Kratom im tropischen Klima anbauen und ernten: thailändische Sorten, Boden, Trocknung, Lagerung und Forschungslücken (Teil 2 von 2)

Kratom (Mitragyna speciosa) ist ein tropischer Baum aus der Familie der Kaffeegewächse. Er stammt aus Südthailand und den Nachbarländern. Dieser Teil fasst zusammen, was über thailändische Kratom-Typen, Boden und Düngung, Ernte, Trocknung und Lagerung bekannt ist – und was nicht. Außerdem nennt er Forschungsfragen, die Grower in Thailand selbst beantworten könnten. Ergebnisse aus kontrollierten Studien werden dabei klar von gängiger Praxis getrennt, für die es keine veröffentlichten Belege gibt.

Wo dieser Leitfaden gilt (Stand: Oktober 2026). Kratom ist in Malaysia, Singapur, Vietnam und Myanmar verboten oder kontrolliert. Auch in mehreren anderen Ländern gelten Beschränkungen. Dieser Leitfaden richtet sich nur an Orte, an denen der Anbau von Kratom legal ist. In Thailand ist der Kratom Plant Act B.E. 2565 (2022) seit dem 27. August 2022 in Kraft. Für den Anbau zum Eigenbedarf brauchen Sie keine Lizenz. Einzelheiten finden Sie unter Kratom-Recht in Thailand seit 2021: Was Sie verkaufen dürfen, die Strafen, Nachbarländer und Prüfungen vor dem Export.

In diesem Leitfaden geht es um den Anbau des Baums, nicht um den Konsum. Nichts hier soll Sie dazu ermutigen, Kratom zu konsumieren.

Dies ist Teil 2. Teil 1: https://asiannabis.com/t/1484

Thailändische Sorten: noch keine Vergleichsdaten

Grower und Händler in Thailand benennen die lokalen Typen nach dem Aussehen des Blatts und seiner Blattadern:

  • ก้านแดง (Kan Daeng): rote Blattadern
  • ก้านเขียว (Kan Khiao): grüne Blattadern
  • หางกั้ง (Hang Kang, wörtlich „Fangschreckenkrebs-Schwanz“): benannt nach der gezackten Blattspitze

Die Kultivare (Sorten) in der US-Vermehrungsstudie von 2025 (siehe Teil 1) liefen unter US-Handelsnamen. Bei der Recherche für diesen Artikel fanden sich keine veröffentlichten kontrollierten Daten, die thailändische Typen vergleichen. Das gilt für die Bewurzelung, das Wachstum und das Alkaloidprofil. Aussagen, ein thailändischer Typ sei „stärker“ oder „einfacher“, beruhen auf überliefertem Wissen, nicht auf Messungen. Dies ist eine der deutlichsten Forschungslücken, die am Ende dieses Teils aufgeführt sind.

Anmerkung der Übersetzung: Ein Name, der sich auf das Aussehen des Blatts stützt, beweist nicht, aus welcher genetischen Linie eine Pflanze stammt. Wenn Sie Pflanzen oder Stecklinge kaufen, sehen Sie sich nach Möglichkeit den Mutterbaum an. Kennzeichnen Sie jeden Baum mit Typname, Herkunft und Pflanzdatum. Mit diesen Aufzeichnungen können Sie die Typen später auf Ihren eigenen Flächen vergleichen.

Boden, Wasser und Düngung: was sich nicht belegen ließ

Zu diesem Thema gibt es kaum veröffentlichte Daten. Es fanden sich keine kontrollierten Studien zum optimalen pH-Wert (Säuregrad) des Bodens für Kratom. Ebenso fehlen Studien zum Nährstoffbedarf, zur Reaktion auf Dünger, zum Bewässerungsplan und zum Pflanzabstand.

Eine thailändische Studie (Chongdi und Kollegen, International Journal of Plant Biology, 2025) verglich das Wachstum und die Blattmerkmale von Kratom im Süden, im Zentrum und im Nordosten Thailands. Mit Blattmerkmalen sind hier messbare Eigenschaften wie Blattdicke und Chlorophyllgehalt gemeint. Blattdicke und Chlorophyllgehalt unterschieden sich zwischen den Regionen nicht. Bäume im Nordosten hatten eine geringere Photosyntheseeffizienz. Ein Düngeprogramm liefert die Studie nicht.

Deshalb enthält dieser Leitfaden keinen Düngeplan. Eine N-P-K-Tabelle für Kratom würde zwar präzise aussehen, wäre aber erfunden. Wenn Sie einer erfundenen Tabelle folgen, kann Sie das eine ganze Saison kosten.

Einige Punkte lassen sich aus dem natürlichen Lebensraum der Pflanze ableiten, allerdings nicht aus Versuchen:

  • Kratom stammt aus feuchtem Tiefland, das einen Teil des Jahres oft überflutet ist. Daher ist es vermutlich nicht trockenheitstolerant. Mit Staunässe an den Wurzeln kommt es wahrscheinlich besser zurecht als die meisten Bäume.
  • Als Baum der unteren Baumschicht aus der Familie der Kaffeegewächse bevorzugt es vermutlich sauren Boden mit viel organischer Substanz, etwa im gleichen Bereich wie Kaffee.
  • Es ist eine mehrjährige Pflanze, die durch die Ernte jedes Jahr viel Blattmasse verliert. Daher braucht es über die Jahre regelmäßige Düngung, nicht nur eine einzige Gabe beim Pflanzen.

Betrachten Sie alle drei Punkte als Schlussfolgerungen aus dem Lebensraum der Pflanze, nicht als Messwerte. Wenn Sie in größerem Umfang pflanzen, sagen Ihnen eine Bodenanalyse und ein kleiner Versuchsblock mehr als alles, was bisher veröffentlicht wurde.

Anmerkung der Übersetzung: Fragen Sie in Thailand bei der örtlichen Station des Landentwicklungsamts (Land Development Department, กรมพัฒนาที่ดิน) nach einer Bodenanalyse. Wenn Kratom nicht trockenheitstolerant ist, planen Sie die Bewässerung für die Trockenzeit ein. Das gilt besonders für Gebiete mit langen Trockenmonaten wie den Nordosten. Verwenden Sie nur Düngemittel, die in Thailand legal registriert sind. Wie Sie das prüfen, erklärt das Forenthema Überprüfung, ob ein Düngemittel in Thailand legal ist. Für einen einfachen Versuch teilen Sie einen Block in zwei oder drei Düngestufen auf. Notieren Sie bei jeder Ernte den Blattertrag pro Baum, um zu sehen, welche Stufe sich lohnt.

Ernte und Trocknung: Hier entscheidet sich die Chemie des Blatts

Grower unterschätzen diesen Schritt oft. Der Grund ist ein Befund, der in Kratom (Mitragyna speciosa): Die Pflanze, ihre Alkaloide und was die Forschung über ihre Wirkungsweise zeigt ausführlicher erklärt wird.

Eine Studie aus dem Jahr 2022 in PLOS One testete junge Kratom-Pflanzen in Florida unter drei Lichtstufen (siehe Teil 1). Durchgeführt wurde sie von einem Team unter der Leitung von Zhang M. an der University of Florida. 7-Hydroxymitragynin (7-OH), ein Nebenalkaloid, ließ sich in keiner Versuchsvariante im lebenden Blatt nachweisen. Die Forschenden folgerten daraus, dass 7-OH erst nach der Ernte entsteht. Sie vermuten, dass es durch Oxidation von Mitragynin gebildet wird, also durch eine chemische Reaktion mit dem Sauerstoff der Luft.

Wenn sie recht haben, entscheidet die Trocknung nicht nur darüber, ob das Blatt gut bleibt oder verdirbt. Sie bestimmt möglicherweise teilweise die chemische Zusammensetzung des Blatts. Temperatur, Trocknungsdauer sowie Luft- und Lichtkontakt während der Trocknung beeinflussen vermutlich, wie viel Mitragynin zu 7-OH wird. Zwei Chargen von denselben Bäumen können chemisch unterschiedlich ausfallen, wenn sie unterschiedlich getrocknet werden.

Was das für verarbeitete Produkte bedeutet

Das ist auch wichtig, wenn Sie verarbeitete Produkte herstellen. Die Regeln der thailändischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (Thai FDA) für Nahrungsergänzungsmittel und Kräuterprodukte mit Kratom legen Tageshöchstmengen für Mitragynin fest. Laut thailändischen Medienberichten wurden diese Grenzwerte seit 2024 mehr als einmal geändert. Nach Angaben der Anwaltskanzlei Tilleke & Gibbins (2024) ist der Zusatz von 7-OH zu Nahrungsergänzungsmitteln nicht erlaubt. Prüfen Sie die aktuellen Regeln im Beitrag zum Kratom-Recht.

In jedem Fall ist der praktische Schritt derselbe: Lassen Sie jede fertige Charge in einem Labor testen. Gehen Sie nicht einfach von einem bestimmten Alkaloidgehalt aus.

Trocknungsmethode: überlieferte Praxis und ein lohnender Versuch

Zur optimalen Trocknungstemperatur oder -dauer im Hinblick auf den Alkaloidgehalt fanden sich keine kontrollierten Daten. In Südthailand werden die ganzen Blätter traditionell im Schatten getrocknet. Das entspricht dem Ziel, Hitze und Licht gering zu halten. Solange keine Daten vorliegen, ist die traditionelle Methode ein vernünftiger Ausgangspunkt.

Für alle, die in größerem Umfang produzieren, ist dies der wertvollste Versuch, den es gibt – und kaum jemand hat ihn bisher durchgeführt. Teilen Sie eine Ernte in gleich große Portionen und trocknen Sie jede auf andere Weise. Lassen Sie jede Portion im Labor testen. Danach wissen Sie etwas, das in der veröffentlichten Forschung bisher fehlt.

Anmerkung der Übersetzung: In der thailändischen Regenzeit liegt die Luftfeuchtigkeit draußen oft bei 85–95 %. Dann geht die Trocknung im Schatten nur langsam voran, und die Blätter können schimmeln. Verschimmelte Blätter sind sowohl ein Qualitäts- als auch ein Sicherheitsproblem. Trocknen Sie in dünnen Schichten auf Gestellen, unter einem Dach und mit Ventilatoren, die die Luft bewegen. Nutzen Sie einen Raum mit Luftentfeuchter, falls vorhanden. Das Forenthema Trocknung von Cannabis bei 85–95 % Umgebungsluftfeuchtigkeit behandelt dasselbe Problem für Cannabis. Für Alkaloidtests fragen Sie andere Grower im Forenbereich B2B Services, welche Labore in Thailand sie nutzen. Teilen Sie für einen ersten Versuch eine Ernte in zwei Portionen, zum Beispiel Schattengestell und Raum mit Ventilator. Notieren Sie für jede Portion Temperatur und Trocknungsstunden und lassen Sie dann beide testen.

Blattalter bei der Ernte

Die PLOS One-Studie lief von September bis Dezember 2018. Sie hat nicht untersucht, ob das Blattalter den Alkaloidgehalt verändert. Weitere kontrollierte Daten fanden sich nicht. Gängige Praxis ist, reife Blätter zu pflücken und den jungen Austrieb am Baum zu lassen. Für die Gesundheit des Baums ist das in jedem Fall sinnvoll. Notieren Sie bei jeder Ernte, welche Blätter Sie pflücken. So können Sie spätere Laborergebnisse dem Blattalter zuordnen.

Lagerung

Falls 7-OH durch Oxidation entsteht, setzt die Lagerung die chemischen Vorgänge fort, die bei der Trocknung begonnen haben. Naheliegend ist, die Blätter kühl, dunkel, trocken und luftdicht verschlossen zu lagern. Ob und wie stark sich das auswirkt, ist bisher nicht durch Daten belegt. Versehen Sie jede Charge mit einem Datum.

Anmerkung der Übersetzung: In normalen Räumen in Thailand können getrocknete Blätter schnell wieder Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen. Verwenden Sie luftdichte Behälter mit lebensmittelechten Trockenmittelbeuteln und halten Sie sie von Sonnenlicht fern. Beschriften Sie jeden Behälter mit Erntedatum, Trocknungsmethode und Herkunftsbaum oder Typ. Fällt eine Charge später im Test anders aus, zeigt Ihnen das Etikett, was sich geändert hat.

Offene Forschungsfragen

Thailand hat einen rechtlichen Rahmen für den Kratom-Anbau und geeignete Anbaubedingungen. Es gibt außerdem Landwirte mit generationenlanger Erfahrung und Universitäten, die diese Forschung leisten können. Die offenen Fragen sind einfach:

  • Wie sich thailändische Typen (ก้านแดง, ก้านเขียว, หางกั้ง) unter Standardbedingungen im Alkaloidprofil und in der Bewurzelung unterscheiden
  • Wie die Trocknungsmethode den endgültigen Alkaloidgehalt beeinflusst
  • Wie das Blattalter bei der Ernte den Alkaloidgehalt beeinflusst
  • Wie Kratom auf Dünger reagiert und welche Bodenbedingungen am besten passen
  • Welche Schattenstufe für ausgewachsene Bäume auf thailändischen Feldern am besten ist, über die drei bereits getesteten Lichtstufen hinaus

Jede einzelne dieser Fragen zu beantworten, würde neues Wissen schaffen. Wer einen sorgfältigen Versuch mit Laboranalyse durchführt, leistet Arbeit, die bisher niemand veröffentlicht hat. Wenn Sie einen solchen Versuch durchführen, posten Sie Ihre Methode und Ihre Ergebnisse unter diesem Thema, damit andere Grower vergleichen können.


Quellen: Zhang M, Sharma A, León F, Avery B, Kjelgren R, McCurdy CR, Pearson BJ. „Plant growth and phytoactive alkaloid synthesis in kratom [Mitragyna speciosa (Korth.)] in response to varying radiance.“ PLOS One 2022;17(4):e0259326. doi:10.1371/journal.pone.0259326; Zhang M, Montanez C, Pearson BJ, Li Y, Chen J. „Aeroponics enables consistent cutting propagation of kratom (Mitragyna speciosa): impacts of photoperiod, cultivar, and rooting hormone.“ Frontiers in Plant Science 2025;16. doi:10.3389/fpls.2025.1650327 (die Korrektur doi:10.3389/fpls.2025.1697035 ändert nur Abbildungen); Kratom Plant Act B.E. 2565 (2022), veröffentlicht in der Royal Thai Government Gazette am 26. August 2022, in Kraft seit 27. August 2022; Tilleke & Gibbins, „Thailand’s New Legal Framework for Kratom“ (2022) und „Thailand’s Updated Guidelines on Kratom in Food and Herbal Products“ (2024).


Weiterführende Beiträge auf Asiannabis

Fragen zum Anbau, zur Trocknung oder zur Lagerung von Kratom in Thailand sind unter diesem Thema willkommen.