Dies ist die Einführung in den Bereich Lizenzen und Compliance. Die Redaktion des Forums hat sie selbst geschrieben. Sie ist keine Übersetzung einer externen Quelle.
In diesem Bereich geht es um die Formalitäten, die ein legales Cannabis-Geschäft mit sich bringt. Die Beiträge erklären, welche Lizenz für welche Tätigkeit gilt und was bei einer Kontrolle geprüft wird. Sie zeigen außerdem, wie eine Lizenz ausgesetzt oder widerrufen wird und welche Strafen Lizenzinhabern bei Fehlern drohen. Im Mittelpunkt steht die praktische Umsetzung: was Sie tun und welche Unterlagen Sie aufbewahren müssen. Rechtstheorie bleibt im Hintergrund.
Behandelt wird vor allem Thailand. Die Beiträge richten sich an lizenzierte Farmen, Shops und Verarbeitungsbetriebe. Wenn Sie zu Hause anbauen, prüfen Sie zuerst, ob Ihre Tätigkeit überhaupt eine Lizenz braucht. Für den Verkauf von Blüten brauchen Sie immer eine.
Die Regeln, die jetzt für Cannabisblüten gelten
Thailändische Gesetze werden nach der buddhistischen Zeitrechnung (B.E.) datiert. Ihre Jahreszahlen liegen um 543 über denen des westlichen Kalenders. B.E. 2568 entspricht 2025, B.E. 2569 entspricht 2026.
Die Cannabisblüte (ช่อดอกกัญชา) ist ein kontrolliertes Kraut. Das ist eine rechtliche Kategorie nach dem Gesetz zum Schutz der traditionellen thailändischen Medizin (Thai Traditional Medicine Protection Act) B.E. 2542 (1999). In diese Kategorie kamen Blüten durch die Bekanntmachung über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568 des Gesundheitsministeriums. Sie trat am 26. Juni 2025 in Kraft.
Die Bekanntmachung legt drei Regeln für alle fest, die Blüten abgeben:
- Blüten dürfen nur gegen ein Rezept auf dem Formular PT 33 abgegeben werden (ภ.ท.33, auch Phor Thor 33 geschrieben).
- Ein Rezept gilt für höchstens 30 Tage.
- Werbung für Blüten ist verboten. Auch der Online-Verkauf von Blüten ist verboten.
Eine zweite Regelung hat es schwerer gemacht, eine Lizenz zu bekommen. Die Ministerialverordnung über kontrollierte Kräuter (Nr. 2) B.E. 2569 hat die Voraussetzungen für eine Blütenlizenz verschärft. Sie trat am 30. April 2026 in Kraft.
Anmerkung der Übersetzung: Nach § 4 des Gesetzes von 1999 treten Ministerialverordnungen und Bekanntmachungen an dem Tag in Kraft, an dem sie im Königlichen Amtsblatt (Royal Gazette) veröffentlicht werden. Das Königliche Amtsblatt ist Thailands offizielles Verkündungsblatt für neue Gesetze. Deshalb gilt der 30. April 2026 als Datum und nicht der 1. Mai.
Was Sie tun sollten: Lesen Sie die neuen Lizenzkriterien und gleichen Sie sie Punkt für Punkt mit Ihrer Lizenz ab. Notieren Sie jede Bedingung, die Sie möglicherweise nicht mehr erfüllen. So sehen Sie, was Sie vor der nächsten Kontrolle oder Verlängerung beheben müssen. Laut der Behörde für traditionelle thailändische und alternative Medizin (Department of Thai Traditional and Alternative Medicine, DTAM) bleibt eine nach den früheren Regeln von 2016 erteilte Lizenz bis zu ihrem Ablauf gültig. Danach müssen Sie eine neue Lizenz nach den neuen Kriterien beantragen, wenn Sie weiterarbeiten wollen.
Anmerkung der Übersetzung: Für Extrakte gibt es eine eigene Verordnung. Die Ministerialverordnung über Cannabis- oder Hanfextrakte B.E. 2569 trat am 26. April 2026 in Kraft. Eine Lizenz für Extrakte mit mehr als 0,2 % THC können nur drei Gruppen erhalten. Die erste sind thailändische juristische Personen (eingetragene Unternehmen und vergleichbare Rechtsträger), die nach dem Gesetz über ausländische Geschäftstätigkeit (Foreign Business Act) B.E. 2542 nicht als „ausländisch“ gelten. Die beiden anderen sind staatliche Stellen und das Thailändische Rote Kreuz. Einzelheiten finden Sie unter Thailands zwei Ministerialverordnungen von B.E. 2569.
Anmerkung der Übersetzung: Der Entwurf des Cannabis-Kontrollgesetzes (Cannabis Control Act) ist noch kein geltendes Recht. Das Kabinett hat den Entwurf am 22. September 2026 gebilligt und an das Repräsentantenhaus weitergeleitet. Planen Sie Ihr Geschäft auf Grundlage der oben genannten Regeln, nicht auf Grundlage des Entwurfs. Den aktuellen Stand finden Sie unter Der Entwurf des Cannabis-Kontrollgesetzes (Cannabis Control Act).
Zwei Punkte, die Sie einplanen sollten
1. Ihre Lizenz gilt für einen Standort und bestimmte Tätigkeiten
Eine Lizenz nennt einen bestimmten Standort und die Tätigkeiten, die Sie dort ausüben dürfen. Ziehen Sie an einen neuen Standort, muss deshalb die Lizenz geändert werden. Dasselbe gilt, wenn Sie erweitern oder einen Arbeitsschritt hinzufügen, der nicht in der Lizenz steht. Behandeln Sie jeden dieser Fälle als Lizenzfrage, die Sie vorher klären, und nicht als gewöhnliche betriebliche Änderung.
Anmerkung der Übersetzung: Nach § 46 des Gesetzes von 1999 brauchen Forschung, Export, Verkauf und Verarbeitung eines kontrollierten Krauts jeweils eine eigene Lizenz. Wer eine dieser Tätigkeiten ohne Lizenz ausübt, riskiert bis zu 1 Jahr Haft, eine Geldstrafe von bis zu 20.000 Baht oder beides (§ 78).
Was Sie tun sollten: Legen Sie Ihre Lizenz neben einen Plan Ihres Standorts. Haken Sie jeden Raum ab, den Sie tatsächlich nutzen, und jede Tätigkeit, die Sie tatsächlich ausüben. Alles ohne Haken ist eine Lücke. Stellen Sie diese Tätigkeit entweder ein oder beantragen Sie eine Lizenzänderung, bevor ein Kontrolleur die Lücke findet.
Bevor Sie umziehen, erweitern oder einen Arbeitsschritt hinzufügen, wenden Sie sich an die zuständige Lizenzbehörde und lassen Sie sich die Änderung vorher genehmigen. In Bangkok ist das die DTAM. In den übrigen Provinzen ist es das Provinzgesundheitsamt (Provincial Public Health Office) der Provinz, in der Ihr Standort liegt.
2. Die meisten Verfahren beginnen bei Werbung und Aufzeichnungen
Die meisten Maßnahmen, mit denen Lizenzinhaber tatsächlich zu tun bekommen, beginnen bei Werbung oder bei der Dokumentation. Nur selten beginnen sie bei den Pflanzen. Gehen Sie Ihre Compliance-Arbeit deshalb in dieser Reihenfolge an.
Werbung. Prüfen Sie jede Seite, die Sie verwalten: Website, Facebook, LINE, TikTok, Instagram und Liefer-Apps. Löschen Sie jeden Beitrag, der für Blüten wirbt oder sie online zum Kauf anbietet. Der Grund ist einfach: Beides ist verboten, und eine Behörde kann einen öffentlichen Beitrag finden, ohne Ihren Standort zu besuchen. Was Sie posten dürfen und was nicht, lesen Sie unter Werbe- und Verkaufsregeln für Cannabis in Thailand.
Aufzeichnungen. Tragen Sie alles am selben Tag ein, nicht später aus dem Gedächtnis. Notieren Sie, was hereinkam, was hinausging und wer es erhalten hat. Bewahren Sie zu jedem Blütenverkauf eine Kopie des PT-33-Rezepts auf. So können Sie belegen, dass jeder Verkauf legal war. Welche Aufzeichnungen genau verlangt sind und wie lange Sie sie aufbewahren müssen, steht in Ihren Lizenzbedingungen. Bewahren Sie jede Aufzeichnung mindestens so lange auf.
Anmerkung der Übersetzung: In der thailändischen Regenzeit beschädigt die hohe Luftfeuchtigkeit Logbücher aus Papier. Stromausfälle können außerdem ein computer- oder tabletgestütztes System im falschen Moment lahmlegen. Fotografieren oder scannen Sie Ihre Logbücher und Rezepte jede Woche. Lagern Sie die Kopien außerhalb des Standorts. So kann eine einzige Überschwemmung oder ein Festplattendefekt nicht alle Ihre Aufzeichnungen vernichten.
Aussetzung, Widerruf und Strafen
Anmerkung der Übersetzung: Dies sind die wichtigsten Regeln im Gesetz von 1999 und in der dazugehörigen Lizenzverordnung.
- Aussetzung: Mit einer einzigen Anordnung kann eine Lizenz für bis zu 90 Tage ausgesetzt werden (§ 52).
- Weiterarbeiten trotz Aussetzung: Wer den Betrieb während einer Aussetzung weiterführt, riskiert bis zu 1 Jahr Haft, eine Geldstrafe von bis zu 20.000 Baht oder beides (§ 52 Abs. 2 und § 78).
- Widerruf: Wird Ihre Lizenz widerrufen, erhalten Sie zwei Jahre lang keine Lizenz nach diesem Gesetz. Danach liegt eine neue Lizenz im Ermessen der Lizenzbehörde (§ 54).
- Die Sperre trifft Personen, nicht nur das Unternehmen: Dieselbe zweijährige Sperre gilt für das Unternehmen und für seine Direktoren, Geschäftsführer und anderen verantwortlichen Personen. Das ergibt sich aus Ziffer 8(1)(e) der Ministerialverordnung über die Lizenzierung von Forschung, Export, Verkauf und Verarbeitung kontrollierter Kräuter B.E. 2559 (2016), Royal Gazette Bd. 133, Teil 103 Kor, 9. Dezember 2016. Eine neue Firma mit denselben Personen umgeht die Sperre nicht.
- Widerspruch: Sie können beim Ausschuss für den Schutz und die Förderung des Wissens der traditionellen thailändischen Medizin Widerspruch einlegen. Die Frist beträgt 30 Tage ab dem Tag, an dem Ihnen die Anordnung mitgeteilt wurde (§ 70). Ein Widerspruch hat keine aufschiebende Wirkung. Die Entscheidung des Ausschusses ist endgültig (§ 71).
- Eine Zahl, die Sie ignorieren sollten: Das Gesetz enthält keine Strafe von „3 Monaten / 25.000 Baht“. Wenn Sie diese Zahl im Internet sehen, ist sie falsch.
Was Sie tun sollten: Tragen Sie sich am Tag, an dem Sie eine Anordnung erhalten, die 30-tägige Widerspruchsfrist in den Kalender ein. Stellen Sie die ausgesetzte Tätigkeit dann sofort ein, auch wenn Sie Widerspruch einlegen wollen. Wer während des Widerspruchs weiterarbeitet, begeht eine eigene Straftat mit eigener Haft- und Geldstrafe.
Wo Sie anfangen sollten
- Aussetzung und Widerruf von Lizenzen in Thailand: Die vollständige Sanktionsübersicht für Inhaber einer Cannabis-Lizenz (Teil 1 von 2) listet alle Strafen an einer Stelle auf.
- An anderer Stelle im Forum, im Bereich Sicherheit und Regulierung: Eine Cannabis-Dispensary in Thailand betreiben, ohne die Lizenz zu verlieren.
Eine Checkliste für diese Woche:
- Gleichen Sie Ihre Lizenz mit Ihrem Standort und den Tätigkeiten ab, die Sie tatsächlich betreiben. So finden Sie Lücken, bevor eine Kontrolle sie findet.
- Prüfen Sie Ihre Lizenz anhand der Kriterien der Ministerialverordnung Nr. 2 B.E. 2569. So sehen Sie, was Sie vor der Verlängerung ändern müssen.
- Löschen Sie jeden Beitrag, der für Blüten wirbt oder sie online anbietet. Damit schließen Sie den häufigsten Weg, auf dem ein Verfahren beginnt.
- Bringen Sie Ihre Aufzeichnungen auf den neuesten Stand und legen Sie eine Sicherungskopie an. So können Sie belegen, dass jeder Verkauf legal war, auch nach einer Überschwemmung oder einem Stromausfall.
Wenn Sie unsicher sind, wie eine Regel für Ihre Farm oder Ihren Shop gilt, fragen Sie in einer Antwort unter diesem Beitrag. Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit und Ihre Provinz, aber lassen Sie Ihre Lizenznummer und persönliche Angaben weg.