Cannabigerol, Cannabinol und Delta-8 werden mit großen Versprechen verkauft. Dieser Artikel prüft jede Behauptung anhand der Studie, auf der sie beruht: Wurde sie in einer Laborschale gezeigt, an Mäusen oder an Menschen?
Die meisten Texte für Verbraucher werfen drei Arten von Belegen durcheinander. Ein Ergebnis in der Laborschale, eines an Tieren und eines an Menschen sind verschiedene Dinge. Dieser Artikel trennt sie bei jeder Substanz. Er richtet sich an Anbauer, an das Personal in Shops und an alle, die Etiketten, Saatgutangebote oder Analysezertifikate lesen. Das sind die Laborberichte, die zeigen, was eine Probe enthält.
Nichts hier ist eine Behandlungsempfehlung. In Thailand ist die Cannabisblüte ein kontrolliertes Kraut. Sie darf nur mit einem PT-33-Rezept (ภ.ท.33) verkauft werden, und zwar für höchstens 30 Tage. Werbung für Blüten und ihr Verkauf im Internet sind verboten.
Teil 1 hat erklärt, was Cannabinoide sind und wie die Pflanze sie bildet. Er hat auch zusammengefasst, was über Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) bekannt ist.
Dies ist Teil 2. Teil 1: https://asiannabis.com/t/1307
Begriffe in diesem Teil
- Cannabinoid-Rezeptoren: Proteine auf Zellen, die reagieren, wenn ein passendes Molekül andockt. Typ 1 kommt in hoher Dichte im Gehirn vor. Wenn THC ihn einschaltet, entsteht der Rausch. Typ 2 sitzt vor allem auf Immunzellen.
- Agonist und Antagonist: Ein Agonist schaltet einen Rezeptor ein. Ein Antagonist blockiert ihn.
- Säureformen: Die lebende Pflanze bildet zuerst Säureformen wie THCA und CBDA. Durch Wärme werden daraus THC und CBD.
Cannabigerol (CBG)
Die Ausgangssubstanz der Pflanze ist die Cannabigerolsäure (CBGA). Cannabigerol (CBG) ist ihre neutrale Form. Während die Pflanze wächst, wandelt sie CBGA in die anderen Cannabinoidsäuren um. Bis zur Ernte ist das meiste davon umgewandelt. Deshalb kommt CBG meist nur in Spuren vor.
Im Jahr 2010 beschrieben Cascio und Kollegen im British Journal of Pharmacology, wie CBG wirkt. Am Alpha-2-Adrenozeptor ist es ein starker Agonist. Dieser Rezeptor spricht auf Adrenalin und Noradrenalin an. Am 5-HT1A-Rezeptor ist es ein Antagonist. Auf diesen Rezeptor wirkt der Botenstoff Serotonin im Gehirn. An Cannabinoid-Rezeptoren bindet CBG nur schwach.
Die antibakteriellen Versuche liefen in Laborschalen und an Mäusen, nicht an Menschen
Im Jahr 2020 veröffentlichten Farha, Brown und Kollegen eine Studie in der Fachzeitschrift ACS Infectious Diseases. Sie testeten Cannabinoide gegen MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). MRSA ist ein Bakterium, gegen das mehrere gängige Antibiotika nicht mehr wirken. Mehr zu dieser Forschung finden Sie unter Cannabis als antibakterielles Mittel.
| Was getestet wurde | Ergebnis für CBG | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| Laborschale | Eine von sieben Substanzen mit einer minimalen Hemmkonzentration von 2 Mikrogramm pro Milliliter oder weniger | Die minimale Hemmkonzentration ist die niedrigste Konzentration, bei der die Bakterien nicht mehr wachsen |
| Mäuse, bei denen sich die Infektion im ganzen Körper ausgebreitet hatte | Wirkte etwa so gut wie Vancomycin | Vancomycin ist ein Standardantibiotikum gegen MRSA im Krankenhaus |
| Andere Bakterien | Allein keine Wirkung gegen gramnegative Bakterien | Gramnegative Bakterien sind eine große Gruppe mit einer zusätzlichen äußeren Membran |
Die Belege stammen also aus der Laborschale und von Mäusen. Eine klinische Studie am Menschen zu CBG als antibakteriellem Mittel gibt es nicht. Auch eine sichere Dosis für die Anwendung beim Menschen, bei der CBG in den Blutkreislauf aufgenommen wird, wurde nicht ermittelt.
Die einzige Studie an Menschen
Im Jahr 2024 veröffentlichten Cuttler und Kollegen in der Fachzeitschrift Scientific Reports eine Studie zu CBG an Menschen. Die Studie war doppelblind: Weder die Teilnehmenden noch die Forschenden wussten, wer was bekam. Außerdem war sie placebokontrolliert und als Crossover-Studie angelegt. Jede Person nahm also im Abstand von einer Woche einmal CBG und einmal ein Placebo.
Vierunddreißig gesunde Erwachsene, die bereits Cannabis konsumierten, nahmen einmalig 20 mg CBG aus Hanf ein. Nach CBG gaben sie zu einigen Messzeitpunkten weniger Angst und Stress an. Die Stimmung veränderte sich nicht.
Die Grenzen der Studie haben die Forschenden selbst benannt. Die Gruppe war klein und gesund und bestand aus Menschen, die Cannabis konsumieren. Die Dosis war moderat, und die Tests liefen aus der Ferne. Außerdem nutzten sie keine Korrektur für multiples Testen. Diese statistische Anpassung verringert Zufallsbefunde, wenn viele Ergebnisse gemessen werden.
Anmerkung der Übersetzung: Manche Saatgutangebote verkaufen „High-CBG“-Sorten. Normalerweise ist das meiste CBG bis zur Ernte umgewandelt. Bevor Sie Saatgut in größerer Menge kaufen, verlangen Sie deshalb vom Verkäufer einen Laborbericht von einer ausgewachsenen Pflanze dieser Sorte. Bauen Sie danach eine kleine Testcharge an und lassen Sie sie analysieren. So wissen Sie, was die Sorte unter Ihren eigenen Bedingungen liefert.
Was Sie tun können: Geben Sie Aussagen zur antibakteriellen oder angstlösenden Wirkung von CBG nicht so weiter, als wären sie bewiesen. Wenn Sie sie erwähnen, sagen Sie genau, worauf sie beruhen. Die antibakterielle Wirkung stützt sich auf Versuche an Mäusen. Die Wirkung auf Angst stützt sich auf eine einzige Studie mit einer Einzeldosis an 34 gesunden Menschen.
Cannabinol (CBN)
Die Pflanze bildet Cannabinol (CBN) nicht gezielt. CBN entsteht, wenn THC oxidiert, also mit Sauerstoff reagiert. Zeit, Luft, Licht und Wärme beschleunigen diesen Vorgang. Ein hoher CBN-Wert verrät Ihnen daher, wie alt eine Probe ist und wie sie gelagert wurde.
Verkäufer bewerben CBN heute fast nur noch als Schlafhilfe. Im Jahr 2021 prüfte der Forscher Corroon diese Behauptung in der Fachzeitschrift Cannabis and Cannabinoid Research. Die Arbeit trug den Titel „Cannabinol and Sleep: Separating Fact from Fiction“. Corroon stellte Folgendes fest:
- Es gab keine klinischen Studien mit validierten Schlaffragebögen. Das sind Standardfragebögen, bei denen geprüft ist, dass sie den Schlaf zuverlässig messen.
- Es gab keine Polysomnografie-Studien. Dabei werden im Schlaflabor über Nacht Hirnströme, Atmung und Bewegung aufgezeichnet.
- Die meisten Studien an Menschen stammen aus den 1970er- und 1980er-Jahren und hatten nur wenige Teilnehmende.
- Ob CBN überhaupt cannabisähnlich wirkt, ist nicht einheitlich belegt. Die meisten Studien zeigen, dass es das nicht tut.
Anmerkung der Übersetzung: In thailändischen Lagerräumen herrschen oft 30–35 °C, und bei Stromausfällen kann die Klimaanlage ausfallen. Wärme beschleunigt die Oxidation von THC zu CBN. Ware in einem heißen Raum altert deshalb schneller. Zu Behältern und Lagerbedingungen lesen Sie Getrocknete Cannabisblüten lagern.
Was Sie tun können: Wenn Sie eine gelagerte Charge erneut testen lassen, vergleichen Sie die Werte für CBN und THC mit dem ersten Laborbericht. Ist CBN gestiegen und THC gesunken, wird das THC abgebaut. Füllen Sie die Ware dann in einen luftdichten Behälter um und lagern Sie sie kühler und dunkler. Verbrauchen Sie ältere Ware zuerst.
Die weniger erforschten Cannabinoide
Tetrahydrocannabivarin (THCV)
THCV hat dieselbe Grundstruktur wie THC, aber eine kürzere Seitenkette, die sogenannte Propylkette. Bei geringer Aufnahme wirkt es fast entgegengesetzt zu THC.
Im Jahr 2025 veröffentlichten Haghdoost und Kollegen in Cannabis and Cannabinoid Research einen Perspektivartikel zu THCV. In den meisten relevanten Dosen ist THCV ein Antagonist am Cannabinoid-Rezeptor Typ 1. Es blockiert diesen Rezeptor also. Als Agonist wirkt es nur in höheren Dosen. Bei Menschen ließ sich die subjektive Wirkung von 10 mg oral eingenommenem THCV nicht von der eines Placebos unterscheiden.
Cannabichromen (CBC)
Im Jahr 2024 fassten Sepulveda und Kollegen das Wissen zu CBC im Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics zusammen. Sie beschreiben CBC als Agonisten am Cannabinoid-Rezeptor Typ 2; es bindet dort etwa so stark wie THC. Wie es an Typ 1 wirkt, ist umstritten. Außerdem ist CBC ein starker Agonist an TRPA1. Über diesen Kanal nehmen Nerven reizende Stoffe wahr.
Die Daten von Menschen beschränken sich auf zwei pharmakokinetische Studien. Solche Studien messen, wie der Körper eine Substanz aufnimmt und wieder ausscheidet, nicht aber, ob sie hilft. Die Autoren der Übersicht weisen darauf hin, dass CBC-Produkte verkauft werden, obwohl es kaum Belege für ihre Sicherheit oder Wirksamkeit gibt.
Cannabidivarin (CBDV)
CBDV verhält sich zu CBD wie THCV zu THC. Es wurde als mögliches Antikonvulsivum untersucht, also als Mittel gegen Krampfanfälle.
CBDV wurde in einer Phase-2-Studie an Erwachsenen mit fokalen Anfällen getestet. Solche Anfälle beginnen in einem bestimmten Bereich des Gehirns. Eine Phase-2-Studie ist ein Test im mittleren Entwicklungsstadium an Patienten. Die Studie verfehlte ihren primären Endpunkt, also das Hauptergebnis, das sie zeigen sollte. Spätere Studien zur Autismus-Spektrum-Störung haben zu keiner zugelassenen Anwendung geführt.
Was Sie tun können: Wenn ein Produkt mit THCV, CBC oder CBDV eine gesundheitliche Wirkung verspricht, fragen Sie den Verkäufer, welche Studie an Menschen das belegt. Die oben genannten Übersichtsarbeiten fanden für keine der drei Substanzen eine Studie an Menschen, die einen Nutzen zeigt.
Delta-8 und die halbsynthetischen Cannabinoide
Was Delta-8 ist
Delta-8-Tetrahydrocannabinol (Delta-8-THC) kommt natürlich in Cannabis vor, aber nur in Spuren. Im Jahr 2022 beschrieben Kruger und Kruger die Substanz im Journal of Cannabis Research. Sie bindet schwächer an den Cannabinoid-Rezeptor Typ 1 als das gewöhnliche Delta-9-THC. Laut einer Studie von 1973 hat sie etwa zwei Drittel seiner Wirkstärke. Delta-8 ist also ein schwächerer Verwandter von THC, wirkt aber trotzdem berauschend.
Wie es tatsächlich hergestellt wird
Ungewöhnlich ist der Weg, auf dem Delta-8 in den Handel kommt. Die Pflanze enthält nur Spuren von Delta-8. Deshalb wird Delta-8 für den Handel nicht extrahiert, sondern aus CBD hergestellt. Mit Hilfe einer Säure wird das CBD-Molekül zu Delta-8 umgebaut. Chemiker nennen diesen Vorgang säurekatalysierte Isomerisierung.
Auf demselben Weg entsteht auch Hexahydrocannabinol (HHC). Beide sind halbsynthetische Cannabinoide. Das heißt, sie werden hergestellt, indem man eine aus der Pflanze gewonnene Substanz chemisch verändert.
Im Mai 2022 machte die US-Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) drei Feststellungen. Erstens wird konzentriertes Delta-8 meist aus CBD hergestellt, das aus Hanf gewonnen wird. Zweitens waren bei der FDA Meldungen über Nebenwirkungen eingegangen, darunter Fälle mit Behandlung im Krankenhaus. Drittens hatten die US-Giftnotrufzentralen von Januar 2021 bis Februar 2022 insgesamt 2.362 Fälle registriert, in denen Menschen mit Delta-8 in Kontakt gekommen waren.
Das Problem der Reinheit
Die Umwandlung verläuft nicht sauber. Zurück bleibt ein Gemisch verschiedener Substanzen, und genau dieses Gemisch ist das Problem.
Im Jahr 2022 untersuchten Ray und Kollegen zehn Delta-8-Produkte und veröffentlichten die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Molecules. Sie fanden weit mehr Verunreinigungen, als die Analysezertifikate der Produkte angaben. Einige der gefundenen Substanzen sind überhaupt keine bekannten Cannabinoide. Wie sie bei Menschen wirken, weiß deshalb niemand.
Tests, die Kruger und Kruger zitieren, fanden 1,3 bis 5,3 % Delta-9-THC in Produkten, die als Delta-8 verkauft wurden. Sie fanden außerdem Schwermetalle. Das Delta-8-Molekül selbst ist gut erforscht. Die Produkte, die unter seinem Namen verkauft werden, sind es nicht.
Eine ungeklärte Rechtslage
| Rechtsraum | Stand bei Redaktionsschluss |
|---|---|
| Thailand, Blüten | Cannabisblüten sind ein kontrolliertes Kraut gemäß der Bekanntmachung des Ministeriums für öffentliche Gesundheit über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568. Die Bekanntmachung wurde auf Grundlage des Gesetzes zum Schutz der traditionellen thailändischen Medizin (Thai Traditional Medicine Protection Act) B.E. 2542 erlassen und gilt seit dem 26. Juni 2025. Der Verkauf ist nur mit einem PT-33-Rezept erlaubt, für höchstens 30 Tage. Werbung für Blüten und ihr Verkauf im Internet sind verboten. Die Ministerialverordnung über kontrollierte Kräuter (Nr. 2) B.E. 2569 gilt seit dem 30. April 2026 und verschärft die Lizenzkriterien für Blüten |
| Thailand, Extrakte | Extrakte mit mehr als 0,2 % THC bleiben Betäubungsmittel der Kategorie 5 nach dem thailändischen Betäubungsmittelgesetzbuch (Narcotics Code). Nach der Ministerialverordnung über Cannabis- oder Hanfextrakte B.E. 2569 (in Kraft seit dem 26. April 2026) erhalten nur drei Gruppen eine Lizenz für Extrakte mit mehr als 0,2 % THC: thailändische juristische Personen, die nach dem Gesetz über ausländische Geschäftstätigkeit (Foreign Business Act) B.E. 2542 nicht als „ausländisch“ gelten, staatliche Stellen und das Thailändische Rote Kreuz |
| Thailand, Halbsynthetika | Bei der Prüfung dieses Artikels wurde kein thailändischer Rechtstext gefunden, der Delta-8 oder HHC ausdrücklich nennt. Die Rechtslage ist ungeklärt. Es handelt sich um berauschende Extrakte mit mehr als 0,2 % THC, und selbst Blüten gibt es nur auf Rezept. Gehen Sie deshalb keinesfalls davon aus, dass sie erlaubt sind. Der Entwurf des Cannabis-Kontrollgesetzes (Cannabis Control Act) ist noch kein Gesetz: Das Kabinett billigte den Entwurf am 22. September 2026 und leitete ihn an das Repräsentantenhaus weiter. Bis zu seinem Inkrafttreten beruhen die Regeln auf Bekanntmachungen und Verordnungen, die sich häufig ändern |
| Europäische Union | Der Europäische Drogenbericht 2025, der jährliche Drogenbericht der EU, verzeichnet HHC in 27 europäischen Ländern. In mindestens 22 Mitgliedstaaten ist es kontrolliert |
| Vereinigte Staaten | Ein im November 2025 verabschiedetes Bundesgesetz begrenzt Hanfprodukte auf 0,4 mg Gesamt-THC pro Behälter. Außerdem schließt es Cannabinoide aus, die außerhalb der Pflanze synthetisiert werden. Ein am 2. September 2026 unterzeichnetes Haushaltsgesetz (H.R. 6500) verschob die Grenze von 0,4 mg und die übrigen Regeln für natürlich gewonnenes Hanf-THC auf den 11. Dezember 2026. Der Ausschluss synthetischer Cannabinoide, die die Pflanze selbst nicht bilden kann, gilt dagegen wie vorgesehen ab dem 12. November 2026 |
Der Trend ist überall gleich. Die Behörden schließen die Gesetzeslücke, mit der Verkäufer argumentieren konnten, ihr Produkt sei „technisch gesehen nicht das kontrollierte Molekül“.
Anmerkung der Übersetzung: Wer CBD in Delta-8 oder HHC umwandelt, führt einen chemischen Prozess durch. Wie das thailändische Lizenzrecht diesen Prozess einstuft, ist unklar. Gilt er als Verarbeitung eines kontrollierten Krauts, ist er ohne Lizenz nach Abschnitt 78 des Gesetzes von 1999 strafbar. Die Strafe beträgt bis zu 1 Jahr Haft, eine Geldstrafe von bis zu 20.000 Baht oder beides. Auch dort, wo diese Produkte legal sind, ist ihr genauer Inhalt oft unbekannt.
Was Sie tun können: Stellen Sie in Thailand keine Delta-8- oder HHC-Produkte her, kaufen Sie keine und nehmen Sie keine ins Sortiment, solange Sie keine schriftliche Antwort der Lizenzbehörde haben. Bringt ein Kunde ein solches Produkt mit, verlangen Sie den Laborbericht dazu. Prüfen Sie im Bericht, ob Delta-9-THC, unbekannte Substanzen oder Schwermetalle aufgeführt sind.
Der Entourage-Effekt
Der Entourage-Effekt beschreibt die Idee, dass die Inhaltsstoffe von Cannabis gemeinsam anders wirken als jeder für sich. Als Hypothese, die man prüfen kann, ist das sinnvoll. Als Verkaufsargument verspricht der Begriff aber weit mehr, als die Belege hergeben.
Simei und Kollegen gingen direkt der Frage nach, ob es diesen Effekt gibt. Dazu veröffentlichten sie in Cannabis and Cannabinoid Research ein narratives Scoping-Review. Ein Scoping-Review gibt einen Überblick über die vorhandene Forschung zu einer Frage. Die Autoren kamen zu drei Ergebnissen:
- Es gibt nur wenige Belege dafür, dass der Effekt stabil und vorhersagbar auftritt.
- Die präklinischen Ergebnisse (aus Zell- und Tierstudien) widersprechen einander.
- Es gibt nur wenige Belege für die Wirksamkeit oder Sicherheit von Behandlungen, die auf dieser Idee aufbauen.
Sie forderten Industrie, Medien sowie Ärztinnen und Ärzte auf, den Entourage-Effekt nicht als bewiesen darzustellen.
Was tatsächlich gezeigt wurde, ist eng begrenzt. Eine Arbeit aus dem Jahr 2021 in Scientific Reports fand heraus, dass mehrere Terpene aus Cannabis cannabimimetisch sind, also ähnlich wie Cannabinoide wirken. Einige von ihnen verstärkten gezielt die Wirkung von Cannabinoiden. Diese Versuche wurden an Zellen und Nagetieren durchgeführt.
Alles, was darüber hinausgeht, ist eine Übertragung ohne Beleg. Ein Beispiel ist die Behauptung, Produkte aus der ganzen Pflanze wirkten beim Menschen zuverlässig besser. Ein anderes ist die Behauptung, ein bestimmtes Terpenprofil erzeuge eine bestimmte Wirkung. Verkäufer verwenden den Begriff, weil er die Vielfalt der Pflanze zum Verkaufsargument macht. Außerdem rechtfertigt er einen höheren Preis, obwohl genau dieses Produkt nie in einer Studie geprüft wurde.
Was Sie tun können: Wenn ein Produkt mit dem Entourage-Effekt beworben wird, fragen Sie, ob genau dieses Produkt an Menschen getestet wurde. Wenn nicht, beschreiben Sie es nur anhand der Inhaltsstoffe, die im Labor gemessen wurden.
Siedepunkte und warum veröffentlichte Tabellen sich widersprechen
Auf populären Websites stehen Siedepunkte oft ohne Quelle und ohne Angabe des Drucks. Turovsky und Kollegen haben die Werte sorgfältig gemessen und im Journal of Cannabis Research veröffentlicht. Dafür nutzten sie zwei Verfahren. Bei der thermogravimetrischen Analyse wird eine Probe beim Erhitzen gewogen, um zu sehen, wann sie verdampft. Die dynamische Differenzkalorimetrie misst, wie viel Wärme die Probe aufnimmt.
Aus diesen Messungen schätzten sie die normalen Siedepunkte bei Atmosphärendruck:
- 245 ± 6 °C für Delta-9-THC;
- 378 ± 4 °C für THCV.
Wie die Forschenden erklären, bezieht sich der oft zitierte Wert von 157 °C für THC wahrscheinlich auf einen Siedepunkt bei vermindertem Druck. Frühe Arbeiten berichteten nämlich, dass sie THC bei 157 °C unter Vakuum destilliert hatten. Je niedriger der Druck, desto niedriger der Siedepunkt. Deshalb liegt ein unter Vakuum gemessener Wert weit unter einem Wert bei normalem Luftdruck. Einem Siedepunkt ohne Druckangabe und ohne Quelle können Sie nicht trauen.
Was Sie tun können: Wenn eine Tabelle zur Verdampfertemperatur weder den Druck noch ihre Quelle nennt, verlassen Sie sich nicht auf ihre Werte. Wenn Sie eine Einstellung für einen Verdampfer posten, geben Sie immer an, welche Tabelle Sie verwendet haben.
Die wichtigsten Cannabinoide im Vergleich
| Cannabinoid | Berauschend | Hauptwirkung am Rezeptor | Belege beim Menschen | Siedepunkt |
|---|---|---|---|---|
| Delta-9-THC | Ja | Partieller Agonist an Typ 1 und 2 | Die stärksten der Familie: In drei Symptombereichen als eindeutig oder substanziell belegt eingestuft, dazu dokumentierte Schäden | 245 ± 6 °C |
| CBD | Nein | Negativer allosterischer Modulator an Typ 1 | Randomisierte Belege bei drei Erkrankungen mit Krampfanfällen; sonst schwach oder fehlend | Nicht dokumentiert |
| CBG | Nein | Agonist am Alpha-2-Adrenozeptor, Antagonist an 5-HT1A | Antibakterielle Daten aus Laborschale und Maus; eine kleine Studie | Nicht dokumentiert |
| CBN | Kaum | Schwache Bindung an Typ 1 | Sehr dünn; keine modernen kontrollierten Schlafstudien gefunden | Nicht dokumentiert |
| THCV | Nicht bei geringer Aufnahme | Antagonist an Typ 1 in den meisten relevanten Dosen | Einige kleine Studien an Menschen | 378 ± 4 °C |
| CBC | Nein | Agonist an Typ 2; starker Agonist an TRPA1 | Nur zwei pharmakokinetische Studien | Nicht dokumentiert |
| CBDV | Nein | Enger Verwandter von CBD | Phase-2-Studie zu Krampfanfällen verfehlte ihr Hauptergebnis | Nicht dokumentiert |
| THCA | Nein | Wirkt an Typ 1 nicht so wie THC | Nur Daten zu Chemie und Stabilität | Wird beim Erhitzen zu THC |
| CBDA | Nein | Vorstufe, unterscheidet sich von CBD | Nur Daten aus Labor und Tierversuchen | Wird beim Erhitzen zu CBD |
| Delta-8-THC | Ja | Agonist an Typ 1, schwächer als Delta-9 | Das Molekül ist gut beschrieben, die unter seinem Namen verkauften Produkte nicht | Nicht dokumentiert |
Die fehlenden Siedepunkte sind Absicht. Für diese Substanzen kursieren zwar viele Werte, aber es gibt keine Messungen, die sich auf eine Quelle zurückführen lassen.
Die Tabelle zeigt ein klares Muster. Nur für eine Substanz, THC, gibt es echte Belege beim Menschen und dokumentierte Schäden. Eine zweite Substanz, CBD, hat eine eng begrenzte Anwendung, die eine Behörde geprüft hat. Um sie herum sind viele Werbeversprechen entstanden. Für alle übrigen Substanzen sind die Belege dünn.
Eine Gewohnheit für die Praxis
Wann immer Sie auf einem Etikett, in einem Saatgutangebot oder in einem Social-Media-Beitrag eine Aussage zu einem Cannabinoid lesen, prüfen Sie zwei Dinge. Erstens: Wurde das Ergebnis in einer Laborschale gezeigt, an Mäusen oder an Menschen? Zweitens: Bei welcher Dosis oder Aufnahmemenge? Notieren Sie beide Antworten neben der Aussage, bevor Sie sie weitergeben.
Anmerkung der Übersetzung: In Thailand ist Werbung für Cannabisblüten verboten. Bevor Sie eine dieser Aussagen für einen Shop oder eine Farm posten, lesen Sie die Werbe- und Verkaufsregeln für Cannabis.
Haben Sie gesehen, dass ein Cannabinoid auf eine Weise beschrieben wird, die die Belege nicht stützen? Dann posten Sie die Aussage als Antwort unter diesem Thema und schreiben Sie dazu, wo Sie sie gefunden haben. Andere Mitglieder können sie mit den hier genannten Studien abgleichen.
Quellen (Teil 2)
Der Originalartikel nannte seine Quellen nur im Text und ohne Links. Sie werden hier so aufgeführt, wie das Original sie angibt.
- Cascio und Kollegen. Pharmakologie von Cannabigerol an Alpha-2-Adrenozeptoren und 5-HT1A-Rezeptoren. British Journal of Pharmacology, 2010.
- Farha, Brown und Kollegen. Antibakterielle Wirkung von Cannabinoiden gegen Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus. ACS Infectious Diseases, 2020.
- Cuttler und Kollegen. Doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studie mit 20 mg Cannabigerol an 34 gesunden Erwachsenen. Scientific Reports, 2024.
- Corroon. „Cannabinol and Sleep: Separating Fact from Fiction“. Cannabis and Cannabinoid Research, 2021.
- Haghdoost und Kollegen. „Tetrahydrocannabivarin is Not Tetrahydrocannabinol“ (Perspektivartikel). Cannabis and Cannabinoid Research, 2025.
- Sepulveda und Kollegen. Übersichtsarbeit zu Cannabichromen. Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics, 2024.
- Phase-2-Studie zu Cannabidivarin bei Erwachsenen mit fokalen Anfällen (im Original ohne genaue Quellenangabe).
- Kruger und Kruger. Übersichtsarbeit zu Delta-8-Tetrahydrocannabinol. Journal of Cannabis Research, 2022. Sie zitiert eine Studie zur Wirkstärke von 1973 sowie Produkttests auf Delta-9 und Schwermetalle.
- US-Lebens- und Arzneimittelbehörde (United States Food and Drug Administration). Stellungnahme zu Delta-8-Tetrahydrocannabinol, Mai 2022.
- Ray und Kollegen. Analyse von zehn Delta-8-Produkten. Molecules, 2022.
- European Drug Report (Europäischer Drogenbericht), 2025.
- US-Bundesgesetz vom November 2025 über Hanfprodukte (P.L. 119-37). Seine Regeln für natürlich gewonnenes Hanf-THC wurden durch H.R. 6500 (September 2026) auf den 11. Dezember 2026 verschoben. Der Ausschluss synthetischer Cannabinoide gilt ab dem 12. November 2026.
- Simei und Kollegen. „Does the ‚Entourage Effect‘ in Cannabinoids Exist? A Narrative Scoping Review“. Cannabis and Cannabinoid Research, 2024.
- Arbeit zu cannabimimetischen Terpenen. Scientific Reports, 2021.
- Turovsky und Kollegen. Siedepunkte von Cannabinoiden, bestimmt mit thermogravimetrischer Analyse und dynamischer Differenzkalorimetrie. Journal of Cannabis Research, 2025.
Dieser Artikel gehört zur Bildungsreihe der Asiannabis Community über medizinisches Cannabis. Er bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine medizinische Beratung. Entscheidungen über eine Behandlung trifft eine zugelassene medizinische Fachperson. Die Inhalte dienen der Bildung in Rechtsräumen, in denen medizinisches Cannabis gesetzlich erlaubt ist.