Cannabinoide gegen Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie: Wie das Problem entsteht, die frühen Studien und die ersten zugelassenen Arzneimittel (Teil 1 von 2)

Die cannabinoidbasierte Medizin begann nicht mit Behauptungen, sie heile Krebs oder fördere das allgemeine Wohlbefinden. Sie begann mit einem einzigen, klar messbaren Problem: Patienten erbrachen sich während der Chemotherapie. In Studien aus den 1970er- und frühen 1980er-Jahren half ein Cannabinoid besser gegen dieses Erbrechen als die damals verfügbaren Mittel gegen Übelkeit. Diese Studien führten weltweit zu den ersten Zulassungen von Cannabinoid-Arzneimitteln.

Dieser Teil erklärt, wie Übelkeit bei Chemotherapie entsteht, was die frühen Studien ergaben und welche Arzneimittel zugelassen wurden. Wer diese Studien zitiert, lässt oft weg, wie es danach weiterging. Teil 2 behandelt diese spätere Entwicklung: die neueren Medikamente, die Rolle von Cannabinoiden in den heutigen Leitlinien, Sicherheitshinweise für Patienten und die thailändischen Regeln.

Ändern Sie aufgrund dieses Artikels kein Mittel gegen Übelkeit. Das onkologische Behandlungsteam plant die Behandlung der Übelkeit passend zum jeweiligen Chemotherapie-Schema. Der Plan hängt davon ab, wie stark dieses Schema typischerweise Erbrechen auslöst. Ärzte nennen das sein „emetogenes Risiko“. Ist die Übelkeit nicht unter Kontrolle, sagen Sie es dem Team. Ersetzen Sie nichts auf eigene Faust. In Thailand ist Cannabisblüte eine kontrollierte Heilpflanze. Sie darf nur gegen ein PT-33-Rezept verkauft werden, und zwar für höchstens 30 Tage.

1. Warum diese Anwendung von Cannabinoiden eine Sonderstellung hat

Die meisten Anwendungen, die unter dem Begriff medizinisches Cannabis diskutiert werden, liegen irgendwo zwischen „plausibel“ und „unbewiesen“. Bei Übelkeit durch Chemotherapie ist das anders, und diesen Unterschied können Sie selbst überprüfen. Vor rund vierzig Jahren führte diese Anwendung über das reguläre Zulassungsverfahren zu zugelassenen Arzneimitteln. Sie steht bis heute in etablierten Leitlinien der Krebsbehandlung.

Die beiden zugelassenen Arzneimittel sind Nabilon und Dronabinol. Beide werden synthetisch im Labor hergestellt. Abschnitt 4 beschreibt sie.

Die Behandlung von Übelkeit lindert ein Symptom. Auf den Tumor wirkt sie nicht. Wenn ein Patient während eines Chemotherapie-Zyklus sein Essen bei sich behält, ist das ein echter Gewinn. Eine Krebsbehandlung ist das aber nicht. Gerade weil die Aussage bescheiden ist, ist ihr Nutzen echt. Zur übergeordneten Frage nach Cannabis und Krebs lesen Sie Cannabis und Krebs: Was die Studienlage stützt und was nicht.

Appetitlosigkeit ist eine verwandte, aber eigenständige Anwendung. Dasselbe gilt für Kachexie, den starken Gewichts- und Muskelverlust bei fortgeschrittener Erkrankung. Beide beruhen auf einem anderen Wirkmechanismus und haben eine eigene Studienlage. Sie werden hier nicht behandelt. Lesen Sie dazu Cannabis, Appetitlosigkeit und Kachexie.

Was Sie tun können: Wenn Sie lesen, dass Cannabis „Krebspatienten hilft“, prüfen Sie, ob es um ein Symptom wie Übelkeit geht oder um den Tumor selbst. Die zugelassenen Arzneimittel in diesem Artikel behandeln das Symptom, nicht den Tumor.

2. Was Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie eigentlich sind

Ärzte sprechen von chemotherapieinduzierter Übelkeit und Erbrechen. In Fachartikeln wird das oft mit CINV abgekürzt (vom englischen „chemotherapy-induced nausea and vomiting“). Es handelt sich nicht um ein einziges Problem. Es tritt in drei Phasen auf, und jede Phase spricht auf andere Medikamente an.

Ein „Rezeptor“ in der folgenden Tabelle ist eine Andockstelle an einer Zelle. Ein chemischer Botenstoff bindet daran und schaltet die Zelle ein.

Phase Wann sie auftritt Hauptursache im Körper
Akut (sofort) Innerhalb von etwa 24 Stunden nach der Chemotherapie Spezielle Zellen in der Darmschleimhaut (enterochromaffine Zellen) schütten den Botenstoff Serotonin aus. Serotonin wirkt auf 5-HT3-Rezeptoren am Vagusnerv. Dieser Nerv leitet das Signal vom Darm zum Hirnstamm, dem Teil des Gehirns, der das Erbrechen steuert.
Verzögert Ab etwa 24 Stunden bis zu mehreren Tagen Ein Botenstoff im Gehirn namens Substanz P wirkt auf Neurokinin-1-Rezeptoren (NK1-Rezeptoren) im Gehirn.
Antizipatorisch (erlernt) Vor Beginn des nächsten Zyklus Eine erlernte, konditionierte Reaktion. Nach früheren Zyklen mit schlecht kontrollierter Übelkeit erwartet der Körper das Unwohlsein, und den Betroffenen wird schon vorher übel.

Daraus ergeben sich zwei Punkte. Sie sind wichtiger als die Wahl eines einzelnen Medikaments.

Erstens spricht jede Phase auf eine andere Medikamentenklasse an. Ein Mittel gegen Übelkeit lässt sich also nicht einfach gegen ein anderes austauschen. Zweitens entsteht antizipatorische Übelkeit durch schlechte Kontrolle in früheren Zyklen. Deshalb ist eine gute Kontrolle schon im ersten Zyklus der wirksamste einzelne Schritt in diesem ganzen Bereich.

Die Bereiche im Hirnstamm, die das Erbrechen koordinieren, enthalten Cannabinoid-Rezeptoren. Diese gehören zum körpereigenen Endocannabinoid-System. Einer dieser Bereiche ist der dorsale Vaguskomplex. In dieser Gruppe von Nervenzentren kommen die Signale aus dem Darm an, und dort wird der Brechreflex koordiniert. Forschende vermuten in diesen Rezeptoren den Grund, warum Cannabinoide Übelkeit verringern können.

Dieser Weg unterscheidet sich von den Wegen über Serotonin und Substanz P. Dieser Unterschied könnte erklären, warum ein Cannabinoid manchmal hilft, wenn die Standardmedikamente versagt haben. Die Erklärung ist plausibel, aber nicht bewiesen.

Was Sie tun können: Wenn Sie jemanden betreuen, der bald eine Chemotherapie beginnt, fragen Sie das Team vor dem ersten Zyklus, wofür jedes verschriebene Mittel gegen Übelkeit gedacht ist. Fragen Sie auch, was zu tun ist, wenn zu Hause trotzdem Übelkeit auftritt. Der erste Zyklus prägt den Verlauf der folgenden Zyklen. Dieses Gespräch ist deshalb am Anfang am wichtigsten.

3. Die frühen Studien (1970er- und frühe 1980er-Jahre)

Die Studien, die die Wirkung belegten, liefen in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren. Zu den damals verfügbaren Mitteln gegen Übelkeit gehörten Prochlorperazin und Metoclopramid. Die Übelkeit bei Chemotherapie war oft so schlecht kontrolliert, dass manche Patienten ihre Krebsbehandlung abbrachen.

Mehrere Studien aus dieser Zeit berichteten, dass Cannabinoide besser wirkten als diese älteren Medikamente. Einige Studien wurden mit Kindern durchgeführt. Bei Kindern testeten die veröffentlichten Vergleiche überwiegend Nabilon und nicht oral eingenommenes THC. THC (Tetrahydrocannabinol) ist der wichtigste berauschende Wirkstoff in Cannabis.

Chan und Kollegen veröffentlichten 1987 eine dieser Studien in der Fachzeitschrift Pediatrics. Sie umfasste 30 Kinder, die eine Chemotherapie gegen Krebs erhielten. Jedes Kind bekam in einigen Chemotherapie-Zyklen Nabilon und in anderen Prochlorperazin. Dieses Design heißt Crossover-Studie. Die Reihenfolge wurde zufällig festgelegt, und weder die Kinder noch die Ärzte wussten, welches Medikament in welchem Zyklus verwendet wurde (doppelblind).

  • Würgen und Erbrechen besserten sich in 70 % der Nabilon-Zyklen.
  • In den Prochlorperazin-Zyklen besserten sie sich in 30 %.
  • Nabilon verursachte mehr Schwindel, Benommenheit und Stimmungsveränderungen.

Eine kleinere Crossover-Studie von Dalzell und Kollegen erschien 1986 in der Fachzeitschrift Archives of Disease in Childhood. Sie ergab, dass Nabilon Erbrechen und Übelkeit stärker verringerte als Domperidon, ein anderes Mittel gegen Übelkeit. Auch hier verursachte Nabilon mehr Schläfrigkeit und Schwindel.

Die Studien aus dieser Zeit waren so überzeugend, dass die Zulassungsbehörden Cannabinoid-Arzneimittel zuließen.

Was Sie tun können: Wenn sich heute jemand auf diese Studien beruft, prüfen Sie zwei Dinge. Erstens: Welches Produkt wurde getestet? In den Studien mit Kindern war es Nabilon, ein synthetischer Wirkstoff, keine Cannabisblüte. Zweitens: Womit wurde es verglichen? Die Vergleichsmedikamente stammen aus der Zeit um 1980. Teil 2 erklärt, warum dieser Vergleich wichtig ist.

4. Die ersten Zulassungen

Nabilon ist ein synthetischer Wirkstoff, der im Körper ähnlich wie THC wirken soll (ein synthetisches Cannabinoid-Analogon). Kanada ließ ihn Anfang der 1980er-Jahre zu. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) ließ ihn 1985 zu.

Dronabinol ist synthetisch hergestelltes THC, das als Kapsel eingenommen wird. Die FDA ließ es 1985 gegen Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie zu, und zwar für Patienten, bei denen die üblichen Mittel gegen Übelkeit nicht gewirkt hatten. 1992 ergänzte die FDA eine zweite Anwendung: Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust bei Menschen mit AIDS.

Keines der beiden Medikamente wurde als Mittel der ersten Wahl gegen Übelkeit zugelassen. Beide sind jeweils ein einzelner synthetischer Wirkstoff, der in einer festgelegten Dosis eingenommen wird. Keines von beiden ist Cannabis, und ihre Zulassungen gelten nicht für Cannabis. Das in Abschnitt 1 verlinkte Thema zu zugelassenen Cannabinoid-Arzneimitteln stellt beide Medikamente ausführlich vor.

Was Sie tun können: Wird ein Produkt als „zugelassen gegen Übelkeit bei Chemotherapie“ beschrieben, prüfen Sie den genauen Namen. Die FDA-Zulassungen betrafen nur Dronabinol und Nabilon. Sie galten nicht für Blüten, Öle oder andere Cannabisprodukte.

Anmerkung der Übersetzung: Patienten oder Angehörige fragen Grower in Thailand manchmal, ob Blüten „gegen Chemo-Übelkeit helfen“. Die zugelassenen Produkte in diesem Abschnitt sind einzelne synthetische Wirkstoffe, die als Arzneimittel hergestellt werden, keine Blüten. Nach der Bekanntmachung B.E. 2568 über Cannabis als kontrollierte Heilpflanze ist Werbung für Cannabisblüten in Thailand verboten. Bezeichnen Sie Ihre Blüten weder in Beiträgen noch auf Etiketten noch in Chatnachrichten als Mittel gegen Übelkeit bei Chemotherapie. Verweisen Sie die Person an ihr onkologisches Behandlungsteam. Das Team kann beurteilen, ob überhaupt ein Cannabinoid in den Behandlungsplan passt.

Literatur (Teil 1)

Die Quellen zu Leitlinien und Studien für die heutige Praxis stehen am Ende von Teil 2.

Bildungsartikel der Asiannabis-Community. Er enthält allgemeine Informationen und ist keine medizinische Beratung. Er ist kein Grund, eine Behandlung gegen Übelkeit zu ändern. Die Behandlung der Übelkeit während der Chemotherapie plant das behandelnde onkologische Team.

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Weiter in Teil 2: Cannabinoide gegen Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie: Heutige Leitlinien, Patientensicherheit und die thailändischen Regeln (Teil 2 von 2)