Stretch in der frühen Blüte: Lichtfarbe, Tag-Nacht-Temperatur, Wachstumsregulatoren und ein Plan für die Wochen 1–3 (Teil 2 von 2)

Nach der Umstellung auf 12 Stunden Licht pro Tag (12/12) wachsen die meisten photoperiodischen Cannabispflanzen innerhalb von 1–3 Wochen deutlich in die Höhe. Laut Berichten von Growern sind es etwa 50–300 %. Grower nennen das den Blüte-Stretch. Neben dem Training können Sie ihn über die Lichtfarbe und über den Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur bremsen. Dieser Teil behandelt beide Methoden. Er erklärt außerdem, welche Wachstumsregulatoren gefährlich sind und welche natürlichen Mittel der Originalleitfaden als sicher einstuft. Am Ende steht eine Checkliste für die Blütewochen 1–3.

Der Stretch wird vor allem durch Gibberellin gesteuert. Dieses Pflanzenhormon lässt die Zellen im Stängel länger werden. Nach der Umstellung auf 12/12 sinkt sein Gehalt an der Triebspitze nach und nach. Am schnellsten wachsen die Stängel aber etwa in den ersten 10 Tagen. Deshalb wirken die folgenden Methoden in den ersten zwei Wochen am besten. In den Anmerkungen der Übersetzung steht, was bei thailändischer Hitze, bei Stromausfällen und bei der hohen Luftfeuchtigkeit der Regenzeit noch funktioniert.

Dies ist Teil 2. Teil 1: https://asiannabis.com/t/382

Methode 5: mehr Blaulicht in den Wochen 1–2

Blaues Licht (Wellenlänge 400–500 nm) aktiviert Cryptochrom, ein lichtempfindliches Pigment der Pflanze. Cryptochrom bremst die Streckung der Zellen. Dadurch bleiben die Internodien (die Abstände zwischen den Blattpaaren) kürzer. Diese Methode können Sie nur nutzen, wenn sich das Lichtspektrum Ihrer Lampe einstellen lässt, also ihre Mischung aus Lichtfarben.

  • Blütewochen 1–2: Erhöhen Sie den Blauanteil auf 30–40 % des gesamten Lichts, sofern Ihre LED das zulässt.
  • Ab Woche 3: Senken Sie den Blauanteil und erhöhen Sie den Rotanteil (620–660 nm).
  • HPS-Lampen (Natriumdampf-Hochdrucklampen) können ihr Spektrum nicht ändern. Hier haben einstellbare LEDs einen klaren Vorteil.

Anmerkung der Übersetzung: Viele LEDs haben ein festes Spektrum ohne eigene Regelung für Blau. Sehen Sie im Handbuch Ihres Modells nach. Sie können auch beim offiziellen Vertriebspartner in Thailand fragen, ob sich die Farbkanäle getrennt dimmen lassen. Geht das nicht, lassen Sie diese Methode weg und setzen Sie auf Training und Temperatur. Probieren Sie diese beiden Wege zuerst aus, bevor Sie nur für die Stretch-Kontrolle eine neue Lampe kaufen.

Methode 6: der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht

Grower nennen diesen Wert DIF: Tagestemperatur minus Nachttemperatur. In Innenräumen gilt die Zeit mit eingeschaltetem Licht als „Tag“. Sind die Tage viel wärmer als die Nächte, strecken sich die Stängel stärker. Ist der Unterschied null oder negativ, fällt der Stretch geringer aus.

Strategie Tag Nacht Wirkung
Positive Differenz (+6 °C) 28 °C 22 °C Starker Stretch. Vermeiden.
Keine Differenz (0) 24 °C 24 °C Deutlich weniger Stretch
Negative Differenz (−2 °C) 22 °C 24 °C Stärkste Stretch-Kontrolle
Kühler Morgenimpuls Leitfäden empfehlen etwa 18–20 °C in den ersten 2–3 Stunden nach dem Einschalten des Lichts 22 °C Von Leitfäden berichtet. Es wurde keine veröffentlichte Studie an Cannabis gefunden.

Anmerkung der Übersetzung: Diese Temperaturen stammen aus Räumen in kühleren Klimazonen. In Thailand hat die Außenluft oft 30–35 °C. Um einen Raum tagsüber und nachts auf 22–24 °C oder morgens auf 18–20 °C zu halten, muss die Klimaanlage auf Hochtouren laufen. Das kostet viel Strom. Fällt der Strom aus, fällt auch die Kühlung aus. Diese Schritte sind realistischer:

  • Legen Sie den Lichtbeginn in die kühlsten Stunden, also spät in der Nacht oder vor Sonnenaufgang. Die Abwärme der Lampen fällt dann in die Zeit, in der sich der Raum am leichtesten kühlen lässt. Außerdem ist der Raum zu Beginn der Lichtphase am kühlsten. So kommen Sie am günstigsten in die Nähe eines Morgenimpulses.
  • Vermeiden Sie zuerst eine große positive Differenz. Setzen Sie Ihre Kühlleistung in der Lichtphase ein. Kühlen Sie die Dunkelphase nicht stärker als nötig, denn sonst wird die Differenz größer.
  • Prüfen Sie, ob Ihre Geräte die Zielwerte halten können. Siehe Dimensionierung von Klimaanlage und Entfeuchter für einen thailändischen Blüteraum.
  • Kontrollieren Sie nach jedem Stromausfall die Zeitschaltuhr. Eine Zeitschaltuhr, die bei Stromausfall die Uhrzeit verliert, verschiebt Ihren 12/12-Rhythmus, ohne dass Sie es merken.
  • Im Freiland und im Gewächshaus können Sie diesen Unterschied nicht steuern. Setzen Sie dort auf Training (Teil 1).

Hängen Sie ein Min-Max-Thermometer auf Höhe des Kronendachs auf. Notieren Sie in den ersten 2 Wochen nach der Umstellung jeden Tag die höchste Tagestemperatur und die niedrigste Nachttemperatur. So sehen Sie Ihren tatsächlichen Tag-Nacht-Unterschied. Sie erkennen auch, ob Sie den Lichtplan verschieben oder die Klimaanlage anders einstellen sollten.

Wachstumsregulatoren: was Sie meiden sollten und was das Original als sicher einstuft

Pflanzenwachstumsregulatoren (PGR) sind Stoffe, die das Wachstum einer Pflanze verändern. Manche blockieren die Bildung von Gibberellin. Produkte mit solchen Stoffen werden verkauft, damit Pflanzen kurz bleiben und Buds dicht werden.

Synthetische Wachstumsregulatoren: nicht verwenden

Die EPA in der Tabelle ist die US-Umweltschutzbehörde (Environmental Protection Agency). Diese US-Regierungsbehörde bewertet die Risiken von Pestiziden.

Wirkstoff Wirkungsweise Risiko
Paclobutrazol (PBZ) Blockiert die Bildung von Gibberellin Die EPA nennt Lebertoxizität.
Daminozid (Alar) Blockiert die Bildung von Gibberellin Die EPA stuft sein Abbauprodukt UDMH als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ ein. In den USA wurden 1989 alle Zulassungen für die Anwendung an Nahrungspflanzen widerrufen.
Chlormequat (CCC) Blockiert die Bildung von Gibberellin In hohen Dosen giftig für das Nervensystem

:warning: Warnung: Verwenden Sie niemals synthetische Wachstumsregulatoren an Cannabis, das geraucht, gegessen oder getrunken werden soll.

Natürliche Wachstumsregulatoren, die der Originalleitfaden als sicher einstuft

Wirkstoff Herkunft Wirkung und Anwendung
Triacontanol Bienenwachs, Zuckerrohr, Luzerne Fördert die Photosynthese. Gilt als lebensmittelsicher.
Chitosan Schalen von Garnelen und Krabben Aktiviert die Immunabwehr der Pflanze und verdickt die Zellwände
Kelp / Seetang Ascophyllum nodosum Enthält natürliche Cytokinine, also Hormone, die Gibberellin entgegenwirken. 1–2-mal pro Woche auf die Blätter sprühen.
Silizium (SiO₂) Kaliumsilikat Stärkt die Zellwände, dadurch werden die Stängel dicker und stabiler

Kelp-Produkte werden meist als Biostimulanzien verkauft. Das sind Produkte, die das Pflanzenwachstum unterstützen, ohne im üblichen Sinn Dünger zu sein.

Anmerkung der Übersetzung: In Thailand wird Paclobutrazol in Mangoplantagen häufig eingesetzt, damit die Bäume außerhalb der Saison blühen. Ihre Pflanzen können den Stoff über ein gemeinsam genutztes Sprühgerät oder einen gemeinsamen Tank aufnehmen. Auch Mitarbeitende, die zusätzlich Plantagen spritzen, können ihn einschleppen. Liegt Ihre Anbaufläche auf einer ehemaligen Mangoplantage oder stammt Ihre Erde von dort, fragen Sie nach, wie die Fläche behandelt wurde. Studien in Böden von Mangoplantagen zeigten, dass Paclobutrazol nur langsam abgebaut wird. Die Halbwertszeit liegt bei etwa zwei bis drei Monaten. Sprühen Sie nur Produkte, die bei der Landwirtschaftsbehörde (Department of Agriculture, กรมวิชาการเกษตร) registriert sind, und halten Sie sich an das Etikett (siehe was Sie unter dem thailändischen GACP-Standard legal sprühen dürfen). Prüfen Sie bei Kelp-, Chitosan- oder Siliziumprodukten zuerst ihren Status (siehe Überprüfung, ob ein Düngemittel in Thailand legal ist). Lesen Sie, ob eine GACP-Zertifizierung PGR-frei bedeutet. Fragt ein Käufer nach, legen Sie ein Laboranalysezertifikat vor.

Prüfen Sie bei jedem Produkt in Ihrem Lager die Liste der Inhaltsstoffe. Sortieren Sie alles aus, was Paclobutrazol, Daminozid oder Chlormequat enthält. Beschriften Sie ein Sprühgerät mit „nur für Cannabis“. So gelangen keine Rückstände aus anderen Kulturen an Ihre Pflanzen.

Checkliste für die Blütewochen 1–3

Woche 1 (Tag 1–7 nach der Umstellung)

  • ☐ Lampenabstand prüfen. Bei LEDs mit einer PPFD-Messung. Bei HPS mit dem Handtest: Halten Sie den Handrücken 30 Sekunden auf Höhe des Kronendachs. Ist es unangenehm heiß, heben Sie die Lampe um 5–10 cm an. Zweck: Die Spitzen verbrennen nicht und das Licht bleibt gleichmäßig.
  • ☐ Mit Low-Stress-Training beginnen. Biegen Sie die höchsten Äste nach unten in die Waagerechte. Zweck: Die Spitzen bleiben auf einer Höhe, bevor das schnellste Wachstum beginnt.
  • ☐ Den kühlen Morgenimpuls nutzen, wenn möglich: etwa 18–20 °C in den ersten 2–3 Stunden nach dem Einschalten des Lichts. Zweck: Das Stängelwachstum bremsen (eine Empfehlung aus Leitfäden, in veröffentlichten Cannabisstudien nicht geprüft).
  • ☐ Blaulicht auf 30–40 % erhöhen, wenn Ihre LED das zulässt. Zweck: kürzere Internodien.
  • ☐ PPFD am Kronendach messen, also die Menge an nutzbarem Licht, die bei den Spitzen ankommt. Zielwert: 600–800 μmol/m²/s. Zweck: genug Licht, ohne die Pflanzen zu stressen.
  • ☐ Auf Blütedünger umstellen: mehr Phosphor (P) und Kalium (K), weniger Stickstoff (N). Zweck: Die Düngung auf die Blütenbildung statt auf das Blattwachstum abstimmen.

Woche 2 (Tag 8–14, schnellster Stretch)

  • ☐ Äste, die über das Kronendach hinausragen, supercroppen. Drücken Sie den Ast zusammen, bis er innen weich wird, ohne dass die Haut reißt. Biegen Sie ihn dann um 90°. Zweck: Jede Biegung senkt die Höhe um 15–30 cm.
  • ☐ Äste in das SCROG-Netz (Screen of Green) einflechten, falls Sie eines verwenden. Zweck: Das Netz gleichmäßig füllen, bevor der Stretch endet.
  • ☐ Lampen so schnell anheben, wie die Pflanzen wachsen. Das können 5–10 cm pro Tag sein. Zweck: Die Spitzen erreichen nie die Lampe.
  • ☐ Kelp-Extrakt auf die Blätter sprühen (1–2 ml/L). Zweck: natürliche Cytokinine, die Gibberellin entgegenwirken.
  • ☐ Leichte Entlaubung: Entfernen Sie große Fächerblätter, die Blütenansätze verdecken. Zweck: Licht und Luft erreichen die unteren Buds.
  • ☐ VPD prüfen (Dampfdruckdefizit, also wie stark die Luft den Blättern Wasser entzieht). Halten Sie es bei 1,0–1,4 kPa und die Luftfeuchtigkeit bei 45–55 %. Zweck: gesunde Transpiration und weniger Schimmelrisiko im dichter werdenden Kronendach.

Anmerkung der Übersetzung: In der thailändischen Regenzeit liegt die Luftfeuchtigkeit draußen oft weit über 45–55 %. Um diesen Bereich zu erreichen, brauchen Sie einen Entfeuchter, der passend für den Raum dimensioniert ist (siehe das oben verlinkte Thema zur Dimensionierung). Sprühen Sie Kelp früh in der Lichtphase, damit die Blätter vor Beginn der Dunkelheit trocknen. Bekommen Sie die Luftfeuchtigkeit nicht herunter, lassen Sie die Blattspritzung in dieser Woche aus. Nasse Blätter in einem dichten Kronendach erhöhen das Risiko für Blütenfäule.

Woche 3 (Tag 15–21, der Stretch lässt nach)

  • ☐ Mit dem Supercropping aufhören. Die Äste werden steifer und brechen jetzt, statt sich zu biegen.
  • ☐ Die Lampe auf Ihren normalen Blüteabstand festlegen. Zweck: gleichmäßiges Licht für das Wachstum der Buds.
  • ☐ Das Spektrum umstellen: weniger Blau, mehr Rot (620–660 nm). Zweck: Blaulicht wird nicht mehr gebraucht, um die Höhe zu halten.
  • ☐ Temperaturen wieder auf normale Werte bringen: tagsüber 24–26 °C, nachts 20–22 °C. Zweck: Die Einstellungen zur Stretch-Kontrolle beenden und Kühlkosten sparen.
  • ☐ Auf Stempel achten, die weißen Härchen an jungen Blüten. Zweck: Sie zeigen, dass der Stretch zu Ende geht.
  • ☐ Den ganzen Raum kontrollieren. Ist das Kronendach gleichmäßig? Ist ein Ast zu nah an der Lampe? Zweck: Die letzten Probleme beheben, solange es noch möglich ist.

Das Wichtigste zum Merken

Der Stretch dauert nur 2–3 Wochen. Werden die Pflanzen in dieser Zeit zu hoch, können Sie sie danach nicht mehr kürzer machen. Die entscheidende Arbeit passiert deshalb vor der Umstellung. Berechnen Sie, bei welcher Pflanzenhöhe Sie umstellen müssen, und toppen Sie, wenn nötig, 2–3 Wochen vorher. Bereiten Sie Bindematerial, Netz und Thermometer vor und testen Sie Ihre Lampeneinstellungen, alles vor Tag 1.

Haben Sie diese Einstellungen in einem Raum in Thailand ausprobiert? Dann posten Sie Ihre Temperaturen, Ihren Lampentyp und Ihre Stretch-Ergebnisse unter diesem Thema. Fragen sind ebenfalls willkommen.

Quellen

  1. Dutch Passion (2022). Cannabis Flowering Stretch Master Guide. https://dutch-passion.blog/cannabis-flowering-stretch-master-guide/
  2. Royal Queen Seeds (2023). How to Control and Prevent Stretching in Cannabis Plants. https://www.royalqueenseeds.com/us/blog-how-to-control-stretching-reigning-in-cannabis-growth-spurts-n487
  3. Chilled Tech (2024). Reduce Plant Stretch by Controlling Day/Night Temperatures.
  4. 420 Fast Buds (2024). PGR Weed — Synthetic PGRs and Their Dangers.
  5. Alter H, Sade Y, Sood A, Carmeli-Weissberg M, Shaya F, Kamenetsky-Goldstein R, Bernstein N, Spitzer-Rimon B (2024). Inflorescence development in female cannabis plants is mediated by photoperiod and gibberellin. Horticulture Research 11(11): uhae245. https://doi.org/10.1093/hr/uhae245

Dieser Artikel dient der Information und Bildung für den legalen medizinischen und landwirtschaftlichen Anbau. In Thailand ist die Cannabisblüte ein kontrolliertes Kraut gemäß der Bekanntmachung des Ministeriums für öffentliche Gesundheit über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568, die seit dem 26. Juni 2025 in Kraft ist. Die Ministerialverordnung über kontrollierte Kräuter (Nr. 2) B.E. 2569, in Kraft seit dem 30. April 2026, verschärft die Lizenzkriterien für Cannabisblüten. Für den Anbau von Cannabis brauchen Sie eine Lizenz nach dem Recht Ihres Landes oder Gebiets.