Wie die Vereinigten Staaten 1937 Industriehanf verboten: Die Hearst–DuPont–Mellon-Verschwörungstheorie im Abgleich mit den Dokumenten (Teil 2 von 2)

Einer verbreiteten Geschichte zufolge haben ein Zeitungsverleger, ein Chemiekonzern und ein Bankier 1937 dafür gesorgt, dass Hanf in den Vereinigten Staaten verboten wurde. Dieser Teil prüft jede Behauptung dieser Geschichte anhand der Dokumente. Dazu gehören die Anhörungen von 1937, Patentunterlagen, eine Biografie des Zeitungsverlegers und ein Artikel aus Popular Mechanics von 1938. Außerdem geht es darum, was Historiker als die tatsächlichen Ursachen sehen. Zuletzt behandelt der Teil das Hanfprogramm, mit dem die US-Regierung 1942 im Krieg wieder Hanf anbauen ließ.

Es geht um den Marihuana Tax Act von 1937. Präsident Franklin D. Roosevelt unterzeichnete das Gesetz am 2. August 1937, in Kraft trat es am 1. Oktober 1937. Es verbot Cannabis nicht direkt. Stattdessen schrieb es eine Registrierung vor. Wer außerhalb des registrierten Systems handelte, musste sehr hohe Steuern zahlen. Dadurch war legaler Handel in der Praxis kaum noch möglich.

Dies ist US-amerikanische Rechtsgeschichte aus dem Jahr 1937. Sie ist kein thailändisches Recht und gilt in Thailand nicht. Die thailändischen Regeln sind unten in Abschnitt 8 zusammengefasst.

Dies ist Teil 2. Teil 1: https://asiannabis.com/t/1469

4. Die Verschwörungstheorie, Behauptung für Behauptung

In der Cannabis-Literatur wird meist die Hearst–DuPont–Mellon-Theorie erzählt. Bekannt gemacht hat sie der US-amerikanische Cannabis-Aktivist Jack Herer mit seinem Buch The Emperor Wears No Clothes (Erstausgabe 1985).

In der Geschichte kommen diese Personen vor:

  • William Randolph Hearst, Eigentümer einer großen US-Zeitungskette;
  • DuPont, der US-Chemiekonzern, der Nylon entwickelt hat;
  • Andrew Mellon, ein Bankier, der bis 1932 das US-Finanzministerium geleitet hatte;
  • Harry J. Anslinger, Leiter des Federal Bureau of Narcotics (FBN). Die US-Drogenbehörde trieb das Gesetz voran.

Die Theorie lautet ungefähr so:

  • Hearst besaß Holz- und Zeitungspapierbetriebe. Billiges Hanfpapier bedrohte sie.
  • DuPont hatte gerade Nylon patentiert und wollte die Hanffaser als Konkurrenz loswerden.
  • Mellon war DuPonts Bankier und durch Heirat mit Anslinger verwandt.
  • Ein neuer Dekortikator sollte die Verarbeitung von Hanf bald billig machen. Ein Dekortikator ist eine Maschine, die die Faser vom holzigen Kern des Stängels trennt.
  • Hearsts Zeitungen führten eine rassistische Angstkampagne, und darauf folgte das Gesetz.

So schneiden die einzelnen Behauptungen im Vergleich mit den Dokumenten ab.

Behauptung Bewertung Was die Dokumente zeigen
Hearsts Zeitungen brachten reißerische Artikel gegen Marihuana Belegt Das bestreiten nicht einmal die Kritiker der Theorie. Ein Großteil der US-Presse tat dasselbe. Eine oft zitierte Schlagzeile, „Murder Weed Found Up and Down Coast“ („Mörder-Kraut an der ganzen Küste gefunden“), soll aus dem Januar 1933 stammen. Niemand konnte sie einer bestimmten Zeitung und einem bestimmten Datum zuordnen. Betrachten Sie diesen Wortlaut deshalb als unbestätigt
Das Wort „marihuana“ verschleierte, worum es sich medizinisch handelte Im Ergebnis belegt Woodward, der Jurist der American Medical Association (des US-Ärzteverbands), sagte vor dem Ausschuss aus, die Ärzte hätten erst spät von dem Gesetzentwurf erfahren. Ein Grund war der ungewohnte Name (Teil 1, Abschnitt 3)
Das FBN hatte eigene Gründe, das Gesetz zu wollen Belegt Das FBN wurde 1930 gegründet. In der Weltwirtschaftskrise drohten ihm Haushaltskürzungen, und es wollte mehr Zuständigkeiten
Das Gesetz beendete den kommerziellen Hanfanbau in den USA Übertrieben Der Hanfanbau ging schon lange vor 1937 zurück. Das Gesetz brachte zusätzlich Steuern und Papierkram. Im Krieg wurde ab 1942 wieder produziert (Abschnitt 9), nach dem Krieg ging die Produktion erneut zurück
Hearst wollte sein Geschäft schützen Nicht belegt Hearsts Zeitungen kauften Zeitungspapier (das Papier, auf dem Zeitungen gedruckt werden), sie stellten es nicht her. In den 1930er-Jahren waren sie stark auf Zeitungspapier aus Kanada angewiesen. Billigeres Hanfpapier hätte Hearsts Kosten gesenkt und ihn nicht bedroht
DuPont musste Hanf loswerden, um Platz für Nylon zu schaffen Nicht belegt Wallace Carothers, der DuPont-Chemiker, der Nylon entwickelte, reichte ab 1935 Patentanmeldungen ein, zum Beispiel US 2,130,523, angemeldet am 2. Januar 1935. Die Patente wurden 1937–38 erteilt. US 2,130,523 und US 2,130,948 wurden beide am 20. September 1938 erteilt. Kein Dokument zeigt, dass DuPont das Gesetz mitformuliert oder dafür Lobbyarbeit gemacht hat. Der erste große Markt für Nylon waren Damenstrümpfe. Dort konkurrierte Nylon vor allem mit Seide, nicht mit Hanf
Ein neuer Dekortikator sollte die Wirtschaftlichkeit von Hanf bald verändern In dieser Form nicht belegt George Schlichten baute in den 1910er-Jahren eine Maschine. Bis zu seinem Tod 1923 wurde sie nie im kommerziellen Maßstab eingesetzt. Die neueren Maschinen der 1930er-Jahre, die 1938 beschrieben wurden, hatten sich wirtschaftlich noch nicht bewährt (Abschnitt 5)
Mellon steckte dahinter Familiäre Verbindung: belegt. Motiv als Bankier: keine Belege Anslingers Frau, Martha Denniston, war Mellons Nichte. Kein Dokument verbindet Mellons Bankinteressen mit dem Gesetz. Mellon hatte das Finanzministerium bereits 1932 verlassen
Der Popular Mechanics-Artikel von 1938 zeigt, was verloren ging Kein Beleg für ein Motiv Der Artikel erschien im Februar 1938, also nach dem Gesetz. Herers Seite sagt, er sei im Frühjahr 1937 geschrieben worden, bevor das Gesetz verabschiedet wurde. Trotzdem gibt es keinen Hinweis, dass die Verfasser oder Unterstützer des Gesetzes ihn gelesen, gefürchtet oder darauf reagiert haben (Abschnitt 5)

Es zeigt sich ein klares Muster. Belegt sind die Behauptungen über die reißerische Presse, die Wahl des Wortes „marihuana“ und die Eigeninteressen des FBN. Nicht belegt sind die Behauptungen über wirtschaftliche Motive.

Wenn Sie in einem Beitrag oder Video auf eine dieser Behauptungen stoßen, suchen Sie die passende Zeile in dieser Tabelle. Bitten Sie dann um das Originaldokument dazu, etwa die Zeitung mit Datum, die Patentnummer oder das Anhörungsprotokoll.

5. Der Popular Mechanics-Artikel vom Februar 1938

Der Artikel „New Billion-Dollar Crop“ („Neue Milliarden-Dollar-Nutzpflanze“) erschien im Februar 1938 in Popular Mechanics. Hanf-Aktivisten zitieren ihn häufiger als jedes andere Dokument. Popular Mechanics war ein Technikmagazin für ein breites Publikum, keine Kampagnenzeitschrift. Deshalb zeigt der Artikel gut, wie die Technikpresse Hanf damals sah.

Was der Artikel sagt

  • Ein neu erhältlicher Dekortikator könne die Faser maschinell vom Stängel trennen. Laut Artikel würde das Hanf profitabel machen.
  • Der holzige Rest, der nach dem Entfernen der Faser übrig bleibt, besteht zu mehr als 77 % aus Zellulose. Zellulose ist der Hauptbestandteil pflanzlicher Zellwände und der Rohstoff für Papier.
  • Aus dieser Zellulose ließen sich mehr als 25.000 Produkte herstellen, „von Dynamit bis Cellophan“. Cellophan ist eine durchsichtige Folie aus Zellulose.
  • Nach einer Schätzung der Regierung liefern 10.000 Acres Hanf (etwa 25.000 Rai) so viel Papier wie 40.000 Acres (etwa 100.000 Rai) durchschnittlicher Waldfläche, auf der Holz für die Papierherstellung gewonnen wird.
  • Die Kultur könne den amerikanischen Landwirten mehrere hundert Millionen Dollar im Jahr einbringen.
  • Der Artikel spricht auch die Drogenfrage direkt an. Er erwähnt, dass die weibliche Blüte ein Rauschmittel enthält, und deutet an, dass die Sorge darüber übertrieben sei.

Die Frage des Datums

Das Gesetz wurde am 2. August 1937 unterzeichnet und trat am 1. Oktober 1937 in Kraft. Der Artikel erschien etwa sechs Monate später. Herer und andere Hanf-Aktivisten halten dagegen, er sei im Frühjahr 1937 geschrieben worden, also vor dem Gesetz, und erst später gedruckt worden. Das kann stimmen. Trotzdem ist der Artikel aus zwei Gründen kein Beleg für ein Motiv.

Erstens beweist eine Prognose in einem Technikmagazin nicht, dass ein Zeitungsverleger, ein Chemiekonzern oder ein Gesetzgeber Hanf als Bedrohung sah. Kein Dokument verbindet diesen Artikel oder die darin beschriebenen Maschinen mit den Personen, die das Gesetz geschrieben oder vorangetrieben haben.

Zweitens wussten die Autoren des Artikels von der neuen Regelung. Der Artikel endet mit der Hoffnung, dass „Bundesvorschriften so gefasst werden können, dass sie die Öffentlichkeit schützen, ohne den legitimen Hanfanbau zu verhindern“. Das klingt nach einer Reaktion auf das neue Steuersystem, nicht nach einer Warnung vor einem geheimen Komplott.

Was der Artikel beweist und was nicht

Für eines ist der Artikel ein guter Beleg: Gut informierte Beobachter erwarteten 1937–38 noch, dass Hanf als Industriepflanze an Bedeutung gewinnen würde.

Mehrere seiner Aussagen haben sich nicht bestätigt:

  • Die Zahl von „25.000 Produkten“ ist eigentlich eine Aussage über Zellulose als Rohstoff. Diese Produkte ließen sich aus jeder Zellulosequelle herstellen, nicht nur aus Hanf.
  • Der Papiervergleich ist eine aus zweiter Hand übernommene Schätzung der Regierung, keine Feldstudie zu Erträgen.
  • Die Dekortikatoren hatten sich beim Erscheinen des Artikels wirtschaftlich noch nicht bewährt.
  • Im Krieg verarbeiteten Fabriken Hanffasern tatsächlich in großem Umfang. Nach dem Krieg konnte die Branche aber nicht mit anderen Fasern mithalten.

Lesen Sie den Artikel vollständig, er ist kurz. Wenn Sie ihn zitieren, beschreiben Sie ihn als Zeugnis dafür, was man damals erwartete. Stellen Sie ihn nicht als technische Autorität dar und auch nicht als Beweis, dass Hanf absichtlich unterdrückt wurde.

6. Was laut Historikern das Gesetz tatsächlich verursacht hat

Die wichtigsten historischen Darstellungen stammen von David Musto, Autor von The American Disease (1973), sowie von Richard Bonnie und Charles Whitebread, Autoren von The Marihuana Conviction (1974). Sie erklären das Gesetz mit mehreren Ursachen. Keine davon ist eine Verschwörung aus der Wirtschaft.

  • Rassistische Vorurteile und moralische Panik, vor allem gegen mexikanische und Schwarze Amerikaner. Sie hatten sich in den zwei Jahrzehnten vor 1937 in lokalen Gesetzen und Zeitungen aufgebaut (siehe Teil 1, Abschnitt 2). Diese Ursache ist durch die Dokumente am stärksten belegt.
  • Die Eigeninteressen der Behörde. Das FBN wurde 1930 gegründet. In der Weltwirtschaftskrise drohten ihm Haushaltskürzungen, und es wollte mehr Zuständigkeiten. Die Kontrolle über Cannabis auf Bundesebene verschaffte ihm diese.
  • Echte, aber falsch begründete Sorge um die öffentliche Gesundheit. Damals wusste man sehr wenig darüber, wie die Pflanze auf den Körper wirkt.
  • Gruppen für moralische Reformen, ähnlich denen, die das Alkoholverbot (Prohibition) unterstützt hatten. Einige Darstellungen nennen sie. Ihre Rolle beim Gesetz von 1937 selbst ist schlechter dokumentiert als die der ersten drei Ursachen.

Wenn Sie darüber schreiben, warum Cannabis verboten wurde, gehen Sie von diesen vier Ursachen aus. Gewichten Sie die erste am stärksten, weil sie durch die Dokumente am besten belegt ist.

7. Warum sich die Verschwörungsversion immer weiter verbreitet

Eine Verschwörung lässt sich leichter als Geschichte erzählen. Es gibt Schurken, ein Motiv und einen Moment, in dem die Entscheidung fiel. Die belegten Ursachen verteilen sich dagegen auf viele Beteiligte: eine Behörde, die mehr Einfluss wollte, ein damals weit verbreiteter Rassismus, Aktivisten mit moralischen Anliegen und Gesetzgeber, die kaum genau hinsahen. Viele schädliche Gesetze entstehen auf diese Weise, und das ist als Geschichte viel schwerer zu erzählen.

Wer über Cannabis schreibt, hat auch einen praktischen Grund, die Verschwörungsversion zu meiden. Ihre Hauptaussagen lassen sich überprüfen, und die Dokumente stützen sie nicht. Jedes Mal, wenn jemand sie wiederholt und korrigiert wird, vertrauen Leser auch anderen Texten über Cannabis weniger.

Die dokumentierte Geschichte zeigt auch ohne zusätzliche Dramatik schwere Versäumnisse:

  • Das Finanzministerium entwarf das Gesetz, und der Leiter der Behörde, die es durchsetzen sollte, brachte es durch.
  • Der Kongress setzte sich über den auf Fakten gestützten Einwand eines Ärzteverbands hinweg.
  • Es dauerte 32 Jahre, von 1937 bis 1969, bis Gerichte das Gesetz für verfassungswidrig erklärten.

Bevor Sie eine historische Behauptung über Cannabis teilen, suchen Sie das Originaldokument dazu. Wenn Sie es nicht finden, kennzeichnen Sie die Behauptung in Ihrem Beitrag als „unbestätigt“.

8. Was dieser Artikel nicht ist

Er ist keine Verteidigung des Gesetzes von 1937. Nach jedem heutigen Maßstab war das Verfahren schlecht und die Beweislage noch schlechter. Woodwards Einwände waren gut begründet, und der Kongress setzte sich über sie hinweg.

Er ist kein thailändisches Recht. Nichts aus der US-Gesetzgebungsgeschichte ändert etwas daran, was in Thailand erlaubt ist. In Thailand gilt:

  • Cannabisblüte ist ein kontrolliertes Kraut nach der Bekanntmachung des Ministeriums für öffentliche Gesundheit über kontrollierte Kräuter (Cannabis) B.E. 2568. Die Bekanntmachung wurde auf Grundlage des Gesetzes zum Schutz der traditionellen Thai-Medizin (Thai Traditional Medicine Protection Act) B.E. 2542 erlassen und gilt seit dem 26. Juni 2025.
  • Blüten dürfen nur auf Rezept mit dem Formular PT 33 (ภ.ท.33) und höchstens in einer Menge für 30 Tage verkauft werden. Werbung für Blüten und ihr Verkauf im Internet sind verboten.
  • Zwei Ministerialverordnungen von B.E. 2569 haben 2026 die Lizenzvergabe verschärft. Die Ministerialverordnung über Cannabis- oder Hanfextrakte trat am 26. April 2026 in Kraft. Lizenzen für Extrakte mit mehr als 0,2 % THC erhalten danach nur drei Gruppen:
    • thailändische juristische Personen, die nach dem Gesetz über ausländische Geschäftstätigkeit (Foreign Business Act) B.E. 2542 nicht als „ausländisch“ gelten;
    • staatliche Stellen;
    • das Thailändische Rote Kreuz.
  • Die Ministerialverordnung über kontrollierte Kräuter (Nr. 2) trat am 30. April 2026 in Kraft. Sie verschärft die Lizenzkriterien für Cannabisblüten.
  • Das Cannabis-Kontrollgesetz (Cannabis Control Act) ist noch ein Entwurf. Das Kabinett hat ihn am 22. September 2026 gebilligt und an das Repräsentantenhaus weitergeleitet.

Bevor Sie nach einer Regel handeln, prüfen Sie den aktuellen Stand unter Thailands Cannabis-Regeln 2022 bis 2026.

9. 1942: Hemp for Victory und die Kehrtwende der Regierung

Fünf Jahre nach dem Gesetz brauchten die Vereinigten Staaten wieder Hanf. Japan besetzte die Philippinen und schnitt damit die Versorgung mit Abacá ab, auch „Manilahanf“ genannt. Abacá war die wichtigste Faser für Schiffstaue.

Das Gesetz blieb in Kraft. Die Regierung registrierte die Anbauer im Krieg nach genau diesem Gesetz. Sie führte ein Produktionsprogramm über die Commodity Credit Corporation, eine US-Regierungsbehörde für Agrarprodukte, und über die War Hemp Industries, Inc. durch. Die Anbauer wurden für Saatgut und Fasern bezahlt. Die Produktion erreichte 1943–44 ihren Höhepunkt.

Das Ziel für 1943 lag bei etwa 300.000 Acres (etwa 760.000 Rai). In den Jahren davor war die Kultur auf etwa 13.000 Acres (etwa 33.000 Rai) oder weniger angebaut worden. Die tatsächlich angebaute und geerntete Fläche lag unter dem Ziel, und die Quellen nennen unterschiedliche Zahlen. In der Cannabis-Literatur werden oft zwei weitere Zahlen zitiert: „400.000 Pfund Saatgut“ (etwa 180 Tonnen) und „42.000 Tonnen Fasern pro Jahr“. Beide stammen aus Herers Buch und sind nicht überprüft.

Der Film

Um Landwirte zu gewinnen, drehte das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) 1942 den Kurzfilm Hemp for Victory. Es ist ein gewöhnlicher Schulungsfilm für Landwirte. Er erklärt, warum die Kultur wichtig war und wie man sie anbaut und erntet. Er zeigt auch die Röste: Dabei lässt man geschnittene Stängel im Wasser oder auf dem Feld liegen, damit Mikroorganismen die Faser vom holzigen Kern lösen. Der Film ist heute gemeinfrei, jeder darf ihn also kopieren und vorführen.

Später erhielten Menschen, die nach dem Film fragten, von der USDA-Bibliothek und der Library of Congress (der Nationalbibliothek der USA) die Auskunft, einen solchen Film gebe es nicht. Nach der häufig zitierten Darstellung wurden der Library of Congress am 19. Mai 1989 zwei VHS-Kopien übergeben. Die Spender waren Maria Farrow, Carl Packard und Jack Herer. Für die Behauptung, der Film sei absichtlich aus den offiziellen Unterlagen gelöscht worden, gibt es keine Belege. Die Lücke erklärt sich durch schlechte Katalogisierung, eine Vertuschung braucht es dafür nicht.

Was das Kriegsprogramm zeigt

Diese Episode stützt die Schlussfolgerung der Historiker aus Abschnitt 6. Als die Faser für den Krieg gebraucht wurde, umging die Regierung ihr eigenes Steuersystem, um sie anbauen zu lassen. Das spricht dafür, dass das Gesetz nie auf die Faser abzielte.

Nach dem Krieg ging die Produktion wieder zurück. Abacá war wieder erhältlich, und synthetische Fasern kamen in großen Mengen auf den Markt. Die Regierung kaufte nicht mehr die gesamte Ernte auf. Ohne Abnehmer und Verarbeitungskapazität hörten die Landwirte auf, Hanf anzubauen.

Anmerkung der Übersetzung: Der US-Hanfanbau brach zusammen, weil der garantierte Abnehmer wegfiel, nicht wegen eines Komplotts. Wenn Sie in Thailand Hanf für Fasern oder Saatgut anbauen wollen, prüfen Sie zuerst die Lizenzregeln (Hanf und Cannabis mit hohem THC-Gehalt: Wo das thailändische Recht die Grenze zieht). Lassen Sie sich vor der Aussaat von einem Abnehmer schriftlich zusichern, dass er die Ernte kauft. Klären Sie, wo Ihre Stängel oder Ihr Saatgut verarbeitet werden. Beginnen Sie mit einer kleinen Fläche für eine Saison. So sehen Sie Ihre tatsächlichen Kosten und Erträge, bevor Sie vergrößern. Der Leitfaden zum Hanfanbau erklärt, was den Ertrag auf dem Feld bestimmt.

Wenn Herers Darstellung Sie überzeugt hat, posten Sie die Behauptung, die Sie überzeugt hat, unter diesem Thema. Andere Mitglieder können helfen, sie bis zur Originalquelle zurückzuverfolgen. Einige seiner Behauptungen sind tatsächlich belegt, deshalb lohnt es sich, sie einzeln zu prüfen.


Quellen

  • Taxation of Marihuana: Anhörungen vor dem Committee on Ways and Means (Steuer- und Haushaltsausschuss) des Repräsentantenhauses, 75. Kongress, 1. Sitzungsperiode, zu H.R. 6385, 27.–30. April und 4. Mai 1937 (enthält die Aussagen von Dr. William C. Woodward und H. J. Anslinger).
  • US-Senat, Committee on Finance (Finanzausschuss), Bericht Nr. 900, 75. Kongress (1937), zu H.R. 6906: https://www.finance.senate.gov/imo/media/doc/75-900Rpt.pdf
  • Leary v. United States, 395 U.S. 6 (1969).
  • Richard J. Bonnie und Charles H. Whitebread II, The Marihuana Conviction: A History of Marihuana Prohibition in the United States (University Press of Virginia, 1974).
  • David F. Musto, The American Disease: Origins of Narcotic Control (Yale University Press, 1973).
  • W. A. Swanberg, Citizen Hearst (Scribner, 1961).
  • Jack Herer, The Emperor Wears No Clothes (Erstausgabe 1985): die Quelle der oben geprüften Verschwörungstheorie.
  • „New Billion-Dollar Crop“, Popular Mechanics, Februar 1938.
  • US-Patente 2,130,523 und 2,130,948 (W. H. Carothers / E. I. du Pont de Nemours), Google Patents: https://patents.google.com/patent/US2130523A/en ; https://patents.google.com/patent/US2130948A/en
  • USDA Economic Research Service, Industrial Hemp in the United States: Status and Market Potential (AGES-001E, 2000), Abschnitt zum Kriegsprogramm.
  • USDA, Hemp for Victory (Film, 1942).

Dies ist ein Bildungsartikel zur Regulierungsgeschichte der USA. Er enthält allgemeine Informationen und ist keine Rechtsberatung.