Dieser Artikel richtet sich an Betriebe, die bereits thailändische Lizenzen für den Export von Cannabisblüten besitzen. Außerdem haben sie einen Laborbericht, der jeden Test bestanden hat. In Teil 1 ging es darum, wie Sie Ihr Geld erhalten: Banken, Währung und die thailändischen Devisenvorschriften. In Teil 2 geht es darum, wie die Ware zum Käufer kommt. Sie erfahren, welche Transitländer Sie meiden sollten und welche Handelsklauseln passen. Außerdem erfahren Sie, welche Fehler in den Dokumenten dazu führen, dass Sendungen festgehalten werden.
Die meisten Exporteure treffen diese Entscheidungen zu spät, nämlich erst nach der Vertragsunterzeichnung. Die Route bestimmt, welche Länder Ihre Fracht abfertigen. Die Handelsklausel bestimmt, wer die Ware im Zielland verzollen muss. Legen Sie beides fest, bevor Sie einen Preis anbieten.
Dies ist Teil 2. Teil 1: Getting Paid for a Licensed Cannabis Export from Thailand: Banks, Currency and Exchange-Control Rules (Part 1 of 2)
Die Rechtsgrundlage in Thailand
Cannabisblüten gelten als kontrolliertes Kraut nach der Bekanntmachung des Ministeriums für Öffentliche Gesundheit über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568. Diese Bekanntmachung ist seit dem 26. Juni 2025 in Kraft. Für den Export von Blüten brauchen Sie eine Genehmigung. Exportierte Blüten müssen von einer Anbaufläche stammen, die nach GACP zertifiziert ist. GACP steht für Gute Agrar- und Sammelpraxis (Good Agricultural and Collection Practice) und ist der Qualitätsstandard für Anbau und Ernte von Arzneipflanzen.
Das Cannabis-Kontrollgesetz (Cannabis Control Act) liegt bisher nur als Entwurf vor. Das Kabinett hat den Entwurf am 22. September 2026 gebilligt und an das Repräsentantenhaus weitergeleitet. Er ist noch kein geltendes Recht.
Für alles Folgende wird angenommen, dass Sie bereits alle nötigen Lizenzen besitzen. Das Export-Glossar des Forums erklärt die hier verwendeten Exportbegriffe.
1. Transitländer: ein Risiko, das nichts mit Ihrem Käufer zu tun hat
Geltungsbereich: Dieser Abschnitt betrifft nur lizenzierte gewerbliche Sendungen, die mit Export- und Importgenehmigungen befördert werden. Er ist keine Anleitung dafür, Cannabis als Reisender im Gepäck mitzuführen oder per Kurier zu versenden. Die Beschlagnahmezahlen in diesem Artikel betreffen illegale Schmuggelversuche, keine lizenzierten Sendungen.
Die Vorschriften eines Landes für kontrollierte Waren gelten auch für Waren, die nur durch dieses Land befördert und dort nie verkauft werden. Singapur zeigt, wie streng das sein kann.
Laut Singapore Customs muss der Umschlagsagent eine Umschlagsgenehmigung des Zolls einholen, bevor er den Umschlag organisiert. Umschlag (Transhipment) bedeutet, dass Waren von einem Schiff oder Flugzeug auf ein anderes umgeladen werden, ohne sie einzuführen. Ein Umschlag ohne Genehmigung ist eine Straftat nach Regulation 3(1) der Regulation of Imports and Exports Regulations von Singapur.
Bei einer ersten Verurteilung kann die Geldstrafe bis zu S$100.000 betragen oder das Dreifache des Warenwerts, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Das Gericht kann außerdem bis zu zwei Jahre Haft verhängen oder Geldstrafe und Haft zusammen. Quelle: Singapore Customs, „Transhipment Procedures Overview“ (https://www.customs.gov.sg/doing-business/transhipment-operations/transhipment-procedures/transhipment-procedures-overview/).
Auch der Misuse of Drugs Act von Singapur gilt für Ein- und Ausfuhr. Auf den Handel mit mehr als 500 g Cannabis kann die Todesstrafe stehen. Eine Freihandelszone ist ein Hafenbereich, der außerhalb des normalen Zollgebiets liegt. Die für diesen Artikel geprüften öffentlichen Quellen klären nicht, ob ein Umschlag über eine Freihandelszone in Singapur als „Einfuhr“ gilt. Weil das niemand sicher sagen kann, sollten Sie keine Fracht dorthin leiten, um es herauszufinden.
Drehkreuze, die Sie aufgrund ihrer Rechtslage und Strafverfolgung umgehen sollten: Singapur, Dubai und Abu Dhabi, Doha, Hongkong, Kuala Lumpur, Jakarta, die saudi-arabischen Drehkreuze und die Drehkreuze in Festlandchina.
Der Zoll von Hongkong veröffentlicht regelmäßig seine Beschlagnahmen bei Reisenden. So stellte er am 20. April 2026 etwa 10 kg mutmaßliche Cannabisblüten im Wert von etwa HK$2 Millionen sicher. Sie stammten von einem Reisenden, der aus Bangkok über Hanoi ankam (Hong Kong Customs seizes suspected cannabis buds worth about $2 million at airport (with photos)).
Luft- oder Seefracht ist nicht die entscheidende Frage. Fragen Sie stattdessen: Wie viele Länder berührt diese Sendung, und erhält jedes davon eine Kopie der Ausfuhrgenehmigung? Der internationale Vertrag, der diesen Handel regelt, ist das UN-Einheits-Übereinkommen über Suchtstoffe von 1961 (Single Convention on Narcotic Drugs). Sein Artikel 31 legt die Regeln für den Transit fest:
- Artikel 31(11): Ein Vertragsstaat darf Suchtstoffe, die für ein anderes Land bestimmt sind, nur dann durch sein Gebiet befördern lassen, wenn seinen Behörden eine Kopie der Ausfuhrgenehmigung vorgelegt wird.
- Artikel 31(12): Die Behörden des Transitlands müssen alle gebotenen Maßnahmen ergreifen, damit die Ware nicht für illegale Zwecke abgezweigt wird.
- Artikel 31(14): Diese Transitregeln gelten nicht, wenn sich die Sendung in einem Flugzeug befindet, das im Transitland nicht landet.
Für kontrollierte Waren ist eine einzige direkte Route besser als eine günstigere Route mit zwei Zwischenstopps.
Was Sie tun sollten: Lassen Sie sich vor der Buchung die vollständige Route von Ihrem Spediteur schriftlich geben. Der Spediteur ist das Unternehmen, das die Sendung für Sie bucht und abwickelt. Die Route muss jeden Flughafen und jeden Hafen nennen, an dem die Fracht landet oder den Frachtführer wechselt. Bestätigen Sie für jeden Halt, dass die dortigen Behörden eine Kopie der Ausfuhrgenehmigung erhalten. Liegt ein Halt auf der obigen Liste der Drehkreuze, verlangen Sie eine andere Route, auch wenn sie teurer ist. So stellen Sie sicher, dass kein Land unterwegs die Fracht als nicht angemeldete Drogen behandeln kann.
Anmerkung der Übersetzung: Viele günstige Luft- und Seerouten von Thailand nach Europa oder Australien führen über die oben genannten Drehkreuze. Gehen Sie nicht davon aus, dass Ihr Spediteur weiß, dass es sich um kontrollierte Ware handelt. Teilen Sie es ihm schriftlich mit. Fragen Sie nach Routenoptionen, bevor Sie mit dem Käufer einen Preis vereinbaren, denn eine direkte Route verändert Ihre Frachtkosten.
2. Handelsklauseln (Incoterms): warum „geliefert verzollt“ die falsche Wahl ist
Die Incoterms® 2020 sind die Standard-Handelsklauseln der ICC (Internationale Handelskammer). Jede Klausel legt fest, wer welche Kosten trägt und an welchem Punkt das Risiko vom Verkäufer auf den Käufer übergeht.
Bei DDP (Delivered Duty Paid, geliefert verzollt) trägt der Verkäufer alle Kosten und Risiken bis zum Bestimmungsort. Dazu gehören auch Einfuhrabfertigung, Zölle und Steuern. Bei DAP (Delivered at Place, geliefert benannter Ort) liefert der Verkäufer bis zum Bestimmungsort, die Einfuhrabfertigung übernimmt aber der Käufer.
Bei einer Sendung mit einem Stoff, der in einer Suchtstoffliste aufgeführt ist, stellt die Behörde des Ziellands die Einfuhrbescheinigung für den Importeur und auf den Namen des Importeurs aus. Ein thailändischer Exporteur kann in der EU oder in Australien nicht als Importeur (Importer of Record) einer kontrollierten Substanz auftreten. Der Importer of Record ist die Partei, die rechtlich für die Einfuhrabfertigung der Ware verantwortlich ist. Bei DDP würde der Verkäufer also etwas zusagen, das das Recht des Ziellands verbietet.
Passende Klauseln:
- CIP (Carriage and Insurance Paid To, frachtfrei versichert) oder CPT (Carriage Paid To, frachtfrei), wenn die Fracht mehr als ein Transportmittel nutzt. Das Risiko geht auf den Käufer über, sobald Sie die Ware dem ersten Frachtführer übergeben, und der Käufer übernimmt die Einfuhrabfertigung. Nach den Incoterms 2020 verlangt CIP eine Versicherung nach den Institute Cargo Clauses (A). Das ist die umfassendste Standarddeckung einer Transportversicherung.
- DAP, wenn der Käufer einen Lieferpreis bis zum Bestimmungsort möchte, die Einfuhrabfertigung aber selbst übernimmt.
Unpassende Klauseln:
- DDP, aus dem oben genannten Grund.
- EXW (Ex Works, ab Werk), weil diese Klausel die Ausfuhrformalitäten dem Käufer überlässt. Diese darf aber nur der thailändische Lizenzinhaber erledigen.
- FOB (frei an Bord), CFR (Kosten und Fracht) oder CIF (Kosten, Versicherung und Fracht) für Container- oder Luftfracht. Diese Klauseln sind für Waren gedacht, die direkt auf ein Schiff verladen werden. Container- und Luftfracht wird früher übergeben, nämlich an einem Terminal. Deshalb stimmt der vertragliche Risikoübergang nicht mit dem tatsächlichen Ablauf überein. Dieser Fehler ist im gesamten Handel verbreitet, nicht nur bei Cannabis.
Was Sie tun sollten: Bieten Sie zu CIP oder CPT an, oder zu DAP, wenn der Käufer einen Lieferpreis wünscht. Streichen Sie DDP und EXW aus Ihren Angebotsvorlagen und nennen Sie im Vertrag den Käufer als Importer of Record. So sagt jede Partei nur zu, was das Recht ihres eigenen Landes ihr erlaubt.
3. Zahlungs- und Transitfehler, die zum Festhalten von Sendungen führen
Im Einheits-Übereinkommen heißt die Exportgenehmigung „Ausfuhrgenehmigung“ (export authorisation). Die entsprechende Zustimmung des Einfuhrlands heißt „Einfuhrbescheinigung“ (import certificate).
- Keine Kopie der Ausfuhrgenehmigung reist mit der Ware. Artikel 31(6) verlangt eine Kopie bei jeder Sendung. Nach Artikel 31(10) sind Sendungen, die ohne Ausfuhrgenehmigung in ein Land gelangen oder es verlassen, „von den zuständigen Behörden zurückzuhalten“.
- Ein Transitland hat keine Kopie erhalten (Artikel 31(11)).
- Die Produktbeschreibung weicht ab zwischen Rechnung, Packliste, Luftfrachtbrief (dem Transportdokument für Luftfracht) und Genehmigung. Der Zoll gleicht diese Dokumente mit der Genehmigung ab. Banken prüfen dieselben Dokumente, bevor sie die Zahlung freigeben.
- Eine Menge, die über der in der Einfuhrbescheinigung genehmigten Menge liegt, oder ein Versand außerhalb der Gültigkeitsdauer einer der beiden Bescheinigungen. Das Übereinkommen selbst sagt nicht, dass eine Mehrmenge die ganze Sendung ungültig macht. Einfuhrbehörden lehnen solche Sendungen jedoch oft ab oder halten sie fest. Prüfen Sie die eigene Regelung des Ziellands.
Mehrere damit verbundene Prüfungen werden in anderen Forenthemen behandelt. Dazu gehört der Abgleich der Chargennummern mit dem Analysezertifikat (Wie man ein Cannabis-Analysezertifikat liest). Dazu gehören auch HS-Codes (die internationalen Zahlencodes, mit denen der Zoll Waren einordnet) und der Geltungsbereich des Pflanzengesundheitszeugnisses (phytosanitäres Zeugnis). Die vollständige Lizenzkette behandelt Der Exportweg, die Analytik Tests vor dem Export. Lagerung, Trocknung und Curing finden Sie in den Forenleitfäden zu Trocknung und Curing und zur Lagerung.
Wie häufig sind Beschlagnahmen? Die thailändische Zollbehörde (Customs Department) meldete zwischen dem 1. Oktober 2025 und dem 30. Juni 2026 insgesamt 3.309 Cannabis-Fälle. Beschlagnahmt wurden mehr als 37.210 kg, und fast alle Fälle waren Ausfuhrversuche. Quelle: Vietnam News Agency/VietnamPlus, 16. Juli 2026 (Thailand, UK step up cooperation to combat illegal cannabis smuggling).
Die Quelle sagt nicht, wie dieses Cannabis verschickt wurde. Es handelte sich aber um illegale Ausfuhrversuche, nicht um lizenzierte Sendungen. Die für diesen Artikel geprüften öffentlichen Quellen zeigen keine Beschlagnahme im Transit bei einer Sendung mit korrekten Dokumenten nach Artikel 31. Für legale Exporteure sind die Zahlen trotzdem wichtig. Der Zoll wird Sendungen aus Thailand wahrscheinlich genauer prüfen als dieselbe Ware aus anderen Herkunftsländern.
Was Sie tun sollten: Legen Sie vor jeder Sendung Rechnung, Packliste, Luftfrachtbrief und Ausfuhrgenehmigung nebeneinander. Prüfen Sie, ob Produktbeschreibung, Menge und Daten genau übereinstimmen. Prüfen Sie, ob die Menge die in der Einfuhrbescheinigung genehmigte Menge nicht überschreitet und ob beide Bescheinigungen am Versanddatum gültig sind. So finden Sie eine Abweichung selbst am Schreibtisch, bevor der Zoll oder die Bank sie findet.
Anmerkung der Übersetzung: Fracht aus Thailand wird genauer kontrolliert. Planen Sie deshalb zusätzliche Tage für die Kontrolle in den Liefertermin ein, den Sie dem Käufer zusagen. Planen Sie auch, wie die Blüten gelagert werden, falls die Sendung festgehalten wird. Tropische Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit in einem Lager können getrocknete Blüten beschädigen, bevor der Zoll sie freigibt.
Was ist bei einer Ihrer Sendungen tatsächlich schiefgelaufen: die Zahlung oder der Transport? Die oben genannten Fehlerquellen stammen aus den Vorschriften, nicht aus echten Fallakten. Ein einziger echter Bericht über eine festgehaltene Sendung, eine abgelehnte Überweisung oder ein gekündigtes Konto wäre mehr wert als diese ganze Liste. Teilen Sie Ihre Erfahrung oder stellen Sie Ihre Fragen bitte direkt unter diesem Thema.
Dieser Artikel dient als Referenz für Leser, die in ihrem eigenen Rechtsraum legal tätig sind. Er ist keine Rechts-, Bank-, Steuer-, Zoll- oder Finanzberatung. Nichts hier ist eine Empfehlung für eine bestimmte Bank, Zahlungsmethode oder Route. Devisenschwellen, die Einstufung von Drogen in den USA, Sanktionslagen und das Betäubungsmittelrecht ändern sich häufig. Mindestens eine der herangezogenen amtlichen Quellen war beim Verfassen dieses Artikels nicht mehr aktuell. Prüfen Sie vor Versand oder Rechnungsstellung jede Zahl mit Ihrer zugelassenen Devisenbank, Ihrem Spediteur und einem qualifizierten Rechtsanwalt.
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Quellen
- Singapore Customs, „Transhipment Procedures Overview“: https://www.customs.gov.sg/doing-business/transhipment-operations/transhipment-procedures/transhipment-procedures-overview/
- Singapur, Misuse of Drugs Act.
- Pressemitteilung der Regierung von Hongkong, 20. April 2026: Hong Kong Customs seizes suspected cannabis buds worth about $2 million at airport (with photos)
- Vereinte Nationen, Single Convention on Narcotic Drugs, 1961, Artikel 31.
- Internationale Handelskammer (International Chamber of Commerce), Incoterms® 2020.
- Vietnam News Agency/VietnamPlus, 16. Juli 2026: Thailand, UK step up cooperation to combat illegal cannabis smuggling