Ein Indoor-Anbauraum für Cannabis bleibt stabil, wenn drei Dinge stimmen. Kühlung und Entfeuchtung müssen zur tatsächlichen Last passen. Die Sensoren müssen dort sitzen, wo die Pflanzen stehen. Und die Aufzeichnungen müssen Ihnen zeigen, was schiefgelaufen ist. Dieser Teil behandelt Klimaanlage und Entfeuchter sowie die Anreicherung mit Kohlendioxid (CO₂). Außerdem geht es um die Wärme der Lampen, Sensoren und Klimazielwerte, Raumaufteilung, Hygiene, elektrische Sicherheit und Aufzeichnungen.
Eine Regel aus Teil 1 gilt für alle Abschnitte. Jedes Watt Strom, das im Raum verbraucht wird, wird zu etwa 3,41 BTU/h (British Thermal Units pro Stunde) Wärme. Addieren Sie die Watt aller Geräte und die Wärme, die über das Gebäude hereinkommt. Rechnen Sie dann 20 % als Reserve hinzu. Ihre Kühlung muss diese Gesamtmenge abführen.
Anmerkung der Übersetzung: Absätze, die so beginnen wie dieser, ergänzen, was in Thailand und Südostasien anders ist. Sie korrigieren außerdem Fehler aus dem Originalartikel.
Dies ist Teil 2. Teil 1: https://asiannabis.com/t/1323
4. Klimaanlage, Entfeuchter und CO₂
4.1 Split-Klimaanlagen
Für Räume bis etwa 20 m² ist eine gute Inverter-Split-Klimaanlage in Südostasien die praktischste Kühlung. Ein Inverter-Kompressor passt seine Leistung an, statt sich nur ein- und auszuschalten. Er hält die Temperatur auf etwa ±0,5 °C genau, Geräte mit fester Drehzahl dagegen nur auf ±2 °C. Über einen vollständigen Zyklus verbraucht er außerdem deutlich weniger Strom.
Prüfen Sie vor dem Kauf den Anteil der sensiblen Kühlleistung (SHR, Sensible Heat Ratio). Eine Klimaanlage erledigt zwei Aufgaben. Sie senkt die Lufttemperatur (sensible Kühlung). Außerdem entzieht sie der Luft Wasser, das an ihrem kalten Wärmetauscher kondensiert (latente Kühlung). Der SHR gibt an, welcher Anteil ihrer Leistung auf das Senken der Temperatur entfällt.
Haushaltsgeräte sind vor allem dafür gebaut, bei normaler Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen zu kühlen. Pflanzen geben in einem gleich großen Raum weit mehr Wasser ab als Menschen. Ein Anbauraum braucht deshalb einen niedrigeren SHR, also mehr Leistung zum Entziehen von Wasser. Laut Original haben gewerbliche Geräte meist einen besseren SHR, wenn sie für 100 % Außenluft ausgelegt sind oder für Gewächshäuser bzw. Serverräume verkauft werden. Für Serverräume stimmt das nicht. Klimaanlagen für Serverräume (Präzisionsklimageräte) sind auf einen hohen SHR ausgelegt, oft etwa 0,95, weil Computer fast kein Wasser abgeben. Das ist das Gegenteil dessen, was ein Anbauraum braucht.
Lassen Sie sich vom Installateur das Datenblatt geben. Stehen dort die sensible Kühlleistung und die Gesamtkühlleistung, teilen Sie den ersten Wert durch den zweiten. Das Ergebnis ist der SHR. Vergleichen Sie die Geräte anhand dieser Zahl. Zur Dimensionierung unter thailändischen Bedingungen siehe Dimensionierung von Entfeuchter und Klimaanlage für einen thailändischen Blüteraum.
4.2 Entfeuchter
In der späten Blüte geben die Pflanzen viel Wasser ab. Selbst mit einer richtig dimensionierten Klimaanlage braucht der Raum oft einen separaten Entfeuchter. Ein 70-Pint-Kompressorentfeuchter (eine US-Angabe, etwa 33 Liter pro Tag) schafft bei rund 26 °C etwa 2–3 m² dichtes Kronendach in der späten Blüte. Für ein Kronendach von 4,8 m² brauchen Sie deshalb zwei solcher Geräte.
Entfeuchter erzeugen Wärme. Ein Gerät mit 700 W Leistungsaufnahme gibt etwa 700 W Wärme ab, und diese Wärme muss die Klimaanlage dann abführen. Rechnen Sie jeden Entfeuchter in die gesamte Wärmelast ein, bevor Sie die Klimaanlage auswählen.
Anmerkung der Übersetzung: In einem Raum, den niemand den ganzen Tag beaufsichtigt, sollten Sie den Ablaufschlauch des Entfeuchters zu einem Bodenablauf führen, statt den Wasserbehälter zu nutzen. Ist der Behälter voll, schalten sich die meisten Geräte ab. Die Luftfeuchtigkeit steigt dann, ohne dass es jemand bemerkt.
4.3 CO₂-Anreicherung
Normale Außenluft enthält etwa 427 ppm (parts per million, Millionstel) CO₂. Das war der Durchschnitt im Jahr 2025. Bei diesem Wert stößt die Photosynthese von Cannabis an ihre Grenze, und zwar schon weit unterhalb der Lichtstärke moderner LEDs oder Double-Ended-HPS-Lampen. Wird der CO₂-Gehalt auf 1.000–1.500 ppm angehoben, können die Pflanzen starkes Licht voll nutzen.
Für den Zuwachs bei der Photosynthese zitiert das Original eine Metaanalyse (Poorter et al., 2022). Diese Studie fand, dass sich die Photosynthese pro Blattfläche im Bereich von 200–1.200 ppm CO₂ mehr als verdoppelte. Sie fasste Daten vieler C3-Pflanzenarten zusammen, der großen Gruppe, zu der auch Cannabis gehört. Es handelt sich nicht um einen Versuch mit Cannabis.
Anreicherung funktioniert nur in einem geschlossenen oder nahezu geschlossenen Raum. Angereicherte Luft, die über eine laufende Abluft entweicht, ist verschwendetes Geld. Ein geschlossener Raum braucht Kühlung und Entfeuchtung, die das Klima ohne Frischluft halten, dazu ein Reservegerät. Außerdem braucht er einen CO₂-Monitor mit automatischer Abschaltung. Hohe CO₂-Werte verdrängen nämlich den Sauerstoff und gefährden jeden, der sich im Raum aufhält.
Für die meisten kleinen und mittleren Räume kommt das Original zu folgendem Schluss: Bessere Luftbewegung und besseres Licht bei normalem CO₂-Gehalt bringen mehr als Geräte zur Anreicherung. Teil 1, Abschnitt 3.7, vergleicht geschlossene und belüftete Räume. Verbessern Sie zuerst Luftbewegung und Licht. Lesen Sie CO₂-Anreicherung: Wann sie nötig ist, wann sie verschwendet wird, bevor Sie Geräte zur Anreicherung kaufen.
5. Wärme der Lampen
5.1 Wie verschiedene Lampentypen Wärme abgeben
Eine 600-W-HPS-Lampe (Natriumdampf-Hochdrucklampe) gibt einen großen Teil ihrer Abwärme als Strahlungswärme nach unten ab. Dadurch entsteht eine kräftige Säule aufsteigender Warmluft, die die Luft in Bewegung hält. Eine LED mit gleicher Lichtleistung braucht für dieselbe PPFD meist nur 400–500 W. PPFD (photosynthetische Photonenflussdichte) ist die Menge an Licht, die Pflanzen nutzen können und die pro Sekunde auf jeden Quadratmeter trifft. Mehr dazu in Lichtspektrum & DLI.
LEDs geben den Großteil ihrer Wärme über das Gehäuse an die umgebende Luft ab, nicht als Infrarotstrahlung nach unten. LED-Räume lassen sich leichter kühlen, weil weniger Watt weniger Wärme bedeuten. Sie erzeugen aber keinen kräftigen Aufwind, deshalb staut sich warme Luft unter der Decke. LED-Räume brauchen daher oft zusätzliche Decken- oder Wandventilatoren, die seitlich blasen. Diese heißen HAF-Ventilatoren (Horizontal Air Flow, horizontale Luftführung).
Anmerkung der Übersetzung: Rechnen Sie bei LED und HPS gleichermaßen mit 3,41 BTU/h pro aufgenommenem Watt. Das Original setzt für LEDs einen niedrigeren Wert an, und das ist falsch. Wenn Sie vier 600-W-HPS-Lampen durch vier 450-W-LEDs ersetzen, sinkt die Wärme von 8.184 auf etwa 6.140 BTU/h. Messen und protokollieren Sie nach dem Umstieg eine Woche lang die Temperatur unter der Decke und am Kronendach. Ist es unter der Decke mehrere Grad wärmer, installieren Sie zusätzlich HAF-Ventilatoren.
5.2 Light Mover
Manchmal reicht eine feste Anzahl Lampen nicht aus, um das Kronendach gleichmäßig auszuleuchten. Ein Light Mover fährt eine Leuchte langsam auf einer Schiene hin und her und deckt so 30–40 % mehr Fläche ab. Sie brauchen dadurch weniger Leuchten, und es entsteht weniger Wärme im Raum. Dafür muss die Mechanik gewartet werden, und die Aufhängung wird aufwendiger. Testen Sie einen Mover zuerst an einer Leuchte, bevor Sie einen ganzen Raum umrüsten.
6. Sensoren, Steuerungen und Klimazielwerte
6.1 Wo Sensoren hingehören
Ein Sensor an der falschen Stelle liefert Werte, die plausibel aussehen, aber nicht stimmen. Platzieren Sie die Sensoren so:
- Temperatur und Luftfeuchtigkeit: auf Höhe des Kronendachs, zwischen den Lampen und den obersten Blättern, im mittleren Drittel des Raums. Nicht an einer Wand und nicht über einer Lampe. Halten Sie den Sensor aus dem direkten Licht, sonst zeigt er zu hohe Werte an. Die Luft direkt am Kronendach ist das, was die Pflanzen tatsächlich spüren.
- CO₂ (falls verwendet): auf Höhe des Kronendachs. CO₂ ist etwas schwerer als Luft, verteilt sich in einem gut durchmischten Raum aber recht gleichmäßig. Eine Messung am Kronendach zeigt trotzdem am besten, was die Pflanzen wirklich bekommen.
- Temperatur im Nährstofftank: im Tank, nicht in der Zuleitung. Die beste Temperatur im Wurzelbereich liegt bei 18–22 °C. Viele Grower vergessen, sie zu prüfen.
Anmerkung der Übersetzung: Ohne Kühler kann die Temperatur in einem Tank in einem thailändischen Raum weit über 22 °C steigen. Lösungen dafür werden in Hydroponik bei 31 °C Reservoirtemperatur verglichen.
6.2 Steuerungen
Steuerungen für Anbauräume wie Autopilot, Trolmaster und Growlink lesen die Sensoren aus. Von einem einzigen Gerät aus schalten sie Klimaanlage, Ventilatoren, Entfeuchter, CO₂ und Licht. Sie können auch Rampenprofile abfahren. Mit einem Rampenprofil wird die Temperatur über einen Zyklus von 12 Wochen schrittweise angehoben oder die Luftfeuchtigkeit schrittweise gesenkt. So passen die Werte zu jeder Wachstumsphase.
Verwenden Sie mindestens eine kombinierte Steuerung für Temperatur und Luftfeuchtigkeit mit getrennten Ausgängen für Kühlen und Heizen. Verlassen Sie sich nicht auf analoge Drehthermostate.
Anmerkung der Übersetzung: Fragen Sie vor dem Kauf den Verkäufer nach Garantie und Service vor Ort in Thailand. Sie können auch andere Grower in Ausrüstung und Zubehör fragen. In den meisten thailändischen Räumen schalten die Ausgänge viel häufiger Kühlung und Entfeuchtung als die Heizung. Trennen Sie die Steuerung nach dem Einbau eine Minute lang vom Strom. Prüfen Sie dann, ob sie ihre Einstellungen behalten hat.
6.3 Zielwerte für das Dampfdruckdefizit
Das Dampfdruckdefizit (VPD) fasst Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit (RH) in einer einzigen Zahl zusammen. Es zeigt, wie stark die Luft den Blättern Wasser entzieht. Das Original nennt diese Zielwerte:
| Wachstumsphase | VPD-Zielwert (kPa) | Typische Temperatur (°C) | Typische RH (%) |
|---|---|---|---|
| Sämling oder Klon | 0,4–0,8 | 23–25 | 70–80 |
| Frühe vegetative Phase | 0,8–1,0 | 24–26 | 60–70 |
| Späte vegetative Phase | 1,0–1,2 | 24–26 | 55–65 |
| Frühe Blüte | 1,0–1,2 | 23–26 | 55–65 |
| Späte Blüte | 1,2–1,6 | 22–24 | 40–50 |
Ist das VPD zu hoch, schließt die Pflanze ihre Stomata (Spaltöffnungen der Blätter), damit sie nicht austrocknet. Sie nimmt dann weniger CO₂ auf und wächst langsamer. Ist das VPD zu niedrig, wird der Wasserstrom langsamer, der die Nährstoffe in der Pflanze nach oben transportiert. Außerdem bleiben die Blattoberflächen nass, und Krankheiten können sich leichter ausbreiten.
Anmerkung der Übersetzung: Laut Original stammt diese Tabelle von Bugbee (2004). Diese Arbeit behandelt aber das Nährstoffmanagement in rezirkulierender Hydroponik und nicht das VPD. Betrachten Sie die Bereiche deshalb als übliche Zielwerte aus der Praxis, nicht als Forschungsergebnis. Wir haben keine begutachtete Quelle gefunden, die VPD-Zielwerte für jede Wachstumsphase bei Cannabis angibt. In der thailändischen Regenzeit lassen sich die 40–50 % RH für die späte Blüte nur mit Entfeuchtern erreichen (Abschnitt 4.2).
Suchen Sie die Zeile für Ihre aktuelle Wachstumsphase und stellen Sie Ihre Steuerung auf diese Werte ein. Gleichen Sie die Daten Ihres Loggers jede Woche damit ab.
7. Raumaufteilung und Hygiene
7.1 Wo die Geräte hingehören
- Zuluft unten und Abluft oben, damit die Abluft die aufsteigende Warmluft abführt.
- Entfeuchter in der Mitte des Raums oder dort, wo die Luftfeuchtigkeit am höchsten ist. Meist ist das die Mitte eines dichten Kronendachs.
- Nährstofftanks möglichst außerhalb des Anbauraums oder in einem isolierten Schrank. So schwankt ihre Temperatur nicht mit dem Raum im Tagesverlauf und lässt sich leichter steuern.
- Klimaanlage auf halber Wandhöhe oder tiefer, niemals über den Lampen (Abschnitt 8).
7.2 Zugang und tägliche Arbeit
Grower unterschätzen meist, wie viel Zeit die tägliche Arbeit kostet. Planen Sie Folgendes ein:
- Gänge von mindestens 60 cm Breite an allen vier Seiten jeder Anbaufläche. Sie brauchen sie für Sichtkontrollen, Pflanzentraining und das Kontrollieren auf Schädlinge.
- Freie Sicht von der Tür auf jede Pflanze. Um Schädlinge und Krankheiten zu erkennen, müssen Sie jede Pflanze aus der Nähe von allen Seiten prüfen.
- Wasser-, Abwasser- und Stromanschlüsse an Stellen, an denen sie keine Laufwege kreuzen.
7.3 Den Raum sauber halten
Schädlinge und Krankheiten kommen vor allem über Kleidung, Werkzeug, Klone und ungefilterte Luft herein. Diese Grundmaßnahmen senken das Risiko deutlich:
- Schuhe, die nur im Anbauraum getragen werden, oder eine Fußwanne an der Tür (mit verdünnter Bleichlösung oder einem Mittel mit quartären Ammoniumverbindungen).
- Nur glatte, abwaschbare Oberflächen. Kein unbehandeltes Holz, kein Teppich und kein Stoff, außer als Isolierung an Geräten.
- Druckluft oder eine Fusselrolle, um die Kleidung vor dem Betreten zu reinigen.
- Werkzeug zwischen zwei Pflanzen mit 70-prozentigem Isopropylalkohol oder 10-prozentiger Bleichlösung desinfizieren.
Anmerkung der Übersetzung: Mit Klonen von einem anderen Betrieb können leicht Spinnmilben, Echter Mehltau oder das Hopfen-Latent-Viroid eingeschleppt werden. Das Hopfen-Latent-Viroid (HLVd) ist ein winziger Krankheitserreger, der das Wachstum der Pflanzen hemmt und den Ertrag senkt. Es kann auch vorkommen, dass Klone gar nicht die angegebene Sorte sind. Halten Sie neue Klone in einem getrennten Bereich und kontrollieren Sie sie, bevor sie in den Hauptraum kommen.
8. Häufige Planungsfehler
| Fehler | Was passiert | Lösung |
|---|---|---|
| Abluft zu schwach | Wärme und Feuchtigkeit stauen sich; das Wachstum stockt | Auf das 1,3- bis 1,5-Fache des berechneten Luftwechselbedarfs auslegen |
| Klimaanlage über den Lampen | Sie saugt die heiße Luft von den Lampen an und arbeitet schlecht | Auf halber Wandhöhe oder tiefer montieren |
| Nur ein fest montierter Sensor | Unterschiede innerhalb des Raums bleiben unbemerkt | Zusätzliche Sensoren an den Rändern und in der Mitte des Kronendachs anbringen |
| Kein Entfeuchter | Die Luftfeuchtigkeit steigt in der späten Blüte stark an; Gefahr von Knospenfäule | Blüteräume mit Entfeuchtern ausstatten |
| Nicht isolierte Außenwände | Kondenswasser und verschwendete Energie | Mindestens R-13 (etwa RSI 2,3), mit der Dampfbremse auf der richtigen Seite (Teil 1, Abschnitt 2.2) |
| Geschlossener Raum ohne Reserve-Klimaanlage | Die CO₂-Anreicherung scheitert am ersten heißen Tag | Kühlung für die volle Wärmelast auslegen und ein Reservegerät einplanen |
9. Elektroplanung und Sicherheit
9.1 Belastung der Stromkreise
Eigene Stromkreise für den Anbauraum verhindern, dass Sicherungen auslösen, und senken die Brandgefahr. Außerdem bekommen die Geräte so ihre Nennspannung. Legen Sie jeden Stromkreis und jede Sicherung passend zur Last aus. Halten Sie sich dabei an die örtlichen Elektrovorschriften und beauftragen Sie einen zugelassenen Elektriker. Die Netzspannung (zum Beispiel 220–240 V oder 120 V) und der Nennstrom der Sicherungen sind je nach Land und Gebäude verschieden.
So prüfen Sie einen Stromkreis: Addieren Sie die Watt aller angeschlossenen Geräte und teilen Sie die Summe durch die Spannung. Vergleichen Sie das Ergebnis mit 80 % des Nennstroms der Sicherung. Das ist die übliche Grenze für Lasten, die stundenlang laufen (Dauerlastregel).
Beispiel aus dem Original, für einen 220-V-Stromkreis mit 20-A-Sicherung: maximale Dauerlast = 20 A × 220 V × 80 % = 3.520 W. Zwei 600-W-HPS-Lampen, ein 350-W-Entfeuchter und 200 W für Ventilatoren ergeben zusammen 1.750 W. Das liegt deutlich unter der Grenze. Mit einer dritten Lampe steigt die Summe auf 2.350 W, das ist immer noch sicher. Mit einer vierten Lampe sind es etwa 3.000 W und damit nahe an der Grenze. Legen Sie dann einen zweiten Stromkreis an.
Anmerkung der Übersetzung: Das Beispiel im Original rechnet mit einem 350-W-Entfeuchter, der Abschnitt zur Wärmelast aber mit einem 700-W-Gerät. Mit 700 W liegt die Last des Stromkreises bei 2.100 W und mit einer dritten Lampe bei 2.700 W. Eine vierte Lampe bringt sie auf 3.300 W, nur 220 W unter der Grenze. Rechnen Sie mit den Wattangaben auf den Typenschildern Ihrer eigenen Geräte.
In der Praxis legen Sie einen Stromkreis für die Beleuchtung und einen zweiten für die Klimatechnik (Klimaanlage und Entfeuchter) an. Für jedes weitere System mit hoher Leistung kommt ein dritter hinzu.
9.2 Schutz vor Stromschlag und Erdung
Im Anbauraum sind Wasser und Strom nah beieinander, deshalb sind Stromschlag und Brand reale Gefahren. Treffen Sie alle der folgenden Maßnahmen:
- Sichern Sie jede Steckdose mit einem Fehlerstrom-Schutzschalter (RCD, FI-Schalter) ab. In Nordamerika heißt er GFCI, in Thailand เครื่องตัดไฟรั่ว. Ein RCD schaltet den Strom ab, wenn Strom zur Erde abfließt. Am wichtigsten ist das in der Nähe von Tanks, Sprühnebelanlagen und Luftbefeuchtern.
- Erden Sie alle Geräte ordnungsgemäß. Lassen Sie den Elektriker prüfen, ob jede Steckdose tatsächlich geerdet ist.
- Verwenden Sie Verlängerungskabel nie als feste Verkabelung. Nutzen Sie richtige Steckdosenleisten mit Überspannungsschutz, die für die Last ausgelegt sind.
- Prüfen Sie Steckdosenleisten und Lampenkabel jeden Monat auf Hitzeschäden, Rattenbisse und Wasser.
9.3 Reservesysteme
Fällt in einem Raum, den niemand beaufsichtigt, ein Gerät aus, kann das einen großen Teil der Ernte kosten.
| Komponente | Was bei einem Ausfall passiert | Absicherung |
|---|---|---|
| Klimaanlage | Ein starker Temperaturanstieg kann Pflanzen innerhalb weniger Stunden töten | Ein zweites Gerät; Notbelüftung per Zeitschaltuhr |
| Zeitschaltuhr für das Licht | Das Licht bleibt 24 Stunden am Tag an, und die Pflanzen blühen nicht | Zwei Zeitschaltuhren, von denen eine die andere absichert |
| Wasserpumpe (Hydroponik) | Das Wasser im Tank steht; die Wurzeln sterben ab | Reservepumpe mit Akku; Alarm für den Wasserstand |
| CO₂-System (falls verwendet) | CO₂ sammelt sich an und verdrängt den Sauerstoff, das ist gefährlich für Menschen | CO₂-Monitor mit Alarm |
Anmerkung der Übersetzung: Ein Stromausfall legt alle Geräte in dieser Tabelle gleichzeitig lahm. Stromausfälle treten oft bei Gewittern auf. Drei Maßnahmen helfen:
- Eine USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung, engl. UPS) für Steuerung, Sensoren, Alarm und Internet-Router. Das ist ein Akkugerät, das kurze Ausfälle überbrückt. So erhalten Sie weiterhin Warnmeldungen. Lampen und Klimaanlagen brauchen meist zu viel Strom für eine kleine USV.
- Ein Notstromgenerator mit automatischem Umschalter für Klimaanlage und Ventilatoren. Die Größe sollte ein zugelassener Elektriker festlegen, und er sollte den Generator auch anschließen.
- Ein Alarm, der Ihnen eine Nachricht aufs Handy schickt, wenn der Strom ausfällt oder die Temperatur Ihren Grenzwert überschreitet.
Testen Sie Ihre Anlage, solange der Raum leer ist. Schalten Sie die Hauptsicherung für einige Minuten aus. Prüfen Sie danach, welche Geräte von selbst wieder anlaufen und ob Zeitschaltuhren und Steuerungen ihre Einstellungen behalten haben.
10. Aufzeichnungen und Datenlogger
10.1 Was Sie aufzeichnen sollten
Räume, die Durchgang für Durchgang gut laufen, gehören fast immer Growern, die ausführliche Notizen führen. In einem Zyklus von 10–14 Wochen vergessen Sie Details, die Ihnen im Moment selbstverständlich erscheinen. Das kann zum Beispiel die Düngewoche sein, die eine Nährstoffverbrennung ausgelöst hat. Oder die Temperatur, die in Woche 6 Hitzestress verursacht hat. Notieren Sie mindestens Folgendes:
- Datum der Keimung oder Datum, an dem die Klone eingesetzt wurden
- Jede Woche ein Foto derselben typischen Pflanze aus demselben Winkel
- Jede Woche EC (elektrische Leitfähigkeit, ein Maß für die Nährstoffkonzentration) und pH-Wert der Nährlösung und des Drainwassers; siehe pH & EC
- Jede Woche die niedrigste und höchste Temperatur am Kronendach
- Jede Woche die niedrigste und höchste Luftfeuchtigkeit
- Jeden Schädling und jede Krankheit, die Sie entdecken, mit Datum
Anmerkung der Übersetzung: Wenn Sie einen lizenzierten Betrieb führen, lesen Sie Gute Agrar- und Sammelpraxis für Cannabis. Dort steht, welche Aufzeichnungen bei einem Audit geprüft werden. Sie können Ihren Durchgang auch in Grow Diaries dokumentieren. Dann können andere Grower Ihnen helfen, Ihre Notizen auszuwerten.
10.2 Datenlogger
Günstige digitale Logger mit Speicher zeichnen die niedrigsten und höchsten Werte für Temperatur und Luftfeuchtigkeit über den ganzen Zyklus auf. Werten Sie die Daten jede Woche aus, um wiederkehrende Muster zu finden. Typische Muster sind:
- ein Temperaturabfall gegen 3 Uhr nachts, durch den die Luftfeuchtigkeit über Ihren Grenzwert steigt
- Temperaturspitzen am Mittag bei eingeschaltetem Licht
- steigende Luftfeuchtigkeit an Gießtagen
Die Daten einer ganzen Woche zeigen solche Muster. Einzelne Messungen zwischendurch zeigen sie nicht.
Logger mit Bluetooth oder WLAN, die sich mit einer Handy-App verbinden, schicken sofort eine Warnung, wenn ein Wert den eingestellten Bereich verlässt. Am nützlichsten sind sie in Räumen, die niemand den ganzen Tag beaufsichtigt.
11. Alles zusammen
Ein Anbauraum funktioniert als Gesamtsystem. Von der Kühlleistung hängt ab, wie viel Wärme der Entfeuchter abgeben darf. Von der Luftbewegung hängt ab, ob Ihre Sensoren die tatsächlichen Werte am Kronendach anzeigen. Von der Isolierung hängt ab, wie stabil das Klima im Raum bleibt. Für möglichst gleichmäßige Ergebnisse sollten Sie zuerst in Klimaanlage, Isolierung und Überwachung investieren. Erst danach lohnt sich Geld für hochwertige Genetik oder teure Dünger.
Beginnen Sie mit diesen Schritten:
- Addieren Sie die Wärmelast und legen Sie die Kühlung für diesen Wert plus 20 % aus (Teil 1, Abschnitt 1.3).
- Legen Sie die Entfeuchter für die späte Blüte aus und rechnen Sie ihre Wärme zur Wärmelast hinzu (Abschnitt 4.2).
- Bringen Sie einen Sensor auf Höhe des Kronendachs in der Raummitte an und zeichnen Sie eine volle Woche lang auf (Abschnitte 6.1 und 10.2).
- Schließen Sie Beleuchtung und Klimatechnik an getrennte Stromkreise mit RCD-Schutz an (Abschnitte 9.1–9.2).
- Testen Sie einen Stromausfall, solange der Raum leer ist (Abschnitt 9.3).
Möchten Sie Ihre Zahlen prüfen lassen? Dann posten Sie die Raumgröße, die Wattangaben Ihrer Geräte und die Loggerwerte einer Woche als Antwort unter diesem Thema.
Literaturverzeichnis
- Bugbee, B. (2004). Nutrient management in recirculating hydroponic culture. Acta Horticulturae, 648, 99–112. https://doi.org/10.17660/ActaHortic.2004.648.12 — Das Original nennt diese Arbeit als Quelle für die VPD-Tabelle. Sie behandelt aber das Nährstoffmanagement in der Hydroponik (siehe Abschnitt 6.3).
- Poorter, H., Knopf, O., Wright, I. J., Temme, A. A., Hogewoning, S. W., Graf, A., Cernusak, L. A., & Pons, T. L. (2022). A meta-analysis of responses of C3 plants to atmospheric CO₂: dose–response curves for 85 traits ranging from the molecular to the whole-plant level. New Phytologist, 233(4), 1560–1596. https://doi.org/10.1111/nph.17802
- ASHRAE. (2021). ASHRAE Handbook: Fundamentals. American Society of Heating, Refrigerating and Air-Conditioning Engineers. — Im Original aufgeführt, aber für keinen bestimmten Wert zitiert.
- Chandra, S., Lata, H., Mehmedic, Z., Khan, I. A., & ElSohly, M. A. (2015). Light dependence of photosynthesis and water vapor exchange characteristics in different high Δ9-THC yielding varieties of Cannabis sativa L. Journal of Applied Research on Medicinal and Aromatic Plants, 2(2), 39–47. https://doi.org/10.1016/j.jarmap.2015.03.002 — Im Original aufgeführt, aber für keinen bestimmten Wert zitiert.