Wenn Patienten eine Krebsbehandlung zugunsten von Cannabis ablehnen: Kinder, Ratschläge im Internet und wer das rechtliche Risiko trägt (Teil 2 von 2)

Lehnt ein Krebspatient eine Behandlung zugunsten von Cannabis ab, kann auch die Person ein rechtliches Risiko tragen, die ihn beraten hat. Dieser Teil behandelt Entscheidungen, die für Kinder getroffen werden. Er erklärt auch, was das thailändische Recht zu medizinischer Beratung und zu Aussagen über Cannabis sagt. Außerdem geht es darum, was Sie in einem Forum gefahrlos posten können und was Ärztinnen und Ärzte nach einer Ablehnung tun können.

Teil 1 hat drei Punkte herausgearbeitet. Ein einwilligungsfähiger Erwachsener darf eine Behandlung ablehnen. Studien zeigen schlechtere Überlebensraten, wenn Menschen mit heilbaren Krebserkrankungen alternative Medizin anstelle der Standardbehandlung nutzen. Der messbare Schaden hängt mit der Ablehnung zusammen und nicht mit der Anwendung des Mittels. Die Zahlen finden Sie in Cannabis und Krebs: Was die Beweislage unterstützt und was nicht.

Dieser Artikel ist weder eine medizinische noch eine rechtliche Beratung. Er empfiehlt weder, eine Behandlung anzunehmen, noch, sie abzulehnen. Er erklärt allgemeine Rechtsgrundsätze und die rechtliche Lage aller, die Ratschläge geben. Wenn Sie vor dieser Entscheidung stehen, sprechen Sie mit Ihrem onkologischen Team, also den Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften, die Ihre Krebserkrankung behandeln. Mit rechtlichen Fragen wenden Sie sich an eine qualifizierte Anwältin oder einen qualifizierten Anwalt in Ihrem Land.

Dies ist Teil 2. Teil 1: https://asiannabis.com/t/1410

1. Wenn der Patient ein Kind ist: nur allgemeine Grundsätze

Dieser Artikel bespricht keinen echten Fall, in dem es um ein Kind geht. Posten Sie keine Einzelheiten zum Fall eines Kindes in einem öffentlichen Forum. Die Regeln für Beiträge stehen in den Community-Richtlinien. Im Folgenden geht es nur um allgemeine Grundsätze.

Eltern entscheiden für ihr Kind, doch ihre Befugnis hat Grenzen. In den meisten Rechtsordnungen gilt für Entscheidungen über die medizinische Versorgung eines Kindes ein einziger Maßstab: das Wohl des Kindes. Entspricht eine Entscheidung der Eltern nicht diesem Maßstab, können Gerichte eine Behandlung auch gegen den Willen der Eltern erlauben.

Das Recht von Erwachsenen auf Ablehnung, wie in Teil 1 beschrieben, reicht nicht so weit. Denn hier steht nicht das Leben der Eltern auf dem Spiel. In Thailand legt die Erklärung über die Rechte und Pflichten von Patienten (Declaration of Patient’s Rights and Duties) fest: Bei Patienten unter 18 Jahren üben die Eltern oder der gesetzliche Vormund die Patientenrechte aus.

Jugendliche bewegen sich rechtlich in einer Grauzone. Viele Länder erkennen an, dass Minderjährige mit ausreichender Reife einer Behandlung zustimmen dürfen. Weniger Länder wenden dieselbe Regel auf die Ablehnung an. Lehnt ein reifer Minderjähriger eine lebensrettende Behandlung ab, setzt das Recht oft eine höhere Hürde. Oder es erlaubt einem Gericht, die Ablehnung aufzuheben. Die Rechtslage unterscheidet sich hier stark von Land zu Land und ist nicht abschließend geklärt.

Daraus ergeben sich zwei praktische Punkte:

  • Eltern, die für ein Kind entscheiden, sind rechtlich nicht in derselben Lage wie Erwachsene, die für sich selbst entscheiden. Das sollte man ihnen klar sagen.
  • Wer zur Krebsbehandlung eines Kindes Ratschläge gibt, ist rechtlich am stärksten gefährdet von allen Personen, die dieser Artikel beschreibt.

Was Sie als Elternteil tun sollten: Fragen Sie vor der Entscheidung das behandelnde Team und eine Anwältin oder einen Anwalt, wie das Recht auf den Fall Ihres Kindes anzuwenden ist. Was Sie tun sollten, wenn jemand Sie zur Krebserkrankung eines Kindes um Rat fragt: Geben Sie keinen Rat. Ermutigen Sie die Eltern, jede Frage, auch die zu Cannabis, an das behandelnde Team des Kindes zu richten.

2. Wo die beratende Person steht

Dieser Abschnitt richtet sich an alle, die im Internet Gesundheitsfragen beantworten. Er ist der Grund, warum dieser Artikel geschrieben wurde.

Behandlungsratschläge an Einzelpersonen sind gesetzlich geregelt

Das thailändische Gesetz über den ärztlichen Beruf (Medical Profession Act) B.E. 2525 fasst den Begriff „ärztlicher Beruf“ weit. Dazu gehören Untersuchung, Diagnose, Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten.

  • Abschnitt 26: Niemand darf ohne eine Zulassung nach diesem Gesetz den ärztlichen Beruf ausüben oder sich als bereit zu dessen Ausübung darstellen.
  • Abschnitt 43: Ein Verstoß wird mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe, einer Geldstrafe von bis zu 30.000 Baht oder beidem bestraft. Diese Strafe gilt heute.
  • Im August 2026 wurde ein Änderungsentwurf zur öffentlichen Stellungnahme vorgelegt. Er schlägt vor, die Strafe auf fünf Jahre und 500.000 Baht zu erhöhen. Er ist noch kein Gesetz.

Das Gesetz nimmt bestimmte Personen aus:

  • Personen, die sich selbst behandeln;
  • Personen, die einem Patienten aus humanitärer Pflicht und ohne Bezahlung helfen (dies gilt nicht für Operationen, Bestrahlung oder Injektionen);
  • Studierende, die unter Aufsicht arbeiten;
  • befugtes Personal von Behörden und gemeinnützigen Einrichtungen;
  • bestimmte Fachkräfte, die nach anderen Gesundheitsgesetzen zugelassen sind, im Rahmen ihrer Zulassung;
  • befugte ausländische Fachleute.

Die Gerichte haben nicht eindeutig entschieden, ob ein Beitrag im Internet als Ausübung des ärztlichen Berufs nach Abschnitt 26 gilt. Am höchsten ist das Risiko bei Beiträgen, die bei einer namentlich genannten Person eine Diagnose stellen oder ihr sagen, was sie einnehmen soll.

Die meisten übersehen die Formulierung „oder sich als bereit zu dessen Ausübung darstellen“. Nach ihrem Wortlaut muss niemand zu Schaden kommen, damit sie greift. Auch muss kein Geld fließen.

Für Cannabiswerbung und Gesundheitsaussagen gelten eigene Regeln

Nach der Bekanntmachung über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568 des Gesundheitsministeriums ist Cannabisblüte ein kontrolliertes Kraut. Die Bekanntmachung wurde auf Grundlage des Gesetzes zum Schutz der traditionellen Thai-Medizin (Thai Traditional Medicine Protection Act) B.E. 2542 erlassen und gilt seit dem 26. Juni 2025. Die wichtigsten Regeln:

Presseberichte nennen unterschiedliche Strafen für den Verkauf ohne gültiges Rezept. Prüfen Sie den thailändischen Wortlaut in der Royal Gazette (dem amtlichen Gesetzblatt), bevor Sie sich auf eine Zahl verlassen.

Anmerkung der Übersetzung: Nach Abschnitt 78 des Gesetzes von 1999 wird der Verkauf eines kontrollierten Krauts ohne Lizenz (Abschnitt 46) mit bis zu 1 Jahr Freiheitsstrafe, einer Geldstrafe von bis zu 20.000 Baht oder beidem bestraft. Eine Strafe von „3 Monaten / 25.000 Baht“ steht nicht im Gesetz. Verlassen Sie sich also nicht auf diese Zahl, wenn Sie ihr begegnen.

Extrakte mit mehr als 0,2 % THC sind weiterhin Betäubungsmittel der Kategorie 5. Zwei Ministerialverordnungen aus dem Jahr B.E. 2569 haben 2026 die Lizenzvergabe verschärft. Sie werden in Thailands zwei Ministerialverordnungen von B.E. 2569 erklärt.

  • Die Verordnung über Cannabis- oder Hanfextrakte trat am 26. April 2026 in Kraft.
  • Die Verordnung über kontrollierte Kräuter (Nr. 2), die die Lizenzkriterien für Cannabisblüten verschärft, trat am 30. April 2026 in Kraft.

Die Regeln zum Rezept PT 33 stammen aus der oben beschriebenen Bekanntmachung B.E. 2568.

Anmerkung der Übersetzung: Der Entwurf des Cannabis-Kontrollgesetzes (Cannabis Control Act) ist noch kein Gesetz. Das Kabinett hat den Entwurf am 22. September 2026 gebilligt und an das Repräsentantenhaus weitergeleitet. Bis er verabschiedet ist, gelten die oben genannten Regeln. Der Entwurf wird in Der Entwurf des Cannabis-Kontrollgesetzes (Cannabis Control Act) erklärt.

Was das für einen einzelnen Beitrag bedeutet

Manche Beiträge enthalten eine Gesundheitsaussage und sagen den Lesern zugleich, wo sie das Produkt bekommen. Ein solcher Beitrag verstößt damit gegen mehrere Regelwerke auf einmal.

Ein Beitrag, der eindeutig medizinischen Rat gibt, bleibt medizinischer Rat, auch wenn Sie am Ende „Dies ist keine medizinische Beratung“ hinzufügen. Der Hinweis ändert nichts daran, was der Beitrag tut.

Der Schaden, von dem Sie nie erfahren

Es gibt auch ein moralisches Risiko, das kein Gesetz erfasst. Jemand könnte wegen Ihres Beitrags eine heilende Behandlung ablehnen. Niemand wird es Ihnen sagen, und Sie werden es nie erfahren. Aus diesem Schaden können Sie im Nachhinein nicht lernen. Abwägen können Sie ihn deshalb nur vor dem Posten.

Was Sie tun sollten, bevor Sie eine Gesundheitsfrage beantworten: Prüfen Sie, ob Ihr Beitrag einer bestimmten Person sagt, was sie einnehmen oder absetzen soll. Prüfen Sie außerdem, ob er sagt, wo man ein Produkt bekommt. Trifft eines davon zu, schreiben Sie den Beitrag um. Beschreiben Sie stattdessen Ihre eigene Erfahrung oder verlinken Sie die Studien und Belege.

Anmerkung der Übersetzung: Das oben beschriebene thailändische Recht gilt für Beiträge, die in Thailand und über Thailand verfasst werden. Andere Länder Südostasiens haben eigene Gesetze zur Ausübung der Medizin und zu Cannabis, die dieser Artikel nicht zusammenfasst. Wenn Sie aus einem anderen Land posten, lassen Sie Ihr örtliches Recht von einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen.

3. Was Sie posten sollten und was nicht

Die verbindlichen Regeln stehen in den Community-Richtlinien. Bei Gesundheitsfragen zeigt diese Tabelle allgemein bewährtes Vorgehen:

Darf gepostet werden Darf nicht gepostet werden
Ihre eigene Erfahrung, in der Vergangenheitsform und als Ihre eigene beschrieben Einem anderen Mitglied sagen, was es einnehmen oder absetzen soll
Links zu veröffentlichter Evidenz und eine Diskussion darüber, was sie zeigt Jemandem raten, eine Behandlung abzulehnen oder aufzuschieben
Was Ihnen eine verschreibende Ärztin oder ein verschreibender Arzt gesagt hat Bei anderen eine Diagnose stellen, ein Krankheitsstadium bestimmen oder Testergebnisse deuten
Jemanden ermutigen, mit dem onkologischen Team zu sprechen Anbieten, irgendjemandem irgendetwas zu beschaffen
Allgemeine Diskussion über Gesetze und Vorschriften Allgemeine Informationen als Rat für den Fall einer einzelnen Person darstellen

Manchmal postet jemand kurz nach einer Diagnose in großer Not. Hilfreich ist dann kein Behandlungsplan. Erkennen Sie an, was die Person gerade durchmacht. Ermutigen Sie sie dann, jede Frage an das Team zu richten, das sie behandelt, auch die Frage nach Cannabis.

Zum Beispiel: „Es tut mir leid, dass Sie das durchmachen müssen. Bitte fragen Sie Ihre Onkologin oder Ihren Onkologen direkt nach Cannabis. Sie kennen Ihre Krebserkrankung, deren Stadium und Ihre anderen Medikamente.“ Damit wimmeln Sie die Person nicht ab. Nur das behandelnde Team kann eine Antwort geben, die ihre tatsächliche Erkrankung, das Stadium und ihre Medikamente berücksichtigt.

Was Sie tun sollten: Speichern Sie die Tabelle oben. Prüfen Sie Ihre nächste Antwort auf eine Gesundheitsfrage daran, bevor Sie auf „Posten“ klicken.

4. Was Ärztinnen und Ärzte nach einer Ablehnung tun können

Eine Ablehnung beendet die Beziehung zwischen Arzt und Patient nicht. Symptomkontrolle, Palliativversorgung (eine Versorgung, die auf Wohlbefinden und Lebensqualität ausgerichtet ist) und regelmäßige Kontrolluntersuchungen bleiben möglich. Bieten Sie sie ausdrücklich an. Patienten nehmen oft an, dass sie mit der Ablehnung einer Behandlung jede Versorgung verlieren.

Der wichtigste praktische Schritt ist die Frage, was der Patient sonst noch einnimmt. Fragen Sie, ohne zu urteilen, und erklären Sie, warum Sie fragen. Patienten verschweigen, was sie einnehmen, weil sie eine ablehnende Reaktion erwarten.

Was verborgen bleibt, kann nicht auf Wechselwirkungen geprüft werden. Dazu gehören Wechselwirkungen mit:

  • Antikoagulanzien (blutverdünnenden Medikamenten);
  • Immuntherapie;
  • Medikamenten, die von denselben Leberenzymen abgebaut werden wie Cannabinoide. Wie das funktioniert, erklärt Cannabinoid-Pharmakokinetik.

Verschwiegene Produkte lassen sich auch nicht berücksichtigen, wenn ein Laborwert ohne klare Erklärung auffällig ist. Das Forenthema Arzneimittelwechselwirkungen: Die Liste für das Gespräch mit Ihrem Arzt hilft Patienten, eine vollständige Liste vorzubereiten.

Anmerkung der Übersetzung: Manche Patienten zählen Cannabisöl, pflanzliche Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel nicht zu den „Medikamenten“. Fragen Sie einzeln nach jedem davon und nennen Sie es dabei beim Namen. In Thailand gibt es legale Cannabisblüten nur mit einem Rezept PT 33. Ein Patient erwähnt deshalb vielleicht nur ungern Cannabis, das er auf anderem Weg bekommen hat. Sagen Sie ihm, dass die Frage seiner Sicherheit dient und nicht dazu, ihn anzuzeigen. Das kann seine Bereitschaft zu antworten erhöhen.

Was Sie als Ärztin oder Arzt tun sollten: Stellen Sie nach einer Ablehnung bei jedem Termin eine Frage: „Was nehmen Sie zurzeit ein, auch Öle, Kräuter und Nahrungsergänzungsmittel?“ Notieren Sie die Antwort. So können Sie Wechselwirkungen prüfen und unerwartete Ergebnisse erklären.


Ihre Erfahrung kann anderen Lesern helfen. Bitte teilen Sie sie unter diesem Thema.

  • Wenn Sie als Ärztin oder Arzt in Thailand oder anderswo in der Region dieses Gespräch mit einem Patienten geführt haben: Was hat das Gespräch leichter oder schwerer gemacht?
  • Wenn Sie als Patient oder pflegende Person vor dieser Entscheidung standen: Welche Information hat Ihnen damals am meisten gefehlt?

Bitte posten Sie nichts, wodurch eine andere Person erkannt werden könnte.

Nur allgemeine Informationen. Dies ist weder eine medizinische noch eine rechtliche Beratung. Die Rechtsvorschriften sind nach veröffentlichten Quellen mit Stand Oktober 2026 zusammengefasst und können sich ändern. Lassen Sie die aktuellen Anforderungen von einer qualifizierten Fachperson prüfen, bevor Sie sich darauf verlassen.

Weiterführende Beiträge auf Asiannabis

Quellen

  • Medical Profession Act B.E. 2525 (1982), Abschnitte 26 und 43 (Thailand).
  • Bekanntmachung über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568 des Gesundheitsministeriums, erlassen auf Grundlage des Thai Traditional Medicine Protection Act B.E. 2542; in Kraft seit 26. Juni 2025.
  • Thai Traditional Medicine Protection Act B.E. 2542 (1999), Abschnitte 46 und 78.
  • Ministerialverordnung über Cannabis- oder Hanfextrakte, B.E. 2569 (in Kraft seit 26. April 2026).
  • Ministerialverordnung über kontrollierte Kräuter (Nr. 2), B.E. 2569 (in Kraft seit 30. April 2026).
  • Declaration of Patient’s Rights and Duties, Medical Council of Thailand (Ärztekammer Thailands) und weitere Kammern der Gesundheitsberufe, 2015.