Bevor Cannabisblüte aus Thailand in einen medizinischen Markt exportiert wird, braucht jede Charge ein Analysezertifikat (COA). Das ist der Laborbericht, der auflistet, was in der Charge enthalten ist. Die thailändische GACP-Zertifizierung (Good Agricultural and Collection Practices, der Qualitätsstandard für den Anbau) und die Exportgenehmigung legen nur ein Minimum fest. Käufer in Europa und Australien prüfen nach deutlich strengeren Grenzwerten. Teil 1 behandelte den europäischen Standard, die Methode hinter dem THC-Wert, die Grenzwerte für Mikroorganismen und die Dekontamination. Dieser Teil behandelt die Feuchtigkeit, die Wahl eines thailändischen Labors, die Zusatzanforderungen der Behörden im Zielland und eine letzte Kontrolle, bevor Sie ein COA verschicken.
Dies ist Teil 2. Teil 1: Testing Cannabis Flower Before Export: What a Lab Certificate Must Show for Overseas Buyers (Part 1 of 2)
5. Feuchtigkeit: zwei Messungen, die unterschiedliche Fragen beantworten
ASTM D8197 legt für getrocknete Cannabisblüte einen Bereich der Wasseraktivität von 0,55 bis 0,65 aw fest. ASTM International ist eine Normungsorganisation mit Sitz in den USA. Die Wasseraktivität (aw) misst, wie viel Wasser in der Blüte frei verfügbar ist und von Mikroorganismen genutzt werden kann. Die Skala reicht von 0 (völlig trocken) bis 1,0 (reines Wasser).
Die technische Fachliteratur der Branche nennt drei Schwellen:
- über 0,65 aw wird Schimmelwachstum möglich
- von 0,70 bis 0,75 aw können die meisten Aspergillus-Schimmelpilze zu wachsen beginnen
- ab 0,80 aw treten die meisten Schimmelschäden auf
Eine Lagerung bei 55–62 % relativer Luftfeuchtigkeit (RH) entspricht dem ASTM-Bereich. Blüten, die bei 58 % RH gelagert werden, pendeln sich bei etwa 0,58 aw ein.
Das Arzneibuch verwendet eine andere Kontrollgröße: den Trocknungsverlust, höchstens 12,0 %. Der Trocknungsverlust misst das gesamte Wasser in der Blüte. Die Wasseraktivität misst nur das Wasser, das Mikroorganismen nutzen können. Deshalb sagt sie voraus, ob die Blüte frei von Mikroorganismen bleibt. Der Trocknungsverlust sagt das nicht voraus.
Eine Charge kann den Grenzwert für den Trocknungsverlust einhalten und trotzdem außerhalb des ASTM-Bereichs für die Wasseraktivität liegen. Auch der umgekehrte Fall ist möglich. Legen Sie beide Werte im Liefervertrag fest. Nennt der Vertrag nur einen davon, bleibt eine Lücke, über die später jede Seite streiten kann.
Anmerkung der Übersetzung: In Thailand liegt die Luftfeuchtigkeit im Freien oft weit über 62 % RH, besonders in der Regenzeit. Gut getrocknete Blüten können bei Lagerung oder Transport wieder Wasser aufnehmen, wenn die Behälter nicht dicht verschlossen sind. Ein Stromausfall, der Entfeuchter und Klimaanlage stoppt, kann dieselbe Wirkung haben. Messen Sie die Wasseraktivität jeder Charge kurz vor dem Verpacken, mit einem eigenen Messgerät oder über ein Labor, und notieren Sie den Wert zusammen mit der Chargennummer. So sehen Sie vor dem Versand, ob die Charge im Zielbereich liegt. Außerdem haben Sie einen Nachweis, falls der Käufer die Feuchtigkeit später beanstandet. Zur Trocknung unter thailändischen Bedingungen siehe Trocknung von Cannabis bei 85–95 % Umgebungsluftfeuchtigkeit. Zur Lagerung siehe Lagerung: Feuchtigkeit, Licht, Sauerstoff und Haltbarkeit.
Was zu tun ist: Schreiben Sie beide Grenzwerte in den Vertrag: Trocknungsverlust höchstens 12,0 % und Wasseraktivität im Bereich 0,55–0,65 aw.
6. Labore in Thailand: was noch unklar ist
Labore weisen ihre Kompetenz durch eine Akkreditierung nach ISO/IEC 17025 nach. Das ist die internationale Norm für Prüflaboratorien. Akkreditiert bedeutet: Eine unabhängige Stelle hat geprüft, dass das Labor bestimmte Prüfungen korrekt durchführen kann. In Thailand gibt es mehr als einen Weg zur Akkreditierung, darunter:
- das Bureau of Laboratory Quality Standards (BLQS) des Department of Medical Sciences (DMSc) im thailändischen Gesundheitsministerium. Es veröffentlicht ein durchsuchbares Register. Das BLQS ist als Unterzeichner des ILAC-MRA für Prüflaboratorien (ISO/IEC 17025) gelistet. Das ILAC MRA ist ein internationales Abkommen, unter dem die beteiligten Akkreditierungsstellen ihre Akkreditierungen gegenseitig anerkennen
- die Akkreditierungsstelle des Thai Industrial Standards Institute (TISI). Prüfen Sie ihren aktuellen ILAC-MRA-Status in der ILAC-Unterzeichnerliste.
Schlagen Sie jedes Labor im zuständigen Register nach. Fordern Sie dann die Anlage zur Akkreditierungsurkunde (den Akkreditierungsumfang) an, also die Liste der genauen Prüfungen und Methoden, für die es akkreditiert ist. Eine Akkreditierung nach ISO/IEC 17025 gilt für festgelegte Prüfmethoden, nicht für das Labor als Ganzes. Ein Labor kann für Schwermetalle akkreditiert sein, aber nicht für Mikrobiologie.
Mehrere Einrichtungen kommen infrage. Klären Sie bei jeder direkt, was sie für Cannabis abdeckt:
- Central Laboratory (Thailand) Co., Ltd., ein staatliches Unternehmen, das eine eigene Akkreditierungsliste veröffentlicht
- die Government Pharmaceutical Organisation (GPO), die Cannabisöl für die medizinische Verwendung herstellt
- verschiedene private Labore, die THC- und CBD-Analysen anbieten
Es gibt keine öffentliche Gesamtliste thailändischer Labore, die für das vollständige Blütenpanel akkreditiert sind. Das vollständige Panel umfasst Cannabinoide per HPLC (Hochleistungsflüssigkeitschromatographie), Pestizide, Schwermetalle, Mikrobiologie und Aflatoxine. Wer ein Labor auswählt, sollte sich den Akkreditierungsumfang (Anlage zur Akkreditierungsurkunde) vorlegen lassen. Getrennt davon sollte er klären, ob die Behörde im Zielland die thailändische Akkreditierung überhaupt anerkennt. Das sind zwei verschiedene Fragen, und die zweite verursacht oft die Probleme.
Es gibt außerdem keine bestätigte ISO-Produkt- oder Methodennorm speziell für Cannabis. ISO/IEC 17025 regelt die Kompetenz von Laboren, ASTM D8197 regelt die Wasseraktivität. Wenn jemand von „der ISO-Norm für Cannabis“ spricht, fragen Sie nach der Normnummer.
Anmerkung der Übersetzung: Eine praktische Reihenfolge für Exporteure in Thailand:
- Fragen Sie den Käufer schriftlich, welche Labore oder Akkreditierungen er akzeptiert. So erfahren Sie, ob ein thailändisches COA überhaupt zählt.
- Fordern Sie vom thailändischen Labor den Akkreditierungsumfang an und gleichen Sie jede Prüfung aus dem Panel des Käufers damit ab. So sehen Sie, welche Prüfungen akkreditiert sind und welche nicht.
- Schicken Sie eine kleine Probecharge und teilen Sie die Probe. Eine Hälfte geht an das thailändische Labor, die andere an das Labor des Käufers. Der Vergleich der beiden Ergebnisse zeigt, ob sie übereinstimmen, bevor eine ganze Lieferung davon abhängt.
Was zu tun ist: Akzeptieren Sie kein COA für den Export, Akzeptieren Sie ein COA für den Export erst, wenn Ihnen der Akkreditierungsumfang des Labors vorliegt und dieser jede vom Käufer verlangte Prüfung abdeckt. und diese jede vom Käufer verlangte Prüfung abdeckt.
7. Was die Behörden im Zielland zusätzlich zum thailändischen Minimum verlangen
Zusammengenommen enthalten die Anforderungen aus beiden Teilen mehrere Punkte, die Erstexporteure oft überraschen:
- Pestizidprüfung nach Ph. Eur. Kapitel 2.8.13 (Ph. Eur. ist das Europäische Arzneibuch, das amtliche Regelwerk für Arzneimittelstandards in Europa). Dieses Kapitel hat eine eigene Grenzwerttabelle für pflanzliche Drogen und eigene Regeln für nicht gelistete Pestizide. Eine Überarbeitung wurde in Pharmeuropa, Ausgabe 38.3 (2026), vorgeschlagen. Pharmeuropa ist die Zeitschrift, in der Entwürfe zur Kommentierung veröffentlicht werden.
- EU-Rückstandshöchstgehalte für Lebensmittel (MRLs, maximum residue limits) nach Verordnung (EG) Nr. 396/2005, die Käufer zusätzlich über den Vertrag anwenden können. Dazu gehört der Standardwert dieser Verordnung von 0,01 mg/kg für Pestizide ohne eigenen Grenzwert. Dieser Standardwert stammt aus dem EU-Lebensmittelrecht, nicht aus der Regel der Ph. Eur.
- Schwermetalle nach den Grenzwerten für ärztlich verordnete Anwendung beim Patienten: Arsen ≤0,2, Cadmium ≤0,3, Blei ≤0,5 ppm, statt der allgemeinen Grenzwerte für pflanzliche Drogen.
- Aflatoxin B1 (ein Schimmelpilzgift) mit höchstens 2 µg/kg, oft zusätzlich mit den Gesamtaflatoxinen.
- Mikrobiologie für die inhalative Anwendung, bei Hefen und Schimmelpilzen ≤20 KBE/g (koloniebildende Einheiten pro Gramm).
- Gesamt-CBN (Cannabinol plus seine Säureform) als Marker für Alter und Abbau.
- Physikalische Spezifikation: fremde Bestandteile, Samen und Blattgröße.
- Eine Bestrahlungserklärung, dazu eine Genehmigung des BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte), wenn Deutschland das Zielland ist.
- GACP-Nachweise mit Rückverfolgbarkeit der Charge, die dem Zertifikat selbst beiliegen.
Eine Prüfung auf Lösungsmittelrückstände ist bei nicht extrahierter Blüte meist nicht nötig, außer wenn eine Reinigungsbehandlung mit Lösungsmitteln eingesetzt wurde. Käufer verlangen das Lösungsmittelpanel trotzdem oft.
Anmerkung der Übersetzung: Nach thailändischen Vorschriften dürfen Sie nur Pestizide verwenden, die beim Department of Agriculture (กรมวิชาการเกษตร) registriert sind, und nur so, wie es das Etikett vorschreibt. Siehe Was Sie nach dem thailändischen GACP legal spritzen dürfen. Die Grenzwerte eines Käufers können trotzdem strenger sein, einschließlich des Standardwerts von 0,01 mg/kg. Führen Sie für jede Charge ein Spritzprotokoll: Produkt, Wirkstoff, Datum und Dosis. Mit diesem Protokoll können Sie das Labor bitten, jeden Stoff mitzuprüfen, den Sie tatsächlich eingesetzt haben. Dadurch ist es viel unwahrscheinlicher, dass ein Rückstand erst in der Prüfung des Käufers auffällt.
Was zu tun ist: Machen Sie aus dieser Liste eine Tabelle. Fügen Sie eine Spalte „vom Käufer verlangt“ und eine Spalte „vom Akkreditierungsumfang des Labors abgedeckt“ hinzu und füllen Sie sie aus, bevor Sie unterschreiben.
8. Die letzte Kontrolle, bevor Sie ein Zertifikat verschicken
Bevor Sie ein COA an einen Käufer schicken, prüfen Sie, ob es:
- das Labor und seinen Akkreditierungsumfang nennt
- die Analysemethode für die Cannabinoide nennt
- Säure- und Neutralformen getrennt ausweist (zum Beispiel THCA und THC) und den berechneten Gesamtwert angibt
- die Chargen- oder Losnummer trägt, die mit den Etiketten, der Packliste und der Exportgenehmigung übereinstimmt
- den Trocknungsverlust und, getrennt davon, die Wasseraktivität angibt
- Pestizide, die vier elementaren Verunreinigungen (Arsen, Cadmium, Blei, Quecksilber), Aflatoxin B1 und die Mikrobiologie für den richtigen Anwendungsweg abdeckt
- jede Dekontaminationsbehandlung angibt
Die Übereinstimmung der Chargennummern sei hier noch einmal betont. Eine Abweichung ist der häufigste formale Grund für eine Ablehnung, und sie hat nichts mit der Qualität der Blüte zu tun.
Anmerkung der Übersetzung: Vergeben Sie an jede Charge bei der Ernte eine einzige Nummer. Verwenden Sie diese Nummer in jedem Dokument: Ernteprotokoll, Trocknungsprotokoll, Probenformular des Labors, Etiketten, Packliste und Antrag auf Exportgenehmigung. Dann kann ein Käufer oder Prüfer jedes Dokument zweifelsfrei derselben Charge zuordnen.
Was zu tun ist: Bevor Sie ein COA verschicken, legen Sie COA, Etiketten, Packliste und Exportgenehmigung nebeneinander und vergleichen Sie die Chargennummern Zeichen für Zeichen.
Teilen Sie Ihr Wissen
Wenn ein thailändisches Labor ein COA ausgestellt hat, das ein Käufer in Europa oder Australien ohne erneute Prüfung akzeptiert hat, nennen Sie bitte unter diesem Thema den Namen des Labors und seinen akkreditierten Umfang. Diese Information hilft anderen Exporteuren mehr als jedes Detail einer Spezifikation. Wenn jeder Käufer, mit dem Sie gearbeitet haben, bei Ankunft neu geprüft hat, ist auch das eine nützliche Rückmeldung.
Weiterführend: das Thema zum Lesen eines COA, verlinkt am Anfang dieses Artikels.
Quellen (Teil 2)
- ASTM D8197, Bereich der Wasseraktivität für getrocknete Cannabisblüte.
- European Pharmacopoeia, Supplement 11.5, Monographie 3028 Cannabis flower (Cannabis flos) (07/2024:3028), EDQM; Kapitel 2.4.27, 2.8.13, 2.8.18, 5.1.4, 5.1.8.
- Pharmeuropa 38.3, vorgeschlagene Überarbeitung von Ph. Eur. 2.8.13 (Zusammenfassung): Pharmeuropa 38.3: Proposed Ph. Eur. Updates For Microbiological Quality, Pesticide Residues And Delivered Dose Testing | GMP Insiders
- ECA Academy, „GMP vs GACP: BfArM Makes some Clarifications“: GMP vs GACP: BfArM Makes some Clarifications - ECA Academy
- TISI-Akkreditierung: https://www.tisi.go.th/accreditation/en; MRA-Status Thailands (UN-CSAM, 2024): https://www.un-csam.org/sites/default/files/2024-04/Thailand_20240401_THA_Process_MRA.pdf
Dieser Artikel ist eine Referenzinformation für Leserinnen und Leser, die in ihrem eigenen Rechtsraum legal tätig sind. Er ist keine regulatorische, labortechnische oder rechtliche Beratung. Die in Teil 1 als „berichtet“ gekennzeichneten Werte stammen aus veröffentlichten Auszügen und Zusammenfassungen der Monographien. Die Werte zur Dekontamination sind Richtwerte. Prüfen Sie die aktuellen Grenzwerte anhand der aktuellen Ausgabe des maßgeblichen Arzneibuchs und der Leitlinien der zuständigen Behörde. Klären Sie den Umfang eines Labors direkt, bevor Sie sich darauf verlassen.