zusätzliche Licht Temperatur und Stromrechnung schneller als der Ertrag.

Anmerkung der Übersetzung: Viele Grower in Thailand legen die Lichtphase in die Nacht. Dann ist die Außenluft kühler, und die Klimaanlage muss weniger leisten. Prüfen Sie nach einem Stromausfall, ob die Klimaanlage wieder läuft, bevor die Lampen wieder angehen. Lampen ohne Kühlung heizen einen geschlossenen Raum schnell auf.

Anmerkung der Übersetzung: PPFD misst man mit einem Quantenmessgerät (oft als PAR-Meter verkauft), einem Lichtmessgerät, das genau dafür gebaut ist. Ein normales Luxmeter oder eine Handy-App misst Licht so, wie das menschliche Auge es sieht. Einen PPFD-Wert liefern sie nicht direkt. Wo es ein Quantenmessgerät gibt, kann Ihnen der offizielle Vertriebspartner Ihrer Lampenmarke in Thailand sagen. Sie können auch unter Ausrüstung und Zubehör fragen.

Was Sie tun können: Messen Sie die PPFD oben am Kronendach an fünf Punkten, in der Mitte und in jeder Ecke, und schreiben Sie die Werte auf. So wissen Sie, wie viel Licht Ihre Pflanzen wirklich bekommen und ob das Licht Ihren Ertrag begrenzt. Wenn Sie die Beleuchtung ändern, testen Sie die Änderung erst in einem Durchgang, bevor Sie den ganzen Raum umbauen.

Welche Bedingungen eine Katalogangabe verschweigt

Lichtstärke und Photoperiode. Die Photoperiode ist die Zahl der Lichtstunden pro Tag. Samenangebote nennen fast nie eines von beiden.

Pflanzdichte. Ein Ertrag pro Quadratmeter hängt davon ab, wie viele Pflanzen sich diesen Quadratmeter teilen. Vier große Pflanzen, die vor der Blüte sechs Wochen gewachsen sind, ergeben eine ganz andere Zahl als eine kleine Pflanze nach zwei Wochen Wachstum. Beides kann ehrlich als „g/m²“ für dieselbe Genetik angegeben werden.

Dauer der vegetativen Phase. Das ist die Zeit, in der die Pflanze wächst, bevor Sie auf Blüte umstellen. Sie fließt nicht in die Ertragsangabe für die Blüte ein, gehört aber zu den wichtigsten Faktoren, die Sie selbst steuern. Von ihr hängt ab, ob das Licht überhaupt genutzt wird. Eine Pflanze, die das Kronendach vor der Umstellung ausfüllt, fängt das ganze Licht im Raum ein. Füllt sie es nicht aus, geht ein Teil des Lichts verloren. Siehe wie lange die vegetative Phase dauern sollte und wann Sie auf Blüte umstellen.

Kronendachfläche oder Bodenfläche. Eine trainierte Pflanze, die über ein Netz verteilt ist, bedeckt mehr Kronendach, als ihr Topf an Bodenfläche braucht. Ein Züchter kann entweder den Boden oder das Kronendach messen. Davon hängt die Zahl ab, und kein Angebot sagt, welche Fläche gemessen wurde.

Trainingsmethode. SCROG und SOG verändern beide, wie viel Licht jede Pflanze einfängt. Dasselbe gilt für Topping und Mainlining. Bei SCROG (Screen of Green) werden die Zweige unter einem Netz ausgebreitet. Bei SOG (Sea of Green) bringt man viele kleine Pflanzen früh in die Blüte. Beim Topping wird die Spitze des Haupttriebs gekappt, sodass sich die Pflanze in zwei Haupttriebe teilt. Beim Mainlining wiederholt man das Topping, bis die Pflanze gleichmäßig verteilte Hauptblütentriebe hat.

Nass- oder Trockengewicht. Frische Blüten bestehen zu etwa drei Vierteln aus Wasser. Ein Nassgewicht lässt sich nicht mit einem Trockengewicht vergleichen. Wenn Grower im Gespräch von „Ertrag“ reden, meinen sie oft das Nassgewicht.

Wie gründlich getrimmt wurde. Ob die kleinen Blätter in der Blüte (Zuckerblätter) dranbleiben, verändert das Gewicht deutlich. Dieselbe Ernte wiegt nach Maschinentrimmen und Handtrimmen unterschiedlich viel.

Topfgröße und Wurzelraum. Wenn die Wurzeln keinen Platz mehr haben, wächst die Pflanze nicht mehr richtig, egal wie gut alles andere ist. Siehe wurzelgebundene Pflanzen.

Durchschnitt oder Bestwert. Eine Angabe kann die beste Einzelpflanze eines Versuchs sein oder der Durchschnitt von zwanzig Pflanzen. Beides wird „der Ertrag“ genannt, und der Unterschied ist groß.

Was Sie tun können: Übertragen Sie diese Liste in Ihr Grow-Notizbuch und füllen Sie sie bei jedem Durchgang aus. So lassen sich Ihre Ergebnisse über die Zeit vergleichen. Wenn Sie eine Ertragsangabe lesen, zählen Sie, wie viele dieser Punkte das Angebot tatsächlich nennt.

So messen Sie die Kronendachfläche und berechnen den Ertrag pro Quadratmeter

Eine Angabe in g/m² hilft nur, wenn Sie sie jedes Mal gleich berechnen. Mit diesen Schritten bleiben Ihre Zahlen von Durchgang zu Durchgang vergleichbar.

  1. Legen Sie fest, welche Fläche Sie messen, und bleiben Sie dabei. Bodenfläche heißt: das ganze Zelt, der ganze Raum oder das ganze Beet. Kronendachfläche heißt: nur die Fläche, die die blühenden Spitzen tatsächlich bedecken. Beides ist zulässig, aber Sie dürfen nicht zwischen beiden wechseln.
  2. Messen Sie das Kronendach am Ende der Blüte. Messen Sie Länge und Breite der Fläche, die die Spitzen bedecken, und multiplizieren Sie die beiden Werte. Ist die Form unregelmäßig, teilen Sie sie in Rechtecke auf, berechnen jedes einzeln und zählen die Ergebnisse zusammen.
  3. Wiegen Sie trockene Blüten, keine nassen. Trocknen Sie bei jedem Durchgang bis zum selben Endpunkt und notieren Sie, woran Sie ihn erkannt haben. Siehe Trocknung und Curing.
  4. Trimmen Sie jedes Mal gleich. Notieren Sie, ob die Zuckerblätter dranblieben und ob Sie von Hand oder mit der Maschine getrimmt haben.
  5. Teilen Sie. Gesamtgewicht der trockenen, getrimmten Blüten in Gramm ÷ Fläche in Quadratmetern = g/m².

Ein Rechenbeispiel: Ein Zelt mit 1,2 m × 1,2 m hat eine Bodenfläche von 1,44 m². Eine Ernte von 500 g trockenen, getrimmten Blüten ergibt 500 ÷ 1,44 ≈ 347 g/m² Bodenfläche.

Angenommen, die Spitzen bedeckten nur 1,0 m × 1,2 m = 1,2 m². Nach Kronendachfläche ergibt dieselbe Ernte 500 ÷ 1,2 ≈ 417 g/m². Aus einer einzigen Ernte sind also zwei ehrliche Zahlen entstanden. Genau deshalb sagt eine Katalogangabe wenig, solange sie nicht nennt, welche Fläche gemessen wurde.

Was Sie tun können: Notieren Sie bei jedem Durchgang die Flächenart, die Fläche, das Trockengewicht, wie Sie getrocknet und getrimmt haben, die Zahl der Pflanzen, die PPFD und die Tage in der vegetativen Phase. Mit diesen Angaben lässt sich Ihr Ergebnis überprüfen und wiederholen.

Warum der Vergleich mit dem Ertrag anderer Grower wenig bringt

Ein Grower meldet 700 g/m², ein anderer 350 g/m² für denselben Kultivar. Keiner von beiden muss lügen.

Vergleichbar sind die beiden Zahlen nur, wenn all diese Punkte übereinstimmen:

  • PPFD am Kronendach, Lichtstunden und Spektrum (die Mischung der Lichtfarben)
  • CO₂-Gehalt sowie Temperatur am Tag und in der Nacht
  • VPD (Dampfdruckdefizit: wie stark die Luft den Blättern Wasser entzieht; das hängt von Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab)
  • Volumen des Wurzelraums und Substrat
  • Düngeplan und EC (elektrische Leitfähigkeit, ein Maß dafür, wie stark die Nährlösung ist)
  • Zahl der Pflanzen, Dauer der vegetativen Phase, Trainingsmethode und Blütezeit
  • Trocknungsmethode, Feuchtigkeitsgehalt am Ende und Trimmstandard

Weicht auch nur ein Punkt ab, geht es beim Vergleich nicht mehr um die Genetik. Dann vergleichen Sie zwei verschiedene Experimente, bei denen zufällig derselbe Sortenname draufsteht.

Vielleicht hatten die beiden Grower nicht einmal dieselbe Pflanze. Viele handelsübliche Samenlinien spalten noch auf. Das heißt: Samen aus derselben Packung wachsen zu Pflanzen heran, die sich genetisch voneinander unterscheiden.

Wirklich aussagekräftig ist nur ein Vergleich, den Sie selbst anstellen: zwei Kultivare im selben Raum, im selben Durchgang und mit derselben Behandlung. Das zeigt Ihnen, welcher bei Ihnen besser abschneidet. Ob er auch bei jemand anderem besser wäre, erfahren Sie dadurch nicht. Das macht nichts, denn Sie bauen ja nur in Ihrem eigenen Raum an.

Anmerkung der Übersetzung: In Thailand sind ein Durchgang in der Regenzeit und einer in der Trockenzeit ebenfalls zwei verschiedene Experimente, selbst im selben Raum. Luftfeuchtigkeit und Wärmelast sind nicht gleich. Vergleichen Sie deshalb Kultivare nebeneinander im selben Durchgang. Vergleichen Sie nicht einen Kultivar aus dieser Saison mit einem anderen aus der nächsten.

Was Sie tun können: Ziehen Sie im nächsten Durchgang zwei Kultivare nebeneinander unter denselben Bedingungen. Erfassen Sie beide nach der Methode aus dem vorigen Abschnitt. Nach einem Durchgang wissen Sie, welcher besser zu Ihrem Raum passt.

Was Grower aus Erfahrung über ertragreiche Genetik sagen

Züchter und Grower haben über ertragreiche Pflanzen im Lauf der Jahre einige allgemeine Beobachtungen gemacht. Sie stammen aus der Praxis, nicht aus Versuchsdaten. Trotzdem lohnt es sich, sie zu kennen. Sie beschreiben nämlich Pflanzentypen und keine bestimmten Produkte.

Ertragreiche Kultivare sind meist Indica-dominant. Sie wachsen oft kompakt, bilden dichte Blüten und haben eine kurze Blütezeit von etwa 7 bis 9 Wochen. Gerade der kurze Zyklus macht einen großen Teil ihres Werts aus. Für einen kommerziellen Betrieb zählt die Menge pro Jahr, also Ernten pro Jahr mal Ertrag pro Ernte.

Sativa-dominante Linien können sehr gut tragen, blühen aber meist länger. Dann passen weniger Ernten in ein Jahr, und das verändert die Jahresmenge.

Weibliche Pflanzen desselben Kultivars unterscheiden sich. In der Praxis ist das die wichtigste dieser Beobachtungen. Sie passt dazu, dass viele handelsübliche Samenlinien noch aufspalten.

Wenn Sie in jedem Durchgang dasselbe Ergebnis wollen, gehen Sie so vor:

  1. Beginnen Sie mit Samen, regulär oder feminisiert.
  2. Ziehen Sie mehrere Pflanzen heran.
  3. Wählen Sie die beste Pflanze als Mutterpflanze aus.
  4. Ziehen Sie Klone von ihr.

Jeder Klon dieser Mutterpflanze hat denselben Genotyp, also dasselbe Erbgut. Bei Pflanzen aus einer Samenpackung ist das nicht so. Reguläre Samen, aus denen männliche und weibliche Pflanzen wachsen, brauchen Sie vor allem, wenn Sie selbst züchten wollen.

Anmerkung der Übersetzung: Klone von einem anderen Betrieb in Thailand zu kaufen spart Zeit, ist aber mit echten Risiken verbunden. Klone können Schädlinge wie Spinnmilben einschleppen. Sie können auch das Hopfen-Latent-Viroid (HLVd) tragen, einen winzigen Krankheitserreger. Er kann das Wachstum bremsen, ohne dass deutliche Symptome zu sehen sind. Außerdem werden Klone manchmal unter falschem Sortennamen verkauft. Wenn Sie Ihre Mutterpflanze selbst aus Samen auslesen, umgehen Sie die meisten dieser Risiken.

Fangen Sie klein an: Ziehen Sie eine Packung Samen in einem einzigen Durchgang heran. Bewahren Sie von jeder Pflanze einen beschrifteten Steckling auf, bis Sie geerntet und Ihre beste Pflanze (Keeper) ausgewählt haben.

Autoflower-Linien bringen pro Durchgang meist weniger Ertrag als photoperiodische Linien. Der Hauptgrund ist ihr kurzer, fester Lebenszyklus. Dadurch kann jede Pflanze in ihrem Leben nur begrenzt viel Licht einfangen. Siehe Autoflower-Cannabis.

Anmerkung der Übersetzung: In dichten Blüten vom Indica-Typ bleibt Feuchtigkeit im Inneren hängen. In der thailändischen Regenzeit bekommen sie deshalb leichter Blütenfäule (Botrytis). Fault ein Teil einer dichten Ernte, ist der echte Ertrag das, was übrig bleibt, nachdem Sie die faulen Blüten weggeworfen haben. Wenn die Luft in Ihrem Blüteraum feucht bleibt, lesen Sie Dimensionierung von Entfeuchter und Klimaanlage für einen thailändischen Blüteraum, bevor Sie sich für sehr dichte Genetik entscheiden.

Was Sie tun können: Wenn Sie Kultivare vergleichen, rechnen Sie aus, wie viele Ernten pro Jahr in Ihrem Raum möglich sind. Ziehen Sie vom Jahresertrag die Blütenmenge ab, die Sie normalerweise durch Fäulnis verlieren. Ein Kultivar, der früher fertig ist und gesund bleibt, kann pro Jahr mehr bringen als einer mit höherer Katalogangabe.

Warum dieser Artikel keine Liste der „ertragreichsten Sorten“ enthält

Ältere Grow-Ratgeber drucken oft lange Listen mit Kultivaren ab, die angeblich am meisten Ertrag bringen. In diesen Listen stehen ein Dutzend Züchter und Dutzende Produkte, viele davon zehn Jahre alt oder älter.

Dieser Artikel übernimmt solche Listen aus drei Gründen nicht:

  • Produktlinien ändern sich. Mehrere der genannten Kultivare gibt es in der beschriebenen Form nicht mehr.
  • Nach Jahren der Züchtung gibt es heute ein anderes Angebot.
  • Die Zahlen in diesen Listen waren Katalogangaben. Das ist genau die Art von Zahl, der Sie nach diesem Artikel nicht trauen sollten.

Aus demselben Grund gibt es hier keine Tabelle mit „erwarteten Erträgen“ nach Sortentyp. Für eine solche Tabelle fand sich kein kontrollierter Versuch, der viele Kultivare miteinander vergleicht. Eine Tabelle, die glaubwürdig aussieht, aber keine Daten hinter sich hat, würde Leser mehr in die Irre führen als alles andere in diesem Artikel.

Was Sie tun können: Wenn Sie Ergebnisse zu einem bestimmten Kultivar suchen, lesen Sie die Anbauberichte unter Strain-Bewertungen oder schreiben Sie selbst einen. Geben Sie die Bedingungen aus der Checkliste oben an. Dann können andere Leser beurteilen, ob Ihr Ergebnis auf ihren Raum übertragbar ist.

Was Sie mit einer Ertragsangabe aus dem Katalog anfangen

Sehen Sie darin eine Obergrenze, die unter guten Bedingungen erreicht wurde. Sie ist kein Ziel und kein Versprechen. Setzen Sie Budget und Erwartungen niedriger an, damit eine normale Ernte keine böse Überraschung wird.

Vergleichen Sie Angaben nur innerhalb des Katalogs eines Züchters. Ein Züchter misst wahrscheinlich alle seine Kultivare auf dieselbe Weise. Seine Reihenfolge von hoch nach niedrig verrät Ihnen also etwas, auch wenn seine Zahlen selbst nicht auf Ihren Raum passen.

Fragen Sie nach den Bedingungen. Wenn ein Züchter Ihnen PPFD, Pflanzdichte und Dauer der vegetativen Phase hinter einer Angabe nennen kann, hat die Angabe Aussagekraft. Die meisten Züchter antworten nicht. Auch das verrät etwas: Niemand kann die Angabe überprüfen.

Anmerkung der Übersetzung: Viele thailändische Saatgutanbieter verkaufen Samen ausländischer Züchter weiter. Fragen Sie den Anbieter, wer der Züchter ist, und richten Sie Ihre Fragen direkt an diesen Züchter. Siehe So prüfen Sie einen thailändischen Saatgutanbieter.

Beheben Sie zuerst das, was Ihren Ertrag begrenzt. Ein Beispiel: Sie arbeiten mit 500 µmol·m⁻²·s⁻¹, und nur 60 % des Kronendachs sind gefüllt. Daran ändert auch die ertragreichste Genetik der Welt nichts. Die Daten aus Guelph geben eine grobe Vorstellung davon, wie viel Ertrag Ihnen entgeht. 500 liegt aber unter dem Bereich, der im Versuch geprüft wurde. Nehmen Sie jede Schätzung deshalb nur als groben Anhaltspunkt. Messen Sie zuerst das Licht und wie gut das Kronendach gefüllt ist. Das zu verbessern kostet weniger als neue Genetik.

Führen Sie eigene Aufzeichnungen. Die verlässlichste Vorhersage für Ihre nächste Ernte sind Ihre eigenen Ertragszahlen aus Ihrem Raum über die letzten drei Durchgänge. Ein Grow-Tagebuch ist eine einfache Möglichkeit, sie festzuhalten.

Kurz zusammengefasst

Der Ertrag hängt vor allem vom Licht ab, davon, wie Sie das Kronendach führen, und von der Dauer der vegetativen Phase. Die vegetative Phase entscheidet, wie viel Licht das Kronendach tatsächlich einfängt.

Die Genetik bestimmt die Obergrenze und die Blütezeit, aber nicht Ihre Zahl. Eine Katalogangabe ist ein Messwert ohne die Bedingungen, unter denen er entstanden ist. Diese fehlenden Bedingungen sind oft wichtiger als die Zahl selbst.

Für den Ertrag ist der beste Kultivar einer, der schnell genug fertig wird, damit Sie mehr Ernten pro Jahr schaffen. Außerdem sollte er unter Ihrem Licht das Kronendach füllen und in Ihrem Klima nicht faulen. Welcher Kultivar das ist, sagt Ihnen kein Katalog. Das zeigen Ihnen nur eigene Vergleiche nebeneinander, die Sie jedes Mal gleich messen.

Wenn Sie Ihre eigenen g/m² gemessen haben, posten Sie sie unten zusammen mit den Bedingungen aus der Checkliste. Wenn Sie nicht wissen, was Ihren Ertrag begrenzt, fragen Sie in diesem Thema.

In Thailand muss der Anbau von Cannabis die geltenden Vorschriften für kontrollierte Kräuter und die Lizenzregeln einhalten. In Ländern, in denen Cannabis verboten ist, dient dieser Artikel nur zur Information.

Anmerkung der Übersetzung: Cannabisblüten (ช่อดอกกัญชา) sind ein kontrolliertes Kraut nach der Bekanntmachung des Ministeriums für öffentliche Gesundheit über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568, die seit dem 26. Juni 2025 gilt. Die Ministerialverordnung über kontrollierte Kräuter (Nr. 2) B.E. 2569 gilt seit dem 30. April 2026 und verschärft die Lizenzkriterien für Cannabisblüten. Siehe Cannabis als kontrolliertes Kraut in Thailand und Lizenzen und Compliance in Thailand.


Literatur

  • Llewellyn D, Golem S, Foley E, Dinka S, Jones AMP, Zheng Y (2022). “Indoor grown cannabis yield increased proportionally with light intensity, but ultraviolet radiation did not affect yield or cannabinoid content.” Frontiers in Plant Science 13:974018. doi:10.3389/fpls.2022.974018
  • Rodriguez-Morrison V, Llewellyn D, Zheng Y (2021). “Cannabis Yield, Potency, and Leaf Photosynthesis Respond Differently to Increasing Light Levels in an Indoor Environment.” Frontiers in Plant Science 12:646020. doi:10.3389/fpls.2021.646020
  • Der Abschnitt über ertragreiche Genetik beruht auf Beobachtungen von Growern, nicht auf Versuchsdaten.