Cannabis und Krebs: Laborbehauptungen, Tumorstudien, Wechselwirkungen mit Arzneimitteln, Verunreinigungen und thailändisches Recht (Teil 2 von 2)

In Laborstudien töten Wirkstoffe aus Cannabis Krebszellen in der Zellkulturschale ab. Das gelingt jedoch nur in Konzentrationen, die das menschliche Blut nicht erreicht. Keine aussagekräftige Studie am Menschen zeigt, dass Cannabis Krebs behandelt. Dieser Teil erklärt, warum das so ist. Er zeigt außerdem, was mit Patienten geschieht, die ihre Behandlung ersetzen. Zudem geht es darum, welche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln wichtig sind. Und er erklärt, wie verunreinigtes Cannabis Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährdet.

Teil 1 hat gezeigt, dass die Evidenz nur eine eng begrenzte Rolle stützt: Cannabinoide können zusätzlich zu Standardmedikamenten gegeben werden, wenn Übelkeit und Erbrechen durch Chemotherapie nicht beherrscht sind. Bei Schmerzen, Appetit, Schlaf und Angst ist die Evidenz negativ oder unzureichend.

Dies ist Teil 2. Teil 1: https://asiannabis.com/t/1308

8. Was Cannabinoide im Labor mit Krebszellen machen

Ramer und Hinz haben diese Forschung 2022 in einem Übersichtsartikel im British Journal of Cancer zusammengefasst. Die Studien arbeiteten mit Zelllinien, also mit Krebszellen, die im Labor gezüchtet werden. In diesen Zellen bewirkten Cannabinoide (die Wirkstoffe von Cannabis) drei Dinge:

  • Sie lösten Apoptose aus, also den programmierten Zelltod, den die Zelle selbst einleitet. Auslöser waren zum einen die Anreicherung eines Fettmoleküls namens Ceramid. Zum anderen entstand Stress im endoplasmatischen Retikulum, dem Teil der Zelle, der Proteine herstellt.
  • Sie bremsten das Zellwachstum. Sie blockierten ein Wachstumssignal namens Akt und hielten den Teilungszyklus der Zelle an.
  • Sie blockierten die Angiogenese, also die Bildung neuer Blutgefäße, die ein Tumor für seine Blutversorgung braucht.

Das Konzentrationsproblem: der Kern der Argumentation

Derselbe Übersichtsartikel weist auf eine entscheidende Lücke hin. Die meisten Studien, in denen Krebszellen abstarben, verwendeten Konzentrationen über 1 Mikromolar. Mikromolar ist eine Einheit für die Konzentration eines Stoffes in einer Flüssigkeit. Wird THC inhaliert oder geschluckt, steigt der Höchstwert im Blut nicht über 1 Mikromolar. Wie der Blutspiegel vom Aufnahmeweg abhängt, lesen Sie unter Pharmakokinetik von Cannabinoiden.

Mehr Cannabis zu nehmen schließt diese Lücke nicht. Der Körper kann nur eine begrenzte Menge aufnehmen. Außerdem werden die Nebenwirkungen unerträglich, bevor der Spiegel hoch genug ist.

Der Übersichtsartikel dokumentiert auch den gegenteiligen Effekt. Humane Papillomviren (HPV) verursachen einen Teil der Kopf-Hals-Tumoren. In Labormodellen dieser Krebsarten ließen THC und andere Cannabinoide den Krebs wachsen statt schrumpfen. Der Artikel zitiert zudem frühere Laborarbeiten, in denen Konzentrationen unter 1 Mikromolar Krebszellen schneller wachsen ließen. Das ist genau der Bereich, den menschliches Blut tatsächlich erreicht.

Zwei weitere Lücken zwischen Zellkulturschale und Patient

Serum und Kunststoff. Serum ist der proteinreiche Teil des Blutes. Normalerweise wird es der Nährflüssigkeit zugesetzt, mit der Zellen in der Schale versorgt werden. Viele Studien mit Cannabinoiden verwenden jedoch wenig oder gar kein Serum. Carkaci-Salli und Kollegen von der Penn State, einer Universität in den USA, untersuchten 2024, welchen Unterschied das macht. Ihre Studie erschien unter dem Titel „Cannabinoids as Potential Cancer Therapeutics: The Concentration Conundrum“ (Cannabis and Cannabinoid Research 9(4)).

Die Forschenden testeten vier Cannabinoide in einer Konzentration von 10 Mikromolar an sechs Krebszelllinien. Drei davon wirkten ohne Serum stärker: THC, CBD und eine im Labor entwickelte Substanz namens KM-233. Ihr IC50-Wert lag ohne Serum niedriger. Der IC50-Wert ist die Konzentration, die nötig ist, um die Hälfte der Zellen zu stoppen. Ohne Serum hafteten THC und CBD außerdem stark am Kunststoff der Schale.

Die Autoren weisen darauf hin, dass im Körper 90 bis 95 % der Cannabinoide an Bluteiweiße gebunden sind. Nur der kleine ungebundene Anteil kann auf Zellen wirken. In einer Schale ohne Serum bleibt dagegen die gesamte Dosis frei. Eine verbreitete Laborpraxis lässt Cannabinoide also stärker wirken, als sie es in einem Patienten können.

Immunsystem. Ein beliebtes Argument lautet, Cannabis helfe dem Immunsystem im Kampf gegen Krebs. Mindestens ein Teil der Forschung deutet auf das Gegenteil hin. Eine Studie von 2022 in Signal Transduction and Targeted Therapy untersuchte T-Zellen. Das sind die weißen Blutkörperchen, die Krebszellen abtöten. Cannabis schwächte ihre Reaktion gegen den Tumor, weil es JAK/STAT blockierte, eine Signalkette, die T-Zellen aktiviert. Das geschah über CNR2, das Gen für den CB2-Rezeptor. Der CB2-Rezeptor ist ein Cannabinoid-Rezeptor, der vor allem auf Immunzellen sitzt. Siehe Das Endocannabinoid-System.

Dieser Befund ist umso wichtiger, als die Immuntherapie heute bei vielen Krebsarten im Mittelpunkt der Behandlung steht.

Was Sie tun können: Wenn ein Beitrag behauptet, Cannabis „töte Krebszellen ab“, suchen Sie in der Studie nach der verwendeten Konzentration. Vergleichen Sie diese mit 1 Mikromolar. Lag sie darüber, erreicht ein Mensch, der Cannabis anwendet, diesen Spiegel nicht.

9. Studien am Menschen zur Wirkung auf den Tumor

Die Pilotstudie zu Hirntumoren von 2006

Im Jahr 2006 veröffentlichten Guzmán und Kollegen eine Pilotstudie im British Journal of Cancer. Sie umfasste neun Patienten mit rezidivierendem Glioblastom. Das Glioblastom ist ein aggressiver Hirntumor; „rezidivierend“ heißt, dass er nach der Behandlung zurückgekehrt war. Bei der Operation wurde der Tumor entfernt. Danach wurde THC über einen dünnen Schlauch (Katheter) direkt in den entstandenen Hohlraum geleitet. Die Forschenden wählten diesen Weg, weil der Blutkreislauf nicht genug THC zum Tumor bringen kann.

Ab Beginn der THC-Behandlung betrug das mediane Überleben 24 Wochen. Median bedeutet: Die Hälfte der Patienten lebte kürzer, die andere Hälfte länger. Das US National Cancer Institute, das nationale Krebsinstitut der USA, fasst zusammen: Die Studie zeigte keinen signifikanten klinischen Nutzen. Siehe auch Cannabinoide und Gliom.

Die Studie von 2021: was sie zeigte und was nicht

Im Jahr 2021 berichteten Twelves und Kollegen über eine Phase-1b-Studie bei rezidivierendem Glioblastom. Eine Phase-1b-Studie ist eine frühe Studie, deren Hauptziel die Prüfung der Sicherheit ist. Alle Patienten erhielten das Standard-Chemotherapeutikum Temozolomid. Dazu bekamen sie entweder Nabiximols-Spray oder ein Placebo. Im zweiten Teil der Studie wurden 21 Patienten nach dem Zufallsprinzip zugeteilt: 12 der Nabiximols-Gruppe und 9 der Placebogruppe.

Im Internet wird vor allem das Ein-Jahres-Überleben geteilt: 83 % mit Nabiximols gegenüber 44 % mit Placebo. Den Zusammenhang erwähnt dabei kaum jemand:

  • Nur 21 Personen nahmen teil. Die Studie war zu klein, um einen echten Unterschied im Überleben nachzuweisen.
  • Zwei Patienten aus der Placebogruppe starben innerhalb von 40 Tagen. Da diese Gruppe nur 9 Personen umfasste, verschiebt jeder Todesfall das Ergebnis um etwa 11 Prozentpunkte.
  • Nach sechs Monaten war der Anteil der Patienten, die lebten und deren Tumor nicht gewachsen war, in beiden Gruppen gleich: 33 %.

Die Autoren schlossen daraus lediglich, dass das Ergebnis eine größere Studie rechtfertigt. Diese müsste groß genug sein, um eine echte Antwort zu liefern. Ein Editorial in derselben Fachzeitschrift warnte vor einem leichtfertigen Off-Label-Einsatz. Gemeint ist die Verschreibung eines Medikaments für einen Zweck, den seine Zulassung nicht abdeckt.

Diese größere Studie heißt ARISTOCRAT und läuft derzeit im Vereinigten Königreich. Sie vergleicht bei rezidivierendem Glioblastom Temozolomid mit und ohne Cannabinoide. Ihr Studienprotokoll wurde 2024 in BMC Cancer veröffentlicht.

Anmerkung der Übersetzung: Alle Studienzentren von ARISTOCRAT liegen im Vereinigten Königreich. Laut Registereintrag nimmt die Studie keine neuen Teilnehmer mehr auf. Wer ein Cannabinoid als Teil der Krebsbehandlung erhalten möchte, kann den Onkologen nach registrierten klinischen Studien fragen. In einer solchen Studie wird das Cannabinoid zusätzlich zur Standardbehandlung gegeben, und der Patient wird überwacht.

10. Protokolle mit hochdosiertem Cannabisöl

Viele Menschen, die zu diesem Thema recherchieren, suchen nach konzentriertem Öl aus der ganzen Cannabispflanze. Dieses Öl wird über einen festgelegten Zeitraum in steigenden Mengen eingenommen. Ein Kanadier machte es Ende der 2000er-Jahre bekannt, und es trägt seinen Namen. Siehe Rick-Simpson-Öl. Dieser Artikel nennt keine Mengen, keinen Zeitplan und keine Herstellungsmethode. So findet ein verängstigter Mensch hier keine Anleitung, die er befolgen könnte, statt zu einem Onkologen zu gehen.

Zu diesem Protokoll wurde keine randomisierte kontrollierte Studie veröffentlicht. Es gibt auch keine veröffentlichte kontrollierte Fallserie. Das Protokoll verspricht, dass festgelegte Mengen über eine festgelegte Zahl von Tagen festgelegte Ergebnisse bringen. Diese Behauptungen werden vielfach wiederholt, haben aber keine Quelle.

Cancer Research UK ist eine gemeinnützige Organisation für Krebsforschung in Großbritannien. Laut Cancer Research UK bestand die bisherige Forschung aus Laborarbeiten mit gemischten Ergebnissen. Diese Arbeiten zeigen nicht, ob Cannabinoide Krebs beim Menschen behandeln können. Die Organisation ergänzt, dass die Qualität solcher Zubereitungen so stark schwankt, dass niemand wissen kann, was ein bestimmtes Öl enthält.

Menschen greifen oft zu diesen Protokollen, nachdem man ihnen gesagt hat, dass ihre Chancen schlecht stehen. Das ist eine menschliche Reaktion, keine törichte.

Anmerkung der Übersetzung: Anbauer werden manchmal gebeten, für einen Patienten „Krebsöl“ herzustellen. Wer ein kontrolliertes Kraut ohne Lizenz verkauft oder verarbeitet, verstößt gegen § 46 des Gesetzes zum Schutz der traditionellen thailändischen Medizin (Thai Traditional Medicine Protection Act) B.E. 2542 (1999). Nach § 78 drohen bis zu 1 Jahr Haft, eine Geldstrafe von bis zu 20.000 Baht oder beides. Unabhängig davon können Lizenzen für Extrakte mit mehr als 0,2 % THC nur an bestimmte Stellen vergeben werden. Berechtigt sind nur: thailändische juristische Personen, die nach dem Gesetz über ausländische Geschäftstätigkeit (Foreign Business Act) B.E. 2542 nicht als „ausländisch“ gelten, staatliche Stellen und das Thailändische Rote Kreuz., die nach dem Gesetz über ausländische Geschäftstätigkeit (Foreign Business Act) B.E. 2542 nicht als „ausländisch“ gelten. Ebenfalls berechtigt sind staatliche Stellen und das Thailändische Rote Kreuz. Diese Regel steht in der Ministerialverordnung über Cannabis- oder Hanfextrakte B.E. 2569, die seit dem 26. April 2026 in Kraft ist. Wenn jemand Sie um ein solches Öl bittet, lehnen Sie ab und verweisen Sie die Person an ihren Onkologen.

11. Was geschieht, wenn Patienten die Behandlung ersetzen

Johnson und Kollegen veröffentlichten 2018 eine Studie im Journal of the National Cancer Institute. Sie werteten die US National Cancer Database aus, die nationale Krebsdatenbank der USA. Darin fanden sie 281 Patienten mit Brust-, Prostata-, Lungen- oder Darmkrebs, der nicht in entfernte Organe gestreut hatte. Diese Patienten hatten sich für Alternativmedizin als einzige Behandlung entschieden. Die Studie erfasste Alternativmedizin allgemein, nicht nur Cannabis. Zum Vergleich wurden ihnen 560 ähnliche Patienten zugeordnet, die eine konventionelle Behandlung erhalten hatten.

Die Hazard Ratio vergleicht das Sterberisiko der beiden Gruppen zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Eine Hazard Ratio von 2,50 bedeutet, dass das Sterberisiko 2,5-mal so hoch war.

Krebsart Nach fünf Jahren am Leben, nur Alternativmedizin Nach fünf Jahren am Leben, konventionelle Behandlung Hazard Ratio für Tod
Alle vier Krebsarten 54,7 % 78,3 % 2,50
Brustkrebs 58,1 % 86,6 % 5,68
Darmkrebs 32,7 % 79,4 % 4,57
Lungenkrebs 19,9 % 41,3 % 2,17
Prostatakrebs — — 1,68 (statistisch nicht signifikant, kann also Zufall sein)

Dieselbe Forschungsgruppe veröffentlichte 2018 eine zweite Analyse in JAMA Oncology. Darin ging es um Menschen, die Komplementärmedizin zusätzlich zur konventionellen Behandlung nutzten. Ihr erhöhtes Risiko entstand dadurch, dass sie Teile der konventionellen Behandlung ablehnten. Die Komplementärtherapie selbst war nicht die Ursache. Die Gefahr liegt darin, die Behandlung zu ersetzen und hinauszuzögern. Siehe Wenn Patienten eine Krebsbehandlung zugunsten von Cannabis ablehnen.

Was Sie tun können: Wenn jemand aus Ihrem Umfeld Cannabis statt einer Behandlung verwenden will, zeigen Sie ihm diese Tabelle. Ermutigen Sie die Person, sie vor ihrer Entscheidung mit zum Onkologen zu nehmen.

12. Wechselwirkungen mit Arzneimitteln, die in der Krebsbehandlung wichtig sind

Cytochrom-P450-Enzyme sind Enzyme in der Leber, die viele Arzneimittel abbauen. THC wird hauptsächlich von den Enzymen CYP2C9 und CYP3A4 abgebaut. CBD wird hauptsächlich von CYP2C19 abgebaut, unterstützt von CYP2C9 und CYP3A4.

In Labortests bremsen beide Substanzen außerdem mehrere dieser Enzyme. Ein Übersichtsartikel von 2023 im Deutschen Ärzteblatt International, einer deutschen medizinischen Fachzeitschrift, nennt sie einzeln. THC bremst 1A2, 3A4, 2B6, 2C9 und 2D6. CBD bremst 3A4, 2C19 und 2C9. Viele Chemotherapeutika, Mittel gegen Übelkeit und Opioid-Schmerzmittel werden über dieselben Enzyme abgebaut. Wird ein Enzym gebremst, kann sich ein anderes Arzneimittel im Blut anreichern. Siehe Wechselwirkungen von Cannabis mit Arzneimitteln.

Arzneimittel Berichtete Wirkung Warum es wichtig ist
Warfarin (ein Blutverdünner) Ein Übersichtsartikel von 2022 im Journal of Clinical Medicine stufte dies als die dokumentierte Wechselwirkung von Cannabis mit dem höchsten Risiko ein. Der INR-Wert stieg stark an. Der INR ist ein Bluttest, der misst, wie lange das Blut zum Gerinnen braucht. Blutungsgefahr bei Menschen, die Blutverdünner einnehmen
Tacrolimus (ein Medikament, das das Immunsystem unterdrückt) CBD erhöhte den Blutspiegel von Tacrolimus so stark, dass die Dosis deutlich gesenkt werden musste Wird nach Transplantationen und bei der Graft-versus-Host-Krankheit eingesetzt. Bei dieser Krankheit greifen nach einer Stammzelltransplantation Immunzellen des Spenders den Körper des Patienten an

Cannabis verstärkt außerdem die Schläfrigkeit, die Opioide und Benzodiazepine (Schlafmittel und angstlösende Mittel) auslösen. Es kann Schwindel verursachen, was für zwei Gruppen gefährlich ist. Die erste Gruppe sind Menschen mit zu wenigen Blutplättchen (Thrombozytopenie), die leicht bluten. Die zweite Gruppe sind Menschen, deren Krebs in die Knochen gestreut hat, wo ein Sturz zu einem Knochenbruch führen kann.

Cannabis und Immun-Checkpoint-Inhibitoren

Immun-Checkpoint-Inhibitoren sind Krebsmedikamente, die eine Bremse des Immunsystems lösen. Dadurch können T-Zellen den Tumor angreifen. Nivolumab ist eines dieser Medikamente. Laut dem Laborbefund aus Abschnitt 8 schwächt Cannabis die T-Zellen. Deshalb stellt sich die Frage, ob Cannabis die Wirkung dieser Medikamente abschwächen könnte. Zwei Beobachtungsstudien deuten in diese Richtung.

Taha und Kollegen (The Oncologist, 2019) verglichen 89 Patienten, die nur Nivolumab erhielten, mit 51 Patienten, die Nivolumab und zusätzlich Cannabis nahmen. Unter Nivolumab allein sprachen 37,5 % der Patienten auf die Behandlung an, mit Cannabis 15,9 %. Cannabis war der einzige signifikante Faktor, der mit einem schlechteren Ansprechen zusammenhing.

Bar-Sela und Kollegen (Cancers, 2020) begleiteten 102 Patienten ab Beginn einer Immuntherapie. 34 von ihnen nutzten Cannabis. Bis der Krebs wieder wuchs, vergingen bei den Cannabis-Nutzern im Median 3,4 Monate, bei den übrigen Patienten 13,1 Monate. Das mediane Gesamtüberleben lag bei 6,4 gegenüber 28,5 Monaten.

Beide Studien sind Beobachtungsstudien, und ihre Ergebnisse können durch Störfaktoren verzerrt sein. Andere Unterschiede zwischen den Gruppen könnten die Ergebnisse also erklären. Zum Beispiel greifen kränkere Patienten möglicherweise eher zu Cannabis. Keine der beiden Studien beweist einen Schaden. Dennoch weisen zwei Datensätze in dieselbe Richtung. Die MASCC (Multinational Association of Supportive Care in Cancer) rät bei Checkpoint-Inhibitoren zur Vorsicht.

Was Sie tun können: Wer eine Immuntherapie erhält, sollte den Onkologen informieren, bevor er irgendein Cannabisprodukt verwendet. Der Arzt kann dieses Warnsignal dann gegen die persönliche Situation des Patienten abwägen.

13. Risiko durch Verunreinigungen für Menschen mit geschwächtem Immunsystem

Benedict und Kollegen veröffentlichten 2020 eine Studie in Emerging Infectious Diseases. Sie verglichen 53.217 Menschen, in deren Krankenakte ein Diagnosecode für Cannabiskonsum eingetragen war, mit mehr als 21 Millionen Menschen ohne diese Diagnose. Pilzinfektionen wurden bei 0,08 % der Konsumierenden und bei 0,03 % der übrigen Menschen erfasst. Nach Bereinigung um Alter und geschwächtes Immunsystem lag die Odds Ratio bei 3,5. Das bedeutet: Die Chance auf eine Pilzinfektion war bei Konsumierenden etwa 3,5-mal so hoch. Zu den Infektionen gehörten Aspergillose und Mukormykose. Das sind schwere Pilzinfektionen, die die Lunge und andere Organe befallen können. Das Studiendesign kann nicht beweisen, dass Cannabis diese Infektionen verursacht hat. Die Autoren warnten dennoch vor möglichen schweren Erkrankungen und Todesfällen bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Ein Übersichtsartikel von 2023 in Frontiers in Microbiology erklärt, warum. Auf Cannabis wurden über hundert Pilzarten gefunden, darunter Aspergillus, Penicillium und Mucor. Einige davon können Mykotoxine (von Schimmelpilzen gebildete Gifte) wie Aflatoxine und Ochratoxin A bilden. Die Hitze beim Rauchen oder Vaping tötet möglicherweise nicht alle Pilzsporen ab.

Neutropenie bedeutet, dass das Blut sehr wenige Neutrophile enthält. Neutrophile sind die weißen Blutkörperchen, die Infektionen bekämpfen. Eine Chemotherapie löst häufig eine Neutropenie aus. Bekommt ein Patient mit Neutropenie eine invasive Aspergillose, verläuft diese sehr häufig tödlich. Bei der Herstellung eines Öls werden außerdem Pestizidrückstände, Schwermetalle und Lösungsmittel zusammen mit den Cannabinoiden konzentriert.

Anmerkung der Übersetzung: Die Regenzeit in Thailand bringt hohe Luftfeuchtigkeit mit sich. Dadurch steigt das Schimmelrisiko bei Trocknung und Lagerung. Siehe Mykotoxine auf Cannabisblüten. Wenn Sie für Patienten anbauen, lassen Sie jede Charge auf Schimmel, Mykotoxine, Pestizidrückstände und Schwermetalle testen. Der Test zeigt Ihnen, ob die Charge für einen Menschen mit geschwächtem Immunsystem sicher ist. Wie Sie das Ergebnis lesen, erfahren Sie unter Wie man ein Cannabis-Analysezertifikat liest. Verwenden Sie nur Pestizide, die beim thailändischen Landwirtschaftsamt (Department of Agriculture, กรมวิชาการเกษตร) registriert sind, und halten Sie sich an das Etikett. Siehe Pestizidrückstände auf Cannabis.

Warum Öl ohne Etikett besonders gefährlich ist

Bonn-Miller und Kollegen testeten 84 CBD-Produkte, die 31 Unternehmen online verkauften. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse im November 2017 in JAMA. Nur bei etwa 30 % der Produkte wich der tatsächliche Gehalt um höchstens 10 % von der Angabe auf dem Etikett ab. Mehrere Produkte enthielten THC, das auf dem Etikett nicht angegeben war.

Ein Öl ohne Etikett und ohne Prüfung ist in jeder Hinsicht noch riskanter. Weder die Wirkstärke noch die Verunreinigungen noch das Lösungsmittel sind bekannt. Wenn etwas schiefgeht, gibt es kein Chargenprotokoll, mit dem sich das Produkt zurückverfolgen oder zurückrufen ließe.

Was Sie tun können: Geben Sie einem Menschen, der eine Chemotherapie erhält, niemals ein ungeprüftes Öl. Wenn ein Patient bereits ein Produkt verwendet, bringen Sie dessen Etikett und Prüfzertifikat zum onkologischen Behandlungsteam.

14. Was Patienten und pflegende Angehörige tun sollten

Der wichtigste Rat in diesem Beitrag lautet: Informieren Sie Ihren Arzt. Die Leitlinie der ASCO (American Society of Clinical Oncology) von 2024 fordert, dass Ärzte und Patienten offen und ohne Wertung über Cannabiskonsum sprechen. Außerhalb einer klinischen Studie rät sie davon ab, Cannabis zur Behandlung des Krebses selbst einzusetzen. Ein Onkologe kann keine Wechselwirkungen mit einem Produkt prüfen, von dem er nichts weiß. Schreiben Sie auf, was Sie nehmen, wie viel und wann. Bringen Sie diese Liste zum Termin mit. Diese Fragen können Sie beim Termin stellen:

  • Erhalte ich einen Checkpoint-Inhibitor, und ändert das Ihre Empfehlung?
  • Nehme ich Blutverdünner, habe ich zu wenige Blutplättchen oder besteht bei mir Sturzgefahr?
  • Habe ich so wenige weiße Blutkörperchen, dass das Inhalieren von Pflanzenmaterial ein Infektionsrisiko ist?
  • Gibt es stattdessen ein zugelassenes Arzneimittel mit Cannabinoiden?

Die Rechtslage in Thailand

Cannabisblüten gelten als kontrolliertes Kraut nach der Bekanntmachung des Ministeriums für öffentliche Gesundheit über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568. Die Bekanntmachung stützt sich auf das Gesetz zum Schutz der traditionellen thailändischen Medizin B.E. 2542 und trat am 26. Juni 2025 in Kraft. Blüten dürfen nur gegen ein Rezept auf dem Formular PT 33 (ภ.ท.33) verkauft werden. Das Rezept muss von einer zugelassenen Fachperson stammen und darf höchstens 30 Tage abdecken. Werbung für Cannabisblüten ist verboten, auch Werbung mit Heilversprechen. Auch der Online-Verkauf von Blüten ist verboten. Siehe Werbe- und Verkaufsregeln für Cannabis in Thailand.

Die Ministerialverordnung über kontrollierte Kräuter (Nr. 2) B.E. 2569 trat am 30. April 2026 in Kraft. Sie verschärft die Lizenzregeln für Cannabisblüten. Der Entwurf des Cannabis-Kontrollgesetzes (Cannabis Control Act) ist noch kein Gesetz. Das Kabinett billigte den Entwurf am 22. September 2026 und leitete ihn an das Repräsentantenhaus weiter.

Manche behaupten etwas anderes. Das gilt vor allem für Verkäufer, die ein Produkt mit dem Versprechen bewerben, es wirke gegen Krebs. Wer das tut, verstößt gegen das Gesetz, und auch die Evidenz spricht gegen ihn.

Was Sie tun können: Kaufen Sie nur auf dem legalen Weg mit Rezept. Kaufen Sie nicht bei einem Verkäufer, der verspricht, Krebs zu heilen. Falsche Gesundheitsversprechen können Sie über die Hotline 1556 der thailändischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (Thai FDA) melden. Sie können sich auch an das Gesundheitsamt Ihrer Provinz wenden.

15. Wohin sich die Forschung entwickelt

Eine Studie, die klären könnte, ob Cannabinoide Tumoren bekämpfen, müsste fünf Bedingungen erfüllen:

  1. Sie braucht ein standardisiertes Produkt in pharmazeutischer Qualität.
  2. Sie braucht einen Verabreichungsweg, der die Konzentrationen erreicht, die laut Laborarbeiten nötig sind. Das ist das größte ungelöste Problem.
  3. Das Cannabinoid muss zusätzlich zur Standardbehandlung gegeben werden, nicht an ihrer Stelle. Es wäre unethisch, Patienten eine wirksame Behandlung vorzuenthalten.
  4. Es müssen genug Patienten teilnehmen, um einen realistischen Unterschied im Überleben nachzuweisen.
  5. Die Überlebensziele müssen vor Studienbeginn festgelegt werden.

Bei den Symptomen wäre der sinnvolle nächste Schritt, Cannabinoide in Studien direkt mit modernen Mitteln gegen Übelkeit zu vergleichen.

Bis solche Studien vorliegen, lautet die ehrliche Antwort nicht „Cannabis bewirkt gar nichts“. Cannabis hat eine eng begrenzte Rolle, die in Leitlinien anerkannt ist: bei Übelkeit durch Chemotherapie, wenn Standardmedikamente sie nicht beherrschen. Bei Krebsschmerzen sind die Ergebnisse enttäuschend. In anderen Bereichen reicht die Evidenz nicht aus. Zur Behandlung der Krebserkrankung selbst hat Cannabis keine gesicherte Rolle.

Wenn Sie Patient oder pflegender Angehöriger sind, sind Sie herzlich eingeladen, in diesem Thread zu schreiben. Erzählen Sie, was Sie ausprobiert haben, was geholfen hat und was nicht. Schreiben Sie auch, was Sie gern früher gewusst hätten. Solche Berichte helfen dem nächsten verängstigten Leser. Ihr onkologisches Team kennt Ihr Krebsstadium, Ihre Blutwerte und Ihre Medikamentenliste. Hier im Forum kennt sie niemand. Nehmen Sie das, was Sie hier lesen, mit zu Ihrem Behandlungsteam. Brechen Sie Ihre Behandlung nicht wegen eines Forenbeitrags ab, schieben Sie sie nicht auf und ersetzen Sie sie nicht. Das gilt auch für diesen Beitrag.

Dieser Artikel ist Teil der Bildungsreihe der Asiannabis Community zu medizinischem Cannabis. Er enthält allgemeine Informationen und ist keine medizinische Beratung. Entscheidungen über die Behandlung trifft eine zugelassene Fachperson. Die Inhalte dienen der Aufklärung an Orten, an denen medizinisches Cannabis rechtlich erlaubt ist.

Quellen zu Teil 2

  • Ramer und Hinz, Übersichtsartikel zu Cannabinoiden bei Krebs, British Journal of Cancer, 2022.
  • Carkaci-Salli und Kollegen, „Cannabinoids as Potential Cancer Therapeutics: The Concentration Conundrum“, Cannabis and Cannabinoid Research 9(4), 2024.
  • Studie zu Cannabis, CNR2 und JAK/STAT-Signalweg in T-Zellen, Signal Transduction and Targeted Therapy, 2022.
  • Guzmán und Kollegen, Pilotstudie zu THC bei rezidivierendem Glioblastom, British Journal of Cancer, 2006; Zusammenfassung des US National Cancer Institute.
  • Twelves und Kollegen, Phase-1b-Studie zu Nabiximols mit Temozolomid bei rezidivierendem Glioblastom, 2021, sowie das begleitende Editorial.
  • Studienprotokoll der ARISTOCRAT-Studie, BMC Cancer, 2024.
  • Cancer Research UK, Stellungnahme zur Forschung über Cannabis und Krebs.
  • Johnson und Kollegen, Alternativmedizin und Überleben, Journal of the National Cancer Institute, 2018.
  • Johnson und Kollegen, Komplementärmedizin und Ablehnung konventioneller Behandlung, JAMA Oncology, 2018.
  • Übersichtsartikel zu Wechselwirkungen von Cannabinoiden mit Arzneimitteln, Deutsches Ärzteblatt International, 2023.
  • Übersichtsartikel zu Wechselwirkungen von Cannabis mit Arzneimitteln, Journal of Clinical Medicine, 2022.
  • Taha und Kollegen, Cannabis und Nivolumab, The Oncologist, 2019.
  • Bar-Sela und Kollegen, Cannabis und Behandlungsergebnisse der Immuntherapie, Cancers, 2020.
  • Benedict und Kollegen, Pilzinfektionen bei Cannabis-Konsumierenden, Emerging Infectious Diseases, 2020.
  • Übersichtsartikel zum Mykobiom (der Pilzgemeinschaft) von Cannabis, Frontiers in Microbiology, 2023.
  • Bonn-Miller und Kollegen, Genauigkeit der Etikettenangaben bei online verkauften CBD-Produkten, JAMA, November 2017.
  • American Society of Clinical Oncology, Leitlinie zu Cannabis und Cannabinoiden bei Erwachsenen mit Krebs, 2024.
  • Bekanntmachung des Ministeriums für öffentliche Gesundheit über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568; Gesetz zum Schutz der traditionellen thailändischen Medizin (Thai Traditional Medicine Protection Act) B.E. 2542; Ministerialverordnung über Cannabis- oder Hanfextrakte B.E. 2569; Ministerialverordnung über kontrollierte Kräuter (Nr. 2) B.E. 2569.