Übersetzt und bearbeitet nach dem Buch Organic Marijuana, Soma Style: The Pleasures of Cultivating Connoisseur Cannabis von Soma (Quick Trading Company, 2005).
Organic Marijuana, Soma Style ist ein Buch über ökologischen Anbau. Der Autor Soma baute in Amsterdam (Niederlande) in Innenräumen an. Gegen Schädlinge setzt er auf Niemöl und auf Tausende freigelassene Marienkäfer. Das Niemöl wird alle zwei bis drei Tage gespritzt. Teil 1 hat zwei Punkte korrigiert. Erstens fressen Marienkäfer vor allem Blattläuse, und die meisten fliegen innerhalb von ein bis zwei Tagen davon. Zweitens hinterlässt Niemöl Rückstände auf den Blüten, wenn Sie es bis in die dritte Blütewoche spritzen. Diese Rückstände fördern Schimmel.
Dieser Teil behandelt, was im Buch fehlt. Dazu gehört die Rechtslage bei der Einfuhr lebender Insekten. Außerdem stellen wir ein Programm in vier Phasen vor, das ohne Spritzungen auf Blüten auskommt und auf einen Raum in Thailand zugeschnitten ist. Am Ende steht, womit das Buch richtigliegt.
Dies ist Teil 2. Teil 1: https://asiannabis.com/t/1408
1. Lebende Insekten über Grenzen: eine Frage der Quarantäne
Das Buch erwähnt diesen Punkt gar nicht, obwohl er wichtig ist.
Wer lebende Insekten und Milben in ein Land bringt, unterliegt dem Pflanzenquarantänerecht. Nützlinge für die biologische Bekämpfung sind Lebewesen. Viele davon sind in dem Land, in dem sie verkauft werden, nicht heimisch. Entkommt ein gebietsfremder Räuber, kann er weit mehr als nur Ihren Growroom betreffen. Deshalb ist der grenzüberschreitende Transport dieser Organismen geregelt.
Anmerkung der Übersetzung: In Thailand fällt die Einfuhr lebender Organismen unter das Pflanzenquarantänegesetz B.E. 2507 (in der geänderten Fassung). Sie brauchen dafür eine Einfuhrgenehmigung des Landwirtschaftsamts (Department of Agriculture, กรมวิชาการเกษตร). Mikrobielle Produkte sind ein eigener Fall, etwa Beauveria bassiana, ein Pilz, der Insekten abtötet. Sie müssen nach dem Gesetz über gefährliche Stoffe (Hazardous Substances Act) registriert sein, bevor sie verkauft werden dürfen.
Anmerkung der Übersetzung: In Vietnam und den meisten anderen Ländern Südostasiens ist der Anbau von Cannabis weiterhin verboten. Für einen Anbau dort gilt nichts in diesem Artikel.
Dieser Abschnitt erklärt das Prinzip. Er ist keine Anleitung, irgendetwas einzuführen.
Anmerkung der Übersetzung: Wenn Sie in Thailand biologische Bekämpfung einsetzen wollen, gehen Sie in vier Schritten vor:
- Kaufen Sie in Thailand. Thailändische Agrarinstitutionen und kommerzielle Nützlingszuchten liefern bereits für andere Kulturen. Beispiele sind Raubmilben, Trichogramma-Schlupfwespen und Beauveria-Produkte. Wenn Sie im Land kaufen, stellt sich die Einfuhrfrage gar nicht erst.
- Verlangen Sie vom Anbieter einen Nachweis. Bei einem mikrobiellen Produkt fragen Sie nach der Registrierung beim Landwirtschaftsamt. Bei lebenden Nützlingen fragen Sie nach einem Beleg, dass sie in Thailand gezüchtet oder mit Genehmigung eingeführt wurden.
- Bestellen Sie lebende Insekten nicht selbst im Ausland. Das ist eine Zoll- und Quarantänefrage und keine Grauzone.
- Prüfen Sie zuerst die Art. Klären Sie vor jeder Freilassung, ob die Art in Thailand heimisch oder hier bereits etabliert ist.
Wer einem ausländischen Buch Wort für Wort folgt, kann gegen ein Gesetz verstoßen, das mit Cannabis gar nichts zu tun hat.
Was Sie tun können: Bewahren Sie für jedes biologische Produkt, das Sie kaufen, eine Kopie der Registrierung oder des Nachweises über Zucht oder Einfuhr in Thailand auf. Legen Sie sie zu Ihren Betriebsunterlagen. So können Sie für jedes Betriebsmittel belegen, woher es stammt.
2. Ein Programm ohne Spritzungen auf Blüten, zugeschnitten auf einen thailändischen Raum
Hier wird der Ansatz des Buches auf Grundlage der heutigen Praxis neu aufgebaut. Das Programm hat vier Phasen.
Phase 1: Vorbeugung – der Teil, der wirklich wirkt
Die vollständige Checkliste finden Sie im Thema zum Integrierten Pflanzenschutz (IPM). IPM bedeutet, mehrere Mittel zu kombinieren: Vorbeugung, regelmäßige Kontrollen, natürliche Gegenspieler und gezielte Spritzungen nur dann, wenn sie nötig sind. Das Wichtigste:
- Starten Sie aus Samen oder aus eigenen Stecklingen. Dieses Buch und True Living Organics, ein weiteres Buch über ökologischen Anbau, sind sich beim wichtigsten Einfallstor für Schädlinge einig. Stecklinge von außen bringen Echten Mehltau, Spinnmilben, Blattläuse und Thripse in einen Anbau. Diese Maßnahme ist die wertvollste auf dieser Seite.
- Stellen Sie jede neue Pflanze zwei Wochen unter Quarantäne, getrennt vom Hauptraum. In dieser Zeit zeigen sich Schädlinge oder Krankheiten, die mit der Pflanze gekommen sind, bevor sie Ihren Bestand erreichen.
- Nutzen Sie das Raumklima gegen Schädlinge. Spinnmilben gedeihen in heißen, trockenen Räumen. Eine Luftfeuchtigkeit von etwa 50–60 % in der vegetativen Phase wirkt gegen sie. In der Blüte verschiebt sich der Schwerpunkt auf Botrytis, den Grauschimmel, der Blüten von innen verfaulen lässt. Dagegen helfen gute Luftbewegung, Platz im Kronendach und ein sauberer Raum.
Anmerkung der Übersetzung: In Thailand bergen Klone von einem anderen Betrieb echte Risiken. Sie können Schädlinge oder das Hopfen-Latent-Viroid (HLVd) einschleppen. Außerdem ist es nicht sicher, dass es sich um die angegebene Sorte handelt. Wenn Sie keine andere Wahl haben, halten Sie gekaufte Klone die vollen zwei Wochen in Quarantäne. Prüfen Sie sie mit einer Lupe, bevor sie in den Hauptraum kommen.
Anmerkung der Übersetzung: In der thailändischen Regenzeit ist eine Luftfeuchtigkeit über 60 % normal. Dann sind Sie vor allem damit beschäftigt, sie zu senken. Ein heißer, trockener Raum kommt eher in der Trockenzeit oder bei starker Klimatisierung vor. Dann steigt das Risiko für Milben.
Phase 2: Spritzungen nur in der vegetativen Phase
- Verwenden Sie Niemöl oder Azadirachtin (den wichtigsten insektenwirksamen Wirkstoff im Niem), Kaliseife oder ein registriertes Beauveria-bassiana-Produkt. Spritzen Sie nur, wenn Sie tatsächlich einen Schädling haben, nicht routinemäßig zur Vorbeugung.
- Spritzen Sie in der Dunkelphase oder bei ausgeschaltetem Licht. Ölhaltige Spritzmittel verbrennen unter starkem Licht die Blätter.
- Halten Sie Spritztermine und Termine für die Freilassung von Räubern auseinander. Nasser Spritzbelag kann manchen Raubmilben und Schlupfwespen schaden. Lassen Sie Nützlinge deshalb erst frei, wenn der Belag getrocknet und die Spritzphase vorbei ist.
- Beenden Sie das Spritzen mit der Umstellung oder sehr kurz danach. Gemeint ist der Tag, an dem Sie das Licht auf den Blüterhythmus umstellen.
Anmerkung der Übersetzung: Verwenden Sie nur Produkte, die beim Landwirtschaftsamt registriert sind, und zwar genau so, wie es auf dem Etikett steht. Das Thema Was Sie unter dem thailändischen GACP-Standard legal sprühen dürfen erklärt, warum es keine eigene Produktliste für Cannabis gibt. Die Registrierung allein macht ein Produkt auf einer GACP-zertifizierten Kultur noch nicht zulässig. GACP steht für Good Agricultural and Collection Practice, also Gute Agrar- und Sammelpraxis.
Phase 3: Blüte – nur mit Räubern und Klima
- Lassen Sie Räuber frei, die zum Schädling passen und in Thailand bezogen wurden. Die passende Wahl für jeden Schädling finden Sie im Thema zur biologischen Bekämpfung von Spinnmilben und Thripsen.
- Wählen Sie in heißen Räumen hitzetolerante Arten. Über etwa 30 °C heißt das Neoseiulus californicus gegen Spinnmilben und Amblyseius swirskii gegen Thripse und Weiße Fliegen. Phytoseiulus persimilis eignet sich nur für kühlere Räume.
- Spritzen Sie nichts auf die Blüten. Gar nichts.
- Kontrollieren Sie die Pflanzen alle 2–3 Tage mit einer Lupe (einem kleinen Handvergrößerungsglas). True Living Organics beschreibt das bei Spinnmilben treffend: Wenn Sie die ersten Schäden auf der Blattoberseite entdecken, haben Sie noch eine Chance. Übersehen Sie sie, breiten sich die Milben schnell aus, und die Pflanzen sind bald von Gespinst überzogen.
Phase 4: Zwischen zwei Durchgängen
In einem Perpetual-Harvest-Raum stehen Pflanzen in verschiedenen Stadien nebeneinander, damit die Ernte nie abreißt. Weil immer eine Pflanze da ist, auf der Schädlinge leben können, lässt sich der Schädlingskreislauf in so einem Raum nie unterbrechen. Wenn ein Schädling immer wiederkommt, hilft es am meisten, den Raum zu leeren und zu reinigen.
Was Sie tun können: Legen Sie schon jetzt fest, wohin Ihre Pflanzen kämen, wenn Sie den Raum leeren müssten. Mit diesem Plan bedeutet ein wiederkehrender Schädling nur eine kurze Pause und keinen verlorenen Durchgang.
3. Womit das Buch richtigliegt
Es wäre unfair, nicht auch zu sagen, was weiterhin gilt:
- Der Grundgedanke. Medizinisches Cannabis braucht eine sicherere Schädlingsbekämpfung. Heute ist das eine gesetzliche Pflicht und nicht nur eine ethische Entscheidung.
- Vorbeugen statt heilen. Der ganze Ansatz beruht darauf, Schädlinge fernzuhalten, statt sie zu bekämpfen, wenn sie sich schon festgesetzt haben.
- Spritzungen vor der Ernte beenden. Der Gedanke stimmt, auch wenn das Buch den Schluss drei Wochen zu spät ansetzt.
- Chemische Pestizide töten Nützlinge, deshalb passen beide Methoden nicht zusammen. Das stimmt. Darum müssen Sie sich fest für ein biologisches Programm entscheiden und dürfen es nicht nur als Notlösung bereithalten. Auch manche „ökologischen“ Spritzmittel können Nützlingen schaden, wie in Phase 2 beschrieben.
- Nützlinge bis zur Ernte im Raum halten, sobald die Spritzungen beendet sind. Dieser Aufbau ist richtig.
- Marienkäfer verlassen die Pflanzen, wenn diese abtrocknen, und einige überleben bis in den nächsten Durchgang. UC IPM, das Programm für Schädlingsmanagement der University of California (USA), weist darauf hin: Ansässige Marienkäfer sind wichtige Räuber, gekaufte fliegen dagegen innerhalb von ein bis zwei Tagen davon. Schützen Sie die natürlichen Gegenspieler, die schon in Ihrem Raum leben.
Was Sie tun können: Behalten Sie den Aufbau des Buches bei: zuerst Vorbeugung, Spritzungen nur früh, Räuber bis zur Ernte. Ändern Sie zwei Dinge. Beenden Sie alle Spritzungen mit der Umstellung auf Blüte. Ersetzen Sie Marienkäfer durch Räuber, die zu Ihrem Schädling und zur höchsten Temperatur in Ihrem Raum passen.
4. Teilen Sie, was in Thailand funktioniert
Die Theorie auf diesen beiden Seiten wird erst dann zu einem echten Programm, wenn Sie die passenden Nützlinge in Thailand auch kaufen können. Ein regionales Forum ist der richtige Ort, um dieses Wissen zu sammeln.
Wenn Sie in Thailand schon Raubmilben oder Beauveria eingesetzt haben, antworten Sie unten mit vier Angaben: welcher Nützling, welcher Schädling, welche Raumtemperatur und ob der Anbieter eine Registrierung oder Einfuhrgenehmigung vorgelegt hat. Sie können auch angeben, um welche Art von Anbieter es sich handelte, etwa eine Behörde, eine Universität oder eine kommerzielle Nützlingszucht. Nach den Forenregeln gehören Shopnamen und Kontaktdaten in den Bereich Marktplatz und nicht in dieses Thema.
Verwandte Themen, alle oben verlinkt: Integrierter Pflanzenschutz, biologische Bekämpfung von Spinnmilben und Thripsen, Botrytis, Echter Mehltau und was Sie unter dem thailändischen GACP-Standard legal sprühen dürfen.
Anmerkung der Übersetzung zur Rechtslage: Dieser Artikel enthält technische Informationen zum Gartenbau für Leserinnen und Leser, die an ihrem Wohnort legal tätig sind. In Thailand ist die Cannabisblüte ein kontrolliertes Kraut gemäß der Bekanntmachung des Ministeriums für öffentliche Gesundheit über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568, in Kraft seit dem 26. Juni 2025. Blüten dürfen nur gegen ein PT-33-Rezept abgegeben werden, und zwar für höchstens 30 Tage. Verkaufte Blüten müssen von einem GACP-zertifizierten Standort stammen. Für Blüten darf nicht geworben werden, und sie dürfen nicht online verkauft werden. Die Ministerialverordnung über kontrollierte Kräuter (Nr. 2) B.E. 2569, in Kraft seit dem 30. April 2026, hat die Lizenzkriterien für Cannabisblüten verschärft. Das Cannabis-Kontrollgesetz ist noch ein Entwurf: Das Kabinett hat es am 22. September 2026 gebilligt und an das Repräsentantenhaus weitergeleitet. Die Einfuhr lebender Nützlinge für die biologische Bekämpfung fällt unter das Pflanzenquarantänegesetz B.E. 2507 und erfordert eine Genehmigung des Landwirtschaftsamts. Mikrobielle Biopestizide müssen nach dem Gesetz über gefährliche Stoffe registriert sein. In Vietnam und den meisten anderen Ländern Südostasiens ist der Anbau von Cannabis weiterhin verboten. Die Regeln für Pflanzenschutzmittel und biologische Bekämpfung ändern sich häufig. Prüfen Sie daher die aktuellen Listen Ihrer nationalen Behörde, bevor Sie etwas ausbringen oder freilassen. Nichts hiervon ist eine Rechtsberatung oder medizinische Beratung.
Literatur
- Soma. Organic Marijuana, Soma Style: The Pleasures of Cultivating Connoisseur Cannabis. Quick Trading Company, 2005.
- True Living Organics (Buch; im Original zitiert zu eingeschleppten Stecklingen als Einfallstor für Schädlinge und zur Kontrolle auf Spinnmilben).
- UC IPM, University of California. Convergent lady beetle, abgerufen am 14. Oktober 2026.