Dieser Artikel richtet sich an lizenzierte Farmen und größere Homegrower, die ihre Anbaufläche aufteilen müssen. Er behandelt eine einzige Entscheidung zur Raumaufteilung: Sie verzichten auf die Räume für Mutterpflanzen, Jungpflanzen und wachsende Pflanzen und nutzen jeden Raum für die Blüte. Der Originalbeitrag zählt die Vorteile auf. Die Anmerkungen der Übersetzung ergänzen, was dort fehlt: woher die Jungpflanzen stattdessen kommen und wie das in Thailand und Südostasien funktioniert.
1. Die Idee in Kürze
Auf einer Cannabis-Farm hängt der Gewinn davon ab, wie viel Ihrer Bodenfläche zu jedem Zeitpunkt Blüten produziert. Viele Farmen teilen ihre Fläche in vier Raumtypen auf.
- Mutterraum: Hier stehen die Mutterpflanzen. Diese Pflanzen liefern nur Stecklinge und kommen nie in die Blüte.
- Anzuchtraum: Hier bilden bewurzelte Stecklinge (Klone) oder Sämlinge ihre Wurzeln aus.
- Wachstumsraum: Hier wachsen Jungpflanzen bei langer Lichtdauer, bis sie groß genug für die Blüte sind. Mehr zur vegetativen Phase finden Sie im Forum.
- Blüteraum: der einzige Raum, der eine Ernte bringt.
Der Originalbeitrag schlägt vor, Mutterraum, Anzuchtraum und Wachstumsraum abzuschaffen. Die gesamte Fläche wird dann zu Blüteräumen. Laut Original senkt das die laufenden Kosten und bringt Ihnen die größtmögliche Blütenernte.
So gehen Sie vor: Notieren Sie die Bodenfläche in Quadratmetern für jeden Raumtyp auf Ihrer Farm. So sehen Sie, wie viel Blühfläche Sie gewinnen könnten, bevor Sie etwas umbauen.
2. Was Sie gewinnen
2.1 Mehr Blühfläche, mehr Pflanzen pro Durchgang
Ohne Mutter- und Anzuchtraum kann Ihre gesamte Fläche blühende Pflanzen tragen. Das heißt: mehr Pflanzen in jedem Durchgang. Wo früher Mutterpflanzen und Sämlinge standen, steht jetzt blühendes Kronendach. Gemeint ist die Schicht aus Blättern und Blüten direkt unter den Lampen. Je mehr Kronendach in jedem Durchgang blüht, desto mehr ernten Sie pro Durchgang.
Anmerkung der Übersetzung: Diesen Gewinn haben Sie nur, wenn Jungpflanzen wenig oder gar keine Zeit in den Blüteräumen verbringen. Angenommen, Sie bewurzeln Stecklinge oder ziehen Sämlinge in einem Blüteraum bei langer Lichtdauer an. Dann blüht dieser Raum in diesen Wochen nicht. Die Zeit ohne Blüte ist nur in einen anderen Raum gewandert, sie ist aber nicht verschwunden. Abschnitt 3 zeigt, wie Farmen damit umgehen.
So gehen Sie vor: Zählen Sie für jeden Blüteraum, wie viele Wochen er im letzten Jahr tatsächlich in Blüte stand. Diese Zahl brauchen Sie, um zu prüfen, ob der Wegfall der anderen Räume wirklich mehr Blühwochen bringt.
2.2 Niedrigere laufende Kosten
- Strom: Mutterräume brauchen 18–24 Stunden Licht am Tag. Fallen sie weg, sparen Sie viel Energie.
- Arbeit: Sie brauchen kein Personal, das Mutterpflanzen pflegt oder Stecklinge schneidet. Stecklinge schneiden, also Klonen, heißt: Sie schneiden einen Trieb ab und bewurzeln ihn, um eine genaue Kopie der Pflanze zu erhalten.
- Dünger: Sie geben kein Geld mehr für die Ernährung von Mutterpflanzen und Sämlingen aus.
Anmerkung der Übersetzung: In Thailand sind Außentemperaturen von 30–35 °C normal. Ein Mutterraum braucht deshalb den Großteil des Tages neben Licht auch eine Klimaanlage. Die Stromersparnis betrifft also Kühlung und Beleuchtung. Wenn Sie Jungpflanzen zukaufen, fließt allerdings ein Teil der Ersparnis in den Preis, den Sie dem Lieferanten zahlen.
So gehen Sie vor: Erfassen Sie einen Monat lang Strom, Arbeitsstunden und Dünger für Ihren Mutter- und Anzuchtraum. Teilen sich die Räume einen Zähler, bauen Sie einen eigenen Zähler in den Stromkreis des Raums ein. Dann haben Sie einen echten Betrag in Baht, den Sie mit den Kosten für zugekaufte Pflanzen vergleichen können.
2.3 Weniger Risiko durch Schädlinge und Krankheiten
Im Mutterraum vermehren sich Schädlinge und Pilze oft besonders stark. Typisch sind Spinnmilben, Weichhautmilben, Blattläuse und Pilzkrankheiten. Mutterpflanzen bleiben lange im Raum, sodass sich Schädlinge in Ruhe vermehren können. Jeder Steckling von einer befallenen Mutter trägt den Schädling dann weiter.
Ohne Mutterraum sinkt das Risiko, dass Schädlinge und Krankheiten in die Blüteräume gelangen. Die Hygiene auf der Farm verbessert sich insgesamt. Dadurch brauchen Sie weniger Pflanzenschutzmittel und andere Chemikalien.
Anmerkung der Übersetzung: Dieser Vorteil gilt nur, wenn neue Pflanzen sauber ankommen. Klone, die Sie von einer anderen Farm in Thailand kaufen, können Milben mitbringen. Sie können auch HLVd (Hop Latent Viroid, Hopfen-Latent-Viroid) tragen. HLVd ist ein winziger Krankheitserreger. Bei Jungpflanzen verursacht er oft keine sichtbaren Symptome, er kann aber das Wachstum hemmen und die Ernte verringern. Außerdem kann sich herausstellen, dass zugekaufte Klone eine andere Sorte sind als bestellt.
Anmerkung der Übersetzung: Ohne Mutterraum gelangt ein Schädling auf einer zugekauften Pflanze direkt in einen Blüteraum. Wenn Sie spritzen müssen, verwenden Sie nur Mittel, die beim thailändischen Landwirtschaftsamt (Department of Agriculture, กรมวิชาการเกษตร) registriert sind, und zwar genau nach Etikett. Einzelheiten finden Sie unter Was Sie legal spritzen dürfen.
So gehen Sie vor: Richten Sie einen kleinen, abgetrennten Quarantänebereich ein und halten Sie jede neue Charge dort einige Tage. Prüfen Sie die Blattunterseiten mit einer Handlupe, bevor die Pflanzen in einen Blüteraum kommen. So entdecken Sie Schädlinge, bevor sie Ihre Kultur erreichen. Unser Leitfaden zum integrierten Pflanzenschutz erklärt, wie Sie diese Kontrollen planen.
3. Woher Jungpflanzen ohne Mutterraum kommen
Anmerkung der Übersetzung: Der Originalbeitrag erklärt das nicht. Die Abschnitte 3, 4 und 5 wurden vollständig bei der Übersetzung ergänzt. Auch ohne Mutterraum brauchen Sie für jeden Durchgang Jungpflanzen. Farmen haben dafür vier Hauptmöglichkeiten.
Möglichkeit 1: Bewurzelte Klone von einer anderen Farm kaufen. Sie brauchen weder Mutter- noch Anzuchtraum. Die Risiken sind die aus Abschnitt 2.3: Schädlinge, HLVd und falsche Sorte. Ein weiteres Risiko ist die Versorgung. Liefert Ihr Anbieter zu spät oder ist er ausverkauft, steht Ihr Blüteraum leer und bringt nichts ein. Bevor Sie lebende Pflanzen kaufen oder verkaufen, fragen Sie beim Department of Thai Traditional and Alternative Medicine (DTAM, Behörde für thailändische traditionelle und alternative Medizin) nach, ob Ihre Lizenz das abdeckt und welche Aufzeichnungen jede Farm führen muss.
Möglichkeit 2: Aus Samen starten. Samen brauchen keine Mutterpflanze. Pflanzen aus derselben Packung können sich aber in Höhe, Blütezeit und Qualität unterscheiden. Diese Unterschiede werden im Beitrag zum Phenohunting erklärt. Photoperiodische Sämlinge brauchen trotzdem mehrere Wochen mit langer Lichtdauer, die vegetative Phase wandert also nur in den Blüteraum. Autoflower beginnen unabhängig von der Lichtdauer von selbst zu blühen und können deshalb von Anfang an im Blüteraum wachsen. Der Leitfaden zu Samentypen vergleicht reguläre, feminisierte und Autoflower-Samen. Lesen Sie vor dem Kauf, was beim Samenkauf in Thailand legal ist.
Möglichkeit 3: Gewebekultur-Pflänzchen aus dem Labor. Abschnitt 4 vergleicht das mit dem Halten von Mutterpflanzen.
Möglichkeit 4: Eine Mischform. Manche Farmen halten ein paar Mutterpflanzen in einem kleinen Zelt und geben Jungpflanzen eine kurze vegetative Phase im Blüteraum. Mit vielen kleinen Pflanzen und kurzer vegetativer Phase, wie bei der Sea-of-Green-Methode, bleibt diese Zeit kurz. Der Plan für Perpetual Harvest mit zwei Räumen zeigt, wie Sie das Timing berechnen.
So gehen Sie vor: Notieren Sie, woher die Pflanzen für Ihre nächsten drei Chargen kommen, und nennen Sie für jede eine Ersatzquelle. So steht kein Blüteraum leer, während Sie auf Pflanzen warten.
4. Gewebekultur-Pflänzchen im Vergleich zu Mutterpflanzen
Anmerkung der Übersetzung: Die Gewebekultur ist ein Laborverfahren. Ein kleines Stück Pflanzengewebe wächst in sterilen Behältern auf einem Nährgel zu vielen kleinen Pflanzen (Pflänzchen) heran. Die Ausgangspflanzen hält das Labor, nicht Ihre Farm. Die Pflänzchen kommen aus einem sehr feuchten, verschlossenen Behälter. Sie müssen schrittweise an die Raumluft gewöhnt werden, bevor sie unter starkes Licht dürfen.
| Mutterpflanzen halten | Gewebekultur-Pflänzchen | |
|---|---|---|
| Platz und Strom | Ein Raum mit 18–24 Stunden Licht am Tag, dazu Kühlung | Keine Ausgangspflanzen auf Ihrer Farm |
| Arbeit | Mütter pflegen und Stecklinge schneiden | Pflänzchen nach der Lieferung an die Raumluft gewöhnen |
| Schädlinge und Viroide | Können sich mit der Zeit ansammeln und auf jeden Steckling übergehen | Start mit getestetem, sauberem Material möglich, wenn das Labor testet und Ihnen die Ergebnisse zeigt |
| Kontrolle über das Timing | Sie schneiden Stecklinge, wann Sie sie brauchen | Hängt vom Zeitplan und der Lieferzeit des Labors ab |
| Ihre Genetik | Bleibt auf Ihrer Farm | Das Labor muss Ihre Sorte halten; fragen Sie, wie jede Sorte beschriftet und getrennt gehalten wird |
| Kosten | Strom, Personal, Dünger | Preis pro Pflänzchen; lassen Sie sich vom Labor ein schriftliches Angebot geben |
Was Sie gewinnen: Sie brauchen keinen Mutterraum und können jeden Durchgang mit sauberem Material beginnen.
So funktioniert es in Thailand und Südostasien: Wir konnten kein Labor in Thailand bestätigen, das Gewebekultur-Pflänzchen von Cannabis an lizenzierte Farmen verkauft. Bevor Sie damit planen, fragen Sie jeden Anbieter nach seiner Lizenz und seiner Lieferzeit. Gibt es keinen Anbieter, halten Sie stattdessen ein kleines Mutterzelt. Betreiben Sie es mit strenger Hygiene und lassen Sie die Mutterpflanzen auf HLVd testen. Wir konnten kein Labor in Thailand bestätigen, das Cannabis auf HLVd testet. Fragen Sie deshalb jedes Labor, mit dem Sie arbeiten, ob es diesen Test anbietet.
Wo Sie anfangen: Bestellen Sie eine kleine Charge Pflänzchen und ziehen Sie sie neben einer Charge aus Ihrer üblichen Quelle. Lassen Sie sich vor der Zahlung vom Labor die HLVd-Testergebnisse und einen Sortennachweis geben. So erfahren Sie, ob die Pflänzchen genauso gut wurzeln, sich anpassen und blühen wie Ihre üblichen Pflanzen.
5. Bedingungen in Thailand: Hitze, Stromausfälle und Regenzeit
Anmerkung der Übersetzung: Drei lokale Bedingungen verändern die Entscheidung.
- Hitze: Bei 30–35 °C braucht ein Mutterraum den Großteil des Tages eine Klimaanlage. Ohne ihn sparen Sie in Thailand mehr Strom als in einem kühlen Klima.
- Stromausfälle: Fällt an einem heißen Tag die Klimaanlage aus, können Mutterpflanzen stark gestresst werden oder absterben, und Sie verlieren die Quelle Ihrer Genetik. Ohne Mutterraum trifft ein Stromausfall nur blühende Pflanzen. Dann hängt Ihre Genetik aber von einem externen Lieferanten ab. In beiden Fällen brauchen Sie eine Reserve: eingelagerte Samen oder ein paar Pflanzen jeder Sorte an einem zweiten Standort.
- Regenzeit: Hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt Pilze wie Botrytis (Blütenfäule). Pflanzen, die in den nassen Monaten von einer anderen Farm geliefert werden, müssen Sie besonders gründlich auf Schimmel prüfen, bevor sie in einen Blüteraum kommen.
So gehen Sie vor: Schreiben Sie einen einseitigen Plan, in dem steht, wo Ihre Genetik aufbewahrt wird und wo die Reserve liegt, falls der Strom einen Tag lang ausfällt. So verlieren Sie keine Sorte durch eine einzige Panne.
6. Fazit und wie Sie es auf Ihrer Farm testen
Der Originalbeitrag kommt zu dem Schluss, dass der Verzicht auf Mutter- und Anzuchträume Geld spart und Ertrag und Gewinn steigert. Zahlen nennt er nicht. Testen Sie die Umstellung auf Ihrer eigenen Farm, bevor Sie jeden Raum umbauen.
So gehen Sie vor: Betreiben Sie einen Durchgang lang einen Blüteraum mit Pflanzen aus Ihrer neuen Quelle und lassen Sie die übrigen Räume, wie sie sind. Erfassen Sie in beiden:
- Ertrag in Gramm pro Quadratmeter
- Tage, an denen der jeweilige Raum nicht in Blüte stand
- Kosten für Jungpflanzen, Strom, Arbeitsstunden und Dünger
- jeden gefundenen Schädling und jede Krankheit, mit Zeitpunkt
Vergleichen Sie beide nach der Ernte. Diese Zahlen zeigen Ihnen, ob die neue Aufteilung unter Ihren eigenen Bedingungen wirklich mehr einbringt. Wenn Sie den Versuch machen, posten Sie Ihre Zahlen gern unter diesem Thema oder führen Sie ein Protokoll in den Grow-Tagebüchern. Andere Grower können ihre Ergebnisse dann mit Ihren vergleichen.