Klimasteuerung im Anbauraum: Dampfdruckdefizit (VPD), Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der Nacht (Teil 1 von 2)

Die meisten Anbauer verfolgen Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit (RH) als zwei getrennte Werte. Keiner der beiden Werte zeigt für sich allein, wie schnell eine Pflanze Wasser über ihre Blätter verliert. Diesen Wasserverlust nennt man Transpiration. Das Dampfdruckdefizit (VPD, vom englischen „vapour pressure deficit“) fasst Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu einem Wert zusammen. Dieser Wert zeigt, wie stark die Luft das Kronendach austrocknet. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie das VPD berechnen und welche Zielwerte zu jeder Wachstumsphase passen. Außerdem erfahren Sie, wie sich Tag- und Nachttemperatur auf die Pflanzen auswirken und wie Sie verhindern, dass sich nachts Wasser auf den Blüten bildet.

Ein Beispiel: Ein Raum hat 25 °C und 60 % RH, ein anderer 30 °C und 60 % RH. Die RH ist gleich, aber warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen. Deshalb verlieren die Pflanzen im 30-°C-Raum viel schneller Wasser. Das VPD zeigt diesen Unterschied, die RH allein nicht.

Teil 1 behandelt, wie das VPD funktioniert, die Zielwerte je Phase, die Tag- und Nachttemperatur sowie Kondenswasser in der Nacht. Teil 2 behandelt Luftentfeuchter, Klimaanlagen, Luftzirkulation und Aktivkohlefilter, die Vorbeugung gegen Blütenfäule und Echten Mehltau, Klimasteuergeräte und eine tägliche Checkliste.

So funktioniert das Dampfdruckdefizit

Was die relative Luftfeuchtigkeit nicht verrät

Die RH zeigt, wie voll die Luft im Vergleich zur größtmöglichen Wassermenge ist, die sie bei dieser Temperatur aufnehmen kann. Dieses Maximum hängt von der Temperatur ab. Derselbe RH-Wert bedeutet deshalb in einem kühlen Raum etwas anderes als in einem heißen. Das VPD misst die tatsächliche Lücke zwischen der Wassermenge, die die Luft bei Sättigung aufnehmen könnte, und der Wassermenge, die sie jetzt enthält. Das VPD wird in Kilopascal (kPa) angegeben, einer Einheit für Druck.

Ein höheres VPD bedeutet, dass die Luft für die Pflanze trockener ist. Die Pflanze transpiriert dann schneller. Ein niedrigeres VPD bedeutet, dass die Luft fast gesättigt ist. Die Transpiration wird dann langsamer, und das Krankheitsrisiko steigt.

Schritt 1: Wie viel Wasser die Luft aufnehmen kann

Der Sättigungsdampfdruck (SVP, vom englischen „saturation vapour pressure“) ist die größte Menge Wasserdampf, die die Luft bei einer bestimmten Temperatur aufnehmen kann. Er wird mit der Magnus-Tetens-Formel berechnet:

SVP = 0,6108 × exp[(17,27 × T) / (T + 237,3)]

T ist die Temperatur in °C, das Ergebnis für SVP ist in kPa. „exp“ ist die Exponentialtaste auf einem wissenschaftlichen Taschenrechner oder die Funktion EXP in einer Tabellenkalkulation.

Werte aus der Formel bei üblichen Innenraumtemperaturen:

Temperatur (°C) SVP (kPa)
18 2,06
20 2,34
22 2,64
24 2,98
26 3,36
28 3,78
30 4,24
32 4,75

Der SVP steigt mit wärmerer Luft steil an. Von 20 °C auf 30 °C erhöht er sich um etwa 80 %, von 2,34 auf 4,24 kPa. Deshalb können zwei Räume mit gleicher RH ein sehr unterschiedliches VPD haben.

Schritt 2: Wie viel Wasser die Luft jetzt enthält – und die Lücke

Der tatsächliche Dampfdruck (AVP, vom englischen „actual vapour pressure“) ist der Wasserdampf, der sich gerade jetzt in der Luft befindet. Das VPD ist die Lücke zwischen SVP und AVP:

AVP = SVP × (RH / 100)
VPD = SVP − AVP = SVP × [1 − (RH / 100)]

Blatt-VPD und Luft-VPD

Wasser, das von einem Blatt verdunstet, kühlt das Blatt ab. Deshalb ist die Blattoberfläche meist 1–3 °C kühler als die Luft. Beim Blatt-VPD wird der SVP mit der Blatttemperatur berechnet. Der AVP wird mit Lufttemperatur und RH berechnet. Für die Pflanze zählt das Blatt-VPD. Es bestimmt, wie sich die Spaltöffnungen des Blattes (Stomata) tatsächlich verhalten. Messen Sie die Temperatur des Kronendachs nach Möglichkeit mit einem Infrarot-Thermometer und berechnen Sie das Blatt-VPD direkt.

Blatt-VPD = SVP(T_Blatt) − SVP(T_Luft) × (RH / 100)

Die Formel geht davon aus, dass das Blattinnere bei Blatttemperatur gesättigt ist. Die Luft um das Blatt enthält die Wassermenge, die sich aus Lufttemperatur und RH ergibt.

Rechenbeispiel: Die Luft hat 26 °C und 55 % RH, das Blatt misst 24 °C.

  • SVP bei Blatttemperatur: SVP(24 °C) = 2,98 kPa
  • AVP der Luft: SVP(26 °C) × 0,55 = 3,36 × 0,55 = 1,85 kPa
  • Blatt-VPD = 2,98 − 1,85 = 1,13 kPa
  • Luft-VPD im selben Raum = 3,36 × 0,45 = 1,51 kPa

Zwischen 24 und 28 °C senkt jedes Grad, um das das Blatt kühler als die Luft ist, das Blatt-VPD um etwa 0,2 kPa. Dieser Unterschied ist nicht fest. Er hängt von der Leuchte, der Lichtintensität, der Luftbewegung und davon ab, wie schnell die Pflanze transpiriert. Manche Leuchten geben mehr Strahlungswärme ab. Darunter kann das Kronendach genauso warm wie die Luft oder sogar wärmer sein. Die Leuchtentypen werden in Indoor-Pflanzenlampen: LED vs. HPS vs. CMH verglichen. Messen Sie den Unterschied mit einem Infrarot-Thermometer, statt einen Wert anzunehmen.

Die Schnellübersicht im nächsten Abschnitt zeigt das Luft-VPD. Ein Steuergerät, das das Blatt-VPD anzeigt, liefert bei gleichen Raumbedingungen niedrigere Werte als diese Tabelle.

Anmerkung der Übersetzung: Ein VPD im Zielbereich beweist noch nicht, dass der Raum in Ordnung ist. Laut SVP-Tabelle hat ein Raum mit 32 °C und 70 % RH ein Luft-VPD von 4,75 × 0,30 = 1,43 kPa. Das liegt im Bereich für die vegetative Phase. Aber 32 °C liegen über jedem Zielwert für die Tagestemperatur in diesem Leitfaden. Räume in Thailand ohne Klimaanlage erreichen oft 30–35 °C. Prüfen Sie zuerst die Temperatur, dann das VPD.

Was Sie jetzt tun können: Notieren Sie eine Woche lang zweimal täglich Lufttemperatur, RH und Blatttemperatur auf Höhe des Kronendachs. Messen Sie einmal in der Mitte der Lichtphase und einmal 30 Minuten nach dem Ausschalten des Lichts. Berechnen Sie jeweils Luft-VPD und Blatt-VPD. So sehen Sie, um wie viel Ihre Blätter kühler sind als die Luft – und wissen, welche Tabellenwerte zu Ihrem Raum passen.

Zielwerte für jede Wachstumsphase

Dampfdruckdefizit, Temperatur und Luftfeuchtigkeit je Phase

Phase VPD (kPa) Tagestemp. (°C) Nachttemp. (°C) RH (%)
Klon / Vermehrung 0,6–1,0 24–26 22–24 70–80
Sämling 0,8–1,1 23–26 21–24 65–75
Vegetative Phase 1,0–1,6 25–28 20–24 55–70
Stretch (Blütewochen 1–2) 1,2–1,7 25–28 21–24 50–65
Frühe Blüte (Wochen 3–5) 1,3–1,6 24–27 20–23 50–60
Späte Blüte (Wochen 6–7) 1,3–1,8 22–26 18–22 40–55
Reifung / Spülung (ab Woche 8) 1,5–1,7 20–24 16–20 35–45

Ein Klon ist ein bewurzelter Steckling von einer Mutterpflanze (Mutterpflanzen & Klonen). Stretch ist das schnelle Höhenwachstum in den ersten Wochen nach der Umstellung auf die Blüte (Stretch: Höhenkontrolle während des Übergangs in die Blütephase). Spülen bedeutet, vor der Ernte nur klares Wasser oder eine schwache Lösung zu geben. Ob das etwas bringt, erfahren Sie in Spülung vor der Ernte: Wissenschaft oder Mythos?.

Jeder VPD-Wert in den Phasentabellen dieses Leitfadens ist ein Luft-VPD. Das gilt für die Tabelle oben und in Teil 2 für die Tabelle nach Blütewochen und die Übersichtstabelle. Jeder Wert wurde mit der Magnus-Formel berechnet. Grundlage ist die Mitte des Tagestemperaturbereichs, abgedeckt ist der angegebene RH-Bereich. Das Blatt-VPD ist meist niedriger, weil Blätter meist kühler sind als die Luft.

Schnellübersicht: Luft-VPD (kPa) bei gegebener Temperatur und RH

Temp. (°C) 40 % 45 % 50 % 55 % 60 % 65 % 70 % 75 % 80 %
18 1,24 1,13 1,03 0,93 0,82 0,72 0,62 0,52 0,41
20 1,40 1,29 1,17 1,05 0,94 0,82 0,70 0,58 0,47
22 1,59 1,45 1,32 1,19 1,06 0,93 0,79 0,66 0,53
24 1,79 1,64 1,49 1,34 1,19 1,04 0,89 0,75 0,60
26 2,02 1,85 1,68 1,51 1,35 1,18 1,01 0,84 0,67
28 2,27 2,08 1,89 1,70 1,51 1,32 1,13 0,95 0,76
30 2,55 2,33 2,12 1,91 1,70 1,48 1,27 1,06 0,85

Warum sehr feuchte Luft bei neuen Blättern zu Calciummangel führen kann

Calcium gelangt von den Wurzeln zu den neuen Blättern vor allem mit dem Wasser, das die Transpiration durch die Pflanze nach oben zieht. Die Pflanze verlagert nur sehr wenig Calcium aus älteren Blättern in den Neuaustrieb. Bleibt das VPD sehr niedrig, transpiriert die Pflanze langsam. Es fließt weniger Wasser durch sie, also kommt weniger Calcium an den jüngsten Blättern an. Das kann auch passieren, wenn die Nährlösung genug Calcium enthält. Der Neuaustrieb kann dann Anzeichen von Calciummangel zeigen, obwohl die Düngung stimmt. Bevor Sie mehr Calcium geben, bringen Sie das VPD in den Bereich der jeweiligen Phase und prüfen Sie die Luftbewegung am Kronendach. Die Blattsymptome werden in Nährstoffmangel & Nährstoffüberschuss: Blätter richtig lesen verglichen.

Anmerkung der Übersetzung: In Thailand ist meist das untere Ende der RH-Bereiche schwer zu erreichen. Klone und Sämlinge bei 65–80 % RH zu halten, ist in einem feuchten Klima einfach. Die Blüte bei 40–60 % RH ist schwierig, besonders in der Regenzeit. Jede Luft, die dann von draußen hereinkommt, ist sehr feucht. Legen Sie Luftentfeuchter für die Zielwerte der späten Blüte aus, nicht für die der vegetativen Phase.

Was Sie jetzt tun können: Suchen Sie Ihre aktuelle Phase in der Tabelle und vergleichen Sie sie mit Ihren notierten Messwerten. Liegt das VPD in der Blüte unter dem Bereich, korrigieren Sie zuerst die Luftfeuchtigkeit, bevor Sie die Düngung ändern. Die Auslegung von Luftentfeuchtern finden Sie in Teil 2. So erkennen Sie, ob das Problem vom Klima oder von der Ernährung kommt.

Wie sich das VPD im Lauf von 24 Stunden verändert

Das VPD ändert sich über Tag und Nacht. Die größten Schwankungen entstehen, wenn das Licht ein- oder ausgeschaltet wird. Ein Datenlogger ist ein Sensor, der alle 1–5 Minuten einen Messwert speichert. Seine Aufzeichnung zeigt, ob Ihre Geräte mit diesen Schwankungen mithalten.

Licht an

Nach dem Einschalten des Lichts erwärmen sich Kronendach und Raum schnell, oft um mehrere Grad in der ersten Stunde. Luftentfeuchter oder Klimaanlage reagieren eventuell langsam. Die RH sinkt dann nur langsam, und das VPD steigt.

Beispiel: Beim Ausschalten des Lichts hat der Raum 22 °C und 60 % RH, das Blatt 20 °C. Das Blatt-VPD liegt bei etwa 0,75 kPa. Dreißig Minuten nach dem Einschalten hat die Luft 27 °C, die RH liegt noch bei 58 %, und das Blatt hat 25 °C. Blatt-VPD = SVP(25 °C) − SVP(27 °C) × 0,58 = 3,17 − 2,07 = 1,10 kPa. Das ist ein Sprung um etwa 0,35 kPa innerhalb einer halben Stunde.

Licht aus

Nach dem Ausschalten des Lichts kühlt der Raum ab. Zunächst bleibt die Wassermenge in der Luft etwa gleich. Der SVP sinkt mit der Abkühlung, deshalb steigt die RH und das VPD fällt. Ein Raum mit 26 °C und 45 % RH, der auf 22 °C abkühlt, erreicht etwa 57 % RH, ohne dass sich die Feuchtigkeitsmenge ändert. Kühlt er auf 20 °C ab, erreicht die RH etwa 65 %.

In der späten Blüte ist das eine Zeit mit hohem Risiko für Botrytis, auch Blütenfäule oder Grauschimmel genannt. Wasser kann auf und in dichten Blüten kondensieren, bevor sich der Raum stabilisiert.

Drei Gewohnheiten, die die Schwankungen verringern

  1. Lassen Sie den Luftentfeuchter während der Dunkelphase laufen. Pflanzen transpirieren auch nachts, nur langsamer, deshalb gelangt weiter Wasser in die Luft.
  2. Senken Sie die Temperatur in der letzten Stunde der Lichtphase schrittweise, nicht auf einmal. Langsameres Abkühlen gibt dem Luftentfeuchter Zeit, Wasser zu entfernen, während die RH steigt.
  3. Bewässern Sie nicht kurz vor dem Ausschalten des Lichts. Jede Bewässerung bringt Feuchtigkeit genau dann in den Raum, wenn er abzukühlen beginnt.

Taupunkt: Warum sich nach dem Ausschalten des Lichts Wasser auf den Blüten bildet

Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die Luft mit dem Wasser, das sie bereits enthält, gesättigt ist. Jede Oberfläche, die kälter ist als der Taupunkt, sammelt flüssiges Wasser. Denselben Effekt sehen Sie an einem Glas Eiswasser an einem heißen Tag. Blätter sind meist kühler als die Luft, und dichte Blüten halten Feuchtigkeit im Inneren. Fällt eine Blatt- oder Blütenoberfläche unter den Taupunkt, bildet sich ein Wasserfilm. Botrytis braucht dieses freie Wasser, um sich zu entwickeln.

Lufttemp. (°C) Taupunkt bei 40 % RH (°C) bei 50 % RH bei 60 % RH bei 70 % RH
20 6,0 9,3 12,0 14,4
22 7,8 11,1 13,9 16,3
24 9,7 13,0 15,7 18,2
26 11,5 14,8 17,6 20,1
28 13,4 16,7 19,4 22,0

Fällt die Blatttemperatur unter den Taupunkt, kondensiert Wasser, und das Krankheitsrisiko wird kritisch. Halten Sie die Blatttemperatur jederzeit mindestens 2 °C über dem Taupunkt. Ein Beispiel: Ein Raum mit 24 °C und 60 % RH hat einen Taupunkt von 15,7 °C. Die Blätter in diesem Raum sollten 17,7 °C oder wärmer bleiben.

Anmerkung der Übersetzung: Luftfeuchtigkeit in der Nacht unter thailändischen Bedingungen

  • Regenzeit. Ein Ventilator, der nachts Außenluft ansaugt, bringt sehr feuchte Luft herein. Der Luftentfeuchter muss dann auch dieses Wasser entfernen.
  • Nur Klimaanlage. Eine Klimaanlage entfernt Wasser nur, solange sie kühlt. Hat der dunkle Raum die eingestellte Temperatur erreicht, kühlt die Klimaanlage weniger oder schaltet ab. Die RH steigt dann, obwohl sich der Raum kühl anfühlt. Ein separater Luftentfeuchter hält die RH nachts niedrig.
  • Kalte Luft auf dem Kronendach. Richten Sie den Luftauslass der Klimaanlage nicht direkt auf die Pflanzen. Kalte Luft kann die Blatttemperatur in Richtung Taupunkt drücken.
  • Stromausfälle. Fällt in der späten Blüte während der Dunkelphase der Strom aus, stehen Luftentfeuchter und Ventilatoren still, und die RH steigt. Manche Geräte starten nicht von selbst neu, wenn der Strom zurückkommt. Eine kleine USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung, ein Akkugerät, das ein Gerät bei einem kurzen Ausfall weiterlaufen lässt) kann Steuergerät und Datenlogger versorgen. Der Logger zeichnet dann auf, wie lange der Raum ungeschützt war.

Was Sie jetzt tun können: Suchen Sie den Taupunkt für Ihre übliche Nachttemperatur und RH heraus. Messen Sie die Blatttemperatur 30 Minuten nach dem Ausschalten des Lichts. Liegt das Blatt weniger als 2 °C über dem Taupunkt, lassen Sie den Luftentfeuchter die ganze Nacht laufen und kühlen Sie den Raum langsamer ab. Schalten Sie danach, solange der Raum leer ist oder in der vegetativen Phase, den Strom einmal am Sicherungsautomaten aus und wieder ein. Notieren Sie, welche Geräte mit ihren Einstellungen neu starten. Nach einem echten Ausfall wissen Sie dann, welche Geräte Sie von Hand neu starten müssen.

Temperatur je Phase

Phase Tag (°C) Nacht (°C) DIF (°C) Warum
Klon 24–26 22–24 +2 bis +4 Wenig Stress, hohe Luftfeuchtigkeit
Vegetative Phase 25–28 20–24 +4 bis +6 Fördert Stängelwachstum und Wuchskraft
Frühe Blüte 24–27 20–23 +4 bis +6 Unterstützt Stretch und Blühbeginn
Späte Blüte 22–26 18–22 +4 bis +6 Langsamerer Stoffwechsel begünstigt die Harzbildung
Reifung / Abschluss 20–24 16–20 +4 bis +8 Kühle Nächte helfen, Terpene zu erhalten

Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht (DIF)

DIF ist die Tagestemperatur minus die Nachttemperatur. Bei positivem DIF (Tag wärmer als Nacht) werden die Stängelabschnitte zwischen den Blattpaaren (Internodien) länger, die Pflanzen wachsen also höher. Ein DIF von null ergibt kompakte Pflanzen. Ein negativer DIF (Nacht wärmer als Tag) ergibt sehr kompakte Pflanzen. Kühle Nächte am Ende der Blüte erzeugen einen großen positiven DIF. Das fördert mehr Aroma und mehr violette Färbung (Anthocyan) bei Kultivaren (Sorten), die die Gene dafür tragen.

DIF-Strategie Bereich Wirkung
Positiver DIF +4 bis +8 °C Längere Internodien, höhere Pflanzen
DIF null 0 °C Kompakter Wuchs, mittlere Internodien
Negativer DIF −2 bis −4 °C Sehr kompakter Wuchs, kürzere Internodien
Abschluss mit kühlen Nächten +6 bis +10 °C Stärkste Ausprägung von Terpenen und Anthocyan

Cannabinoide und Temperatur

In der Blüte gelten Tagestemperaturen um 25 °C als üblicher Zielwert. Lange Hitzeperioden am Kronendach erhöhen den Stress und den Wasserbedarf der Pflanze. Dieser Leitfaden nennt keine einzelne Temperatur, ab der Cannabinoide verloren gehen. Veröffentlichte Studien unterscheiden sich in Kultivar, Lichtstärke und Dauer der Hitze. Halten Sie das Kronendach in den oben genannten Bereichen der jeweiligen Phase und vermeiden Sie lange Hitzespitzen.

Terpene

Viele Terpene (Aromastoffe) verdunsten leicht. Das gilt besonders für Monoterpene wie Myrcen, Limonen und Linalool. Hitze in der späten Blüte und während der Trocknung erhöht deshalb ihren Verlust. Anbauer arbeiten oft mit hoher Lichtintensität und halten das Kronendach dabei im Temperaturbereich der späten Blüte. Das ist eine gängige Methode, um das Aroma zu schützen. Wie viel sie bringt, hängt von Kultivar und Umgebung ab.

Anmerkung der Übersetzung: In Thailand braucht es viel Strom, einen Raum bei 20–26 °C zu halten, wenn es draußen 30–35 °C hat. Die Lampen sind meist die größte Wärmequelle im Raum. Viele Anbauer legen die Lichtphase deshalb in die kühleren Nachtstunden. Die Klimaanlage muss die Lampenwärme dann abführen, wenn die Außenluft am kühlsten ist. Bei diesem Zeitplan fällt die Dunkelphase in den heißesten Teil des Tages. Achten Sie darauf, dass der Raum im Dunkeln nicht wärmer wird als bei Licht. Sonst bekommen Sie ungeplant den kompakten Wuchs eines negativen DIF.

Was Sie jetzt tun können: Stellen Sie die Nachttemperatur an Ihrem Steuergerät auf die Tageseinstellung minus den DIF, den Sie für diese Phase gewählt haben. Messen Sie einmal pro Woche Pflanzenhöhe und Internodienlänge. So sehen Sie, ob Ihr DIF die gewünschte Höhe ergibt, bevor der Stretch eine Korrektur schwierig macht.

Kühle Nächte am Ende der Blüte: Farbe, Harz und Aroma

Violette Färbung (Anthocyan)

Violette und dunkle Farben bei Cannabis stammen von Farbstoffen, den Anthocyanen. Sie reichern sich an, wenn die Nachttemperatur auf 15–18 °C sinkt. Diese Reaktion hängt von der Genetik ab. Kultivare ohne die Anthocyan-Gene verfärben sich bei keiner Temperatur. Bei Kultivaren mit diesen Genen ergeben gleichmäßig kühle Nächte in den Blütewochen 6–9 die stärkste Färbung.

Zeitplan für den Abschluss mit kühlen Nächten

Zeitraum Nacht (°C) Tag (°C) Zweck
Blütewochen 7–8 16–18 22–25 Terpene erhalten, Färbung einleiten
Blütewochen 8–9 14–16 20–24 Stärkste Färbung, Harzreifung
Letzte 48–72 Stunden 14–16 18–22 Stärkeabbau, letzte Reifung

Vorsicht: Nächte unter 14 °C können den Stoffwechsel der Pflanze zu stark verlangsamen. Die Trichom-Reifung kann dann stocken. Prüfen Sie die Trichome mit einer Lupe (einem kleinen Handvergrößerungsglas), bevor Sie sich für Nächte unter 15 °C entscheiden. Wie man Trichome beurteilt, wird in Erntezeitpunkt: Trichom-Reife erklärt.

Dieser Zeitplan ist ein optionaler Abschluss. Der Standardbereich für die Reifung in den Phasentabellen liegt nachts bei 16–20 °C. Nutzen Sie 14–16 °C nur, wenn Sie sich bewusst für einen Abschluss mit kühlen Nächten entscheiden.

Anmerkung der Übersetzung: In tropischem Klima wie in Thailand brauchen Nächte unter 18 °C eine eigene Kühlung und erhöhen die Betriebskosten. Die Farbe kommt von der Genetik. Ein Kultivar ohne die Gene gibt Ihnen für den zusätzlichen Strom nichts zurück. In den meisten Räumen in Thailand ist es wichtiger, die Blätter nachts über dem Taupunkt zu halten, als kühle Nächte zu erreichen.

Was Sie jetzt tun können: Testen Sie den Abschluss mit kühlen Nächten nur bei einem Kultivar, von dem bekannt ist, dass er sich violett färbt, und zuerst nur mit einer kleinen Charge. Bringen Sie eine zweite Charge desselben Kultivars bei normalen Reifetemperaturen zum Abschluss. Vergleichen Sie Farbe, Aroma und den zusätzlichen Stromverbrauch. So erfahren Sie, ob sich kühle Nächte in Ihrem Raum lohnen.

Literatur

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  3. Chandra, S. et al. (2011). “Temperature response of photosynthesis in different drug and fiber varieties of Cannabis sativa L.” Physiology and Molecular Biology of Plants.
  4. Rodriguez-Morrison, V., Llewellyn, D. und Zheng, Y. (2021). “Cannabis yield, potency, and leaf photosynthesis respond differently to increasing light levels in an indoor environment.” Frontiers in Plant Science, 12, 646020.
  5. Eichhorn Bilodeau, S. et al. (2019). “An Update on Plant Photobiology and Implications for Cannabis Production.” Frontiers in Plant Science, 10, 296.
  6. Jin, D. et al. (2020). “Secondary Metabolites Profiled in Cannabis Inflorescences, Leaves, Stem Barks, and Roots for Medicinal Purposes.” Scientific Reports.
  7. Punja, Z.K. (2021). “Emerging diseases of Cannabis sativa and sustainable management.” Pest Management Science.
  8. Saloner, A. und Bernstein, N. (2021). “Nitrogen supply affects cannabinoid and terpenoid profile in medical cannabis (Cannabis sativa L.).” Industrial Crops and Products, 167, 113516.
  9. ASHRAE (2023). ASHRAE Handbook — HVAC Applications, Kapitel über die Umweltsteuerung für Tiere und Pflanzen.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient nur der Bildung und ist keine Rechtsberatung. In Thailand ist die Cannabisblüte (ช่อดอกกัญชา) ein kontrolliertes Kraut nach der Bekanntmachung über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568 des Gesundheitsministeriums. Die Bekanntmachung wurde auf Grundlage des Gesetzes zum Schutz der traditionellen thailändischen Medizin B.E. 2542 erlassen und gilt seit dem 26. Juni 2025 (hier erklärt). Blüten dürfen nur mit einem Rezept PT 33 (ภ.ท.33) und für höchstens 30 Tage abgegeben werden. Werbung für Blüten und ihr Online-Verkauf sind verboten. Die Ministerialverordnung über kontrollierte Kräuter (Nr. 2) B.E. 2569 ist am 30. April 2026 in Kraft getreten und verschärft die Lizenzkriterien für Cannabisblüten (siehe die Verordnungen von 2026). Klären Sie jede Lizenzanforderung mit den thailändischen Behörden, bevor Sie mit dem Anbau beginnen. Der Entwurf des Cannabis-Kontrollgesetzes (Cannabis Control Act) ist noch kein geltendes Recht. Dieses Forum hilft niemandem beim Kauf oder Verkauf kontrollierter Substanzen.

Wenn Ihre Messwerte nicht zu diesen Zielwerten passen, posten Sie Ihr Protokoll unter diesem Thema. Geben Sie die Phase sowie Lufttemperatur, RH und Blatttemperatur beim Einschalten des Lichts und 30 Minuten nach dem Ausschalten an. Andere Anbauer können es dann mit ihren eigenen Räumen vergleichen.

Weiter in Teil 2: Klimasteuerung im Anbauraum: Luftentfeuchter, Klimaanlage, Luftzirkulation, Schimmelvorbeugung und Steuergeräte (Teil 2 von 2)