Das Hopfen-Latent-Viroid (HLVd) kann jahrelang in einer Cannabis-Linie leben, ohne sichtbare Symptome zu verursachen. Mögliche Anzeichen sind nur eine geringere Potenz, kleinere Blüten und brüchige Stängel. Sicher nachweisen lässt sich das Viroid nur mit einem Labortest. Dieser Teil erklärt, welches Gewebe Sie einsenden sollten und was ein RT-PCR-Ergebnis bedeutet. Außerdem lesen Sie hier, wie Sie das Ergebnis richtig deuten.
Dieser Teil stellt außerdem eine Studie aus dem Jahr 2025 vor. Darin wurde versucht, infizierte Linien mit Wärme und Gewebekultur vom Viroid zu befreien. Je nach Kultivar (Sorte) lag die Erfolgsquote zwischen 100 % und 0 %. Zum Schluss folgen die Behauptungen über HLVd, für die es keine veröffentlichten Belege gibt. Dazu kommen die offenen Fragen, bei deren Beantwortung Grower in dieser Region helfen können.
Dies ist Teil 2. Teil 1: https://asiannabis.com/t/1451
Die wichtigsten Punkte aus Teil 1 in Kürze: Ein Viroid ist ein nackter Ring aus RNA (Erbmaterial) ohne Proteinhülle. In einer Studie von 2024 trugen 84,3 % der Sämlinge einer infizierten Mutterpflanze das Viroid in sich. Pflanzensaft einer infizierten Pflanze infizierte 100 % der Pflanzen, in die er eingebracht wurde. Verdünntes Bleichmittel mit etwa 0,8 % Natriumhypochlorit zerstörte das Viroid auf Oberflächen bei einer Einwirkzeit von 2 Minuten. UV-Licht, 70-prozentiger Alkohol und mäßige Hitze wirkten dagegen nicht.
1. Test auf das Viroid: Welches Gewebe Sie einsenden und wie Sie ein RT-PCR-Ergebnis lesen
Was der Test nachweist
RT-PCR steht für „Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion“. Im ersten Schritt schreibt das Labor die RNA des Viroids in eine passende DNA-Kopie um. Im zweiten Schritt vervielfältigt es ein bestimmtes Stück dieser DNA so oft, bis die Messgeräte es erkennen können.
Der Test ist sehr empfindlich. In einer Studie von 2024 in der Fachzeitschrift Viruses (Quelle 1) fand er das Viroid schon in 5 pg Gesamt-RNA. Ein Pikogramm (pg) ist ein Billionstel Gramm. RT-qPCR ist eine Variante dieses Tests. Sie schätzt zusätzlich ab, wie viel Viroid-RNA in der Probe steckt.
Welches Gewebe Sie einsenden
Senden Sie Wurzeln ein. In einer Studie von 2025 in der Fachzeitschrift Plants (Quelle 2) waren Wurzeln schon 2–3 Wochen nach der Infektion positiv. Blätter wurden erst nach 4–6 Wochen positiv. Bei der Vermehrung über Stecklinge kann dieser Zeitunterschied darüber entscheiden, ob Sie eine Infektion rechtzeitig entdecken oder sie mit den Stecklingen weiterverbreiten. Legen Sie zusätzlich Blätter bei, wenn das Labor danach fragt.
- Testen Sie jede Mutterpflanze, bevor Sie Stecklinge von ihr nehmen.
- Testen Sie jeden Pollenspender, bevor Sie seinen Pollen verwenden.
- Testen Sie jede Linie nach einer Sanierung erneut, ebenso jede neu hinzugekommene Linie.
So lesen Sie das Ergebnis
- Positiv: Das Labor hat in dieser Probe Viroid-RNA gefunden. Behandeln Sie die Pflanze als infiziert. Nehmen Sie keine Stecklinge, keinen Pollen und keine Samen mehr von ihr. Reinigen Sie die Werkzeuge und Arbeitsflächen, mit denen sie in Berührung kam, mit Bleichmittel.
- Negativ: Das Labor hat in dieser Probe zu diesem Zeitpunkt keine Viroid-RNA gefunden. Eine frische Infektion hat das untersuchte Gewebe aber womöglich noch nicht erreicht, vor allem die Blätter. Deshalb sind Wurzeln die bessere Probe, und deshalb lohnt sich ein zweiter Test zu einem späteren Zeitpunkt. In der Sanierungsstudie aus Abschnitt 2 wurden die Pflanzen etwa 10 Wochen nach dem ersten Test erneut getestet. Erst danach galt eine Linie als sauber.
- RT-qPCR-Ergebnisse: Fragen Sie das Labor, wie es die Viroidmenge angibt. Fragen Sie auch, wo es die Grenze zwischen positiv und negativ zieht.
- Ein positiver Abstrich von einer Arbeitsfläche oder einem Werkzeug: Auf dieser Oberfläche befindet sich Viroid-RNA. Dass RNA nachweisbar ist, heißt nicht automatisch, dass sie eine Pflanze infizieren kann. Behandeln Sie die Oberfläche trotzdem als verunreinigt und reinigen Sie sie mit Bleichmittel.
Eine Probe ins Labor bringen
Suchen Sie ein Labor, das einen eigens für HLVd entwickelten RT-PCR- oder RT-qPCR-Test anbietet. Klären Sie vor der Probenahme drei Dinge mit dem Labor: wie viel Gewebe es braucht, wie Sie die Probe verpacken und versenden sollen und wie lange es bis zum Ergebnis dauert. Gute Anlaufstellen sind die Institute für Pflanzenpathologie an Universitäten und landwirtschaftliche Diagnoselabore. Bei der Vorbereitung dieses Artikels wurde in Thailand und Südostasien kein überprüfter Anbieter gefunden. Deshalb wird hier keiner genannt.
Prüfen Sie die Vorschriften, bevor Sie etwas verschicken. Pflanzenmaterial von Cannabis ist in Thailand und anderswo reguliert. Das ist vor allem dann wichtig, wenn eine Probe eine Landesgrenze überqueren soll.
Anmerkung der Übersetzung: In Thailand ist die Cannabisblüte ein kontrolliertes Kraut. Grundlage ist die Bekanntmachung des Ministeriums für öffentliche Gesundheit über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568, die seit dem 26. Juni 2025 gilt. Senden Sie nur Wurzeln und Blätter ein, niemals Blüten. Fragen Sie das Labor vor dem Versand, welche Unterlagen es braucht. Bei 30–35 °C kann eine Probe unterwegs verderben. Fragen Sie das Labor deshalb, ob sie auf dem Transport gekühlt werden soll.
Was Sie tun können: Nehmen Sie vor Ihrer nächsten Stecklingsrunde Kontakt mit einem Labor auf und stellen Sie die drei Fragen von oben. Senden Sie danach Wurzelproben Ihrer Mutterpflanzen ein.
2. Eine infizierte Linie sanieren: Meristemkultur plus Wärmebehandlung
Worum es bei der Methode geht
Die Methode verbindet zwei Techniken. Thermotherapie bedeutet, dass die Pflanzen mehrere Wochen lang bei erhöhter Temperatur gehalten werden. Bei der Meristemkultur wird das Meristem herausgeschnitten, also der winzige Wachstumspunkt an der Triebspitze. Daraus wächst dann in einem sterilen Laborgefäß eine neue Pflanze heran.
Die Daten stammen aus einer Studie von 2025 in der Fachzeitschrift Plant Cell, Tissue and Organ Culture (Quelle 3). Laut der veröffentlichten Arbeit hing die Erfolgsquote bei den dreizehn untersuchten Kultivaren von der Sorte ab. Die Zahlen für die einzelnen Kultivare unten stammen aus dem Preprint derselben Arbeit von 2024. Ein Preprint ist eine frühe Fassung, die online gestellt wird, bevor andere Wissenschaftler sie begutachtet haben.
Die Schritte laut Preprint
- Die Pflänzchen aus der Gewebekultur wurden 4–5 Wochen lang bei 28–30 °C gehalten.
- Die Meristeme wurden herausgeschnitten. Innerhalb von 2–3 Wochen wurden daraus neue Triebe herangezogen.
- Die Triebe wuchsen etwa 8 Wochen lang.
- Die Pflanzen wurden getestet.
- Die Pflanzen wurden etwa 10 Wochen später erneut getestet, um zu bestätigen, dass sie weiterhin negativ waren.
Zusammengerechnet dauert es bis zum ersten Test also etwa 14–16 Wochen. Bis eine Linie als bestätigt sauber gilt, vergehen rund sechs Monate.
| Kultivar | Befreit (erster Test) |
|---|---|
| Valarie | 100 % |
| Athena | 94 % |
| FRB1.4 | 69 % |
| AnnaLee | 62 % |
| Wife | 50 % |
| Hybrid 9 | 26 % |
| Hybrid 5 | 14 % |
| EarlyPearly | 14 % |
| Abigail | 3 % |
| S1-4 | 2 % |
| River Rock | 0 % |
| Pure CBG | 0 % |
Überleben: Laut Preprint überlebten insgesamt mehr als 70 % der Pflänzchen die Wärmebehandlung. Überlebensraten für die einzelnen Kultivare enthielt die verfügbare Fassung nicht.
Was die Ergebnisse bedeuten
Mit derselben Methode im selben Labor lag die Befreiungsrate zwischen 100 % und 0 %. Von den zwölf Kultivaren mit angegebener Quote lag die Befreiungsrate bei vier Kultivaren bei höchstens 3 %. Die meisten dieser Kultivare sind nordamerikanische Linien. Für Kultivare, die in dieser Region angebaut werden, wurden keine veröffentlichten Befreiungsraten gefunden. Sie können die Erfolgschance für Ihre eigene Sorte also nirgends nachschlagen.
Linie sanieren oder ersetzen?
Bei diesen Erfolgsaussichten lautet die erste Frage: Linie sanieren oder ersetzen? Bei einer wertvollen Linie ohne Ersatz können sich sechs Monate für einen Versuch mit ungewissem Ausgang lohnen. Sonst ist es oft schneller, die Linie zu ersetzen – durch negativ getestete Samen oder durch eine negativ getestete Quelle derselben Genetik.
Ein Labor, das eine Sanierung anbietet, sollte sie als Versuch mit ungewissem Ausgang berechnen und nicht als garantiertes Ergebnis. Befreite Pflänzchen sind frei vom Viroid, aber nicht widerstandsfähig dagegen. Sauber bleiben sie nur mit der Reinigungsroutine aus Teil 1.
Tropische Bedingungen. Die Wärmestufe von 28–30 °C entspricht in weiten Teilen Thailands ungefähr der normalen Lufttemperatur. Die Wärme selbst ist hier also nicht das Problem. Schwierig ist es, ein Gewebekulturlabor in einem feuchten Klima steril zu halten. Hier besteht ständig die Gefahr, dass Schimmel und Bakterien die Kulturen verunreinigen. Steriles Arbeiten wird im Thema zu Gewebekultur und Mikrovermehrung erklärt.
Anmerkung der Übersetzung: Für Grower bietet diese Methode die Chance, eine seltene Linie zu erhalten, die sonst weggeworfen werden müsste. Bei der Vorbereitung dieses Artikels wurde in Thailand und Südostasien kein Labor gefunden, das die HLVd-Sanierung von Cannabis-Linien anbietet. Wenn Sie keines finden, bleibt Ihnen heute realistisch nur, die Linie durch negativ getestetes Pflanzenmaterial zu ersetzen. Halten Sie die infizierte Mutterpflanze in der Zwischenzeit getrennt und vermehren Sie sie nicht weiter.
Anmerkung der Übersetzung: Wenn Sie oder ein Labor die Methode ausprobieren, planen Sie Stromausfälle ein. In der heißen Jahreszeit kann ein Stromausfall einen geschlossenen Raum innerhalb weniger Stunden über den Bereich von 28–30 °C hinaus aufheizen. Außerdem fällt dann die Reinluftwerkbank für steriles Arbeiten aus. Protokollieren Sie die Raumtemperatur. Schließen Sie den Temperaturregler und die Reinluftwerkbank an eine USV an (unterbrechungsfreie Stromversorgung, ein Akku, der bei einem Stromausfall einspringt). Rechnen Sie in der Regenzeit mit mehr Verunreinigungen und setzen Sie zusätzliche Pflänzchen an, um Verluste auszugleichen.
Was Sie tun können: Ordnen Sie Ihre Linien nach ihrem Wert. Entscheiden Sie für jede infizierte Linie, ob Sie sie ersetzen oder eine Sanierung versuchen. Wenn Sie es versuchen, beginnen Sie mit einer kleinen Charge aus einer Linie. Testen Sie vorher und nachher, und testen Sie etwa 10 Wochen später erneut.
3. Behauptungen über HLVd, die sich nicht überprüfen ließen
„90 % der Betriebe in Kalifornien haben das Hopfen-Latent-Viroid.“ Diese Zahl wird oft wiederholt. Ein Fachartikel aus der Branche nennt mehr als 200.000 Gewebetests. Dazu kommt eine Zahl aus der kanadischen Diagnostik, nach der „etwa ein Viertel der Proben“ betroffen sein soll (Quelle 4). Eine offizielle Quelle gibt der Artikel nicht an, und die zugrunde liegenden Daten gehören den Testlaboren. Die Biologie des Viroids ist gut dokumentiert, die viel zitierte Zahl zur Verbreitung dagegen nicht.
Verbreitung in Thailand und Südostasien. Für diese Region wurden keine veröffentlichte Erhebung, kein Testprogramm und keine Infektionsrate gefunden. Fehlende Daten bedeuten aber nicht, dass der Erreger hier nicht vorkommt.
Verhalten in tropischer Hitze. Es wurde keine Studie dazu gefunden, wie hohe Lufttemperaturen die Ausbreitung des Viroids in der Pflanze beeinflussen. Eine Studie stellte fest, dass sich das Viroid bei 12 Stunden Licht schneller ausbreitet als bei 24 Stunden. Den Grund dafür hat sie aber nicht geklärt.
Was Sie tun können: Wenn Sie eine Zahl zur Verbreitung von HLVd lesen, fragen Sie nach der Studie dahinter. Zitieren Sie die Studien aus der Quellenliste und keine Pressemitteilungen. Gehen Sie nicht davon aus, dass Ihr Betrieb HLVd-frei ist, nur weil es keine lokalen Daten gibt. Lassen Sie ihn testen.
4. Was Grower hier herausfinden können
Vier Fragen würden zeigen, ob HLVd in Thailand und Südostasien ein Problem ist:
- Hat schon jemand in der Region darauf getestet? Schon eine Handvoll Ergebnisse aus lokalen Betrieben, ob positiv oder negativ, gehörte zu den ersten lokalen Daten überhaupt.
- Baut jemand Cannabis neben Tomaten oder Gurken an und nutzt dafür dieselben Werkzeuge oder Arbeitskräfte? Wegen der Laborergebnisse von 2024 zu anderen Wirtspflanzen lohnt es sich, das zu wissen. Eine Ausbreitung im Feld wurde allerdings bisher nicht nachgewiesen.
- Nutzt jemand eine UV-Box als wichtigste Methode, um Werkzeuge zu sterilisieren? Nach den Daten von 2025 sollte diese Routine ersetzt werden. Bleichmittel ist eine günstige Lösung.
- Hat schon jemand vor Ort eine Meristem-Sanierung versucht? Schon ein einziges Ergebnis mit Angabe der Sorte, ob Erfolg oder Misserfolg, wäre der erste Datenpunkt dieser Art für die Region.
Ist eine Linie über mehrere Generationen langsam schlechter geworden? Zeigt sie geringere Potenz, kleinere Blüten und brüchige Stängel, aber nichts, was man fotografieren könnte? Dann lassen Sie sie auf HLVd testen, bevor Sie die Düngung oder die Genetik verantwortlich machen.
Posten Sie Ihr Testergebnis unter diesem Thema, ob positiv oder negativ, und geben Sie an, welches Gewebe Sie eingesendet haben. Veröffentlichte Daten zu HLVd-Infektionen in Südostasien wurden nicht gefunden. Ein Dutzend Ergebnisse aus diesem Forum würde bereits zu den besten verfügbaren Informationen gehören darüber, ob der Erreger hier vorkommt.
Weiterführende Themen im Forum: Mutterpflanzen und Klonen; Lagerung von Samen und Pollen; Herstellung feminisierter Samen; Phenohunting (Phänotypselektion); Wurzelfäule, Pythium und Fusarium.
Quellen
- Atallah OO, Yassin SM, Verchot J. New insights into hop latent viroid detection, infectivity, host range, and transmission. Viruses 2024; 16(1):30. https://doi.org/10.3390/v16010030
- Punja ZK, Scott C, Tso HH, Munz J, Buirs L. Transmission, spread, longevity and management of hop latent viroid, a widespread and destructive pathogen affecting cannabis (Cannabis sativa L.) plants in North America. Plants 2025; 14(5):830. https://doi.org/10.3390/plants14050830
- Torres A, et al. Differential gene expression analysis of Cannabis sativa following hop latent viroid (HLVd) eradication therapy in micropropagation tissue culture. Plant Cell, Tissue and Organ Culture 2025; 161:66. https://doi.org/10.1007/s11240-025-03057-8. Preprint mit den Zahlen für jedes Kultivar: bioRxiv 2024, https://doi.org/10.1101/2024.04.06.588422
- MMJ Daily. Hop latent viroid: a global threat to cannabis cultivation. Fachartikel aus der Branche; die darin genannten Zahlen zur Verbreitung sind nicht überprüft. https://www.mmjdaily.com/article/9786670/hop-latent-viroid-a-global-threat-to-cannabis-cultivation/
Dieser Artikel bietet technische Informationen zum Pflanzenanbau für Leserinnen und Leser, die sich an die Gesetze ihres Landes halten. Der Anbau von Cannabis ist in jedem Land anders geregelt. In Thailand ist die Cannabisblüte nach den Vorschriften des Ministeriums für öffentliche Gesundheit ein kontrolliertes Kraut. Für Verkauf und Verarbeitung ist eine Lizenz erforderlich. Nichts in diesem Artikel ist eine Rechtsberatung oder eine Diagnose. Nur ein Labortest kann diesen Erreger sicher nachweisen.